Malediven, Male und Addu-Atoll:  Gan, Südpunkt des Addu-Atolls, Seite 2

Gan - Flughafen und südlichste Insel des Addu-Atolls



Anzeige

 





Das Video bei YouTube

Druckversion dieser Seite (PDF)

Anzeige




Insel mit britischem Erbe

Fast alles auf Gan, der südlichsten Insel des Addu-Atolls und damit die südlichste Insel der Malediven überhaupt, verdankt seine Existenz der britischen Kolonialzeit: Der Flughafen ebenso wie das Equator Village. Die Ferienanlage geht auf die ehemalige Kaserne zurück – die Bungalows waren die alten Offiziersunterkünfte, das Restaurant wohl die Offiziersmesse.
Die Gebäude, die auf der anderen Straßenseite gegenüber dem Equator Village liegen, gehören meist ebenfalls zum Flughafenkomplex, auch, wenn sie heute etwa als kleine Geschäfte anderweitig genutzt werden. Und ganz in der Nähe, am nördlichsten Punkt von Gan, verbindet eine Brücke, auch die ejne Hinterlassenschaft der Briten, den einstigen Luftwaffenstützpunkt mit der Nachbarinsel. Solche Verbindungen zwischen den Inseln eines Atolls sind auf den Malediven ansonsten kaum zu finden. Neben der Brücke schließlich befindet sich ein inzwischen herunter gekommenes Meeresschwimmbecken, ebenfalls von den Engländern angelegt, die offensichtlich unter keinen Umständen im Meer direkt baden wollten.
Gans „historischstes“ Bauwerk befindet sich etwa 100 Meter östlich von Equator Village, unmittelbar gegenüber der Niederlassung der Bank der Malediven: Das Kriegerdenkmal für die im Addu-Atoll gefallenen Angehörigen britischen Truppen des zweiten Weltkrieges, bestehend aus zwei auf den Flugplatz weisenden gusseisernen Kanonen, zwischen den beiden Kanonen der Gedenkstein mit den Namen der Toten. Etwa 40 bis 50 Namen sind hier verzeichnet, ausschließlich indische Namen. Die Gefallenen, so Klicke auf das Bildheißt es auf dem Stein, wären entweder hier begraben oder seien in den Gewässern des Atolls verschollen.
Eine Inselumrundung mit dem Fahrrad führt fast die ganze Zeit um den Flugplatz herum, teilweise aber auch auf das Gelände des Flugplatzes selbst bis unmittelbar ans Rollfeld. An der Einfahrt zum unmittelbaren Flughafengelände sitzt ein Uniformierter an einem Schlagbaum – und öffnet ihn sofort, wenn Passanten nahen: Mehr als zwei oder drei Maschinen täglich werden schließlich nicht erwartet, und so kann man das Flughafengelände fast ständig ungefährdet passieren.
Nicht für den Flughafen benötigtes Gelände wird landwirtschaftlich genutzt. Am Rande des Flughafens liegt ein weites Feld mit Kokosnusspalmen, ordentlich, alle in gleicher Entfernung zueinander angepflanzt. Palmenstrände hingegen sind auf Gan eher die Ausnahme.

Gans Unterwasserwelt

Die Strände des Equator Village sind weiß, sauber – aber eben auch klein: Zwei kleine Streifen Ufer, durch eine Mole getrennt, jeweils nicht einmal 20 Meter lang.
Ein erster Schnorchelgang in der Nähe des Ufers ist nicht besonders ergiebig: In Ufernähe sind die Korallen abgestorben, liegen nur kleine weiße Korallentrümmer am Grund, lediglich an zwei oder drei Stellen wachsen neue braune Korallen nach. Es gibt einige kleine Drückerfische, aber besonders belebt ist das Meer hier nicht. Die häufigsten Meeresbewohner sind hier die zahlreichen Krebse zu sein, die sich am Strand ihre Löcher gegraben haben.
Klicke auf das BildAllerdings: das eigentliche „Hausriff“ beginnt auch nur rund 15 Meter vom entfernt. etwa zehn bis 15 Meter weiter vom Ufer hätte entfernen müssen, um dann unmittelbar über dem Korallenriff zu schnorcheln
Bei einem Tauchgang geht es in jenes undurchdringliche tiefe Blau, das beim ersten Schnorcheln noch als so unheimlich erschien, auf eine Tiefe zwischen zehn und 15 Metern.
Hier unten, wo die einzelnen Korallenbrocken größer und wohl auch älter als weiter oben sind, befindet sich die Kinderstube des Riffs. Hier tummeln sich ganze Schwärme von noch winzigen Kaiser- und Papageienfischen, und zumindest einer dieser Schwärme hat sein Zuhause in einer großen, nach innen ausgehöhlten Koralle, die aussieht wie eine riesige brüchige Kanonenkugel.
Klicke auf das BildAber ungefährlich ist diese Kinderstube nicht: Ich entdecke wenigstens eine Mördermuschel, um einiges größer als im flacheren Gewässer, und schließlich dann auch eine Riesenmuräne, von der aber nur der Kopf aus einer Höhle ragt, so dass wir nicht sehen können, wie lang sie tatsächlich ist.
Am sonderbarsten in dieser Unterwasserwelt scheinen jene länglichen Fische zu sein, die festgeklebt wie Schläuche an den Korallen stehen, sich nicht rühren und nur sanft in der Strömung bewegen.
Ein Seestern liegt zusammengerollt wie eine Kugel, beim ersten Blick eher wie ein Stein oder ein kleines rötliches Stück Koralle wirkend – und dann sehen wir etwa drei Meter über uns einen runden Schatten, eine gut einen Meter Umfang messende Meeresschildkröte, die ganz langsam durch das Wasser schwimmt.

Riff der Schildkröten

Etwas weiter vom Ufer entfernt, an der Außenkante, erweist sich Gans Hausriff schließlich als das Hausriff auch der Meeresschildkröten.
Ein anderer Tauchgang führt uns zu einem riesigen Korallenblock am äußeren Riffrand – und schon kurz vorher sehe ich in vielleicht zehn oder 20 Meter Entfernung eine Meeresschildkröte durch das tiefe Blau schwimmen. Leider ist sie zu weit entfernt, um Farbe und Musterung ihres Panzers zu erkennen und schließlich ist sie ganz verschwunden. Dafür entdecken wir aber gleich darauf zwei weitere Tiere, die aber ebenso schnell wieder davon schwimmen, als wir ihnen und nähern.
Klicke auf das BildAber man muss nicht einmal auf zehn oder mehr Meter Meerestiefe gehen, mit etwas Glück sieht man auch beim Schnorcheln ein Exemplar. So geht es mir etwas später beim Schnorcheln, als wieder an der Außenkante des Riffs nur ein oder zwei Meter unter mir eine so genannte Echte Karettenschildkröte von etwas mehr als einem Meter Umfang auftaucht, aber eben auch wieder rasch verschwindet.
Eine Stunde vor Sonnenuntergang scheint die Oberkante des Riffs weit belebter als am späten Vormittag. Neben den Papageien- und Kaiserfischen fallen mir diesmal mehrere Fledermausfische und schließlich ein ganzer Schwarm schwarz-weiß gestreifter Diana-Schweinslippfische mit schwarz-gelben Rückenstreifen und Flossen auf. Der Höhepunkt meines nachmittäglichen Tauchganges am Hausriff bei einer Tiefe von ungefähr neun Metern: Unmittelbar unter uns taucht eine bräunlich gefärbte Meeresschildkröte von vielleicht zwei Metern Umfang aus ihrer Höhle, nimmt einen Bogen Richtung Wasseroberfläche und gleitet dann, immer noch unter Wasser bleibend, majestätisch über die Tiefe. Wenige Minuten später stoßen wir, allerdings entfernter, noch auf eine weitere ebenso große Meeresschildkröte, während ein Schwarm von Barrakudas direkt an uns vorbeizieht.

Nachtfischen

Für die Hotelgäste bei jedem Aufenthalt inbegriffen: Ein Ausflug zum Nachtfischen.
Zwischen der Südspitze von Gan und Viligili werden der Anker geworden und die Angelschnüre, um leere Plastikflaschen aufgewickelte Nylonschnüre, ausgegeben. Am Ende dieser Nylonschnur ist ein Senkblei befestigt, dazu der Metallhaken, auf den der Köder aufgespießt wird.
Die Schnüre versinken in der Dunkelheit – und wenn es an ihnen ruckt, gilt es, sie zwar schnell genug, aber nicht überhastet wieder einzuholen. Drei von den Einheimischen als Red Snapper, jeweils vielleicht ein Kilo schwer, hole ich auf diese Weise aus dem Wasser – aber der wohl einzig wirklich verwertbare Fang sind die drei kleineren Barrakudas, die einem der Einheimischen an den Haken gehen.
Auf insgesamt 24 Fische beläuft sich unsere Ausbeute, die nun im Korb mit den Kiemen japsend ihre letzten Minuten verbringt – der Blutzoll, den die Fischwelt des Atolls entrichtet hat, dürfte aber um einiges höher gelegen haben: Schließlich haben wir etliche Male nach einem Ruck an der Leine eine vermeintliche Beute hochziehen wollen, nur um zu sehen, dass der Haken einfach abgebissen war. Mit einem Haken im Maul dürfte aber kaum ein Fisch die Chance haben, noch den kommenden Morgen zu erleben.
Der Tauchlehrer der Anlage, vehementer Gegner des Nachtfischens, meint übrigens, dass die am Riff gefangenen Fische ohnehin nie gegessen würden.

Anzeige