Italien, Kampanien: Herculaneum und Vesuv, Seite 3

Ein Besuch der Ruinen des antiken Herculaneum und eine Wanderung rund um den Krater des Vesuv


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Ein Ruinenfeld in der modernen Stadt

Der Regionalzug braucht nur wenige Minuten von Neapels Hauptbahnhof nach Ercolano. Dort geht es von der Bahnstation „bergab“ zum antiken Herculaneum, dessen Grabungsfeld tatsächlich etwa 20 Meter unter Klicke auf das Bilddem durchschnittlichen Höhenniveau der modernen Stadt liegt. Dieses Grabungsfeld, ein archäologischer Park mit einem regelrechten Spazierweg drum herum, hat die Fläche von vielleicht zwei oder drei Fußballfeldern, ist also eher klein.
Was man auf den ersten Blick sieht: Ein Ruinenfeld, das so auch erst vor wenigen Jahren durch ein Erdbeben oder einen Bombenangriff zum Ruinenfeld hätte geworden sein können. Dass dies eine antike Grabungsstätte ist, dass wir hier die Reste einer Stadt sehen, die vor 2000 Jahren beim Ausbruch des Vesuv unter Lava und Vulkanasche begraben wurde, erahnt man allenfalls an den Säulengängen, mit denen einige der Höfe ausgestattet sind.
Der Eingang zum Grabungsfeld befindet auf der entgegengesetzten Seite, so dass man zunächst um die Anlage herumgeht, also das Panorama des antiken Herculaneum genießt, nun umgeben von den Häusern der modernen Stadt.

Antikes – fast perfekt erhalten

Das hier war wirklich eine Kleinstadt, aber organisiert wie alle anderen römischen Städte, unterteilt in „Insulis“, also verschiedene Wohnviertel, eine Unterteilung, die hier vielleicht nicht einmal nötig gewesen wäre, die aber von Rom eben übernommen wurde.
Klicke auf das BildDabei besteht die Stadt – zumindest das, was von ihr wieder frei gelegt wurde – aus lediglich drei Längsstraßen sowie einigen wenigen Querstraßen. Allerdings: Nirgendwo ist eine römische Stadt besser erhalten als hier!
Das gilt nicht nur für die alte Therme der Frauen. Von der Größe her sind diese Thermen nicht einmal ansatzweise vergleichbar mit denen der wirklich großen antiken Städte, aber diese Thermen hier sind fast vollständig erhalten, noch immer ausgestattet mit ihren Mosaiken an den Wänden und den Fußbodenkacheln, die sich durch nichts von modernen Badezimmerkacheln unterscheiden. Fast scheint es, als könnten diese Thermen nach einer gründlichen Renovierung wieder in Betrieb gehen.
Klicke auf das BildUnd das lässt sich auch von den Tavernen sagen. Die Amphoren, fest ins Mauerwerk gelassen, sind in der einen Taverne noch vollständig erhalten, in einer anderen liegen sie (wobei das wohl rekonstruiert sein dürfte!) in ihren hölzernen Regalen.
Diese Sommerhäuser vornehmer Römer hier verfügen über Gärten mit Wasserbassins aus Marmor, im „Haus der Bronze“ steht ein bronzener Kopf, wie man ihn auch in einem Souvenirladen finden könnte.
Immer wieder beeindruckend sind die Mosaiken, die man in fast allen Häusern entdeckt: Tiermotive, Familienszenen, vor allem aber Darstellungen der Götter, zum Beispiel im „Haus des Neptun“. Das alles wirkt so, als wäre es noch am Tag zuvor voller Leben gewesen!
Vorteilhaft vor allem: Hier in Herculaneum sind – zumindest gerade jetzt – nur wenige Touristen, so dass man wirklich fast ungestört stöbern kann.

Mit dem Sammeltaxi zum Vesuv

Vom Bahnhof fahren die Sammeltaxis zum Vesuv. Durch die engen Gassen am Stadtrand von Ercolano, das hier nun fast ländlich erscheint, geht es hinauf zum Nationalpark des Vesuv. Neben der Straße liegt nun ein Lavafeld, das von seinem letzten Ausbruch 1944 stammt.
Die Fahrt endet an einem Parkplatz, dann beginnt der Aufstieg zum Krater. Das ist fast eine Prozession, die hier, ausgestattet mit Wanderstöcken, die am Eingang verliehen werden, über den gewundenen Lavaweg nach Klicke auf das Bildoben zum Gipfel wandert. Ab und an sieht man am Wegesrand eine Eidechse – und unter uns liegen eben die Reste jenes Lavastromes, der sich 1944 aus dem Krater ergossen hat.
An der letzten Station vor dem Gipfel wartet aber erst einmal ein Getränke- und Andenkengeschäft: Man findet hier Schmuck aus Lavstein – von der Halskette bis zum Ring, aber auch Schachspiele aus Lavafiguren und mehr.
Ein eigentlich bequemer Wanderweg führt um den Krater herum, der nun aber ganz friedlich ausschaut, fast wie die Reste eines Kohle-Tagebaus, mit vereinzelten grünen Büschen auf dem Grund, nicht einmal ansatzweise bedrohlich. Beinahe wäre man versucht, in den Krater hinabzusteigen – wenn denn das nicht durch eine Absperrung verhindert würde.
Lediglich an einer Seite des Kraters findet sich eine schwarze Spur, vielleicht entstanden bei der letzten Eruption. Eine Messtation auf einem Felsbrocken signalisiert allerdings: Dies ist ein aktiver Vulkan – wenn auch wohl der von allen Vulkanen im intensivsten beobachtete!
Das ist aber wohl auch dringend notwendig: Von hier oben sieht man schließlich auf das Häusermeer von Neapel, so, als läge die Millionenstadt direkt zu Füßen des Vulkan.


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