Montenegro: Tara-Brücke und Gusinje, Seite 6

Von der Tara-Brücke über Plav in das Landstädtchen Gusinje und in die umliegenden Dörfer



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Eine Brücke der Heldenverehrung

Klicke auf das BildDie Tara-Brücke, die Durdevica Tara, war eines der ein wichtigen Ausflugsziele im titoistischen Jugoslawien, wovon heute noch das kleine Hotel unmittelbar an der Brücke zeugt.
Bei diesen Ausflügen ging es aber vermutlich weniger um die Landschaft und auch nicht so sehr um die Brücke, nach dem Krieg ohne alle technischen Hilfsmittel in Handarbeit hochgezogen, als vielmehr um die Heldenverehrung: Die jetzige Brücke ist nämlich exakt der nachgebaut, die während des Krieges in einer Schlacht von den Partisanen in die Luft gesprengt wurde, und zwar mit Hilfe genau des Ingenieurs, der sie geplant hatte. Der Ingenieur wurde von den Nazis gestellt, erschossen – und an ihn und einige seiner Mitstreiter erinnert nun ein kleines heroisches Denkmal, wie man sie immer wieder antrifft.
Heute scheinen sich aber nur noch wenige für die Brücke zu interessieren: Wir sind die einzigen Gäste im Restaurant, die einzigen, die einen Spaziergang über die Brücke unternehmen, 130 Meter unter uns die Tara – und es kommt auch kein einziges Auto während unserer Brückenexkursion vorbei.
Die schmalen Gebirgsstraßen bergen ihre Gefahren: Immer wieder sieht man Holzkreuze, die an die Opfer jüngerer Verkehrsunfälle erinnern.

„Vergessene Dörfer“ bei Gusinje

Am späten Vormittag sind wir in Plav, nicht weit von der Grenze zum Kosovo, ein Ort, der wegen des Plaver Sees vor dem Bürgerkrieg eine gewisse touristische Bedeutung hatte.
Südlich von Plav liegt Gusinje, ein Landstädtchen mit einigen umliegenden Bauerndörfern, die von der Welt vergessen worden sein müssen. Das Dorf, in dem wir zu Mittag essen, besteht aus wenigen Gehöften und Klicke auf das Bildeinem Wirtshaus unmittelbar an einem kleinen Fluss. Der Boden am Flussufer ist morastig, ein wackeliger Holzsteg verbindet die beiden Ufer – und an einem der schmucklosen Steinhäuser sieht man, was hier bis vor kurzem als Toilette mit Wasserspülung verstanden wurde: Ein offener Donnerbalken über dem Wasser.
Würden nicht auch hier auf den Dorfstraßen manche Mercedesse parken, könnte dies wohl auch ein Bild aus dem 19. Jahrhundert sein.
Nach dem Essen fahren wir in die Stadt, unternehmen einen Spaziergang durch das islamisch gefärbte Gusinje. Die Moschee ist mit Abstand das beeindruckendste Gebäude der Stadt, es gibt ein altes, angeblich original erhaltenes türkisches Wohnhaus und einen islamischen Friedhof. Ansonsten ist Gusinje ein absolut ruhiges Kleinstädtchen mit einigen Cafés, in die sich aber nur wenige Gäste hinein verirren.


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