Island, der Süden: Rund um den Hekla, Seite 2

Eine Tour rund um den Vulkan Hekla - von Selfoss zum Hjalparfoss, auf die Landmannaleid und nach Landmannalaugar



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Von Selfoss zum Hjalparfoss

Auf der Tour, die wir in Selfoss beginnen, scheint sich das Bild des Vulkans Hekla als eines freundlichen Riesin zu bestätigen. Wir fahren auf einer asphaltierten Straße parallel zu einem Wasserlauf, neben der Straße weiden die Schafe und die Ponys. Die Hügel spießen grün – und auf einigen Inseln im Fluss wachsen sogar kleine Wäldchen.
Allerdings war Island auch nicht immer so baumlos wie heute, erklärt Yon, der Guide von der Landrover-Firma, über den Funkanlage unseren kleinen Konvoi auf. Bestimmt gut ein Viertel der ganzen Insel waren ursprünglich vor allem von Birkenwäldern bedeckt, die dann aber abgeschlagen wurden, weil schon die ersten Siedler Feuerholz und auch Weideland für die Schafe benötigten. Auf kleinen Fluss-Inseln wie hier dagegen konnten sich kleine Wäldchen halten – weil die Schafe dorthin nie gelangten.
Klicke auf das BildSo gesehen ist diese faszinierende karge Schönheit Islands zum großen Teil also auch das Ergebnis einer von Menschen verursachten Umweltzerstörung - wobei man nun hier und da sieht, dass es inzwischen auch Versuche einer Wiederaufforstung gibt.
Unseren ersten Stop legen wir am Hjalparfoss ein. Dazu verlassen wir die Asphaltstraße, fahren über eine Geröllpiste voller steiler Hügel – und stehen schließlich auf einem Parkplatz oberhalb eines fast kreisrunden Sees. Über uns stürzt das Wasser von zwei Felsschluchten in den See – wobei die beiden herabstürzenden Wasserfälle zu vereinigen scheinen, kurz, bevor sie auf die Oberfläche treffen.
Dafür, dass hier doch ein Wasserfall mit einigen Getöse in ihn hineinstürzt, weist der See eine erstaunlich ruhige Oberfläche vor – und auf breiter Front und ganz ruhig fließt das Wasser vorbei an den Felsklippen in einen eher stillen Fluss.

Durch die Vulkanlandschaft der Landmannaleid

Der Wind bläst jetzt bereits recht frisch, und ohne dicke Jacken wäre es nun trotz Sonnenschein und herrlichen Landschaftsbildes recht unangenehm.
Wir überqueren noch zwei Dämme, die zu einem Stausee gehören, kommen dann zu einem Schild, das daraufhin weist, dass die Weiterfahrt auf der vor uns liegenden Piste, auf der Landmannaleid, momentan nicht möglich sei. Das, so meint Yon, gelte aber nur für normale PKW, nicht für unsere Landrover, eine Einschätzung, die sich etliche Kilometer als Irrtum herausstellen wird.
Klicke auf das BildKurz hinter dem Abzweig hat sich das Landschaftsbild schon drastisch verändert. Hier durchfahren wir nur noch ein Feld von geborstenem Lava und Bimsstein, der bei der letzten Eruption der Hekla im Jahr 2000 an die Oberfläche geschleudert wurde. Zeitweise hat man den Eindruck, man durchfahre eine endlose Kohlehalde, eine leblose schwarze Steinwüste, die nun aber von einer immer dicker werdenden Schneeschicht bedeckt wird.
Schnee im Oktober sei für diese Gegend allerdings völlig ungewöhnlich, meint Yon. Normalerweise falle im November der erste Schnee, der dann aber auch nicht lange liegen bliebe, gleich wieder schmelzen würde.
Immerhin deutet der Schnee auf Leben in der Einöde. Neben der Piste befindet sich eine kleinere Blutlache, umgeben von Pfotenspuren. Vielleicht stieß hier ja ein Polarfuchs auf seine Beute.
Irgendwann ist die zugeschneite Strecke durch diese absolute Mondlandschaft auch für unsere Rover nicht mehr befahrbar. Zwar hatten wir vorher immer wieder Luft aus den breiten Reifen unserer Fahrzeuge gelassen, damit die statt den Schnee zu durchfahren auf ihm „schwimmen“ können, aber irgendwann helfen auch diese bei den klirrenden Temperaturen nervenaufreibenden Arbeiten nicht mehr weiter. Wir müssen umkehren, zurück zu dem Ausgangspunkt, also zu dem, das uns vor der Benutzung der Piste gewarnt hatte. Zwei Stunden hat uns dieser Irrweg gekostet.

Zur Landmannalaugar

Nun also fahren wir wieder auf der Asphaltstraße weiter Richtung Landmannalaugar, einer Asphaltstraße, auf der im Sommer auch ein Linienbus verkehrt, von der man aber jetzt nur die Spitzen der Poller, der Straßenmarkierungen sieht. Die Straße selbst ist nämlich unter Schnee begraben.
Nach etlichen Kilometern, vorbei an einigen wenigen einsamen Gehöften, geht es wieder auf eine, natürlich wieder unter dem Schnee liegende Schotterpiste. Nur ein paar große schwarze Lavabrocken schauen aus der geschlossenen weißen Decke hervor.
Klicke auf das BildEtwa gegen 18 Uhr geht der Vollmond auf, gegen 19 Uhr versinkt die Sonne hinter den Bergen. Faszinierend: das einmalige Blau des Himmels vor dem Sonnenuntergang, das auch kaum durch irgendwelche Wolken getrübt wird. Wir passieren zu diesem Zeitpunkt gerade den Stausee Hrauneyalón und die Region Lodmundur.
In der Dunkelheit überqueren wir zwei mal einen flachen Flusslauf. Das Wasser des Flusses dampft. Dabei hat es sich angeblich auf vielleicht zehn Grad abgekühlt – ist aber damit immer noch zehn Grad Celsius wärmer als die Luft.
Gegen 20 Uhr erreichen wir Landmannalaugar. In der Nähe der warmen Quellen stehen auf einem von Hügeln umgegebenem Plateau die Baracken, die der isländische Wanderverein als Ausgangspunkt für Gletschertouren hier errichtet hat. Im Sommer bringt der Linienbus die Wanderer bis hierher – die sich dann auf die gut 50 Kilometer lange Strecke über den Gletscher bis zur Südküste begeben.



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