Bodensee: Meersburg, Mainau, Konstanz, Friedrichhafen, Lindau und mehr, Seite 2

Eine Tour durch Konstanz, vom Hafen mit der Imperia zum Schauplatz des mittelalterlichen Konzils


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Die Imperia von Konstanz

Unsere Konstanz-Besichtigung beginnt am Bushalteplatz, neben dem Bahnhof gelegen, führt zunächst an einem kleinen Rummel und dem Yachthafen vorbei zur ersten Sehenswürdigkeit, zu der Figur der Imperia an der Hafeneinfahrt.
Klicke auf das BildDiese sich ständig drehende neun Meter hohe Imperia-Statue steht hier zwar erst seit 1993, war zunächst auch heftig umstritten, hat sich aber in kurzer Zeit zu einem Wahrzeichen der Stadt und einem ihrer beliebtesten Fotomotive gewandelt.
Denn die Konstanzer Imperia stellt eine mittelalterliche Prostituierte dar, barbusig und offen geschürzt, in der linken und rechten Hand einen weltlichen und einen geistlichen Herrscher haltend. Dabei ist diese Imperia tatsächlich eine historische Figur, die allerdings ihrem Gewerbe lediglich in Rom nachging. Balzac verlegte in einigen seiner Geschichten ihr Tätigkeitsfeld während der Zeit des Konzils um 1415 nach Konstanz – und so wurde die literarische Imperia zum realen Konstanzer Wahrzeichen.
Neben der Imperia wirkt das zweite Denkmal am Hafen eher unscheinbar: Eine graue Säule, auf der eine Skulptur deutschen Sagenfigur Wiegand, der Schmied thront. Dieses Denkmal ist dem in Konstanz geborenen Grafen von Zeppelin geweiht.

Auf dem Weg zum Münster

Für das touristische Konstanz ist das mittelalterliche Konzil aber ohnehin viel wichtiger als der Zeppelin. Das verdankt die größte Stadt am Bodensee auch ihrer Nähe zur Schweizer Grenze. Bei den wenigen Luftangriffen während des zweiten Weltkrieges trafen die Alliierten versehentlich nämlich auch Schweizer Ortschaften – weswegen diese Angriffe rasch eingestellt wurden, Konstanz verschont blieb und sein mittelalterliches Gesicht bewahren konnte.
Das so genannte Konzils-Haus am Hafen ist dennoch ein profaner Neubau, zweitweise als Kaufhaus genutzt, vorübergehend aber Ort einer Ausstellung über das Konzil, seitdem im Volksmund mit dieser Bezeichnung versehen.
Von hier geht es über eine der Hauptstraßen in die mittelalterliche Altstadt mit ihren Gebäuden, die teilweise noch aus dem 13. Jahrhundert stammen. Eines dieser Häuser an der alten Hauptstraße trägt die Bezeichnung „Hohes Haus“. Das gelb getünchte Gebäude war mit seinen vier Stockwerken im Mittelalter tatsächlich das höchste Haus der Stadt, wurde lediglich von den Kirchtürmen übertroffen, und befand sich damals fast direkt am Ufer des nun doch um einiges entfernten Bodensees.
Eine aus späterer Zeit stammende Wandmalerei erinnert daran: An dieser Stelle wurde ursprünglich auch der Fischmarkt abgehalten.
Klicke auf das BildDurch eine Tür versperrt, nur bei einer organisierten Stadtführung zu betreten, ist die parallel zur Hauptstraße verlaufende schmale hintere Gasse, die alte „Abfallgasse“. Die Idee bei ihrer Anlage: Da es keine organisierte Müllabfuhr gab, sollten die Menschen ihren Müll aus den Fenstern einfach in diese schmale Gasse werfen. Beim nächsten Regen, so die Theorie, würde dann alles in den See gespült.
Das Problem, so klärt unser Stadtführer auf, war allerdings, dass diese engen Gassen schnell verstopft waren. Und: Kranke Hunde und Katzen zogen sich in solche, von Menschen nie aufgesuchte Gassen zurück, sind dort dann verendet. Wenn es schließlich regnete, wurden ihre Kadaver zusammen mit dem angesammelten Unrat weggespült. Von dieser Praxis mittelalterlicher Müllentsorgung kommt auch die Redewendung „Es regnet Katzen und Hunde“
Durch die schmalen mittelalterlichen Gassen geht es nun zum Münster, dem Tagungsort des Konstanzer Konzils. Eine Besonderheit auf dem Weg dahin: Ein Haus mit dem Namen „Wage“, Klicke auf das Bild„Wage“ tatsächlich mit nur einem „A“ geschrieben, ein Gebäude mit einer hölzernen mittelalterlichen Wage am Dach, nur wenig mehr als ein Fenster breit, aber ebenso hoch wie die Nachbargebäude, angeblich das schmalste Haus der Innenstadt.
Das Prinzip war aber vermutlich gleich wie bei den anderen mittelalterlichen Gebäuden: Das unterste Stockwerk diente als Stallung für das von den Bewohnern gehaltene Vieh, vorzugsweise für die Schweine. Bei Feierlichkeiten allerdings ließ man die auf die Straße, nutzte den Stall für die Festlichkeit, eine Praxis, der wir heute die Redewendung „Die Sau rauslassen“ verdanken.
Das Münster, der Tagungsort des Konzils von 1415, unterscheidet sich in seinem Äußeren kaum von anderen großen Sakralbauten dieser Zeit. Ungewöhnlich allerdings: die bunten Kirchenfenster, die es in dieser Weise ansonsten kaum gab.

Ein mittelalterliches Rotlicht-Viertel

Die engen Gassen hinter dem Münster sind das einstige Rotlichtviertel von Konstanz, heute ein Ort, der mit seinen kleinen Häuschen noch mittelalterlicher als der Rest der Altstadt wirkt, der sich aber längst zu einem biederen ruhigen Wohnviertel gewandelt hat. Nur an einem einzigen Haus verrät ein altes Relikt die frühere Bedeutung dieses ansonsten unscheinbaren Gebäudes: Über der Eingangstür ist die Abbildung eines weiblichen Hinterns befestigt.

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