Polen, Niederschlesien - Hirschberg, Seite 1

Ein Streifzug durch Jelenia Gorá, das alte Hirschberg, mit einem Abstecher nach Bad Warmbrunn



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Rund um Hirschbergs Rathausplatz

Jelenia Gorá, das alte Hirschberg, ist heute die Kreisstadt und wirtschaftlicher Mittelpunkt der Region des Riesengebirges.
Klicke auf das BildIm Zentrum der Stadt: der Rathausplatz. Das Rathaus, in seiner jetzigen Gestalt, dreistöckig, mit einem Uhrenturm versehen, der natürlich alle anderen Altstadtbauten überragt, stammt, wie unsere Reiseleiterin Marzena weiß, aus dem Jahr 1749, aus der Zeit, aus der auch die umliegenden schmalen, ebenfalls dreistöckigen Bürgerhäuser, gehalten in den Farben Rosa, Beige oder gelblich, entstanden sein dürften.
Der große Rathausplatz ist im Sommer regelmäßig Schauplatz von Festivals und anderen Veranstaltungen, Dann, so sagt jedenfalls unsere Klicke auf das BildFührerin, herrsche hier so viel Betrieb, dass man für die Wohnungen in den rekonstruierten Bürgerhäusern keine Mieter fände, sie nur als Büros genutzt würden.
Eine Sehenswürdigkeit dieses Rathausplatzes befindet sich verborgen in einem gleich neben dem Rathaus liegenden, aber unscheinbaren Gebäude der Stadtverwaltung: der tiefe, ummauerte Schacht eines aus dem 15. oder Jahrhunderts stammenden Stadtbrunnens, der damals aber wohl öffentlich zugänglich gewesen sein muss.



Unterwegs in der Altstadt

Neben dem Rathausplatz verläuft die Hauptstraße der Altstadt, eine Fußgängerzone, in der, fast genau vor Klicke auf das Bildder Rückfront des Rathauses, ein alter Straßenbahnwaggon daran erinnert, dass schon im alten Hirschberg eine Straßenbahn verkehrte. Der vermeintliche Verlauf dieser Straßenbahnlinie wurde vor einigen Jahren bei der Rekonstruktion der Innenstadt mit schwarzen Steinen, die die Gleise darstellen sollen, markiert – wobei man allerdings wohl, so Marzena, einen Fehler machte, sowohl auf der linken wie der rechten Seite der Straße solche Gleisimitationen einließ, obwohl die Straßenbahn damals nur eingleisig verkehrte.
Im Jahr 1108 soll Jelenia Gorá von einem polnischen Fürsten gegründet worden sein, was, wie Marzena sagt, allerdings nicht schriftlich überliefert ist, sondern aus einer Reihe von archäologischen Funden geschlussfolgert wurde. Wie auch immer: Eine besonders imposante Stadt dürfte der mittelalterliche Ort kaum gewesen sein.
Keine hundert Meter vom heutigen Rathausplatz verlief bereits die alte Stadtmauer, deren allerdings beachtlicher Wehrturm nach Abriss der Mauer zum Turm der St.-Anna-Kapelle umfunktioniert wurde. Die Kapelle muss bei ihrem Bau aber noch ein gutes Stück tiefer, unter der jetzigen Straßenhöhe gelegen haben. Und so dürften die meisten Besucher, vermutlich ohne darauf zu achten an einem Zeugnis mittelalterlicher Gerichtsbarkeit vorbeigehen, auf das uns Marzena ausdrücklich aufmerksam macht. Noch ein kleines Stück über das Straßenpflaster hinausragend sieht man in der aus Feldsteinen bestehenden Grundmauer der Kapelle den oberen Teil eines Büßerkreuzes. An dem mussten alle Verurteilten vorbei, wenn Klicke auf das BildSie durch das Stadttor zum Richtplatz geführt wurden.
Wir gehen zurück zum Rathausplatz, durchqueren dabei die zu den dortigen Bürgerhäusern gehörenden weiß getünchten Arkaden. Solche Arkaden waren in den Städten Schlesiens ungewöhnlich, demonstrierten damals den Reichtum und die Weltoffenheit von Hirschberg. In den Geschäften dieser Arkaden wurde damals nämlich mit Tüchern gehandelt, und dieser Handel hatte Hirschberg zur reichsten Stadt Schlesiens, zumindest zur reichsten Stadt von Niederschlesien gemacht.
In einem Restaurant, das in den Gewölben eines nahe beim Rathaus stehenden Hauses untergebracht ist, trinken wir unseren Kaffee. Das Gewölbe soll, wie der Brunnen, den wir zuvor gesehen haben, aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammen, und so alt sieht das Mauerwerk auch in etwa aus.


Im alten Kurort Bad Warmbrunn

Wir unternehmen noch einen Abstecher nach Cieplice, heute ein eingemeindeter Stadtteil von Jelenia Gorá, als Bad Warmbrunn früher ein selbständiger Kurort mit langer, bis ins Mittelalter zurückreichenden Tradition, wie Marenza berichtet.
Klicke auf das BildDie Heilkraft der Quellen hier soll nämlich bereits von den Zisterzienser-Mönchen entdeckt worden sein – die, so die Überlieferung, ihre Patienten in dem Wasser stundenlang regelrecht kochen ließen. Dazu wurden die Kranken in einen Leinensack gesteckt, mussten die ganze Zeit über singen oder aus der Bibel lesen. War aus einem der Becken dann nichts mehr zu hören, galt das als Zeichen, dass der Patient verstorben war – und dank des Sackes konnte man ihn nun auch ohne Probleme bergen.
Nun findet man am Kurpark – der Eintritt in den Park betrug in der Zeit, als dies noch ein deutscher Kurort war, eine Reichsmark – auch gleich daneben das großzügige Schloss der Familie Schaffgotsch, ein langgezogener Prunkbau mit zwei prächtigen Portalen, abends angestrahlt, den ganzen zentralen Platz des Stadtkerns beherrschend.
Gleich gegenüber vom Schloss steht das Kurhaus mit den Thermalbecken. Rund 40 verschiedene Anwendungen werden mit dem Heilwasser von Bad Warmbrunn angeboten, erfahren wir vom Kurdirektor, und die sollen helfen bei Nierenleiden, bei Gelenkproblemen und sogar, einzigartig zumindest in Polen, auch bei Problemen mit den Augen.

Schlösser als Hotels

Zum Abendessen geht es in das Schlosshotel Paulinum, einem am Rand von Hirschberg gelegenen ehemaligen Jagdschloss, dass den Nationalsozialisten nach 1933 als Parteihochschule diente, nach dem Krieg dann der polnischen Armee gehörte, von der als Offiziersunterkunft genutzt wurde. Augenfällig hier: eine Art „Kaminraum“, in dem man sich zum Kaffee traf, nur, dass hier kein Kamin stand, sondern das erlegte Wild zum Ausbluten aufgehangen wurde, wobei die Jäger hier gemütlich zuschauen konnten.
Nach einer weiteren kurzen Fahrt erreichen wir unser Hotel, das Schlosshotel von Stanszów, dem früheren Stonsdorf. Das Schloss, umgeben von einem von Peter Lenné gestalteten Garten, dem ersten Beispiel eines Englischen Gartens in Niederschlesien, gehörte früher der thüringischen Adelsfamilie Reuß Jüngere Linie, ist als Schloss aber ein eher bescheidender Bau, mehr ein wuchtiges, großzügiges Landhaus als wirklich repräsentativ. Aber immerhin ist das der Herkunftsort des gleichnamigen Kräuterlikörs.


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