Kurz nach
zehn Uhr trinken wir unseren ersten Capuccino in einem Café am Flughafen.
Etwa gegen 9.30 Uhr waren wir nach zwei Stunden Flugzeit von Berlin
gelandet, hatten kurz zuvor eine grüne, bergige Landschaft überflogen.
Und nun Neapel,
Hauptstadt von Kampanien: Mit dem Bus – das Ticket kostet drei Euro –
geht es vom Airport in die Innenstadt, zum Piazza Garibaldi.
Hier in
den Außenbezirken erscheint Neapel aber zunächst einmal so, wie man sich
einst wohl Süditalien generell vorgestellt hat: Halbfertige Häuser,
unverputzt, daneben verfallende Ruinen, über allem der Hauch von Stagnation
und eben auch Verfall.
Doch
schon wenige Minuten Später, inmitten des chaotischen Verkehrs der
Innenstadt, entfaltet dieser Hauch von Verfall seinen ganz eigenen Charme,
seine eigene Mischung von Morbidität und Lebenskraft. Man sieht etliche,
einst hochherrschaftliche Häuser, verziert mit Ornamenten und ausgestattet
mit kleinen Balkonen, auf denen nun die Wäsche zum Trocknen hängt, einige
wohl gerade restauriert, zumindest aber mit einem frischen Farbanstrich
versehen, andere dagegen, die nach Jahrzehnten in der stickigen Luft wohl
mehr als nur einen frischen Farbanstrich gebrauchen könnten.
Die Piazza
Guiseppe Garibaldi ist das Herz Neapels, der Hauptplatz, Knotenpunkt der
Bus- und Straßenbahnlinien – und dabei selbst ein Platz ohne Zentrum,
durchsetzt von Bauzäunen, mit einem nicht einmal sonderlich beeindruckenden
Garbibaldi-Denkmal eher an seinem Rand.
Im Kopf
haben wir natürlich die Geschichten von Taschendieben, die auf ihren Vespas
herumrasen, bewegen uns entsprechend vorsichtig, tragen die Rucksäcke vor
dem Bauch – doch das einzig Kriminelle, was wir tatsächlich sehen, ist
ein eher harmlos anmutendes Hütchenspiel, harmlos jedenfalls im Vergleich
zu dem, was auf dem Berliner Alexanderplatz abläuft.
Wir
suchen unser Hotel, das Plaza am Piazza Principe Umberto, etwas nördlich
vom Piazza Garibaldi gelegen, werden aber erst von Passanten in Richtung Süden
geschickt, weil nämlich dort vom Piazza Garibaldi auch der Corso Umberto I
abgeht, eine der Hauptstraßen von Neapel.
Schließlich
finden wir dann aber doch noch unser Hotel, geben aber erst einmal nur unser
Gepäck ab, weil die Zimmer erst gegen 12 Uhr bezugsfertig sein werden, wir
es aber erst kurz nach elf Uhr haben.
Wir gehen
nun den Corso Guiseppe Garibaldi ein Stück nach Süden bis zum Piazza
Nolana, an dem ein mittelalterlich anmutendes Stadttor, halb überbaut von
einem älteren Wohnhaus, den Eingang zu einem Markt markiert. Das ist wohl
das, was man unter einem „typischen Altstadt-Markt“ in einer engen, als
Fußgängerzone ausgewiesenen Gasse versteht: Stände von Fischhändlern, Stände
mit Lederwaren, Schuhen, dazu auch allerlei Trödel und natürlich darf auch
ein Zieharmonikerspieler hier nicht fehlen.
Diese
Marktstraße verbindet den Corso Guiseppe Garibaldi mit dem Corso Umberto I
– und über den gehen wir nun zu unserem Hotel zurück, checken dort ein
– und machen uns nun über den Corso Umberto I auf den Weg zum Hafen.
Während
links und rechts von dieser Hauptstraße tatsächlich die engen
neapolitanischen Altstadtgassen abgehen, ist der Corso Umberto I eine der
wichtigen Verkehrsadern, mit Buslinien – und einem vergleichsweise
schmalen Bürgersteig, nicht gerade eine Flaniermeile. Aber angelegt wurde
er offensichtlich als Pracht- und Präsentationsmeile. Rund um den Piazza
Nicola Amore, momentan auch der allerdings gerade eine Baustelle für eine
U-Bahn-Station, stehen die gleichmäßig ausgerichteten Prachtbauten vom
Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, alle geschmückt mit
Herkulesfiguren, die auf die Mitte des Platzes schauen.
Restaurants
findet man an dieser Prachtstraße aber eher nicht – und so essen wir an
einem kleinen Platz in einer der Nebengassen, im Schatten einer verfallenen
Kirche, auf derem Dach bereits die Bäume wachsen, zu Mittag.
Innerhalb
der Altstadt kann man wohl fast alle Wege zu Fuß erledigen – und schließlich
erreichen wir den Hafen, wo wir zunächst für den kommenden Tag für 43
Euro zwei Fährtickets für die Überfahrt nach Capri kaufen.
Gegenüber
dem Hafen liegt das Castel Nuovo, zur Hafenseite
hin ein dunkles, abweisender Gemäuer, fast fensterlos, die Wälle beinahe
steil nach oben ragend. (Auf alten Darstellungen wird das Castel Nuovo,
errichtet in der Herrschaft von Karl I von Anjou im 13. Jahrhundert
allerdings fast immer weiß dargestellt.)
Auf
seiner Landseite mit der der Stadt zugewandten Seite gibt sich die Burg, in
der heute der Stadtrat von Neapel tagt, allerdings mehr als freundlich. Hier
befindet sich auch das mit Ornamenten verzierte Hauptportal, ganz in weiß
gehalten – ein pittoresker Gegensatz zu den braunen Rundtürmen.
Das
Castel Nuovo, auch Maschio Angioni genannt, dient heute vor allem als
Museum, wobei die Gemälde neapolitanischer Maler im Mittelpunkt stehen. Aus
dem 17. Jahrhundert haben wir hier vor allem religiöse Motive,
Kreuzigungsdarstellungen, Bilder vom Opfertod christlicher Märtyrer, alles
meist düster gehalten, gemalt mit dunklen Farben. In den oberen Stockwerken
finden sich die Werke aus dem 19. Jahrhundert, wobei hier die Heldentaten
von Garibaldi im Vordergrund stehen. Und schließlich, das Prachtstück des
Museums: Das alte Bronzetor, das einst das Castel selbst verschloss.
Von der
Galerie des Castels aus übersieht man die Bucht von Neapel, bis hin zu den
vorgelagerten Inseln – und, auf der anderen Seite der Bucht, natürlich
den Vesuv mit seiner abgebrochenen Spitze.
Nun
laufen wir die Hafenpromenade entlang zum Castel
dell’Ovo, dem „Eier-Kastell“. Die Burg aus der Zeit der Normannen,
etwa 200 Jahre älter als das Castel Nuovo und auf einer kleinen
vorgelagerten Insel gelegen, verdankt seinen merkwürdigen Namen einer
Legende, nach der Vergil ein Ei in das Gemäuer gesetzt haben soll – und
Neapel so lange bestehen würde, wie das Ei ganz bliebe.
Schon von
weitem sieht man die Mauern dieses Kastells die Strandpromenade mit ihren
vornehmen Hotels überragen, weit gigantischer als das Castel Nuovo, mit
seinen zweckmäßigen, kantigen Formen, auf alle Schnörkel verzichtend,
auch viel moderner erscheinend als die jüngere Burg.
In seinem
Inneren eine eigene, schweigsame Stadt, mit ansteigenden Straßen und
Gassen, mit Torbögen und Plätzen. Und von ihren Wällen aus sieht man
wieder auf den Vesuv...
Neben dem
Castel dell’Ovo liegt das alte Borgo Marinari, einst wohl ein kleiner
Fischerhafen in Nachbarschaft zu Neapel, nun, unmittelbar neben dem
Yachthafen, ein Ort der Fischlokale, Cafeterias und Restaurants. Aber auch
kein billiger Ort: Für vier Capuccinos und zwei Eis zahlen wir stolze 24
Euro!
Mit der
Straßenbahn fahren wir zurück zum Hotel. Versehentlich fahren wir dabei
auch noch schwarz: Die Fahrkarten gibt es nicht am Zug, auch nicht an den
Haltestellen, sondern die müsste man extra, wie wir später erfahren, in
einem Tabakladen kaufen, dann im Waggon abstempeln lassen. Aber selbst wenn
wir Fahrkarten hätten: Ob wir durch dieses Gedränge bis zu den
Stempelautomaten durchgekommen wären? Dazu steht die Bahn ständig im Stau,
weil die Autos hier auch auf den Straßenbahngleisen fahren.
Zu Fuß
kommt man in Neapel wohl doch noch am bequemsten voran!
Am Abend
gehen wir noch in ein kleines Restaurant in der Nähe unseres Hotels, zahlen
hier für einen Salat, ein Beefsteak ohne alle Beilagen und zwei Glas Wein
wieder 24 Euro.
Samstag,
25. Juni 2005: Capri
Um 9.10
Uhr verlässt unsere Katamaran-Fähre den Hafen von Neapel und geht auf die
ca. 50-minütige Überfahrt nach Capri.
Capri:
Das ist eine felsige Steilküste, teilweise sicherlich 50 oder noch mehr
Meter hoch, fast vertikal abfallend, eine Insel, die nur an wenigen Stellen
wirklich anzulanden ist.
Und Marina
Grande, der Haupthafen der Insel, der Hafen, der auch von den Fähren
angefahren wird, ist da geradezu ein Mittelmeer-Bilderbuchhafen mit Yachten,
auf der Mole liegenden Fischerbooten, einer Hafenpromenade mit Restaurants
und einem kleinen Hotel, das ganze vor einem sanft ansteigenden Hügel,
links und rechts aber umgeben von steilen Felsen.. Auf dem Hügel sieht man
die Häuser des Ortes Capri, das Stadtzentrum zu erkennen an dem, die
anderen Gebäude überragenden Glockenturm.
Doch
bevor wir den Hügel zum Ort Capri emporsteigen geht es mit dem Boot zur Blauen
Grotte. Vielleicht 20 Minuten dauert die Fahrt, vorbei zunächst an zwei
Badestränden, mehr Badeanstalten, gleich hinter Marina Grande, dann weiter
die schroffen Felsen entlang, in deren Nischen die Möwen nisten.
An der
Blauen Grotte herrscht dann erst einmal Stau! Bevor wir von unserem großen
Boot auf eines der kleinen Ruderboote umsteigen können, müssen wir also
erst einmal warten, bis die Gäste der anderen Ausflugsschiffe abgefertigt
sind. Denn genau das ist es hier: Massenabfertigung!
Sitzen
auf den Bänken der Ruderboote ist auch unmöglich. Wir müssen uns, jeweils
vier Passagiere pro Ruderboot, auf den Boden hinhocken, dann, bei Einfahrt
in die Blaue Grotte selbst, möglichst Flach auf den Boden legen, Hände und
Kopf einziehen. An einer Eisenkette ziehend bringt uns der Bootsführer so
durch den schmalen und niedrigen Schlund der Grotteneinfahrt. Die Feldwände
sind nur wenige Zentimeter von unseren Köpfen entfernt.
In der
Grotte selbst herrscht zunächst einmal absolute Dunkelheit. Nach einigen
Augenblicken hat man sich dann daran gewöhnt, dass Licht hier nur durch den
schmalen Zugang eindringt – doch dieses Licht wird so vom Wasser
reflektiert, dass das Wasser nun wirklich azurblau zu leuchten scheint.
Nach dem
Ausflug zu diesem Naturwunder machen wir uns nun an den Aufstieg zur Stadt
Capri. Der steile Weg, teilweise ummauert, ist links und rechts gesäumt
von hübschen Villen und Landhäusern, die meisten mit Gärten, in denen die
Zitronen blühen.
Gut 20
Minuten dauert die Wanderung, dann haben wir den Glockenturm, den man auch
vom Hafen aus sieht, erreicht. Gleich neben dem Platz mit dem Glockenturm
befindet sich der Aussichtspunkt, von dem aus man nun die Bucht mitsamt dem
Hafen überschaut.
Das
andere markante Gebäude von Capris Zentrum ist eine weiße Kirche,
ausgestattet mit einer prachtvollen, großen Orgel und zahlreichen Gemälden
– etwas zu groß erscheinend für einen so kleinen Ort, wie Capri ohne
seine Besucher nun einmal ist.
Ansonsten
ist der Ort Capri ein Ort der weißen Häuser und engen Gassen, durch die
nicht einmal ein Mofa kommt. Aber: Es gibt wohl keine Luxus-Boutiquen-Kette,
die hier nicht ihre Niederlassung hat!In den Andenkengeschäften – und
davon gibt es beinahe in jedem Haus eines – werden vor allem Keramiken
aller Größen und Preisklassen, von kleinen Kacheln bis zu lebensgroßen
Figuren, verkauft, und überall werden auch Zitronenliköre in ausgefallenen
Flaschen sowie alle anderen Produkte, die man aus Zitronen gewinnen kann,
angeboten.
Gegen
19.10 Uhr fahren wir mit der letzten Fähre des Tages zurück nach Neapel.
Soweit wir es beobachten können, hat sich nun auch Capri geleert, dass bis
dahin vor allem von Tagesbesuchern bevölkert wurde.
Sonntag,
26. Juni 2005: Hercunaelum (Ercolano) – Vesuv
Am Morgen
fahren wir mit der Regionalbahn nach Ercolano. Das
Ticket hin und zurück kostet zum Wochenendtarif ganze 2,80 Euro – wobei
sich der Fahrschein als „Touristenfalle“ erweist. Um den Bahnsteig zu
betreten, muss man nämlich durch eine Sperre, die man dadurch öffnet,
indem man das Ticket hineinschiebt. Wer allerdings, wie wir in unserer
Naivität, glaubt, der Fahrschein wäre nun auch bereits entwertet, erliegt
einem teuren Irrtum. Das merken wir, als wir in Ercolano aussteigen und am
Ausgang in die Fahrscheinkontrolle geraten. 34 Euro müssen wir nun
nachzahlen.
Die alten
und schmuddeligen Züge, bei vielen selbst die Fenster mit Graffiti besprüht,
sind an diesem Sonntagmorgen absolut überfüllt. Allerdings dauert die
Fahrt nach Erolano auch nur wenige Minuten.
Das
moderne Ercolano ist ein mit Neapel zusammengewachsener Vorort mit eintönigen
Wohnhäusern beidseits der Bahnlinie.
Von der
Bahnstation aus geht es „bergab“ zum antiken Herculaneum,
dessen Grabungsfeld tatsächlich etwa 20 Meter unter dem durchschnittlichen
Höhenniveau der modernen Stadt liegt. Dieses Grabungsfeld, ein archäologischer
Park mit einem regelrechten Spazierweg drum herum, hat die Fläche von
vielleicht zwei oder drei Fußballfeldern, ist also eher klein.
Was man
auf den ersten Blick sieht: Ein Ruinenfeld, das so auch erst vor wenigen
Jahren durch ein Erdbeben oder einen Bombenangriff zum Ruinenfeld hätte
geworden sein können. Dass dies eine antike Grabungsstätte ist, dass wir
hier die Reste einer Stadt sehen, die vor 2000 Jahren beim Ausbruch des
Vesuv unter Lava und Vulkanasche begraben wurde, erahnt man allenfalls an
den Säulengängen, mit denen einige der Höfe ausgestattet sind.
Der
Eingang zum Grabungsfeld befindet auf der entgegengesetzten Seite, so dass
man zunächst um die Anlage herumgeht, also das Panorama des antiken
Herculaneum genießt, nun umgeben von den Häusern der modernen Stadt.
Das hier
war wirklich eine Kleinstadt, aber organisiert wie alle anderen römischen
Städte, unterteilt in „Insulis“, also verschiedene Wohnviertel, eine
Unterteilung, die hier vielleicht nicht einmal nötig gewesen wäre, die
aber von Rom eben übernommen wurde.
Dabei
besteht die Stadt – zumindest das, was von ihr wieder frei gelegt wurde
– aus lediglich drei Längsstraßen sowie einigen wenigen Querstraßen.
Allerdings: Nirgendwo ist eine römische Stadt besser erhalten als hier!
Das gilt
nicht nur für die alte Therme der Frauen. Von der Größe her sind diese
Thermen nicht einmal ansatzweise vergleichbar mit denen der wirklich großen
antiken Städte, aber diese Thermen hier sind fast vollständig erhalten,
noch immer ausgestattet mit ihren Mosaiken an den Wänden und den Fußbodenkacheln,
die sich durch nichts von modernen Badezimmerkacheln unterscheiden. Fast
scheint es, als könnten diese Thermen nach einer gründlichen Renovierung
wieder in Betrieb gehen.
Und das lässt
sich auch von den Tavernen sagen. Die Amphoren, fest ins Mauerwerk gelassen,
sind in der einen Taverne noch vollständig erhalten, in einer anderen
liegen sie (wobei das wohl rekonstruiert sein dürfte!) in ihren hölzernen
Regalen.
Diese
Sommerhäuser vornehmer Römer hier verfügen über Gärten mit
Wasserbassins aus Marmor, im „Haus der Bronze“ steht ein bronzener Kopf,
wie man ihn auch in einem Souvenirladen finden könnte.
Immer
wieder beeindruckend sind die Mosaiken, die man in fast allen Häusern
entdeckt: Tiermotive, Familienszenen, vor allem aber Darstellungen der Götter,
zum Beispiel im „Haus des Neptun“. Das alles wirkt so, als wäre es noch
am Tag zuvor voller Leben gewesen!
Vorteilhaft
vor allem: Hier in Herculaneum sind – zumindest gerade jetzt – nur
wenige Touristen, so dass man wirklich fast ungestört stöbern kann.
Nach dem
Mittagessen gehen wir wieder zum Bahnhof, weil hier auch die Sammeltaxis zum
Vesuv starten. Allerdings müssen wir knapp eine Stunde
warten, bis auch wirklich eine Gruppe – mindestens acht Leute – komplett
ist. In der Gruppe kostet die Fahrt hin und zurück schließlich nur zehn
Euro pro Person, ansonsten müssten wir ein Vielfaches zahlen.
Kurz vor
zwei brechen wir also zum Vesuv aus – in der Zeit der größten Hitze!
Durch die
engen Gassen am Stadtrand von Ercolano, das hier nun fast ländlich
erscheint, geht es hinauf zum Nationalpark des Vesuv. Neben der Straße
liegt nun ein Lavafeld, das von seinem letzten Ausbruch 1944 stammt.
Die Fahrt
endet an einem Parkplatz, dann zahlen wir noch einmal sechs Euro Eintritt
pro Person – und beginnen den Aufstieg zum Krater. Das ist fast eine
Prozession, die hier, ausgestattet mit Wanderstöcken, die am Eingang
verliehen werden, über den gewundenen Lavaweg nach oben zum Gipfel wandert.
Ab und an sieht man am Wegesrand eine Eidechse – und unter uns liegen eben
die Reste jenes Lavastromes, der sich 1944 aus dem Krater ergossen hat.
An der
letzten Station vor dem Gipfel wartet aber erst einmal ein Getränke- und
Andenkengeschäft: Man findet hier Schmuck aus Lavstein – von der
Halskette bis zum Ring, aber auch Schachspiele aus Lavafiguren und mehr.
Ein
eigentlich bequemer Wanderweg führt um den Krater herum, der nun aber ganz
friedlich ausschaut, fast wie die Reste eines Kohle-Tagebaus, mit
vereinzelten grünen Büschen auf dem Grund, nicht einmal ansatzweise
bedrohlich. Beinahe wäre man versucht, in den Krater hinabzusteigen –
wenn denn das nicht durch eine Absperrung verhindert würde.
Lediglich
an einer Seite des Kraters findet sich eine schwarze Spur, vielleicht
entstanden bei der letzten Eruption. Eine Messtation auf einem Felsbrocken
signalisiert allerdings: Dies ist ein aktiver Vulkan – wenn auch wohl der
von allen Vulkanen im intensivsten beobachtete!
Das ist
aber wohl auch drinend notwendig: Von hier oben sieht man schließlich auf
das Häusermeer von Neapel, so, als läge die Millionenstadt direkt zu Füßen
des Vulkan.
Gegen
19.00 Uhr sind wir wieder in Neapel. Die Stadt ist um diese Zeit wie
ausgestorben, Restaurants und Cafés haben noch geschlossen. Erst gegen acht
Uhr finden wir am Piazza Garibaldi ein Lokal, in dem wir etwas essen können.
Am nächsten Tag müssen wir schließlich früh aufbrechen, um pünktlich
unseren Flieger zu erreichen.