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| Girnes
Hafen - touristisches Zentrum Nordzyperns |
Girnes
imposante mittelalterliche Hafen-Festung |
Bellapais
- ein Gebirgsdorf mit gotischer Kathedrale |
Edremit
- ein Dorf in weiß mit griechischer Kirche |
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| St.-Barnabas-Kloster
am Gräberfeld von Salamis |
In
den Ruinen der antiken Metropole Salamis |
Halb
Kirche, halb Moschee - Famagustas Kathedrale |
Lefkosa
- Basarstraße im Schatten der Grenze |
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Halbinsel
Karpaz - letztes Refugium der Wildesel |
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Antiphonitis
- ein Kloster, versteckt in den Bergen |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Die
Ausflugsziele: Karaoglanoglu - Girne
(Kyrenia/Kyrene) -
St. Hilarion - Bellapais -
Güzelyurt - Soli
- Edremit -
Karaman - St.
Barnabas - Salamis -
Famagusta (Magosa) -
Nikosia (Lefkosa) -
Kantara –
Halbinsel Karpaz – Dipkarpaz –
Apostel Andreas Kloster
- Kloster Antiphonitis
– Sourp Magar –
Buffavento
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Dienstag,
13. November 2001: Ercan – Girne
Gegen
21 Uhr landet unsere Maschine von Turkish Airlines auf dem Flughafen von
Ercan. Auf dem Rollfeld stehen lediglich vier andere, ebenfalls türkische,
Maschinen – und der Flughafen selbst scheint aus lediglich einer eher
kleinen Abfertigungshalle und einem daneben liegenden Verwaltungsgebäude
zu bestehen.
Angesichts
der eher unbedeutenden Entfernung, die wir zurückgelegt haben, war
unsere Reiseszeit extrem lang: Um 11.30 Uhr sind wir aus Berlin
abgeflogen – und, die einstündige Zeitverschiebung eingerechnet –
nach gut acht Stunden auf Zypern gelandet. Die Ursache: Das
international boykottierte Nordzypern ist eben nur über die Türkei zu
erreichen – und auch da mussten wir stundenlang auf dem Istanbuler
Flughafen auf den Weiterflug warten.
Wer
sich bei der Einreise in die Türkische Republik Zypern lieber keinen
Stempel in den Pass machen lassen möchte, kann auch mit dem
Personalausweis einreisen, muss dann aber ein Formular ausfüllen und
gegenstempeln lassen. Wer keine Scheu hat, im Reisepass den
Einreisestempel eines völkerrechtlich nicht anerkannten Staates zu
haben, kommt ohne diese Formalitäten über die Grenze.
Bei
dem Tansfer zu unserem Hotel in Girne passieren wir die Vororte von
Nikosia – um diese Zeit ein mehr als ausgestorbenes Provinzstädtchen,
wo es auch kaum noch Verkehr auf den Straßen gibt.
Girne,
unser Zielort, macht im Vergleich dazu auch am Abend noch einen verhältnismäßig
lebhaften Eindruck: Die Geschäfte in den engen Altstadtgassen haben
noch geöffnet – doch die Restaurants sind ebenfalls leer.
Mittwoch,
14. November 2001: Karaoglanoglu – Girne
Unser
Hotel, das Topset, liegt in der Ortschaft Karaoglanoglu, etwa vier
Kilometer westlich von Girne, ein Vier-Sterne-Haus bestehend aus zwei größeren
Gebäudekomplexen, mit Swimmingpool und einem eigenen kleineren
Strandabschnitt. Zwar scheint noch die Sonne und ist es so warm, dass wir kurzärmelig laufen, eventuell
sogar am Strand liegen könnten – aber dazu scheinen hier allerdings
weder der Strand noch das Wasser selbst einzuladen. Das Wasser ist
teilweise schwarz von Öl- und Teerlachen, der Stand steinig und
ebenfalls ziemlich verschmutzt von Plastikabfällen. Wie sagen andere Gäste
unseres Hotels, die schon öfter im nördlichen Teil von Zypern waren:
„Das Hotel hier und die Strände von Famagusta – das wäre es.“ Nur: Beides zusammen geht eben
wohl doch nicht.
Nach
dem Treffen mit dem Reiseleiter von Öger-Tours fahren wir ca. gegen 11
Uhr mit dem Dolmus nach Girne. 500.000 Türkische Lira – momentan
entsprechen 700.000 Lira einer DM – kostet die knapp zehn Minuten
dauernde Tour zur Dolmus- und Taxi-Station von Girne.
Girne
– das ist für den Besucher vor allem der alte Hafen, und zu den führt
praktisch jeder abfallende Weg beziehungsweise jede abfallende Gasse.
In dem hufeisenförmigen Hafenbecken liegen kleinere Yachten,
Ausflugsboote, aber auch kleine Fischerboote, alle geschützt von der mächtigen
Hafenmauer, die nur eine kleine Ein- und Ausfahrt frei lässt. Am Rande
des Hafenbeckens befindet sich im Wasser ein mittelalterliches Gemäuer
– eine Verteidigungsanlage
aus vergangenen Jahrhunderten.
Um
das Hafenbecken gruppieren sich im Halbkreis die Häuser der
Hafenpromenade, zweistöckige, schon etwas ältere Bauten meist, fast
alle mit einem Fischrestaurant oder zumindest einem Straßencafé. Wäre
da nicht das Minarett über den Häusern könnte dieser romantische
Nobel-Hafen wohl auf jeder beliebigen Insel des Mittelmeeres liegen. Da
er aber auf Nordzypern liegt, sind die Restaurants nur spärlich
besucht, dümpeln die Ausflugsboote vor sich her.
Der ganze Hafen liegt
praktisch im Schatten der mächtigen Burg an der östlichen Seite des
kleinen Beckens. Das Kastell soll, so sagen die Reiseführer, das größte
und besterhaltenste auf der ganzen Insel sein, wobei einige Reiseführer
sogar von der größten Burganlage des östlichen Mittelmeerraums
sprechen.
Vier Millionen Lira
kostet der Eintritt pro Person. Im Preis inbegriffen ist
nicht nur die Besichtigung der Burg selbst, sondern auch ein
Besuch des Schiffsmuseums mit dem rund 2500 Jahre alten Wrack eines
antiken griechischen Seglers.
Doch zunächst geht es
quer durch die Burganlage: Wir folgen einem längeren Tunnel zum ersten
Besichtigungspunkt, einer byzantinischen Kapelle, einer der älteren
Teile dieses Komplexes, auch diese Kapelle mit wuchtigen Mauern wohl
nicht nur als Gotteshaus, sondern auch schon als Verteidigungsanlage
erreichtet. Ansonsten sieht man von dieser Kapelle nur noch den
Mittelraum mit seiner Kuppel – und es lässt sich erahnen, dass der
Boden einst mit Mosaiken ausgelegt gewesen sein dürfte.
Von der vorderen, an der
Meerseite liegenden Burgmauer – die Wälle sind mehrere Meter breit
– sieht man sowohl auf den alten als auch auf den neuen Hafen, doch
ein klares Bausystem ist für die Befestigungsanlage nicht zu erkennen:
Man stößt auf verschachtelte Innenhöfe, einer wild zugewachsen und
praktisch durch keinen Zugang zu erreichen, auf Gänge, die abrupt an
einer Mauer als Sackgasse enden. Grund dieses baulichen Chaos, so
schreiben die Reiseführer: Während des ganzen Mittelalters hat jeder
Burgherr, ob Franke, Venezianer oder Osmane, seine eigenen Spuren
hinterlassen – ohne auf das schon Vorhandene Rücksicht zu nehmen.
Aber auch die jüngste
Vergangenheit hinterließ ihre Spuren auf den Wällen: In Form eines
verrosteten Eisengestells. Während des Bürgerkrieges war hier ein
Maschinengewehrnest der Türkisch-Zypriotischen Armee.
Klar strukturiert ist im
Gegensatz dazu der großzügige Innenhof mit einigen Palmen, einem
Kaffee – und schließlich dem Museumsteil. Zunächst besuchen wir das
Museum, das der neolithischen Besiedlung Zyperns gewidmet ist. Wir sehen
den Nachbau einer runden neolithischen Steinhütte, einige, teilweise
rekonstruierte, Werkzeuge – und schließlich den Nachbau eines Gräberfeldes,
vor allem mit Tontöpfen als Grabbeigaben.
Daneben geht es dann in
das Schiffsmuseum, das jenem Vier-Mann-Segler gewidmet ist, der, so
haben die Forscher an Hand von Kampfspuren herausgefunden, von Samos
kommend kurz vor der nordzyprischen Küste von Piraten aufgegriffen
wurde.
Im ersten Raum dieses
Museums sind die Amphoren ausgestellt, die der Segler an Bord hatte –
und für die sich die Piraten nicht interessierten. Dann steigt man eine
Treppe hoch, kommt durch eine Glastür – und schaut von einer Empore
auf die Überreste des alten Schiffes, das 1968 geborgen wurde.
Erhalten geblieben ist
zwar nur der Rumpf, kohlrabenschwarz, an den Rändern brüchig – aber
daran, wie die einzelnen Holzteile verfugt und verstrebt sind, sieht man
noch heute, mit welcher Sorgfalt die antiken Schiffsbauer ans Werk
gegangen sind.
Nach dem Museumsbesuch
trinken wir noch einen Kaffee, schlendern dann durch die Geschäftsstraßen
der Altstadt – je näher die Läden am Hafen liegen, desto teurer sind
sie auch – fahren dann vor 17 Uhr wieder in unser Hotel.
Der Tag war zwar
ausgesprochen warm – aber um 17 Uhr ist es bereits stockfinster.
Donnerstag, 15. November 2001: St. Hilarion – Bellapais
(Beylerbey)
Mit dem Taxi
fahren wir am Vormittag in das Gebirge, zunächst noch über die neue
Autobahn, dann immer noch über eine gut ausgebaute Gebirgsstraße –
die allerdings schon bald in militärisches Gelände führt. Anhalten
und Fotografieren sind, so warnen überall die Hinweisschilder, streng
verboten.
Dabei lädt das Panorama
des Kyrenia-Gebirges geradezu zum Fotostopp ein.
Noch vor sieben Jahren,
so berichtet unser Taxifahrer Eidal, seien die Höhenzüge dicht
bewaldet gewesen. Dann habe ein drei Tage andauerndes Feuer den Wald
vernichtet.
Schließlich taucht
hinter einer Biegung der Felsen auf, auf dessen Spitze sich nun der
oberste Turm der Burg St. Hilarion 700 Meter übe dem Meeresspiegel
erhebt.
Vom Fuß des Burgberges
wird das mittelalterliche Bild eines ummauerten Berges, das Bild von Wällen,
die sich den Felsen hochziehen, getrübt: Über die Schlucht vor dem
Burgberg ist ein Seil gespannt – und an dem wehen nun, bis an die Küste
sichtbar, zwei überdimensionierte Fahnen, die der Türkei und die der Türkischen
Republik Nordzypern, die heute den Jahrestag ihrer Gründung feiert.
Für drei Millionen Lira
darf man den Burgberg bis an die Spitze besteigen. Die Wege sind gut mit
Eisengländern gesichert – ein zwar nicht immer bequemer, aber doch
ungefährlicher Ausflug. Auf mittlerer Höhe ist die erste Station eine
byzantinische Kapelle, etwas höher folgen dann die königlichen Wohngemächer,
und schließlich, ganz auf der Spitze, die alten Küchengebäude und die
obersten Wehrtürme, von denen man aus den sowohl die benachbarten
Gipfel als auch die Küstenebene, nun 700 Meter unter uns, im Blick hat.
Unser nächstes
Tagesziel ist das Gebirgsdorf Bellapais, berühmt für seine gotische
Kathedrale – und Schauplatz des Zypern-Romanes „Bittere Limonen“
von Lawrence Durrell.
Zitronen- und
Mandarinenbäume finden sich auch heute noch in jedem Winkel dieses
Dorfes mit seinen weiß gekalkten Häusern und engen Gassen. Allerdings
machen die meisten Häuser einen ziemlich neuen Eindruck – so dass von
der alten Dorfromantik einiges abhanden gekommen sein mag.
Am Hauptplatz des Ortes,
umgeben nun von Touristen-Restaurants, liegt die alte Kathedrale. Auch
auf ihrem Gelände wachsen Zitronen- und Mandarinenbäume, und am
beeindruckendsten sind sicherlich die vier mächtigen Zedern, die aus
ihrem Innenhof herausragen.
Das Bauwerk mit seinen
Wandelgängen, dem alten Kirchenschiff, in dem immer noch die mächtigen
Folianten auf den Lesepulten liegen, dem Speisesaal der Mönche und dem
kühlen Kellergewölbe ist fast vollständig erhalten – scheint aber für
dieses kleine Gebirgsdorf doch etwas überproportioniert.
Freitag,
16. November 2001: Girne
Am späteren
Vormittag fahren wir um Geld zu tauschen mit dem Dolmus nach Girne
hinein, schlendern dabei durch die Gassen auf der der Zitadelle gegenüber
liegenden Seite der Stadt: Während auf der Zitadellen-Seite mit der
Moschee die türkische Hälfte der Stadt liegt, befindet sich hier
offensichtlich der alte griechische Teil, mit der Kirche, heute dem
Ikonen-Museum, als Zentrum.
Der Platz um diese weiß
gekalkte Kirche ist mit weißen Häusern bebaut, die blaue Türen und
Fensterrahmen haben – also gehalten in den griechischen
Nationalfarben. Das hier könnte auch irgendwo in Griechenland sein!
Das Ikonenmuseum stellt
griechische Ikonen aus, viele dem heiligen Georg gewidmet, die meisten
den Hinweisschildern nach zu urteilen im 18. und 19. Jahrhundert
entstanden, die meisten jedoch schon mit erheblichen Schadstellen.
Samstag,
17. November 2001: Güzelyurt – Soli
Westlich von Girne ändert
sich das Landschaftsbild: Die steilen Felswände, wie wir sie von
unserem Hotel aus sehen, verwandeln sich allmählich in eine sanfte Hügellandschaft,
teilweise mit jungen Bäumen bewachsen. Auch her wüteten vor einigen
Jahren die Waldbrände, aber immerhin wurde zumindest punktuell so etwas
wie Aufforstung in Angriff genommen.
Schließlich wird das
Gelände flacher, in der Ferne sieht man die Ausläufer des bereits zu Südzypern
gehörenden Trodos-Gebirges, während hier auf der türkischen Seite die
Straße links und rechts von den weitläufigen Plantagen mit Apfelsinen-
und Orangenbäumen gesäumt wird. Wir nähern uns Güzelyurt, der ersten
Station unseres Öger-Tours-Tagesausfluges.
Samstag ist in Güzelyurt
– ansonsten offensichtlich ein verschlafenes Provinzstädtchen ohne
weitere Besonderheiten – Markttag. Orangen und Apfelsinen, die Hauptfrüchte
der Region, werden hier heute allerdings nicht gehandelt.
Massenhaft im Angebot befinden sich dafür beispielsweise bis zu
faustgroße Radieschen oder Olivenöl in Ein-Liter-Flaschen. Güzelyurts
Markt ist ein fast reiner Bauernmarkt auf dem Markthändlerinnen mit
Kopftuch oder Farmer mit traditionellen türkischen Kopfbedeckungen das
Bild bestimmen; fliegende Textilienhändler oder Plastikwaren aller Art,
wie sie in der Türkei auf allen Märkten zu sehen sind, finden sich
hier dagegen kaum.
Im Stadtmittelpunkt,
soweit man bei dem Marktflecken Güzelyurt überhaupt von einem
Stadtzentrum überhaupt sprechen kann, liegen das zweistöckige Museum für
Naturkunde und Archäologie und das ehemalige Kloster des Heiligen
Mamas, nun als Ikonenmuseum genutzt, unmittelbar nebeneinander.
Zunächst besuchen wir
das Natur- und Archäologiemuseum. Ausgestopfte Haie, Fliegende Fische,
Schlangen, allerlei Hasen und Füchse, also Vertreter der teilweise
bereits ausgestorbenen oder ausgerotteten einheimischen Tierwelt bevölkern
die erste Etage, zusammen mit Absonderlichkeiten wie einem Schaf mit
zwei Köpfen oder einem anderen Exemplar mit acht Beinen.
Im oberen Stockwerk sind
meist ockerfarbene, verzierte Töpferarbeiten aus der Frühzeit der
Inselbesiedlung ausgestellt, aber auch eine kleinere Figur der
Fruchtbarkeitsgöttin aus römischer Periode.
Attraktion der
Mamas-Kapelle, einem Bau aus byzantinischer Zeit, sind nicht unbedingt
die kaum zu zählenden Ikonen, sondern der Sarkophag des Heiligen, der
fest in den Mauern der Kapelle verankert ist. In diesem Sarkophag
befindet sich eine Aushöhlung, in dem sich regelmäßig Öl ansammelt,
dem heilende Kräfte nachgesagt werden. Umgeben ist der Sarkophag
deshalb auch von bronzenen und kupfernen Nachbildungen aller möglichen
Organe – Dankesgaben für vermeintliche Wunderheilungen.
Von Güzelyurt geht es
nun die Küste entlang nach Soli, vorbei an einer weiten Bucht, wo
verrostete Förderanlagen vom Strand ins Meer ragen. Wir befinden uns im
Gebiet der ehemaligen Kupferförderung, heute eine ökologisch tote
Region, in der nur die zurückgelassenen Halden an frühere Geschäftigkeit
erinnern.
Schließlich erreichen
wir die Ruinen des antiken Soli, einer griechischen Stadtgründung, die
ihren Reichtum auch schon jenem Kupfer verdankte, das Zypern nach dem
griechischen Wort für Kupfer auch seinen Namen gab.
Viel erhalten ist von
Soli allerdings nicht. Die wichtigsten Ausgrabungen um die alte Basilika
und den Marktplatz liegen jetzt unter einem schützenden Dach – für
weitere Grabungsarbeiten fehlt der Türkischen Republik Nordzypern das
Geld. Berühmt ist Soli vor allem für die kunstvollen und fast vollständig
erhaltenen Mosaiken seiner christlichen Basilika. Beliebtestes Motiv
dieser Mosaiken: Der Schwan.
Vollständig restauriert
ist das römische Amphitheater von Soli. 3600 Sitzplätze zählt der
Bau, bei dem die Zuschauer in den oberen Reihen sowohl auf die Bühne
wie auf das Meer blicken.
Nach dem Mittagessen in
einem Restaurant am Meer legen wir noch einen Stopp in den
Orangenplantagen ein, wo wir uns an den – noch nicht ganz reifen –
Früchten bedienen, machen einen weiteren Fotostopp an einem momentan
aber kaum Wasser führenden Stausee und sind dann vor Einbruch der
Dunkelheit wieder in unserem Hotel.
Sonntag,
18. November 2001: Edremit - Karaman
In der Nacht wütet der
erste Herbststurm über dem Meer – und peitscht voll auf die Wände
unseres Hotels. Die ganze Nacht pfeift und heult es, und der Lärm ist
teilweise ohrenbetäubend. Der Schlaf ist jedenfalls empfindlich gestört.
Am Morgen dann das doch
eher harmlose Ergebnis: Umgestürzte Stühle und Blumentöpfe – aber
die Sicht ist dafür so klar, dass man nun das Taurusgebirge auf dem über
60 Kilometer entfernten türkischen Festland deutlich erkennen kann. Und
da der Wind allmählich nachlässt, steht auch einem Tagesausflug nichts
mehr im Wege.
Dem Hinweisschild an der
Kreuzung, wo es von der nach Girne führenden Hauptsraße einerseits zum
Strand und zu unserem Hotel, andererseits zu den Gebirgsdörfern Edremit
und Karaman geht zufolge, befindet sich bei diesen Gebirgsdörfern auch
ein bronzezeitliches Gräberfeld.
Eine kleine, aber
tadellos intakte Asphaltstraße, nicht einmal besonders steil oder
beschwerlich, führt zu diesen Gebirgsdörfern – und Edremit
erreichen
wir bereits einem 20minütigen Spaziergang. Das ganz in weiß gehaltene
Dorf ist klar griechischen Ursprungs: Davon zeugen vor allem die kleine
Kirche am Ortseingang, nun umgewandelt in ein Künstlerstudio, und der
kleine Friedhof mit den weißen Kreuzen, von denen einige zerbrochen auf
den Gräbern liegen.
Beschaulich – das wäre
wohl die geeignetste Charakterisierung für dieses kleine, an die Straße
geschmiegte Gebirgsdorf. Eine zweite Kirche, ein grauer, gedungener Bau,
ebenfalls griechischen Ursprunges, ein Andenkengeschäft, ein Eckhaus,
das ganz zur Auslage eines Korbmachers umgestaltet wurde und ein
Supermarkt, der eher ein Tante-Emma-Laden ist – das ist der ganze
Dorfmittelpunkt.
Den Felsen von St.
Hilarion vor Augen und in den Ohren das Knallen der Gewehrschüsse –
es ist Jagdsaison, und später finden wir noch zuhauf die Hülsen der
Schrotpatronen – geht es nun inzwischen etwas steiler nach Karaman,
ebenfalls früher ein griechisches Dorf, gehäufelt über die Berghänge
verteilt, mit einer weißen Kirche in der Mitte und einem
ausgezeichneten Restaurant hinter der letzten Straßenbiegung, von wo
aus man den Blick auf die Küste hinab genießen und sich aus allerlei
Antiquitäten auch noch ein Mitbringsel aussuchen kann.
Wir suchen aber nach dem
bronzezeitlichen Gräberfeld – und das ist trotz des Hinweisschildes
am Ortseingang von Karaman gar nicht so leicht auszumachen. Zunächst
marschieren wir den Feldweg entlang, der gerade und schnurstracks nach
links von der Hauptstraße wegführt. Dieser Weg führt uns schließlich
auch tatsächlich zu einem eingezäunten Hügel, über den sich ein dem
Anschein nach künstlicher Steinhaufen erhebt. Aber ist das auch
wirklich die bronzezeitliche Grabanlage, die wir gesucht haben?
Nicht ganz überzeugt
folgen wir dem Feldweg weiter bis zu einer verlassenen und halb
verfallenen Kapelle, stoßen aber auf nichts, was auch nur annähernd
wie ein Bronzezeitgrab aussieht.
Nach dem Mittagessen in
dem schon erwähnten Restaurant namens Treasure machen wir uns noch
einmal auf die Suche. Diesmal folgen wir hinter dem Hinweisschild der
Biegung des Asphaltweges, nehmen dann den Feldweg, der auf den Hügel
unmittelbar vor dem Ortseingang von Karaman führt. Auch hier stoßen
wir wieder auf einen Steinhügel und eine ganze Reihe großer Feldsteine
– aber auf nichts, was ein Laie sofort als archäologische Fundstätte
ausmachen würde.
Im Zweifel, ob wir denn
nun gesehen haben, was wir sehen wollten, treten wir wieder den Rückmarsch
an.
Montag, 19.
November 2001: St. Barnabas – Salamis – Famagusta
Das Kyrene-Gebirge
verdankt seinen Beinamen Fünf-Finger-Gebirge einem einzelnen Felsen,
der von Ferne aussieht wie eine geballte Faust mit vier emporragenden
Fingerknöcheln und einem Daumenansatz. Allerdings: Je näher man der
vermeintlichen Faust kommt, desto mehr erweist sich dieser ferne
Eindruck als optische Täuschung. Denn nun bleibt nur noch ein gewöhnlicher
gezackter Felskamm.
Über die alte Bergstraße
fahren wir Richtung Famagusta – und durchqueren jenseits des Fünf-Finger-Gebirges
die nur „Ebene“ genannte Region, eine Landschaft flach und eben wie
eine Pfanne, in der sich nur vereinzelt Häuser finden. Den ganzen
Sommer über, so erzählt die Öger-Tours-Reiseleiterin, sei die Ebene
verbranntes ödes Land.
Das ehemalige
St.-Barnabas-Kloster, geweiht einem der frühesten christlichen Märtyrer,
liegt einsam am Rande dieser Ebene kurz vor der Küste, inmitten des
Begräbnisfeldes des antiken Salamis, bestehend aus der Kapelle, nun ein
Ikonen-Museum, und dem darum herum gebauten Wirtschaftstrakt, jetzt ein
archäologisches Museum. Die spannendsten Exponate:
Terrakotta-Nachbildungen von Streitwagen, Reitern, Pferden, Figuren, die
sowohl als Grabbeigaben wie auch als Spielzeug gedient haben mögen.
Ihren ganzen Reiz
bezieht die Anlage jedoch aus ihrem gartenähnlichen Innenhof, in dem
Kakteen und Palmen wachsen.
Keine hundert Meter
entfernt vom Kloster liegt das vermeintliche Grab des heiligen Barnabas.
In jedem Fall handelt es sich bei dem Gewölbe um eines der antiken Königsgräber,
in dem der Legende nach eben auch der christliche Märtyrer bestattet
worden sein soll. Außer den Grabnischen, auf die die Toten gebettet
wurden, ist in der Begräbnishöhle aber nichts mehr zu sein. Auffällig
aber, wie klein diese Nischen sind, kaum länger als 1,60 Meter – ein
Indiz dafür, wie kleinwüchsig die Bewohner des antiken Salamis gewesen
sein dürften.
Die Ruinen dieses
Salamis sind nun unsere nächste Station – das Amphitheater, das
Gymnasium, die römischen Thermen.
Zunächst geht es zu den
Überresten des Theaters: Nur die unteren Sitzreihen des einst
imposanten Baues sind allerdings erhalten geblieben – das Original
soll um immerhin 36 Reihen höher gewesen sein. Trotzdem werden die
gemessen daran kümmerlichen Reste heute noch für alle möglichen Aufführungen
und Festivals genutzt, wovon jetzt gerade die davon noch übrig
gebliebenen Stahlaufbauten im Bühnenraum zeugen, die jetzt aber eher
das antike Bild stören.
Ungestört von allen
Spuren der Moderne sind dagegen das Gymnasium und die Thermen. Gut
erhalten sind der Säulengang um die alte Sportfläche und vielerorts
die Mosaiken, die den Fußboden schmückten. Unmittelbar neben den
Resten des Gymnasiums schließen die römischen Toiletten an – bei
denen die Wasserrinnen und auch die Sitze an der Mauer des halbrunden
Baues noch gut erkennbar sind. Interessant: Von den Toilettensitzen aus
konnte man ursprünglich ungehindert dem Sportgeschehen im Gymnasium
zusehen – die Trennmauer, die heute den Blick auf das Sportfeld
verwehrt, wurde erst in christlicher Zeit gezogen.
Das frühe Christentum
als Bilderstürmerei – davon erzählen auch die Götterfiguren in den
Thermen, denen die christlichen Herrscher die Köpfe abschlagen ließen.
Etwas besser ging es den Mosaiken, die Geschichten aus der griechischen
Mythologie erzählen: Damit niemand die Götterbilder zu Gesicht
bekommt, wurden die nämlich einfach zugemauert. Das sicherte ihnen
zumindest das Überleben, bis sie von den Archäologen freigelegt
wurden. Doch weil die Türkische Republik Nordzypern kein Geld hat, ihre
Altertümer zu schützen, sind sie nun allen zerstörerischen Einflüssen
von Umwelt und Witterung ausgeliefert.
Wie achtlos man mit den
Zeugen des kulturellen Erbes umgeht, das bekommen wir auch bei unserer
eineinhalbstündigen Erkundungstour durch das mittelalterlich geprägte
Famagusta zu erfahren. Unser Rundgang beginnt bei dem aus der
venezianischen Zeit stammenden mächtigen Othello-Tor, mehr eine Burg
als ein einfaches Stadttor, tatsächlich eine raffiniert durchdachte
Befestigungsanlage am Hafen, die jeder Besucher der Stadt zu durchqueren
hatte. Doch in der Halle, in der einst die Ritter lagerten, nisten heute
die Tauben – und verrichten ihr Geschäft über den in Sandstein
gearbeiteten Reliefs von Ritterhelmen. Ein Marmorblock mit der
Darstellung eines Ritters mit Pferd liegt achtlos im Festungshof.
Von der Stadtmauer aus
gewinnt man einen Eindruck von dem Reichtum, den Famagusta im
Mittelalter ausgestrahlt haben muss: Zwischen den Palmen ragen die nun
hohlen Ruinen der einst prächtigen Kirchenbauten empor.
Vor dem Verfall geschützt
dürfte zumindest die alte Krönungskathedrale sein: Die trägt nun auf
einer Seite statt eines Kirchturms ein Minarett und ist Famagustas
Hauptmoschee. Im Inneren wurden alle Bilder und Statuen entfernt,
bedeckt lediglich ein grüner Teppich den Boden des Kirchenschiffes, das
auf diese Weise immerhin seine klaren geometrischen Strukturen erkennen
lässt.
Gleich gegenüber der
Moschee-Kathedrale liegen die Überreste des venezianischen
Gouverneurspalastes. Mehr als die Mauern sind von dem nicht geblieben
– doch dafür fügen die sich um so harmonischer in das Stadtbild ein,
bei dem Moderne und Vergangenheit immer wieder miteinander zu
verschmelzen scheinen.
Dienstag, 20. November 2001: Girne
Auf Fototour durch Girne,
ausgehend von der weißen Kapelle mit dem Ikonen-Museum: Die engen
Gassen bergen eine Unmenge an Motiven.
Und manche davon wirken
geradezu schon pittoresk: Gegenüber der Kirche liegt ein kleines Stück
Sandsteinfels frei, in dem zu griechisch-römischer Zeit Höhlen
geschlagen wurden. Ob diese Höhlen als Grabkammern oder zur
Vorratshaltung dienten, verrät das Hinweisschild zwar nicht – aber über
diesen Höhlen durfte offensichtlich problemlos ein kleines weißes
Einfamilienhäuschen errichtet werden. Den Eingang zu anderen
griechisch-römischen Höhlen entdecke ich neben dem Eingang zu einem
Restaurant. Wäre nicht das Hinweisschild, würde man wohl meinen, dort
ginge es zum Weinkeller. Aber vielleicht hat es sich ja genau darum
gehandelt.
Mittwoch, 21. November 2001: Nikosia
(Lefkosa)
Etwa eine halbe Stunde dauert die Fahrt mit dem
Dolmus-Taxi von Girne nach Nikosia – oder Lefkosa, wie die türkischen
Zyprer ihren nördlichen Teil der Inselhauptstadt nennen. Die
Dolmus-Taxis sind siebensitzige Mercedesse, verkehren die üblichen
Dolmus-Strecken im Express-Verkehr, also ohne Zwischenstopps. Die Tour
Girne – Lefkosa kostet eine Million Pfund, und endet direkt in der
Altstadt und nicht, wie der normale Dolmus, in der Neustadt.
Wir halten kurz hinter
dem Girne-Tor, der Hauptzufahrt in den ummauerten Teil der Stadt, von wo
aus die Straße in gerader Linie zum Hauptplatz, dem Ata-Türk-Platz führt.
Das Girne-Tor ist ein
zweispuriger Mauerdurchbruch mit einem aus Stein gebauten Pavillon in
der Mitte. Eigentlich ist in diesem Pavillon, gebaut in der Zeit der
Venezianer, von den Osmanen um eine kleine Kuppel ergänzt, eine
Touristeninformation untergebracht – aber die hat gerade geschlossen.
Zunächst wandern wir in
westlicher Richtung von außen um die Stadtmauer herum, passieren dabei
unmittelbar neben dem Girne-Tor eine Kaserne, die innerhalb der alten
Festungswälle errichtet wurde. Nikosias Stadtmauer ist mehr breit als
hoch, abgeschrägt statt gerade. Vermutlich war den Erbauern der Schutz
vor feindlichem Kanonenfeuer wichtiger als der Schutz vor Sturmleitern.
Durch das nächste Tor
gehen wir nun in die Altstadt zurück, geraten in ein verfallendes
Viertel, wo der Putz von den Hausfassaden bröckelt, an manchen Balkonen
und Erkern das alte Fachwerk hervorscheint. Auf solche Ecken stößt man
in Lefkosa vielerorts – und etliche Altstadtgassen scheinen inzwischen
auch von ihren letzten menschlichen Bewohnern verlassen, weisen nur noch
zugenagelte Fensterläden auf.
Hinter dem Ata-Türk-Platz
beginnt die „Altstadt der Altstadt“, das Basar-Viertel, in dem auch
fast alle Sehenswürdigkeiten von Nikosia liegen, vor allem die alte
Sophienkirche, jetzt die Selimiye-Mosche, die Karawansei oder das alte
Frauenbad.
Die Gassen dieses
Marktviertels werden von einstöckigen Häusern gesäumt, viele dieser
Gebäude eigentlich nicht einmal richtige Häuser, sondern gemauerte
Verkaufsstände – und etliche von denen versperrt, geschlossen für
immer. Dennoch: Was von diesem Basarviertel noch lebt, erscheint allemal
exotischer und türkischer als das, was in den türkischen
Touristenorten als Basar firmiert.
Aber mitunter landet der
Besucher in einer unvermittelten Sackgasse: Der Weg endet an einer
Brand- oder Hausmauer, an einer sonstigen Absperrung, ein rotes
Hinweisschild mit dem Bild eines Soldaten zeigt an, dass es hier nicht
weiter geht. Hinter dieser Absperrung liegt die „Green Line“, das
Niemandsland, das nur von UNO-Soldaten betreten werden darf, und von dem
man nur leere Fensterhöhlen und zerschossene Fassade sieht. Jenseits
dieses Niemandslandes beginnt die griechische Republik Zypern, von hier
aus erkennbar an der Skyline mit ihren neuen Hochhäusern.
Auf der türkischen
Seite der Grenze tut man sich schwerer mit solchen Neubauten. Immerhin:
Die alte Karawansei ist frisch instandgesetzt, die Wände in den Räumen
des zweistöckigen Komplexes frisch gestrichen: Demnächst soll hier und
Kunstmuseum eröffnen. Versperrt ist dagegen der Zugang zur kleinen
Schwester der großen Karawansei: Auf dem Innenhof des
kleinen „Han“ blüht das Unkraut – und in der Außenmauer
hat sich ein Kaffee niedergelassen.
Die alte
Sophienkathedrale dient nun – erkennbar an dem auf den gotischen Bau
aufgesetzten Minarett – als Moschee, doch der danebenliegende überdachte
Markt lockt die Einwohner von Lefkosa weit mehr an.
Skurril das Bild des
ehemaligen Frauenbades, immer noch als türkisches Bad genutzt: Der
Eingang liegt weit unter dem Straßenniveau, scheinbar so, als müsse
man über den Kellerraum ins Bad treten. Tatsächlich ist das Bad noch
auf der Originalhöhe der Stadt. Die umliegenden Gebäude und auch die
Straße sind auf den Ruinen der vergangenen Jahrhunderte errichtet.
Wir beenden unseren
Stadtrundgang im Dachgeschoss, dem achten Stock des Serail-Hotels am
Ata-Türk-Platz. Von diesem höchsten Gebäude des türkischen Nikosia,
hat man den Überblick über Lefkosa schlechthin, auf die Minarette
seiner Moscheen, auf die klare quadratische Struktur der Karawansei, auf
die zerfallenen Gebäude im Niemandsland und das sich im Vergleich dazu
als moderne Großstadt abhebende südliche Nikosia des griechischen
Teils. Doch dafür sind die Berge auf der „türkischen“ Seite mit
der Nachbildung der Landesflagge der Türkischen Republik Nordzypern
geschmückt.
In dem
Dachgeschoss-Restaurant des Serail-Hotels kommen von einem
Plattenspieler europäische Opernmelodien – nur für uns als die
einzigen Gäste.
Donnerstag,
22. November 2001: Famagusta
Etwa 70 Minuten dauert
die zwei Millionen Pfund teure Fahrt mit dem Dolmus-Taxi von Girne nach
Famagusta.
Durch das „Land-Tor“
gelangen wir in die Altstadt, stoppen dann an der anderen Seite vor dem
Seetor, gleich neben der Konditorei, die als die beste im ganzen nördlichen
Zypern gilt.
Unser Weg führt diesmal
nicht durch die Stadt hindurch, sondern um sie herum – immer der
Innenseite der Stadtmauer folgend, manchmal auch auf der Stadtmauer
entlang. Tatsächlich vermittelt ein solcher Spaziergang an den mächtigen
meterdicken Wällen, teilweise noch einmal durch eine Vormauer und einen
Graben abgesichert, noch am ehesten einen Eindruck von der einstigen
Bedeutung dieser Handelsmetropole zwischen Okzident und Orient-
Vom Seetor Richtung
Norden laufend stößt man bald, kurz vor dem Othello-Tor, stößt man
auf die Reste der Kirche von „St. Georg, dem Lateiner“, im Schatten
des nordwestlichen Martinengo-Bastion am Rande eines ehemaligen militärischen
Sperrgebietes auf zwei weitere, zumindest dem äußeren Anschein nach
gut erhaltenen Kirchengebäuden, der ehemaligen Karmeliterkirche und dem
Gotteshaus der armenischen Gemeinde von Famagusta. Auch wenn es wohl
kaum 365 Kirchen und Kathedralen waren, wie mittelalterliche Chronisten
behaupteten – jede christliche Strömung hatte hier ihr eigenes religiöses
Zentrum. Absolut bescheiden mutet dagegen die alte Moschee der Gerber
an, die ebenfalls an der westlichen Landseite der Hafenstadt liegt.
Schließlich erreichen
wir das „Land-Tor“ mit seiner Rivettina-Bastion – eher eine eigene
Burg, als nur die Verteidigungsanlage eines einzelnen Stadttores, eine
Befestigungsanlage mit eigenem Vorhof, eigenen Wehrgängen und Unterkünften
für die früher vermutlich zahlreichen Wachmannschaften.
Vom Plateau der
Riventtina-Bastion hat man schließlich auch einen hervorragenden Blick
über die Dächer der Altstadt, aus deren Mitte sich golden schimmernd
die gotischen Türme und das Minarett der ehemaligen Krönungskathedrale
St. Nikolaus-Kirche, die jetzige Mustafa Pasa-Moschee erheben.
Probleme bei der Rückfahrt:
Zwar sitzen wir zum vereinbarten Zeitpunkt, um 15.30 Uhr in der
Konditorei, der Taxifahrer ist auch da – aber weil wir noch bei Tee
sitzen, fährt er eine Minute vor der vereinbarten Zeit los. Das nächste
Dolmus-Taxi, so erfahren wir in der Station, würde erst gegen 17.30 Uhr
nach Girne fahren. Also spazieren wir zum Busbahnhof von Famagusta,
gelegen in der Neustadt, weit außerhalb der Stadtmauern, nehmen dann für
1,5 Millionen Lira das normale Dolmus nach Girne.
Freitag, 23. November 2001: Kantara –
Halbinsel Karpaz – Dipkarpaz – Apostel Andreas Kloster
Östlich von Girne
beginnt das Land der Olivenbäume. Die Asphaltstraße ist schmal,
kurvenreich und bröselt an ihren Rändern allmählich ab, die Gegend
nur spärlich bewohnt.
Um 9.00 Uhr sind wir mit
dem Taxi – Yasan, unser Fahrer, hat 19 Jahre in Deutschland gelebt,
stammt von der türkischen Schwarzmeerküste, lebt aber nun seit sieben
Jahren in der Türkischen Republik Nordzypern – zu unserer Tagestour
auf die Halbinsel Karpaz aufgebrochen, und nach gut einer Stunde
befinden wir uns auf der Bergstraße zu unserem ersten Etappenziel, der
Kreuzritterburg Kantara, der östlichen der drei Burgen des Fünf-Finger-Gebirges.
Die Burg liegt noch zwei Kilometer von dem gleichnamigen Gebirgsdorf
entfernt, ist zunächst von der Straße auch gar nicht so ohne weiteres
zu erkennen: Zu sehr schmiegen sich die hellen Mauern an die
gleichfarbigen Felswände.
Den – spärlichen –
Überresten nach zu urteilen war Kantara keine sonderlich große
Festung, und heute stehen hinter dem Tor nur noch zwei überdachte Gebäude.
Lohnend wird ein Ausflug
nach Kantara aber durch den Blick auf den Strand der nun vor uns
liegenden Halbinsel Karpaz, auf die immer flacher werdenden Ausläufer
des Fünf-Finger-Gebirges, eine Aussicht, in der die hervorragenden
Felsen der einzige Blickfang sind, auf Landschaft pur ohne Spuren
menschlicher Besiedlung.
Wir verlassen die Burg,
und inzwischen ist auch der Burgwächter eingetroffen, um die zwei
Millionen Lira Eintritt abzukassieren. Stolz zeigt er uns, was er
zwischen den Büschen gefunden hat: Einen suppentellergroßen essbaren
Pilz, eine wahrhaft runde Mahlzeit.
Über eine gut
ausgebaute neue Straße fahren wir Richtung Iskele, nehmen dann nördlich
von Salamis die Küstenroute, vorbei an hübschen Stränden, wo hier und
da mitunter auch ein Hotel zu finden ist, und nach einer Kaffeepause in
einem kleinen Bauerndorf erreichen wir Dipkarpaz, schon auf der
Halbinsel Karpaz, nordöstlichste Ortschaft der Insel.
Die Besonderheit von
Dipkarpaz: Hier leben Türken und Griechen, wenn zwar nicht direkt
beisammen, so doch immerhin in einem Ort. Die Griechen – nach Yasans
Angaben noch etwa 30 Menschen, die bereits alle Rente aus dem Südteil
der Insel beziehen und regelmäßig durch UNO-Transporte versorgt
werden, weil sie nicht in den türkischen Läden kaufen – verfügen über
ihre eigene Kirche und ein gegenüberliegendes Kaffee mit dem Namen
Ahellas als Treffpunkt im unmittelbaren Ortskern. Die Kirche ist wohl
die einzige intakte und entsprechend ihrem eigentlich Bauzweck genutzte
in ganz Nordzypern – und stellt durch ihre exponierte Lage die neue,
und natürlich größere, aber abseits gelegene Moschee in den Schatten.
Hinter Dipkarpaz beginnt
das Land der Esel und Schafe. Kleinere Herden von Wildeseln äsen am
Rande der Straße, nie mehr als ein halbes Dutzend, mitunter sieht man
auch ein einzelnes Tier, eines steht allein am Strand. Die Wildesel sind
schwarz, größer als die grauen Hausesel, scheu, traben davon, wenn man
sich ihnen nähert, aber auch nicht übermäßig ängstlich. Panische
Flucht vor Menschen ist jedenfalls nicht angesagt. Ein Esel hat es sich
sogar neben einer Schafherde gemütlich gemacht.
Zwar gilt Karpaz als die
Halbinsel der Wildesel – aber gemessen an der Unmenge von Schafen ist
ihre Zahl eher unbedeutend. Herden von einigen hundert Tieren ziehen
durch die steppenähnliche Landschaft – und die verfallenen Stallungen
oder Hirtenunterkünfte, auf die man überall links und rechts der Straße
stößt, sind auf lange Strecken die einzigen menschlichen Bauwerke. Nur
wenige Hotels sind an dieser Einöde entstanden – allerdings an weiten
weißen Sandstränden, wie man sie sonst an der Nordküste kaum zu sehen
bekommt.
Fast an der Spitze der
Halbinsel liegt das Kloster des Apostel
Andreas, umgeben von einer nun
leer stehenden Ferienanlage.
Das Kloster – einmal
im Jahr Ziel von gut tausend griechischen Pilgern – wird bewacht von
einigen gelangweilten türkischen Polizisten sowie gut 20 Katzen, die
regelmäßig von den beiden alten Griechinnen gefüttert werden, den Hüterinnen
des Heiligtums.
Das eigentliche Herzstück
des Klosters befindet sich an der zum Strand liegenden Außenmauer des
ansonsten schmucklosen, langgezogenen weißen Baus: Der Brunnen mit dem
angeblich heilenden Wasser, entdeckt von eben jenem Apostel Andreas.
Der Innenraum der Kirche
ist düster – obwohl hier sogar einige Opferkerzen brennen. Auch wir
kaufen jeweils eine Opferkerze bei der am Eingang stehenden Greisin, das
Geld soll eine Spende für den Erhalt der Anlage sein. Ansonsten ist der
Altarraum mit Ikonen übersät, nicht viel anders als in den Kirchen,
die nun als Ikonen-Museum dienen.
Wir beenden unseren
Karpaz-Ausflug mit einem Fischessen in dem ansonsten leer stehenden Blue
Sea Hotel, gelegen an einer schönen Bucht mit einsamem Sandstrand und
einem eigenen kleinen Fischerhafen, in dem auch einige Boote auf ihre nächste
Ausfahrt warten. Aber auch, wenn das alles nach Urlaub in absoluter Ruhe
und Idylle ausschaut, scheint sich nur selten ein Reisender hierher
verirrt.
Samstag, 24. November 2001: Kloster Antiphonitis
– Sourp Magar – Buffavento
Der Weg zum Kloster
Antiphonitis, östlich von Girne, fünf Kilometer oberhalb des Küstenortes
Esentepe gelegen, führt durch einen grün blühenden Kiefernwald, über
eine kurvenreiche Waldsraße, die sich mehr und mehr in einen
ungepflasterten Wanderweg verwandelt, übersät mit Schlaglöchern.
Auch Yasan kennt die
Route nicht: Er war noch nie bei dem Kloster. Es gibt nicht viele
Touristen, die danach fragen, sagt er.
Die letzten 700 Meter
sind für unser Taxi jedenfalls nicht mehr zu bewältigen, wir müssen
laufen. Die Mönche hatten sich einst einen wirklich einsam gelegenen
versteckten Ort für ihr Kloster gesucht.
Das erste, was der
Wanderer von Antiphonitis zu Gesicht bekommt, sind die roten Ziegel
seiner Kuppel. Das Kloster liegt unterhalb des Weges auf einer kleinen
Ebene mit Blick auf die tief unter uns liegende Küste. Es ist ein
bescheidener Bau, ohne äußeren Schmuck, umgeben von kleinen Hof, aber
alles tadellos erhalten bzw. wie das Kuppeldach, das in manchen Reiseführern
als zerfallen beschrieben wird, in jüngerer Zeit rekonstruiert. Doch
die Tür des Kirchengebäudes ist verschlossen – und einen Wächter,
der sie öffnen könnte, gibt es hier nicht.
Während wir zum Wagen
zurück gehen, fallen die ersten Regentropfen – und die Fortsetzung
unserer Tour wird immer fraglicher.
Wir steuern die
Bergfestung Buffavento an, passieren einen großen Picknickplatz mit
Tischen und Bänken, die aber angesichts der Regenwolken auch keinen
Besucher anlocken können. Unterhalb der Straße entdecken wir die
traurigen Überreste der armenischen Kirche von Sourp Magar. Nicht viel
mehr als die Fundamente und einige halb zerfallene Mauern sind von dem
armenischen Denkmal geblieben.
Über eine schmale Piste
auf einem Bergkamm, immer den Fünf-Finger-Berg vor Augen, geht es
weiter, bis wir zu seinen Füßen den Abzweig zur Burg Buffavento
erreichen. Doch zunächst wollen wir in einem Restaurant einen Kaffee
trinken. Ein Glücksfall! Denn während wir im Trockenen sitzen, fängt
es in Strömen an zu regnen. Angesichts des Wetters brechen wir unsere
Tour ab, lassen uns von Yasan nach Girne fahren, wo wir den Rest des
Tages verbringen.
Sonntag,
25. November 2001: Edremit - Karaman
Olivenernte in Edremit,
beobachtet bei einem Feld alter, knorriger Olivenbäume: Eine Bäuerin
steht auf dem Stamm des Olivenbaumes, schlägt mit einem langen Stock so
lange gegen die Zweige, bis die reifen Oliven zu Boden fallen. Der Bauer
winkt auf der Straße die Autos vorüber, dirigiert sie so, dass sie
nicht etwa die kostbare Ernte kaputt fahren.
Wir wollen nach Karaman,
fest entschlossen, diesmal die richtigen Bronzezeitgräber zu entdecken.
Und das ist eigentlich leichter als gedacht. Man darf sich eben nicht
von Hügeln, Feldwegen und Steinhaufen irritieren lassen. Man muss nur
an dem Hinweisschild am Ortseingang von Karaman dem Hinweisschild den
Asphaltweg bis zum Ende folgen, an einigen vornehmen Wohnhäusern
vorbei, stößt dann auf ein weiteres Hinweisschild, folgt etwa 30 Meter
einem Trampelpfad – und hat dann das Gräberfeld erreicht.
Es handelt sich tatsächlich
eher um ein Gräberfeld als um eine Ansammlung einzelner Gräber: Es
sind mehrere etwa zwei Meter tiefe in den Stein geschlagene Gruben,
verbunden durch ein unterirdisches Höhlensystem. Von einigen Gruben führt
nur eine Höhle ab, von anderen zwei, aber die Verbindungslinien bleiben
doch auch für den Laien erkennbar. Über eine der Gruben ist eine
Steinhütte gebaut worden – und in diese Grube kann man nun
hinabsteigen, an der Grubenwand das Relief eines Mannes erkennen. Möglicherweise
hatte dieser Grabzugang einst eine besondere Bedeutung.
Nach einem Kaffee im
Treasure spazieren wir nun noch ins Dorfzentrum, wo ich hübsche weiße
Häuser an die gewundenen, aber saubere Gassen schmiegen. Vor dem
Kirchplatz – auch die Kirche in strahlendem weiß – sprudelt
romantisch ein kleiner Brunnen. Karaman ist zweifellos das schönste
Dorf, das wir in Nordzypern besucht haben, bevorzugtes Domizil auch von
Engländern und Deutschen, wie die Namen an den Häusern verraten.
Montag, 26. November 2001: Girne
Ein letzter Tag zum
Shoppen in Girne: Allerdings ist das Angebot an möglichen Souvenirs
eher spärlich. In den meisten Läden werden eher kitschige Keramiken
angeboten, dazu gibt es ein ebenfalls eher dürftiges an Postkarten.
In dem Keramikladen in
Edremit hatten wir gestern schon eine handgewebte Tischdecke gekauft –
und ähnliche Handarbeiten finden wir nun im Rundturm von Girne, einem
mittelalterlichen Gemäuer, das den mit Abstand besten Souvenirladen –
besser: ein richtiges Kunstgewerbegeschäft – beherbergt. Neben
Webarbeiten gibt es auch hier natürlich Keramiken und Tonarbeiten,
Amphoren und ähnliches, aber auch eine ganze Reihe von Drucken,
beispielsweise eine Reihe, die Girne im um das Jahr 200, um 1600 und um
1900 zeigt.
Auf dem Rückweg zum
Hotel werden wir nach einem schönen Sonnentag vom Regen überrascht.
Der Winter macht sich nun auch auf Zypern zunehmend bemerkbar.
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