Polen, Niederschlesien - Schlössertour, Seite 2

Vom Miniaturenpark in Schmiedeberg zu den Schlössern von Erdmannsdorf, Buchwald, Fischbach und Schildau



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Durch das Zillertal nach Schmiedeberg

Auf der ältesten Straße des Hirschberger Tals, einer kurvenreichen, schmalen Straße, fahren wir von Stonsdorf in Richtung der Lomnitzer Hügel, dabei immer den Kamm des Riesengebirges vor Augen.
Auf unserem Weg passieren wir das Zillertal, so benannt von den evangelischen Glaubensflüchtlingen aus Tirol, die sich hier im frühen 19. Jahrhundert ansiedelten. Und so sieht man in den Dörfern ab und an noch ein altes Haus im Tiroler Baustil, das Erdgeschoss holzverkleidet, nahezu idyllisch.
Doch dieser Schein trügt. Denn auch in solchen Häusern lebten verarmte Weber, hatten im Erdgeschoss ihre schweren Webstühle zu stehen, während im oberen Stockwerk die Menschen unter total beengten Verhältnissen hausen mussten.
Eine andere Besonderheit des Zillertals sind die Quellen mit dem radonhaltigen Wasser, das hier zur Gründung einiger kleiner Kur- und Bäderhotels geführt hat.

Im Miniaturenpark von Kowary

Klicke auf das BildUnsere erste Station des Tages ist der Miniaturenpark von Kowary, dem einstigen Schmiedeberg. Die Sehenswürdigkeit des Ortes: der so genannte Miniaturenpark. Hier stehen Nachbauten etlicher Schlösser, Burgen, Herrenhäuser und mehr aus ganz Schlesien, alle angeblich im exakten Maßstab 1:25, also eine Schlesische Schlösser- und Burgentour im Schnelldurchlauf, auch, wenn diese Maßstabsgenauigkeit vielleicht nicht bei jedem Exponat exakt eingehalten wurde.
Ins Auge springend jedenfalls noch im Eingangsbereich des Miniaturenparks: Die Marienkapelle von Grüssau, eine der größten Miniaturen im Außenbereich, mit zwei Türmen, die die Größe eines erwachsenen Menschen erreichen. Ebenfalls beeindruckend: die Burg Tzschocha und schließlich der Nachbau von Schloss Fürstenstein, dem größten Schloss Schlesiens, auch hier auf einem großen Felsstein nachgebaut, mit den verschiedenen Baustilen, die im Laufe der Jahrhunderte auch in das echte Schloss eingeflossen sind.
Was diese „großen“ Miniaturen gerade noch besonders hervorhebt, mag auch der Umstand sein, dass von anderen Nachbauten nur die Dächer aus der Schneedecke hervorragen, beispielsweise vom so genannten Witwenpalais des Schlosses von Lomnitz.
Weitere Exponate, die nicht auf der Freifläche stehen, sind im Ausstellungsraum untergebracht, einige, weil sie gerade instandgesetzt werden müssen oder vor Schnee und Kälte geschützt werden sollen, andere, weil auf der Freifläche kein Platz mehr für sie war. Und genau das gilt wohl vor allem für den Nachbau des Rathauses von Görlitz, die größte der hier versammelten Miniaturen, das Exponat, das die anderen hier doch in den Schatten stellt.

Das preußische Königsschloss von Erdmanndsdorf

Klicke auf das BildVon Schmiedeberg geht es weiter nach Myslakowice, ehemals Erdmannsdorf. Hier im Dorf sieht man auch noch einige alte Weber-Hütten und Tiroler-Häuser – und, eher am Rand des Dorfes das Schloss, das der Preußen-König Friedrich Wilhelm III. der Familie von Gneisenau abgekauft hatte, damit nicht nur innerhalb des preußischen Hochadels geradezu die Manie auslöste, ebenfalls ein Domizil im Hirschberger Tal, möglichst mit Blick auf das Riesengebirge und die Schneekoppe zu haben.
Das einst königliche Schloss, heute als Gemeindeschule genutzt, macht allerdings eher den Eindruck eines großen und gediegenen Gutshauses, kommt für eine königliche Residenz schlicht daher. Nur der hohe Turm lässt erahnen, dass es hier auch schon um einiges vornehmer zugegangen sein muss. Dabei galt das Schloss aber als Kleinod eben vor allem wegen seiner Terrasse, von der aus man den besten Blick auf die Schneekoppe haben soll.

Die Schlösser von Buchwald und Fischbach

Vornehmere Tage als das Schloss von Erdmannsdorf hat in jedem Fall auch das Schloss von Bukowiec, dem früheren Buchwald gesehen. Der massive, nun graue Bau liegt an einem kleinen Flüsschen, ist von einem Park umgeben, zeigt von außen aber keinerlei Schmuck, wirkt ebenfalls mehr als Gutshaus, aber eben noch um einiges kleiner als das von Erdmannsdorf.
Klicke auf das BildVon innen sieht man dann aber schon, dass dies ein vornehmeres Herrenhaus gewesen sein muss: Die Decken des nun von der Gemeindeverwaltung genutzten Gebäudes sind mit feinem Stuck versehen, alte Bilder an der Wand zeigen ein prächtiges Anwesen, nicht in grau, sondern in sanftem Gelb, umgeben von einem blühenden Park.
Dein Eindruck eines mittelalterlichen Schlosses, zumindest eines Schlösschens, vermittelt unterdessen schon auf den ersten Blick das Schloss von Fischbach, dem jetzigen Karpniki. Hier dominieren die verspielten Türme mit ihren Zinnen, das Portal, das auch noch etwas Wehrhaftigkeit demonstriert, und schließlich der Wassergraben, der den Burgkomplex umgibt, ganz so, wie man sich eine mittelalterliche Burg vorstellt.
Tatsächlich wurde das Schloss oder die Burg von Fischbach im 14. Jahrhundert als Wasserburg errichtet, dann mehrfach umgebaut. Nun sieht man über dem Eingang noch immer das alte Wappen, gibt es schließlich unmittelbar neben dem Eingangsportal ein Gewölbe aus der Frühphase der Burg, mit Stuckverzierungen, die auf das 16. Jahrhundert zurück gehen, und, im Obergeschoss, Wandmalereien, die nun so gut als möglich rekonstruiert werden.

Schildau – die Residenz der Prinzessin

Klicke auf das BildBeim Schlosshotel in Wojanow, früher Schildau, handelt es sich wirklich um eine königliche Schlossanlage in der Nähe der Bobera, um einen Komplex, mit dessen Bau 1607 begonnen wurde, der nun aus einem Hauptgebäude in hellem Beige besteht, versehen mit zwei Ziertürmen links und rechts des Mitteltraktes, dazu zwei Seitenflügeln, davor ein Springbrunnen, all das umgeben von den Wirtschaftsgebäuden, den ehemaligen Stallungen und der Verwaltung.
Im 19. Jahrhundert war das das Domizil der Prinzessin Luise, nun ein Schlosshotel und ein Schlossrestaurant, in dem wir unser Mittagessen nehmen.



Die „Bleiche“ von Wernersdorf

Klicke auf das BildUnser letztes Ziel des Tages ist die „Bleiche“ von Wernersdorf, nun Pakoszow. Das um 1725 errichtete lang gezogene zweistöckige Gebäude war allerdings kein Schloss, sondern diente als Fabrikationshalle für Tuche, Verwaltungsgebäude mit den Büros und eben auch als Herrenhaus.
Im Erdgeschoss waren vor allem die Arbeitsräume untergebracht, wurde aber im Speisesaal auch repräsentiert: Jedenfalls gab es dort ein gewaltiges Deckengemälde, mit dem der damalige Eigentümer ganz kunstsinnig seinen aus dem Tuchhandel stammenden Reichtum demonstrieren konnte, ein Gemälde mit Handelsschiffen allegorischen Figuren auf den Frieden und den weltweiten Handel.


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