Island, der Süden: Gullfoss, Geysir, Thingvellir, Seite 3

Höhepunkte im Süden von Island - Gullfoss, der "Goldene Wasserfall", Geysir und der Nationalpark Thingvellir



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Der Gullfoss und ein Denkmal für Islands erste Umweltschützerin

Von Selfoss führt unsere Tour zunächst in nördliche Richtung, vorbei an einem Ort namens Fludir, ziemlich schnell in eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Region. Hier zeigt sich Island als eine grüne Insel mit satten Weiden, großen Schaf- und Pferdeherden – und sogar Rinderherden bekommt man hier zu sehen.
Nach vielleicht einer halben Stunde haben wir unser erstes Ziel, den Gullfoss erreicht. Sicherlich gibt es höhere Wasserfälle als den Gullfoss. Und es gibt auch breitere Wasserfälle. Aber es dürfte schwerlich einen zweiten Wasserfall geben, der so verschiedene Formen des Fallens liefert wie dieser.
Dabei erscheint der Gullfoss zunächst wie ein längsseitiges Dreieck, dem man sich selbst von der schmalen Spitze aus nähert. Denn zu den weiteren Besonderheiten des Gullfoss gehört, dass man sich dem Fall tatsächlich bis auf wenige Meter nähern kann.
Klicke auf das BildDazu geht es vorbei an einem kleinen Denkmal für Sigrid von Bratthold, jener Bauerntochter, die in den 30-er Jahren des 20. Jahrhunderts den Wasserfall davor bewahrte, für den Bau eines Kraftwerkes zerstört zu werden. Ihr Vater hatte nämlich als Eigentümer des Landes den Wasserfall zu genau diesem Zweck an die Regierung verpachtet. Die Tochter, die den Wasserfall stets als ihren besten Freund bezeichnete und wohl regelmäßig ihre gesamte freie Zeit an seiner Seite verbrachte, zog deshalb zwei mal zu Fuß nach Reykjavik, erreichte dann tatsächlich, dass die Regierung auf den Bau des Kraftwerkes verzichtete. Nun steht der Gullfoss unter Naturschutz, und Sigrid von Bratthold gilt als so etwas wie die Ahnherrin des Naturschutzgedankens auf Island. So geht jedenfalls die Geschichte, die Yon zum besten gibt, der dazu auch noch zu berichten weiß, dass die gute Sigrid wohl wegen ihrer übergroßen Liebe zum Wasserfall zeitlebens unverheiratet blieb.
Klicke auf das BildAlso vorbei am Denkmal für die Naturschützerin führt der Weg an jener Schlucht entlang, in die der Fluss seinen zweiten Sturz macht. Die Gischt, die dabei die Felsen hochspritzt, hat die Grasbüschel und Sträucher mit einer Eisschicht überzogen, so einen fast mystisch anmutenden Eiswald entstehen lassen.
Es ist eine Front, von der der Fluss in den schmalen Canyon stürzt, ein Canyon, dessen hohe Felsränder nur wenige Meter auseinander liegen. Jedenfalls kann man aus der Nähe den Fall des Wassers nicht mehr verfolgen, sieht nur, dass es tosend am Felsrand verschwindet.
Das ist aber nur der Endpunkt vom Gullfoss. Bevor das Wasser nämlich in den Spalt stürzt, hat es sich, von der oberen Stufe kommend, in einem Beckengesammelt, jenem Becken, dem der ganze Wasserfall seine dreieckige Form verdankt.
Die Felsformation, von der man nun sowohl auf den ersten Fall als auch auf die tiefe Schlucht, dem Ziel des zweiten Falls schaut, wird allerdings ständig nass gespritzt – und ist bei den Temperaturen, die wir jetzt haben, natürlich gefährlich glatt.

Geländefahrt auf der Haukadalsheidi

Klicke auf das BildNach dem Gullfoss-Besuch ist es Zeit für eine Geländefahrt, und zwar auf der Haukadalsheidi, die zwischen Gullfoss und Geysir liegt. Ein Schild weist die Piste zwar wieder als unpassierbar aus, wie schon gestern passieren wir wieder die ersten Schneewehen – aber im Unterschied zu unserer Fahrt auf der Landmannaleid erweist sich der Weg diesmal doch zumindest für die Landrover als zu bewältigen.
Wir passieren zwei Flussläufe, durchqueren eine Landschaft mit erodiertem Lavaboden, auf dem man nun überall zur Wiederaufforstung Alaska-Lupinien angepflanzt hat. Diese Pflanzen wurden extra dazu eingeführt, sollen sich bisher auch bewährt haben.



Am Geysir Strokkur

Dann eröffnet sich vor uns eine weite Prärielandschaft, eine Ebene neben der Hügelkette, aus der wir gerade kommen, und weit vor uns schießt gerade eine Fontäne Dampf aus dem Boden. Das ist der Geysir Strokkur, unser nächstes Ziel.
Auf dem Weg dorthin kommen wir aber noch doch ein kleines Waldstückchen, in dem etliche Ferienhäuser stehen. Mit 40, sagt Yon, müsse ein Isländer, der etwas auf sich hält, ein Sommerhaus besitzen. Und solche Sommerhäuser errichtet man am besten dort, wo man auch einen Wald – und sei er noch so bescheiden – findet.
Rund um den Geysir riecht die Gegend nach Schwefel. Eigentlich bezieht sich das Wort Geysir auf jene heiße Quelle, die bis vor einigen Jahren ihre heißen Dämpfe und das Wasser regelmäßig bis in eine Höhe von 50 Metern heraus schoss, nun aber wohl wegen verstopfter Kanäle im Erdinneren schon etliche Zeit inaktiv ist. Klicke auf das BildAber immerhin hat dieser Geysir allen anderen auf der Welt seinen Namen gegeben, liegt selbst immer noch in einem rötlich gefärbten Feld anderer, noch aktiver Geysire, und an seine Stelle ist der Strokkur getreten, den wir ja schon von weitem gesehen hatten.
Zwischen zwei Ausbrüchen des Strokkur liegen mindestens fünf, aber selten mehr als 15 Minuten. Die Anzeichen eines unmittelbar bevorstehenden Ausbruchs: Das Wasser im Becken beginnt zu brodeln, es bilden sich Blasen, dann folgt auch schon der Schuss, spuckt den heißen, weißen Dampf bis zu 20 Meter hoch. Danach verschwindet das Wasser wieder im Erdboden, bis sich das Becken wieder für den nächsten Schuss füllt.
Es gibt eine ganze Reihe solcher Becken, unterschiedlich aktiv, und eines davon muss wohl als Glücksbringer gelten. Jedenfalls liegen auf dem Boden zahllose Münzen, die man allerdings nicht mehr herausholen kann. Das Wasser ist kochend heiß.
Bei unserer Weiterfahrt passieren wir Laugarvatn, ein Ort, der um eine heiße Quelle innerhalb eines größeren Sees entstanden ist. Im Grunde genommen besteht der Ort auch aus nicht viel mehr als der Badeanstalt, einigen Geschäften, den Ferienhäusern in der Nähe – und etlichen Schulen und Fortbildungsstätten, die hier ihren Sitz haben.

Im Nationalpark Thingvellir

Klicke auf das BildEin Wald an einem See, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees eine schroffe, unendlich lange Felswand: Das ist der Nationalpark von Thingvellir, ein Naturschutzpark und für die Isländer dazu ein historisches Monument. Vor dieser Felswand nämlich fanden im Mittelalter die Volksversammlungen, der Thing statt, und ein Mast mit der isländischen Flagge an der Spitze markiert den Punkt vor dem Felsen, an dem angeblich dabei der Gesetzessprecher gestanden haben soll.
Von einem Aussichtspunkt an der oberen Felskante hat man den Überblick über die gesamte Region. Unten liegt ein Wasserlauf, an dem einige Häuser und eine Kirche stehen, vor allem aber sind es die gewaltigen Felsspalten, die sich kolossal durch diese Landschaft ziehen. Das ist die Stelle, an der der amerikanische und der europäische Kontinent auseinanderdriften. An unserem Aussichtspunkt auf der Felskante stehen wir nun – geologisch betrachtet – bereits auf amerikanischem Boden, was da unter uns liegt, gehört zu Europa.



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