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Die Reiseroute: Schweden:
Stockholm
- Örnsköldsvik -
Högbonden - Ulvön -
Norrbyskärr - Bjurholm -
Finnland: Vasa -
Seinäjoki - Ähtäri -
Kauhaneva Nationalpark
- Toivakka Gard -
Kurikka - Kristinestad -
Kaskö - Närpes
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Donnerstag, 12. Juni 1997: Berlin - Kopenhagen - Stockholm - Örnsköldsvik -
Högbonden - Ulvön (Schweden)
Von Berlin-Tempelhof startet die Maschine nach Kopenhagen, nach
kurzem Zwischenaufenthalt geht es dann weiter nach Stockholm.
Beim Anflug auf
Stockholm ist an der schwedischen Küste wenig
davon zu bemerken, dass wir uns immerhin über einem der führenden Industrieländer
befinden: Ich blicke auf eine ausgefranste Uferlandschaft mit dichten Wäldern, scheinbar
unberührt von menschlichen Behausungen, vorgelagerte Inseln, ebenfalls von üppigem Grün
überzogen.
Stockholms Flughafen, zumindest das, was ich davon zu Gesicht
bekomme, macht für den internationalen Flughafen einer Landeshauptstadt einen eher
unscheinbaren, bescheidenen Eindruck. Doch das Wetter in Stockholm ist erstaunlich warm.
Kurz vor 15 Uhr startet unsere Maschine nach
Örnsköldsvik,
dem eigentlichen Ausgangspunkt unserer Reise durch Ost- und West-Botnien. Nach einer
knappen Flugstunde haben wir die schwedische Provinzstadt an der "Hohen Küste",
vielleicht 350 Kilometer südlich des Polarkreises erreicht. Für die örtliche Presse
scheint unser Besuch einen hohen Stellenwert zu haben: Jedenfalls begleitet uns für die
nächsten Stunden eine Reporterin der Lokalzeitung - und zum Gruppenbild zusammenstellen
müssen wir uns auch. Im Bildhintergrund dabei: Der Hafen von Örnsköldsvik, eisfrei bis
in die späten Wintermonate, und deshalb für die gesamte Region von außerordentlicher
Wichtigkeit.
Bei unserer Weiterfahrt kommen wir an klaren, sauberen
Binnenseen vorbei, und natürlich auch immer wieder an den rosa schimmernden Klippen der
berühmten Steilküste. Überall an den Binnenseen sieht man Leute baden.
Andreas, unser Reiseleiter von "Pro Nord", erzählt
als Anekdote aus dem Leben der Einheimischen: In den kleinen Bauern- und Fischerdörfern
ist mit einem Kaufmannsladen nicht genug Umsatz zu machen, als dass ein Mensch davon leben
könne. Weil aber trotzdem jedes Dorf einen solchen Laden hat, arbeiten die Kaufleute eben
daneben wie die anderen auch als Bauern oder Fischer, können also während der
Geschäftszeiten nicht in ihrem Laden sein. Kein Problem: Laden und Ladenkasse sind auch
ohne Verkaufspersonal geöffnet. Die Kunden nehmen sich ihre Ware, tun das Geld dafür in
die Kasse. Wo jeder jeden kennt, wird weder betrogen noch gestohlen.
Von
Barsta, einem "Dorf", dass vielleicht ein Dutzend
Häuser zählt, setzen wir am frühen Abend nach Högbonden über, wo wir den Leuchtturm
besuchen wollen. Jetzt in den Sommermonaten werden die zum Leuchtturm gehörenden
Wirtschaftsgebäude als Ferienunterkünfte genutzt; in den Wintermonaten ist die Insel
gänzlich unbewohnt.
Den Eindruck von Einsamkeit kann sie aber auch jetzt trotz
unseres Besuchs vermitteln: In den Buchten der steil abfallenden Küste tummeln sich nur
die Seevögel.
Obwohl es schon auf neun Uhr zugeht, ist es immer noch hell,
als wir die Insel Ulvön ansteuern. Der gleichnamige Hauptort unmittelbar an der Küste
besteht aus vor allem roten Holzhäusern, macht einen malerischen Eindruck. 200 Menschen
sollen hier im Sommer leben; Dauerbewohner hat Ulvön allerdings nur 40.
Nach dem Abendessen schlendern wir durch das Dorf, besichtigen
die alte Dorfkirche, geschmückt mit Seemannsbildern, und schließlich einen Kaufladen,
der im Original einen Kaufmannsladen aus den 30er Jahren nachbildet. So könnten
auch die Läden aussehen, von denen Andreas erzählt hat.
Nach Mitternacht brechen wir mit zwei Wagen zur Elch-Safari
auf. Der erste Elch, auf den wir stoßen, treffen wir gleich hinter dem Ortsausgang. Das
kapitale Exemplar lässt sich auch vom Motorengeräusch nicht stören, äst ungerührt von
unserer Anwesenheit weiter in seiner Lichtung. Bei der Weiterfahrt, das Tageslicht hat
sich in gleichzeitige Abend- und Morgendämmerung verwandelt, über dem Boden liegt
Frühnebel, sehen wir immer wieder Elche, die bis an die wenigen Häuser herangehen um
dort zu fressen. Scheu kennen diese Tiere hier jedenfalls nicht.
Insgesamt rund 40 Elche, also ebensoviel wie menschliche
Dauerbewohner, leben auf Ulvön - also ein ausgewogenes Verhältnis.
Nach einem letzten Saunagang, die Sauna ist beileibe nicht so
heiß wie ich es gewohnt bin, geht unsere erste helle Nacht von Botnia zu Ende.
Freitag, 13. Juni
1997: Ulvön - Norrbyskärr - Bjurholm - (Schweden) - Vasa - (Finnland)
Nach dem Frühstück im Hotel setzen wir mit dem Boot
wieder aufs Festland nach Köpmanholmen über, fahren dann ein Stück mit dem Bus, um dann
wieder mit einem Boot nach Norrbyskär zu gelangen.
Norrbyskär ist praktisch eine Museumsinsel zum Thema
Industrialisierung des Nordens. Bis in die 50-er Jahre war hier eines der größten
Sägewerke Europas. 2000 Menschen waren damit beschäftigt, hier und auf den benachbarten
Inseln das Holz zu schlagen, es zu verarbeiten - und schließlich in alle Länder Europas
zu verschiffen.
Heute leben nur noch die Nachkommen der alten
Industriellenfamilie auf Norrbyskär, betreiben im alten Herrenhaus ein Hotel - und die
roten Backsteingebäude der früheren Arbeitersiedlung dienen als Ferienhäuser.
Ein Fischkutter bringt uns hinaus auf die Ostsee. Nach einer
guten halben Stunde erreichen wir ein winziges Eiland, auf dem ein kleinerer Leuchtturm
steht. Die nur wenige Quadratmeter große völlig karge "Insel" ist die Heimat
einer Seehundkolonie von vielleicht knapp einhundert Tieren, von denen nun sogar einige
auf unser Boot zuzuschwimmen scheinen. Die Seehundpopulation, so lassen wir uns sagen, hat
durch den totalen Schutz nun so stark zugenommen, dass sich die Tiere nun ihre eigenen
Fischgründe Lehrherren würden. Deshalb würde auch überlegt, die Bestände durch
regulierten Abschuss zu dezimieren.
Doch diese Überlegungen scheinen den Seehunden noch nicht
bekannt zu sein: Ohne sich von unserem Boot stören zu lassen, tauchen sie nach ihren
Fischen oder dösen in aller Ruhe auf ihren Felsen weiter.
Zurück auf dem Festland fahren wir nach
Bjurholm, wo Christer
Johansson, ein ehemaliger Skilanglauf-Weltmeister, gerade eine Elchfarm aufbaut, die
einzige ihrer Art in Europa. Dazu gehört ein Elch"museum", in dem unter anderem
eine Karte das Verbreitungsgebiet des Elchs praktisch über die gesamte nördliche
Hemisphäre zeigt.
Und vor allem gehören dazu die Elche: Die Tiere trotten zwar
zur Fütterung - doch dass sie sich von uns streicheln lassen würden, soweit geht ihre
Zahmheit nun doch nicht. Bockbeinig gehen sie in Angriffsposition - und auch einer junger
Elch kann ohne Geweih mit Leichtigkeit einen Menschen umstoßen.
In Holmsund besteigen wir gegen 20.30 Uhr die Fähre der Silja
Line nach Vasa. Nach Mitternacht verbringen wir die Zeit an Deck, beobachten, wie die rote
Sonne scheinbar am westlichen Horizont untergeht Doch Dunkel wird es nicht. Denn dem
Sonnenuntergang folgt unmittelbar im Osten ein neuer Sonnenaufgang.
Kurz vor Vasa werden wir auf die Brücke eingeladen: Das Schiff
wird elektronisch gesteuert, jede Untiefe, jede Fahrrinne mit Radar ausgelotet. Und der
Computer berechnet ständig die aktuellen Grenzen der Manövrierfähigkeit. Obwohl vor
Vasa unzählige kleine Inseln liegen, jede Menge kleinerer Boote unterwegs sind -
eigentlich sollte bei dieser Technik ein größeres Unglück ausgeschlossen sein.
Nach ein Uhr morgens sind wir in Vasa, fahren in unser Hotel -
und versuchen zu schlafen.
Samstag, 14. Juni
1997: Vasa - Seinäjoki - Ähtäri - Kauhaneva Nationalpark - Toivakka Gard - Kurikka
Wir frühstücken in der Markthalle von Vasa: Ein
restauriertes Holzgebäude, wo in kleinen Geschäften vor allem die Nahrungsmittel der
Region verkauft werden.
Vasas Altstadt scheint ohnehin in Gänze restauriert zu sein:
Die Häuser stammen offenkundig aus der Zeit der Jahrhundertwende oder dem späten 19.
Jahrhundert - ältere Gebäude gibt es allerdings nicht zu sehen.
Auf der Fahrt nach Seinäjoki fängt es an zu regnen - und als
wir am Ziel erreichen, befinden wir uns in einem regelrechten Wolkenbruch.
Seinäjoki ist die Heimatstadt des Architekten Altar Aalt, wohl
eines der Stammväter der modernen Architektur. In Seinäjoki zumindest wird er als
größter Sohn der Stadt verehrt - und durfte in den 50er oder 60er Jahren
auch die ganze Stadt nach seinen Vorstellungen umbauen. Das Ergebnis: Breite Straßen ohne
urbanes Zentrum, ein Theater, das hier in der Provinz um einiges zu groß geraten sein
dürfte - eine modernistische Gemeinde, die so überall auf der Welt zu finden sein
dürfte. Der Regen erspart uns eine nähere Besichtigung.
Die nächste Station ist weitaus interessanter. Ähtäri
sei,
so wird uns berichtet, flächenmäßig die größte Gemeinde Finnlands - wobei wir von dem
Dorf oder der Stadt selbst allerdings nichts sehen. Dafür besuchen wir zunächst den Zoo
dieser Landgemeinde, die ein beliebtes Ausflugsziel der Finnen zu sein scheint.
Ähtäris Zoo ist auf die Tiere Finnlands spezialisiert - und
als normaler Reisender dürfte man kaum Gelegenheit haben, auf Schneefüchse, Wölfe oder
die noch relativ zahlreichen Braunbären zu stoßen.
Schließlich unternehmen wir auf dem See eine Bootstour - wobei
wir diesmal selbst zum Ruder greifen müssen. Wir stellen fest: Den einheitlichen Takt der
Ruderschläge zu halten ist ohne Übung fast unmöglich. Selbst hier sind die
Schneefüchse so scheu, dass sie sich im Gebüsch ihres Geheges verkriechen.
Nach unserem Besuch in Ähtäri fahren wir zum
Nationalpark
Kauhneva: Wir wandern durch den Birkenwald, überall wächst das Moos, und erreichen
endlich die eigentliche Attraktion des Parks: Das Moor. Von den Holzstegen abzuweichen ist
hier aus guten Gründen untersagt - auch wenn das Wasser der Seen klar und der Boden fest
zu sein scheint.
Auf einem Gutshof namens Toivakka Gard haben wir unser
Abendessen. Der abgelegene Gutshof - ein Herrenhaus, ein Haus für den
"Altbauern" , ein Wirtschaftsgebäude, alles aus Holz, ist noch original aus dem
vorigen Jahrhundert erhalten - und zum Essen spielt eine Trachtengruppe auf.
Die Nacht verbringen wir in einem Hotel in Kurikka.
Sonntag, 15. Juni
1997: Kristinestad - Kaskö - Närpes - Stockholm - Kopenhagen - Berlin
Der letzte Abschnitt unserer Reise gehört den
finnischen Kleinstädten.
Die erste Station: Kristinestad, ein Ort ganz aus Holz gebaut.
Fast scheint es, als sei der ganze Ort so wie er ist unter Denkmalschutz gestellt.
Allerdings ist Kristinestad jetzt am Sonntag Morgen völlig verschlafen - kein Einwohner
lässt sich auf der Straße sehen. Allerdings ist das regnerische Wetter auch nicht sehr
einladend.
Wir lassen uns durch das Kaufladen-Museum von Lebell führen:
Ein altes Handelshaus mit Kontoren hinter dem direkt an der Straße liegenden
Hauptgebäude. Interessant: Die Familie Lebell stammte aus Deutschland - und Deutsch, so
erklärt der Museumsführer, war im Ostseeraum durch die Hanse und ihre weitreichenden
Verbindungen in den vergangenen Jahrhunderten im Ostseeraum die internationale Handels-
und Geschäftssprache.
Die beiden folgenden Stationen durchlaufen wir im
Schnelldurchlauf: In Kaskö lasen wir uns von dem örtlichen Staatsanwalt durch die - eher
unscheinbare - Kleinstadt fahren, nehmen als Gastgeschenk noch jeder einige Tomaten mit,
die hier tatsächlich prächtig gedeihen, und in Närpes verlassen wir nur einmal kurz den
Bus, um uns im Garten des Gemeindehauses kurz die Füße zu vertreten. Auch Närpes, die
kleinste Stadt Finnlands, direkt am Meer gelegen, ist ganz aus Holz gebaut.
Durch den Regen geht es dann zurück nach Vasa, wo wir in unsere Maschine nach
Stockholm einsteigen. Über Kopenhagen geht es dann wieder nach Berlin.
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