Montenegro : Adriaküste zwischen Sveti Stefan und Ulcinj, Seite 3

An der südlichen Adriaküste von Sveti Stefan über das Kloster Rezevici, Bar und Stari Bar, Ulcinj bis über die Bojana



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Von der königlichen Sommerresidenz zur Festungs-Insel Sveti Stefan

Schon von den Hügeln von Budva aus sieht man die kleine der Küste vorgelagerte Insel, auf der dicht gedrängt die kleinen Häuschen stehen. Kurz darauf spazieren wir durch den Park einer Sommerresidenz von König Nikola, heute als Hotelanlage genutzt – und stehen schließlich vor der vielleicht hundert Meter langen schmalen künstlichen Landzunge, links und rechts von einem weißen Strand umgeben, die Sveti Stefan mit dem Festland verbindet.
Klicke auf das BildAls sei die Lage nicht schon Schutz genug, haben die Erbauer der Stadt einer Mauer um ihre Felsensiedlung errichtet, ist ein dem Festland zugewandtes Stadttor nun der einzige freie Zugang. Anfang der 1950er Jahre wurden die letzten Einwohner Sveti Stefans evakuiert, der Ort zu einem Luxus-Hotel-Komplex umgewandelt, berichtet unsere Reiseleiterin Natascha. Auszug der aus der Gästeliste: Sophia Loren, Claudia Schiffer, Stars und Industrielle.
Dabei sind die alten Wohnhäuser, alle über Treppen, die hier die Gassen ersetzen, miteinander verbunden, eher klein, bieten nur wenig Platz. Was hier wohl mehr zählt: Die exklusive Lage, die Sicherheit vor ungebetenen Besuchern.
Außerhalb der Saison, so Natascha, dürfen aber auch Nicht-Hotelgäste gegen Eintrittsgeld die Anlage besichtigen.

Besuch im Kloster Rezevici

Klicke auf das BildDie Küstenstraße entlang Richtung Süden liegt nur wenige Kilometer hinter Sveti Stefan das serbisch-orthodoxe Kloster Rezevici, in dem nun neben dem grauhaarigen Abt noch zwei Mönche mittleren Alters und einige weltliche Helfer leben. Im Mittelalter, so Natasacha, hätte hier schon eine Kirche gestanden, an der die Reisenden mit Essen und Trinken versorgt worden seien. Und aus dieser Tradition heraus entstand das Kloster von Rezevici.
Die kleine alte Kapelle darf allerdings nicht mehr betreten werden – und in der Hauptkirche aus dem 19. Jahrhundert ist Filmen und Fotografieren verboten. Die Fresken erinnern hier aber auch mehr an primitive Malerei, zeichnen sich vor allem durch ihre knalligen Farben aus, sind mehr Ausdruck tiefer Religiosität denn von Kunstsinn.
Faszinierender als der Kircheninnenraum ist jedenfalls die Lage der Klosteranlage über dem Meer, auf einem Bergplateau mit Blick auf das Wasser, mit einem kleinen Friedhof im Schatten der Klostermauer.xxxx An der Tradition der Bewirtung von Reisenden halten die Mönche – zumindest uns gegenüber – auch heute noch fest: Es gibt Kaffee, Slivovitz und einen anderen Schnaps, der nicht minder brennt als der Slivovitz.

Die Küstenstadt Bar und die türkische Festung von Stari Bar

Unsere nächste Station ist der Küstenort Bar, eine moderne Stadt mit breiten Straßen und Einkaufszentrum, in einst besseren Tagen dem Anschein nach eines der Wirtschaftszentren der Küstenregion. Vor dem Mittagessen unternehmen wir einen Spaziergang entlang der Strandpromenade, werfen dabei einen Blick auf eine weitere Sommerresidenz von König Nikola: Helles Rot an den Fassaden muss wohl die Lieblingsfarbe des Monarchen gewesen sein.
Interessanter als Bar ist Stari Bar, auf einem sicheren Hügel in einiger Entfernung von der Küste gelegen, lange Zeit türkische Festung, schließlich aber doch von den Montenegrinern erobert und heute eine ummauerte Ruinenstadt.
Der Weg nach Stari Bar führt durch die älteren Teile von Bar, geprägt durch steil aufsteigende Straßen mit einstöckigen Häusern, viele davon verlassen. In den Straßencafés sitzen fast nur junge Männer. Neben den Mauern von Stari Bar erhebt sich ein Minarett: Obwohl die Stadt türkisch war, hatten die Osmanen in ihren Mauern nie eine Moschee errichtet, sondern ihre eigene Bautätigkeit auf das Umland konzentriert.
Auch wenn viele der alten Gebäude hinter dem mächtigen Stadttor noch fast intakt aussehen, ist Stari Bar verlassen, wird das Eisengitter nur für Besucher geöffnet und abends wieder versperrt. Die krummen Gassen und Wege sind mit Büschen bewachsen, und auf einem der Wege entdecken wir eine Schlange, die sich aber rasch davon macht.
Eines der Gebäude, das noch mit am besten erhalten ist, ist das einstige türkische Badehaus, das – der Grafitti an den Wänden nach zu urteilen – auch heute noch regelmäßig aufgesucht wird, wenn auch nicht unbedingt zum Saunen.

An Olivenhainen vorbei nach Ulcinj

Zwischen Stari Bar und Ulcinj werden Oliven angebaut – und hier soll auch der mit rund 2500 Jahren angeblich älteste noch immer Früchte tragende Olivenbaum der Welt stehen. Ältere Olivenbäume entwickeln einen löchrigen Stamm, und an der Zahl und auch der Größe der Löcher können die Experten das Alter eines Baumes ablesen.
Unser Methusalem steht auf einem umzäunten Dorfplatz, trägt eine gigantische Krone auf seinem mehrere Meter Umfang messenden total durchlöcherten Stamm, aus dem bereits ein anderer, ebenfalls wohl schon alter Sprössling heraus gewachsen ist – und ist auf seiner Rückseite gezeichnet von den schwarzen Spuren eines Brandes, der seinem Leben wohl fast einmal ein Ende gesetzt hätte. Als besonders schutzwürdig sehen die Dorfbewohner den Baum aber wohl nicht an: Die Kinder nutzen ihn munter als Tummelplatz für ihre Kletterübungen.
Klicke auf das BildMärkte, orientalisches Flair in den Straßen – so präsentiert sich Ulcinj, die südlichste Stadt der montenegrinischen Küste, seinen Besuchern. Über dem modernen Ulcinj erheben sich die Mauern der mittelalterlichen Stadt, eine Festung, von der aus die ganze Bucht fest im Griff gewesen war.
Ulcinjs alter Kern erwacht allmählich aus seinem Dämmerschlaf. Es gibt hinter der Stadtmauer wieder Cafés und Restaurants, und einige der weitgehend intakten Gebäude scheinen auch wieder bewohnt.
Erster Besichtigungspunkt unmittelbar hinter dem Stadttor: Das mit Gittern versperrten Kammern des Arsenals, nun Lagerraum für steinerne Kanonenkugeln, Säulen und Stauen aus der Zeit der Römer und Griechen.
Von dem Lokal, in dem wir rasten, sieht man auf die moderne die Berghänge hoch wachsende Stadt und den „Kleinen Strand“, an dem sich bereits etliche Badegäste vergnügen. Im Mittelpunkt des Stadtbildes: Ein hässlicher Betonklotz, einen vierzackigen Stern darstellend, ein Denkmal für die Partisanen.

Über die Bojana auf die Insel der Fischer

Klicke auf das BildEine Brücke führt über einen Flussarm des Bojana – wir befinden uns auf der Insel Ada Bojana, dem südlichsten Punkt Montenegros, bereits an der Grenze zu Albanien. Im Fluss selbst haben Fischer hölzerne Plattformen auf Stelzen errichtet, mitunter sogar kleine Schuppen, spannen von hier ihre Fangnetze aus. „Kalimera“, so sagt Milo, seit uns Natascha verlassen hat unser alleiniger Reiseleiter, nenne man diese Art des Fischens.
Ada Bojana ist die Insel der Fischer, deren Hütten die holprige Straße zu unserem nächsten Ziel, dem „Großen Strand“ von Ulcinj, säumen. Der „Große Strand“, ein Kilometer langer Sandstrand, gehört zu einer – jetzt fast leer stehenden – FKK-Anlage an der Mündung des Bojana.
Ein Flecken für Naturliebhaber: Das Flussufer ist teilweise mit Schilf bewachsen, und aus dem Schilf dringt nun zur Zeit des Sonnenunterganges ein Konzert unterschiedlichster Vogelstimmen. Ab und an tuckert ein kleines Fischerboot vom Meer kommend in die Flussmündung – doch ansonsten ist der Strand menschenleer.


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