Montenegro : Adriaküste zwischen Cetinje und Perast, Seite 2

Von Cetinje, Montenegros ehemaliger Königsresidenz, zum "Schinkendorf" Niegusi und an die Adriaküste nach Kotor und Perast



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Cetinje – Vom Kloster zum Fürstensitz

In den Bergen nördlich von Budva liegt Cetinje, einst Residenz der montenegrinischen Fürsten und des einzigen Königs des Landes, heute bei Montenegro-Besuchern vor allem wegen seiner Museen bekannt.
Das Kloster, ein lang gezogener grauer Bau, von dem die Gründung Cetinjes als Fürstensitz ausging, stammt zwar bereits aus dem 15. Jahrhundert – doch der Ort selbst entwickelte sich erst im 19. Jahrhundert, so dass sich hier keinerlei mittelalterliche Spuren finden.
Klicke auf das BildBei der Einfahrt in die Stadt macht uns Natascha, unsere Begleiterin, bei einer kleinen Kirche auf eine Besonderheit aufmerksam: Die Eisenstäbe, die den Zaun um die Kirche herum bilden, sind Bajonette aus der Zeit der Türkenkriege.
Vor allem um die Türkenkriege geht es auch im Museum des Königs Nikola, untergebracht in der alten königlichen Residenz, ein eher bescheidener zweistöckiger roter Bau, auf den ersten Blick nicht einmal unbedingt als herrschaftliches Schloss auszumachen. Seit 1926 dient dieses einstige Königsschloss nun als Museum für die montenegrinische Geschichte – insbesondere als Museum für die eher kurze Geschichte des Königreiches.
Im ersten Stock sind die Waffen des Königs ausgestellt, die diversen Uniformen und die Trachten, in denen die Montenegriner in die Schlacht zogen, dazu die von den Türken eroberten Fahnen, angeblich noch mit den Originalblutflecken der gefallenen Feinde.
Im oberen Stockwerk geht es etwas ziviler zu: Schließlich war Nikola dank seiner neun Töchter mit den wichtigsten Dynastien Europas verschwägert, und so hängen denn in den diversen Salons des zweiten Stocks die „Familienbilder“ der russischen Romanows, der Herrscher des Hauses Savoyen oder von Mecklenburg-Strelitz, alles Verwandte des Königs eines Balkan-Kleinstaates.
Cetinje galt bereits im alten Jugoslawien als die führende Museumsstadt – und ein Wegweiser vor dem Schlossplatz zeigt die Richtung zu den wichtigsten Museen der Welt, jeweils mit Entfernungsangaben, vom rund 800 Kilometer entfernten Vatikan bis zur Eremitage.
Zum nächsten Museum sind es nur wenige Schritte – und das Prachtstück des Kunstmuseums ist eine mindestens aus dem 14. Jahrhundert stammende Ikone mit dem inzwischen total verdunkelten Bild der heiligen Maria, die über den Umweg von Rhodos, Malta, St. Petersburg schließlich in Cetinje landete. Die Weihrauchdämpfe haben das mit Edelsteinen umrahmte Gesicht der Madonna im Lauf der Jahrhunderte schwarz werden lassen, und nur von der Seite erkennt man nach einigen Blicken, dass hier ein Gesicht abgebildet ist. Haben sich die Augen aber erst einmal an den Anblick gewohnt, erkennt man nach und nach die Konturen und glaubt schließlich der Museumsführerin auch gern, dass es sich hier um eines der beeindruckendsten Zeugnisse der Ikonenmalerei handelt.
Neben den Museen der andere Stolz der Kleinstadt: die zwölf Botschaften, die sich hier in der Zeit des Königs Nikola niederließen. Dabei handelt es sich allerdings um kaum mehr als um einige herrschaftliche Villen, die heute für Kultureinrichtungen und ähnliches genutzt werden. Im Vergleich zu den Villen Österreichs oder Russlands mutet die deutsche Botschaft, ein schlichtes gelbes Wohnhaus, äußerst bescheiden an. Die ehemalige deutsche Botschaft steht allerdings auch als einzige leer.

Niregusi – Dorf des Schinkens und des Käses

Klicke auf das BildNach dieser kurzen Stadtbesichtigung fahren wir in die Berge, in das Dorf Njegusi, berühmt für seinen geräucherten Schinken und seinen Käse. Die kulinarischen Berühmtheiten sind allerdings auch das einzige, was Njegusi seinen Besuchern – und wohl auch seinen ständigen Bewohnern – noch zu bieten hat. Das Magazin, der alte Dorfladen, hat geschlossen, und es sieht nicht so aus, als wäre die Schließung nur vorübergehend. Auch die Dorfpost ist offensichtlich nicht mehr in Betrieb, der zentrale Dorfplatz mit dem Partisanendenkmal verwaist. Im trockenen Lauf des Dorfbaches sprießt das Unkraut.
Der Schinken und der Käse, der uns in dem urigen Gasthaus vorgesetzt wird, ist allerdings wirklich hervorragend, würzig und nach Rauch schmeckend, und das Brot dazu hat einen leicht süßlichen Beigeschmack.
Wir besuchen eine der drei im Ort noch aktiven Räuchereien: Achttausend Schinken hängen vom Dach des Gebäudes, die noch frischen ganz oben, die reiferen weiter unten. Etwa drei Monate, so sagt der Besitzer der Räucherei, dauert die Prozedur, der ständige Wechsel von Räuchern zu Lufttrocknen, bis der Schinken eben den echten Njegusi-Geschmack erreicht hat. Merkwürdig allerdings: Im Ort und auch in der Umgebung gibt es gar keine Schweine. Der Räuchereibesitzer importiert die Schinkenkeulen aus Ungarn. Die Umgebung von Njegusi ist landwirtschaftlich nicht gerade gesegnet – und für den Anbau von Mastfutter fehlt schlicht und ergreifend der Platz.

Kotor, Hafenstadt an der Adria

Klicke auf das BildUnser nächstes Ziel liegt wieder an der Küste: Kotor, eine ummauerte Hafenstadt wie Budva, aber um einiges größer, wobei die Mauern von Kotor nicht nur die Häuser der Stadt, sondern auch einen großen Teil des hügeligen Umlandes umfassen. Und auf diesen Hügeln sieht man nicht nur die Stadtmauer, sondern beispielsweise auch die Ruine einer Kirche, Spuren einstiger Wege, vereinzelte Gebäudereste.
Das der Seeseite zugewandte Stadttor ist unser Eingang in die spätmittelalterliche Stadt. Über dem Stadttor prangt aus jüngerer Zeit unter dem früheren jugoslawischen Stern das Tito-Zitat „Wir beanspruchen kein fremdes Land, werden aber auch keines von unserem hergeben“.
An dieser Seite der Stadtmauer sind Kotors Gassen und Plätze um einiges breiter als die von Budva, doch das Gesamtbild ist ähnlich. Mit dem Unterschied: Kotor ist nicht so wie die kleinere Schwester auf Touristen angelegt, statt der Boutiquen und Cafes dominieren hier kleine Lebensmittelgeschäfte, Läden, die auf den Bedarf der Einheimischen ausgerichtet sind.
Zunächst gelangt der Besucher zur Kathedrale und dem davor liegenden Hauptplatz der Stadt, nicht weit entfernt liegt das Schifffahrtsmuseum. Spannender ist allerdings das ziellose Schlendern durch die Gassen, vorbei an den Hauseingängen mit ihren mittelalterlichen Ornamenten, das Schauen in die Hinterhöfe, in denen sich der Bauschutt türmt. Und: Je weiter man in die Stadt vordringt, desto schmaler werden diese Gassen, verwandeln sich in Treppen, teilweise schon brüchig, nur umständlich zu besteigen – aber immer noch voller Leben.

Perast, die Schule der Seefahrer und die „Maria vom Felsen“

Klicke auf das BildWenige Kilometer von Kotor entfernt liegt Perast, heute eine kleine Gemeinde, einst Sitz der ersten Seefahrerschule von Montenegro, angeblich eine vom Barock geprägte Stadt, überragt von dem alles beherrschenden Kirchturm, deren an der Meerespromenade liegende Bauten allerdings zur Hälfte bereits zerfallen sind.
Von Perasts Hafen aus sieht man die beiden dem Ort vorgelagerten Inseln, eine mit Pinien bewachsen und mit einer Kirche bebaut, die „natürliche“ Insel, und gleich daneben eine andere sich aus dem Meer erhebende Kirche, errichtet auf einer „künstlichen“ Insel, Maria vom Felsen. Im 15. Jahrhundert haben die Bewohner von Perast das Riff mit Steinen aufgefüllt, so erst die Insel geschaffen, dann darauf die Kirche gebaut, die zur Pilgerstätte der montenegrinischen Seefahrer wurde. Diese Kircheninsel ist unser Ziel.
Schon bei der Überfahrt, später dann noch intensiver von der Insel selbst, gewinnt man einen Eindruck von der Klicke auf das BildGestalt der Bucht von Kotor: Das ist keine einfache Bucht mit einer östlichen und einer westlichen Spitze, das sind differenzierte Verästelungen des Meeres mit einer verhältnismäßigen schmalen Einfahrt für die Schiffe, hinter der sich dann gleich mehrere weit in das Land hinein ziehende Verästelungen verbergen.
Die Ikone der Maria ist das eigentliche Heiligtum der Kirche, aber um dieses Heiligtum herum wurde im Laufe der Jahrhunderte eine wahre Schatzkammer angehäuft. Beeindruckend an den Wänden des ansonsten eher kleinen Kirchenschiffs: Eine Sammlung von Silberplatten, jede dieser Platten mit einem anderen Motiv versehen, etwa Schiffen in Seenot, Beinen, Armen oder Herzen, alles Geschenke von heim gekehrten Seefahrern.
Neben dem Altar aus Marmor hängen die Brautschleier von Frauen, die hier ihren Seefahrer heirateten – und im Obergeschoss des Wohngebäudes hat sich ein regelrechtes Museum von Gebrauchsgegenständen der letzten Jahrhunderte angesammelt, vom Porzellan bis zum Plastikgeschirr. Dazu finden sich Säulenreste der antiken Siedlung, die in den Fluten der Bucht von Kotor versunken ist, deren Reste man aber bei ruhiger See noch immer soll sehen können.
Das herausragendste Stück der eher wahllosen Sammlung ist aber sicherlich jene Madonnen-Stickerei, die eine Seefahrerbraut aus ihrem Kopfhaar anfertigte, in den 25 Jahren, in denen sie vergeblich auf ihren Geliebten wartete. Der Mann, so erzählt die Legende, kehrte übrigens nie zurück und die Frau ist über ihrer Kleinstarbeit, die nun bis zu 700 Stiche pro Quadratzentimeter zählt, erblindet.

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