Spanien, Kanararen, Teneriffa - Rundfahrt nach Betancuria, Seite 4

Eine Rundfahrt durch Fuerteventuras Süden - Über die Landenge von Jandjia nach Ajuy, Pájara und Betancuria



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Über die Landenge von Jandia

Eine Rundfahrt durch Fuerteventuras Süden führt zunächst von Costa Calma kommend nach Westen, Richtung La Pared. Das ist allerdings nicht viel mehr als ein eher unscheinbares Dorf am Rand der Straße zur Westküste, ohne erkennbare Sehenswürdigkeiten.
Weit interessanter ist da schon der Aussichtspunkt über die Landenge von Jandia, ganz in der Nähe gelegen. Da geht es vom Parkplatz auf einen Hügel, von dem aus man über die kahlen Berge, manche wie sanfte, aber nackte Höhenzüge, andere wie zerborstene Felsen bis aufs Meer schaut.
Durch diese fast lebensfeindliche trockene Einöde soll sich einst eine Mauer gezogen habe, die die beiden Guanchen-Reiche auf Fuerteventura voneinander trennte. Nun zieht sich eine Reihe aufgetürmter Steine vom Aussichtspunkt über den Hügel, weist ein Schild darauf hin, dass man keinen dieser Steine entfernen darf. Nur: Ob es sich wirklich um Reste der alten Guanchen-Mauer handelt, wenn die denn je existiert hat, ist wohl durchaus fraglich. Aber immerhin: Der Eindruck einer Grenze in einer gottverlassenen Gegend bleibt.
Historisch sicher ist jedoch die Herkunft der Reste der ungepflasterten Straße, eigentlich eher einer früheren Piste, die wir hier als auch bei unserer Weiterfahrt immer wieder zu sehen bekommen. Das ist der „Weg der Gefangenen“, nach dem spanischen Bürgerkrieg angelegt von den politischen Gefangenen der faschistischen Franco-Diktatur, damals in einer Zeit, als es im Süden Fuerteventuras offensichtlich noch überhaupt keine Verbindung zwischen Ost- und Westküste gab.

Ajuy und die Höhle der Piraten

Ajuy, unser nächstes Ziel, auch unter dem Namen Puerto de la Pena bekannt, blieb noch lange ein weltabgeschiedenes Dorf, das auch erst in den 1980er Jahren ans allgemeine Stromnetz angeschlossen wurde.
Heute ist der kleine Ort ein beliebtes Ausflugsziel der Touristen, wobei die Autofahrt auf dem zentralen Parkplatz vor dem Dorf beginnt. Dann geht es die Dorfstraße hinab zum Strand und dem wohl älteren Teil des Dorfes, einer Ansammlung kleiner weißer Häuser, allesamt nur einstöckig, mit winzigen Fenstern, wohl ehemalige Fischerhäuser, aber doch gut in Schuss gehalten bzw. restauriert. So, wenn auch nicht ganz so in frischem Weiß, dürften früher alle Dörfer der Insel ausgesehen haben.
Das Bild eines weitgehend original erhaltenen Fischerdorfes ist es allerdings nicht so sehr, das die Besucherströme nach Ajuy zieht. Es ist auch nicht der in einer Bucht gelegene Strand, hier mit dunklem Sand, auf dem einige kleine Boote liegen.
Ajuys große Attraktion liegt ziemlich weit außerhalb des Ortes, zu erreichen nur über einen steinigen Weg entlang der steilen Felsküste oder aber per Boot: die Piratenhöhle. Deren Ausmaße sind wirklich gewaltig, ein riesiges Loch in der dem Meer zugewandten Felswand, das die Boote, die von der Höhle kommen bzw. in ihre Richtung fahren, geradezu winzig erscheinen lässt.

Die Hauptstadt des Insel-Südens

Im Vergleich zu Ajuy ist Pájara, unser nächsten Ziel, eine geradezu urbaner Ort, zumindest eine Mischung zwischen Kleinstadt und Dorf, für die Verhältnisse der Insel aber eher eine Stadt, immerhin Verwaltungssitz für den ganzen Süden Fuerteventuras. Touristen scheinen auch ab und an hierher zu kommen, wie aus einigen wenigen Andenkenläden an der Hauptstraße zu schließen ist, bestimmen aber wahrlich nicht das – verschlafene – Bild der Gemeinde.
Im Dorf- oder Stadtkern steht natürlich die Kirche, angeblich sogar eine Sehenswürdigkeit, momentan aber eine abgesperrte Baustelle, daneben das örtliche Kulturzentrum, mit einem Café und einer Bibliothek.
Am Rand des Ortes liegt ein ausgetrocknetes Flussbett, parallel dazu verläuft ein Spazierweg. Allerdings: die Brücken, die Bepflanzungen entlang des Flussbettes lassen darauf schließen, dass hier zu anderen Zeiten für die Verhältnisse Fuerteventuras sogar ein recht ansehnlicher Fluss verläuft. An Wasser scheint es hier auch nicht zu fehlen: Immerhin finden sich rund um Pájara reichlich Felder, gibt es hier eine offensichtlich noch eine recht blühende Landwirtschaft – ganz im Unterschied zu anderen Inselregionen, in denen wir ständig verlassene Felder, verfallene Höfe passiert haben.

Betancuria – Fuerteventuras historisches Zentrum

Strahlend weiße Häuser und Palmen – das ist das Bild von Betancuria, eigentlich nur ein hübsches kleines Dorf mit rund 800 Einwohnern, aber als älteste europäische Siedlung auf der Insel Fuerteventuras geschichtsträchtigster Ort, Magnet für den Tourismus.
Der Wagen wird auf einem Parkplatz am Ortsrand abgestellt, wo man sich an einer anschaulichen Karte über die Lage der einzelnen Sehenswürdigkeiten orientieren kann, und wenige Schritte entfernt ist man bereits auf der alten Hauptstraße, dem Weg zum historischen Ortstkern, zum Kirchplatz.
Der liegt auf einer Anhöhe etwas oberhalb des Wohnviertels, auf das man von hier herabschaut, ist auch kein großer freier Platz, sondern ein dicht bebautes Viereck, eben mit der Kirche, mehreren Wirtschaftsgebäuden, einem nun als Restaurant bzw. Café genutzten Gebäude, alles in weiß, dazu einem kleinen Brunnen.
Abseits des Kirchplatzes liegt das Grundstück einer früher wohl herrschaftlichen Villa, nun ein Museum, in dessen Vorführraum eine schon faszinierende Ton-Dia-Show über die Landschaften Fuerteventuras im Wechsel der Jahreszeiten läuft. Die zeigt nicht nur, wie grün die so kahl wirkende Insel bei Regen werden kann, sondern auch das reichhaltige Unterwasserleben vor den Küsten.
Ansonsten gibt es das, was auch in anderen Heimatmuseen nicht fehlen darf: auf dem Hof ein restaurierter Eselkarren, Figuren in traditioneller Tracht, ein klassischer Webstuhl – und schließlich eine Ausstellung über die Produktion eines der wichtigen Lebensmittel der Insel, des Ziegenkäses.
Von Betancuria kommend halten wir uns Richtung Osten, kommen wieder an die Küste, passieren aus dem Boden gestampfte Touristenorte mit Ferienanlagen, Bungalows und Hotels, allerdings auch etlichen Bauruinen, bei denen nicht absehbar ist, ob sie je fertig gestellt werden. Wenn diese Orte eine länger zurückreichende Geschichte aus der Zeit vor dem Tourismus haben sollten, ist davon nichts mehr zu erkennen.

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