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| Singapur
- Arab Street mit Moschee |
Santubong
- malaiisches Fischerdorf auf Stelzen |
In
der Auswilderungsstation von Semonggok |
Das
Sarawak Cultural Village bei Damai Beach |
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| Salek
- malaiisches Fischerdorf |
Felsige
Küste - im Nationalpark Bako |
Kanowit,
Rajang River - ein Holzfällercamp wird Kleinstadt |
Im
Boot über den Rajang River bei Kapit |
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Zu Gast im
Langhaus der Iban |

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Ruma Mikai -
Iban-Langhaus als Dorf |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Reiseroute und
beschriebene Orte: Singapur -
Sarawak: Damai Beach (mit Touren nach
Santubong, Semonggok,
Siban, Kuching,
Sarawak
Cultural Village, Buntal,
Salek, Bau,
Wind Cave und Fairy
Cave, Bako
Nationalpark) - Sibu
- Kapit - Ruma Tuan -
Ruma Mikai - Damai
(mit Tour Santubong
Mountain Trek)
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Montag, 6. November 1995: Berlin - Zürich - Singapur Um 10.30 Uhr starten wir pünktlich von Schönefeld. Der
erste Ärger: Der Flug ist ein Nichtraucherflug. Die erste Zigarette gibt es kurz vor
zwölf Uhr auf dem Flughafen Zürich - danach läuft tabakmäßig nichts mehr.
Noch ein Problem: Wir haben Übergepäck.
Deshalb muss ich den Rucksack mit als Handgepäck an Bord nehmen. Die Maschine ist
ausgebucht, und irgendwie kommt mir alles sehr eng vor. Vielleicht ist das aber auch ein
Ergebnis der erzwungenen Rauchpause, die allerdings meinen Lungen sehr gut bekommt.
Das Essen ist ausgezeichnet (zum Beispiel
Reis mit Rindfleisch, schön scharf, zum Mittagessen), das Filmprogramm ist reichlich
(vier Filme, darunter "Congo") und vor allem synchronisiert.
Gegen 0.00 Uhr unserer Zeit wird es hell,
wir f1iegen an einem Gewitter vorbei, in der Ferne blitzt es - und schließlich liegen die
ersten Inseln von Singapur unter uns. Unser Flug dauerte - einschließ1ich des
einstündigen Zwischenaufenthaltes in Zürich - rund 13 Stunden.
Dienstag, 7. November 1995: Singapur
Wir landen um 7.50 Uhr Ortszeit. Als
"Stopover-Holiday-Makers" bleiben wir aber weiter in den Händen von Singpore
Airlines. An einem Flughafen-Counter müssen wir uns für den Hoteltransfer einchecken,
ca. gegen neun Uhr fahren wir dann mit dem Bus zum Furama-Hotel.
Aus Versehen steigen wir am benachbarten
Hotel aus. Ein Taxifahrer knöpft uns so für wenige hundert Meter zusätzlichen
Transportweg zehn Mark ab.
Das Furama-Hotel verspricht "Luxus
in China-Town", und dieses Versprechen erfüllt es auch.
Am Vormittag machen wir noch einen
Spaziergang durch die nähere Umgebung: Durch das benachbarte "Apollo-Center",
ein Einkaufszentrum, dazu durch einige Straßen, die zumindest noch im Ansatz an das alte
China-Town erinnern.
Für umgerechnet acht Mark bekommen wir
in einem kleinen Straßenrestaurant zwei Mittagessen und zwei Cola. Es gibt eine Suppe,
ich nehme Reis, scharfes Rindfleisch, dazu Gemüse.
Straßen aus der Kolonialzeit, die
Häuser zweistöckig, viele im Zerfall begriffen, manche bereits restauriert, im
Hintergrund immer die Silhouette der Bank-, Einkaufs- und Hotelpaläste - dieser Kontrast
beherrscht ganz Singapur, wie wir auf der Stadtrundfahrt um 14 Uhr feststellen.
Unsere erste Station ist das indische
Viertel: kleine Ladengeschäfte mit Gold und Leder in den Straßen mit zweistöckigen
Häusern, im Hintergrund die Wolkenkratzer.
Das gleiche gilt für das "arabische
Viertel": Die Arab-Street ist eine Altstadtstraße, die uns auf die Sultan-Moschee
führt. Hier wird gerade fast jedes Haus rekonstruiert, dazu prangt überall das Motto der
hiesigen Denkmalschützer: "Vorwärts zu einer exzellenten tropischen Stadt!"
Wir machen einen kurzen Zwischenstop vor
dem Binnenhafen: Hier liegen die kleinen Schiffe, auch einige Dschunken, dahinter erhebt
sich das Bankenviertel.
In China-Town besuchen wir den
taoistischen Seegott-Tempel. Zwei Brautpaare lassen sich hier gerade trauen,
beziehungsweise beten hier um Eheglück. An einem Schrein zünden die Gläubigen ihre
0pferkerzen an. In diesem ältesten chinesischen Tempel der Stadt scheinen die gläubigen
Besucher an Touristen gewöhnt zu sein.
Unsere letzte Station ist eine
Steinschleiferei, wo Halbedelsteine zu Gemälden, Schachspielen und Sonstigem verarbeitet
werden. Die Preise für die besseren Stücke liegen ab 10.000 Mark.
Am Abend schlendern wir noch kurz durch
China-Town. Das Nachtleben bedeutet hier vor allem lange Ladenöffnungszeiten. In der
Nähe des Hotels stoßen wir auf eine Straße, die offensichtlich das Vergnügungsviertel
sein soll: Hier sind die Karaoke-Bars.
Mittwoch, 8. November 1995: Singapur -
Damai Beach (Sarawak)
Am Vormittag fahren wir mit dem Taxi zum
Raffles-Hotel. Die Halle ist noch im alten Kolonialstil (Fotoerlaubnis, aber Videoverbot),
neben der Empfangshalle befindet sich ein Club. Seitlich des Haupteinganges führt ein Weg
zum Innenhof, in dem ein viktorianischer Brunnen steht.
Nach dem Besuch im Raffles fahren wir mit
dem Taxi zurück zum Furama, werfen anschließend noch einen Blick in den
China-Point,
also wieder in ein Einkaufszentrum. Die Einkaufszentren sind teilweise so riesig,
dass man
sich darin tatsächlich verlaufen kann.
Um 12.30 Uhr werden wir wieder abgeholt
und fahren zum Flughafen. Die Maschine startet pünktlich um 15.30 Uhr. Der Flug ist - wie
sollte es bei Singapore Airlines anders sein - natürlich ein Nichtraucherflug. Zum Glück
dauert es diesmal nur eineinhalb Stunden.
Der erste Eindruck von Borneo aus der
Luft ist: Unendlicher Wald, durch den sich schlangenähnlich die großen F1üsse ziehen.
Weit und breit nichts als Grün, das lehmige Braun der Flüsse, Berge - und Wolken. Aus
der Luft sieht man aber auch die Ausbreitung der Zivilisation. Entlang der Straße ist der
Dschungel abgeholzt, vereinzelt sieht man Feuer - Brandrodung.
Die Abfertigung am Flughafen von
Kuching,
Hauptstadt der ostmalaysischen Provinz Sarawak auf Borneo, geht reibungslos: Keine
Gepäckkontrolle, einen Stempel in den Pass - das wars.
Ramlee Mahtar heißt der Mann, der uns
für den örtlichen Veranstalter Borneo-Transverse abholt. Die Fahrt zum
Damai-Beach-Holiday-Inn dauert ungefähr eine Stunde und führt durch Kuching hindurch.
Kuching selbst scheint auf den ersten Blick eine gesichtlose Stadt zu sein, Straßen mit
zweistöckigen Gebäuden, die Vororte aus g1eichaussehenden Ein- oder
Zweifamilienhäusern, gleich europäischen Reihenhaus-Siedlungen.
Weiter vom Stadtzentrum entfernt ändert
sich der Baustil. Die Menschen leben in Holzhäusern, die auf Pfählen gebaut sind. Die
Straße führt am Dschungelgebiet vorbei, keine Siedlung liegt am Weg, zumindest sieht die
Gegend unbewohnt aus, dafür gibt es aber Stellen mit den Spuren von Brandrodung. Wir
kommen an einem Berg vorbei, der aussieht, als wäre er ein einziger bewachsener Felsen.
Das Hotel ist praktisch ein
Touristengefängnis. Der nächste Ort, Santubong, liegt vier Kilometer entfernt. Es soll
aber einen Bus und ein Hotel-Shuttle geben.
Donnerstag, 9. November 1995:
Santubong
Am schwierigsten ist der Weg aus dem
Hotel heraus. Wir bekommen unterschiedliche Auskünfte über die Zahl der Kilometer nach
Santubong - und sogar in Bezug auf die Richtung. Schließlich erwischen wir ein Taxi - und
auch das will uns erst an einer anderen Ferienanlage absetzen. Endlich kommen wir aber
doch für acht Ringitt in Santubong an.
Wir finden ein kleines Fischerdorf,
dessen Häuser auf Stelzen gebaut sind. Die Dorfstraße ist ein Holzsteg, ebenfalls auf
Stelzen errichtet. Bei Flut scheint das Wasser direkt unter den Häusern zu stehen. Jetzt
jedenfalls liegen die Fischerboote zwischen den Häusern im Schlamm.
Die Leute sind freundlich. Man begrüßt
den Fremden mit einem "Hallo" - aber fotografieren lassen sich die Menschen
nicht so gerne. Einige zumindest lehnen es direkt ab, als ich sie um Erlaubnis bitte.
Vermutlich kommen nur selten Touristen hierher.
Die "Strandpromenade" ist etwas
"zivilisierter". Hier führt eine Asphaltstraße entlang, stehen auch die beiden
einzigen offenen Läden, die wir entdecken. Bei einer Kaufmannsfrau - sie trägt ein
islamisches Kopftuch, ihr Laden liegt auch gleich neben der Moschee - kaufen wir zwei
Cola. Preis pro Flasche: 80 Cents. Und: In dem Fischerdorf verkaufen die Frauen
Fischkonserven.
Da gerade Ebbe ist, versuchen wir, am
Strand entlang zurück zum Hotel zu laufen. Wir kommen an einer bizarren Felslandschaft am
Strand vorbei - wobei sich die vermeintlichen Felsen teilweise als abgestorbene Korallen
herausstellen. An einem dieser Korallenbrocken hocken Frauen im Wasser und picken mit
Drahtstäben Muscheln heraus. Leider wollen sie sich bei ihrer Arbeit nicht fotografieren
lassen.
Allmählich kommt das Wasser zurück, und
wir müssen wieder auf die Straße.
Unmittelbar vor dem Hotel entdecken wir
noch ein kleines Restaurant, wo wir zwei Cola trinken.
Am späten Nachmittag nehmen wir ein
kurzes Bad im Südchinesischen Meer: Das Wasser ist wärmer als die Luft, aber
Schnorcheln macht hier keinen Sinn. Man sieht unter Wasser absolut nichts - und an dieser Stelle gibt
es wahrscheinlich auch nichts zu sehen.
Zum Abendessen sind wir wieder in dem
kleinen Restaurant - weit und breit die einzige Alternative zum Hotelangebot. Für einmal
Huhn mit Reis und einmal Nudeln mit Huhn, dazu vier Cola, zahlen wir 80 Ringitt, nicht
einmal die Hälfte des Hotelpreises.
Der Wirt organisiert auch Touren.
Freitag, 10. November 1995: Semonggok,
Siban
Gegen sieben Uhr können wir endlich mit
erheblicher Verspätung, weil der Weckdienst nicht klappte, das Hotel verlassen. Wir
passieren den Surong River, kommen durch die Einfamilienhaus-Vororte von Kuching und
erreichen kurz nach 8.30 Uhr die Auswilderungsstation von Semonggok.
750 Hektar groß ist das Dschungelgebiet,
dessen Eingang zunächst einem botanischen Garten gleicht. Bohlen führen über die
Gräben entlang, und schließlich sind wir am "Tor zum Dschungel". Nur ein
blaues Band, zwischen zwei Bäume gespannt, trennt hier den Urwald von der Zivilisation.
Auf der anderen Seite sind die Orang Utans, die gerade von zwei Betreuern - einem
Einheimischen und einer Europäerin - gefüttert werden.
Merkwürdigerweise respektieren auch die
Orangs die blaue Demarkationslinie. Die Pfleger rufen die einzelnen Tiere beim Namen, Nora
und George sind identifizierbar, die jeweiligen Tiere greifen sich ihre Bananen,
entschwinden damit auf die Baumkronen, werfen die Bananenschalen auf den Boden. Von den
Touristen unten, die im Modder stehen, wird dieses Schauspiel mit "Ahs" und
"Ohs" quittiert.
Eigentlich sollten alle Orangs zur
Fütterung aus dem Wald kommen - doch zumindest einer hat sich sein hohes Nest in einer
Baumkrone gleich über dem Fütterungsplatz gebaut.
Ein Dutzend Orang Utans leben in
Halbfreiheit auf diesem Areal: Wer fit für die große Freiheit ist, wird in ein anderes
Dschungelgebiet umgesetzt, berichtet uns eine der Tierpflegerinnen.
Zehn andere Orangs warten indes noch in
ihren Käfigen auf den Tag ihrer Freilassung.
Doch nicht immer geht der Ausflug in die
Freiheit glücklich aus. Abgesondert von den übrigen Tieren sitzt die acht- oder
neunjährige Maggy allein in ihrem Käfig. "Sie war aggressiv zu Menschen und griff
auch andere Orang-Weibchen an," sagt die Betreuerin. Deshalb kam Maggy zurück - und in
Einzelhaft. Nur die Betreuerinnen dürfen sich Maggy ungestraft nähern - und bekommen von
der aggressiven Einzelgängerin sogar ein Küsschen.
In der - von der malaiischen Regierung
finanzierten - Station werden außer Orangs noch andere Tiere auf die Freiheit
vorbereitet. Malaienbären, Stache1schweine und Nashornvögel warten in den Käfigen auf
ihre Freiheit.
Eine viertel Autostunde von Semonggok
entfernt liegt die Ortschaft Siban. Hier besuchen wir "Jongs
Crocodile-Farm". Um die 1500 Krokodile - Süß- und Salzwasserkrokodile - leben hier
in den Bassins - und werden nach ihrem Ableben zu Handtaschen und Portemonnaies
verarbeitet.
Dass die Einheimischen etwas gegen
Krokodile haben, scheint verständlich: Knapp vier Meter von der Schwanzspitze bis zum
Maul misst der massige "Einsame Mann", den Fischer 1988 im Surong River gefangen
und dann hier abgeliefert haben - ein Monstrum, das auch einem Boot gefährlich werden
könnte.
Gegen Ein Uhr nachmittags sind wir wieder
im Hotel - und am Abend gibt es einen Wolkenbruch.
Kosten der Tour: 76 Ringitt pro Person,
zusammen 152 R.
Samstag, 11. November 1995: Kuching
Es bleibt dabei: Am schwierigsten ist der
Weg aus dem Hotel. Das Holiday Inn duldet nämlich keine freien Taxifahrer, also gibt es
vor dem Hotel auch kein Taxi. In dem kleinen Restaurant - gottlob wenigstens eine
Konkurrenz - ruft uns die Tochter des Hauses dann ein Taxi, das uns für 40 Ringitt nach
Kuching bringt.
Wir kommen gegen 13 Uhr in Kuching an, wo
gerade der "Sonntagsmarkt" anfängt. Die meisten Stände sind schon aufgebaut:
Gewürze, Früchte, Fische lebend, frische Fische, winzige getrocknete Fischlein zu zehn
Ringitt das Kilo, Hühner, Blumen - sogar Kakteen werden an den Ständen angeboten.
Ungewöhnlich: Bananen von den Ausmaßen eines Unterarms. Für jeweils zehn Cents kaufen
wir zwei Stück Kokosnuss, die unheimlich sättigend wirken.
Im Kaufhaus gegenüber bereiten wir nun
unsere Langhaus-Tour vor: Wir kaufen eine Tüte Kekse, fünf Kugelschreiber und eine
Taschenlampe als Gastgeschenke. Damit werden wir aber kaum auskommen.
Schließlich lasse ich noch für 21
Ringitt einen Film entwickeln. Wartezeit: Eine Stunde.
Zu Fuß machen wir uns nun auf den Weg
in die Altstadt. Wir kommen an der "National Moschee" vorbei, die mit ihren
goldenen Kuppeln die Stadt überragt, stoßen auf einen Sikh-Tempel, durchqueren die
"Fußgängerzone", eine quirlige Einkaufsstraße mit Juwelieren und Kramläden,
erreichen schließlich das Flussufer, wo ein Aussichtsturm den Rundblick über Stadt und
Fluss erlaubt. Auf der anderen Seite liegt der Istafan, der Gouverneurspalast.
So gesichtslos, wie es mir beim ersten
Eindruck schien, ist Kuching gar nicht.
Nach einer Stunde verzweifelten Suchens
finden wir endlich ein freies Taxi - und sind gegen 20 Uhr wieder in Damai. Kosten der
Tour: 70 Ringitt.
Sonntag, 12. November 1995:
Sarawak
Cultural Village
Das "Sarawak Cultural Village"
- 1990 eröffnet - liegt unmittelbar neben dem Holiday Inn und kostet 45 Ringitt Eintritt.
Das scheint auf den ersten Blick viel - aber tatsächlich wird hier auch einiger Aufwand
getrieben, so dass auch der oberflächliche Tourist bequem einen Einblick in die
kulturelle Vielfalt des Landes gewinnen kann.
Das "Dorf" besteht aus sieben
"Unterdörfern", jedes im Stil der jeweiligen Bevölkerungsgruppe gebaut, das
ganze um einen vermutlich künstlich angelegten See herum: Bidayuh, Iban, Penan, Orang
Ulu, Melanau, Malaien und ein chinesisches Bauernhaus.
Die Bezeichnung "Langhaus"
trifft dabei nur für den Baustil der Iban zu. Bei den Bidayuh ist die Dorfanlage eher ein
Fort, bei dem das Schlafhaus der Krieger den Eingang bildet. In jedem der Häuser sind die
Leute dabei, Kunsthandwerk zu produzieren oder Essen zuzubereiten, so dass alles schön
authentisch wirkt
Am beeindruckendsten fand ich das Dorf
der Penan, der Waldnomaden aus dem Inneren der Insel. Deren Dorf ist
eigentlich keine Anlage, sondern eine lose Ansammlung offener Hütten. Ein junger Mann,
vielleicht sogar ein "echter" Penan, zeigt mir, wie man mit einem Blasrohr
umgeht. Tatsächlich fliegt sein Pfeil gut 20 Meter weit und trifft auch die Zielscheibe.
Um 16.30 Uhr findet die obligatorische
Show statt, bestehend aus den üblichen folkloristischen Gesangs- und Tanzdarbietungen.
Der Penan fällt allerdings etwas aus der Reihe, schießt als Kostprobe seiner
Treffsicherheit seine Blasrohrpfeile in die Ballons über den Köpfen der Zuschauer.
Kosten: 45 Ringitt Eintritt pro Person.
Sonntag, 13. November: Buntal, Salek
Um 7.45 Uhr holt uns Ronnie ab und bringt
uns mit meinem Rover nach Buntal, ein Fischerdorf am Buntal River. Hier nimmt uns Anua
Epen, ein 36jähriger Fischer, in seinem Boot auf.
Dann stechen wir in See, kreuzen erst
durch den Buntal River, dann in den Santubong River, von dort in den Samanan River und
schließlich in den Salek River - wobei die einzelnen Flüsse allerdings alles Arme eines einzigen
Flusses sind. Wir kommen an unendlichen Mangrovenwäldern vorbei, die in das Wasser
hineinwachsen. Immer wieder macht uns Anua auf den "Jolly Fish" aufmerksam -
eine Qualle, die bei der geringsten Berührung auf der Haut einen brennenden Schmerz
verursacht. Mitunter sehen wir große weiße Vögel, ähnlich unseren Störchen, dazu auch
einige Seeadler und eine Horde Gibbonaffen.
Kurz vor Mittag gehen wir in Salek an
Land. Salek ist ein kleines Fischerdorf, in seiner Anlage vergleichbar mit Santubong,
aber
kleiner und aus einer rein malaiischen Bevölkerung bestehend. Wir gehen über die
"Hauptstraße", ein Brettersteg, der bei Flut nur noch knapp über
dem Wasser steht, trinken in einem Café einige Cola und kommen schließlich am Ende der
Dorfstraße zum Dorfplatz: Ein modriges Fußballfeld, daneben die
"Regierungsgebäude", eine Schule, eine Schulbibliothek, die Gemeindeverwaltung.
Der Waschplatz ist ein Tümpel, in dem
die Frauen ihre Wäsche waschen, daneben erntet ein Mann gerade im "Duran"
-Baum die scharfen Gewürze.
Hinter Salek versuchen wir, mit Leine und
Köder zu angeln, doch die Fische wollen nicht anbeißen. Wir fahren weiter, erreichen die
Flussmündung, sehen von hier Santubong und auch Damai Beach, kreuzen dann landeinwärts
weiter. Das Wasser schimmert lehmig, am Ufer tummeln sich die Schlammspringer-Fische,
einige von
beträchtlicher Größe.
Anua wirft sein Fangnetz aus. Was er bei
seinem ersten Versuch schließlich an Bord holt, ist eher kümmerlich. Ein Baumstamm hat
sich im Netz verfangen und muss mit der Axt losgeschlagen werden. Außerdem ist das Netz
voll von Plastikmüll.
Immerhin sind auch zwei Rochen ins Netz
gegangen, denen er nun als erstes den Schwanz mit dem Giftstachel abhackt. Dazu besteht
der Fang aus einer Menge Garnelen sowie einer Reihe von Kugelfischen, die Anja
"Buntal" nennt - und wieder zurück in den Fluss wirft.
Der zweite Fang ist erfolgreicher.
Diesmal hat Anua auch ein Rochenweibchen gefangen, bei dem jetzt an Bord die Geburt
einsetzt. Der Fischer wirft Mutter und das gerade geborene Rochenjunge ins Wasser zurück.
Obwohl Anua zufrieden ist: Für die harte
Arbeit ist die Ausbeute mager, und es fliegen mehr Fische, wenn auch eher tot als
lebendig, ins Wasser zurück, als endlich im Korb des Fischers landen.
Kurz vor fünf Uhr nachmittags sind wir
wieder in Buntal. Das Dorf ist größer als die beiden anderen Fischerdörfer, die wir
bisher gesehen haben, hat auch zwei Seafoodrestaurants für die Touristen aus
Damai.
Nun gehen wir zu Anuas Haus. Er hat es
selbst gebaut, ein einfacher Steinbau mit drei Räumen, die durch Bretterwände
voneinander abgetrennt sind. Anuas Frau grillt die Rochen und Garnelen für uns. Die
Familie hat vier Kinder, der älteste Sohn ist zwölf, dazu drei jüngere
Mädchen. Drei Kinder sind gestorben.
Sein Vater hatte noch zwölf Geschwister,
erzählt uns Anua beim Essen. Weil sein Vater früh starb, musste Anua seine fünf
Geschwister versorgen, als er gerade 15 war. Der am weitesten entfernte Ort, in den er je
kam, ist Sibu, die Hafenstadt an der Mündung das Rajang River.
Aber Anua hat es zu etwas gebracht:
Immerhin hat er ein Haus, einen Fernsehapparat, vier Angelruten - und natürlich sein
eigenes Boot.
Kosten: 160 Ringitt pro Person, zusammen
320 Ringitt.
Dienstag, 14. November 1995: Bau, Wind Cave
und Fairy Cave
Kurz nach neun Uhr sind wir in Amads
"Trek Cantina", brechen von dort in Richtung Bau auf. Unser Ziel sind zwei
gewaltige Höhlen, die Wind Cave und die Fairy Cave, beide drei bis vier Kilometer von Bau
entfernt, an der indonesischen Grenze gelegen.
Unser örtlicher Führer für die
Höhlen, einer von rund 1000 Angestellten des Forest Departements, ist ein Bidayuh - dies
ist Bidayuh-Land. Für den Fremden jedoch sind keine Unterschiede zu Malaien zu erkennen.
Die Wind Cave ist eine Tropfsteinhöhle
mit vier Eingängen, die einzelnen Höhlengänge sind mit Holzstegen gangbar gemacht.
Trotzdem: Rutschgefahr! Von der Höhlendecke hängen vereinzelte Stalaktiten, am hellen
Höhleneingang leben noch Vögel, und im Höhleninneren sind die Fledermäuse Zuhause. Das
Licht unserer Taschenlampen vertreibt die Tiere von ihren Stammplätzen. Heute seien nur
wenige Fledermäuse zu sehen, sagt unser Führer - zu viele Touristen. Aber das Schreien
der Fledermäuse, es erinnert an das Bellen der Hunde, ist überall in der Wind Cave zu
hören.
Mit dem Wagen sind es ca. zehn Minuten
bis zur Fairy Cave. Ein Bus koreanischer Touristen steht auf dem Parkplatz, die Gruppe
kommt gerade die Treppe herab. Vor der Fairy Cave ist eine Baustelle: Eine neue Treppe
wird gebaut, damit die Touristen gefahrlos den steilen Felsen emporkommen können.
Die alte Treppe ist wahrlich ein Unikum.
Die einzelnen Stufen haben mitunter die Höhe eines halben Beines, sind dabei auch noch
viel zu schmal für einen europäischen Fuß, und nur ein an manchen Stellen schon
morsches Holzgeländer gibt trügerischen Halt.
Chinesische Inschriften, eine
Buddha-Statue, ein Heiligenschrein: Am Eingang der Fairy Cave befinden wir uns in einem
chinesischen Tempel. An vielen Stellen der Höhle stoßen wir auf
abgebrannte Weihrauchstäbchen.
In der Fairy Cave gibt es zwar keine
Fledermäuse, dafür aber Krebse, einige hundert Meter über dem Meeresspiegel. Die
Tropfen von der Decke haben überall Pfützen und Wasserlachen gebildet.
Fairy Cave hat die Ausmaße einer
Kathedrale: Die Haupthöhle entspricht einer riesigen Halle, deren Ruhe - bisher - nur
vereinzelt gestört wird. In der knappen Stunde, die wir in der Höhle verweilen, kommt
jedenfalls niemand mehr hinzu.
Schließlich steigen wir hinab, fahren
zur Wind Cave zurück, wo ich dem Führer einen Lohn von 25 Ringitt zahle. Mein Hemd ist
vom Schweiß so nass, als wäre ich in warmes Wasser gefallen.
Auf dem Rückweg halten wir an einem
chinesischen Friedhof, wo ich noch ein Foto mache.
Dann kommen wir durch Kuching: Neben dem
Hilton-Hotel ist eine richtige Boom-Town entstanden, ein Einkaufszentrum, es gibt
Parkhäuser, ein weiteres Luxushotel wird gerade gebaut, dazu neue
"Finanzzentren".
Wir kommen an zwei Denkmälern vorbei,
die den "Stadttieren" gewidmet sind, denen Kuching seinen Namen verdankt: Den
Katzen. Schließlich heißt Kuching auf Deutsch nichts anderes als "Katze".
Amad muss noch für den Abend einkaufen.
Hinter Kuching halten wir an einem kleinen Marktstand, wo es vor allem Fisch gibt. Ein
Ein-Meter-Brocken liegt aufgeschlitzt und den Bauch mit Eis gefüllt auf dem Boden. So
verbringen wir den Abend in Amads Lokal diesmal mit Fisch: Mit Reis und örtlichem Gemüse
schmeckt er wirklich köstlich.
Kosten der Höhlentour: 150 Ringitt
zusammen (ohne das Geld für den Local Guide).
Mittwoch, 15 November 1995: Bako
Nationalpark
Amad fährt von Damai aus rund eine
Stunde bis zum Bako National Park.
Der "Eingang" ist eine
Anlegestelle: Auf der anderen Seite des Wassers liegt ein Fischerdorf mit einer Moschee,
über der sich eine goldene Kuppel erhebt. Bako ist eine Insel und nur mit dem Boot zu
erreichen.
20 Minuten kreuzt unser
außenbordmotorgetriebenes Boot, bis wir an der Anlegestelle auf der Insel ankommen. Wir
zahlen 21 Ringitt Eintritt, für Videokamera und Fotoerlaubnis inklusive, entscheiden uns
dann für die kurze Route durch den Park.
Zunächst führt ein Brettersteg über
morastiges Ufergelände. Unten im Schlick tummeln sich die Krebse, die Luft ist voll vom
Ruf der Grillen. Schließlich führt der weiß markierte Weg direkt in den Dschungel.
1,2 Kilometer lang soll der Weg sein, in
einer halben Stunde zu bewältigen, jedenfalls nach der Karte des Nationalparks.
Allerdings müssen wir über Felsbrocken klettern, stolpern über die Baumwurzeln, suchen
ständig Halt an herunterhängenden Ästen und Bambusstangen.
Etwa nach der halben Strecke machen wir
unsere erste Tierbeobachtung. Rund 50 Meter entfernt, kurz vor dem Strand, tummelt sich im
Geäst der letzten Urwaldbäume eine drei- bis vierköpfige Gruppe von Nasenaffen.
Schließlich erreichen wir Paku, eine
Bucht mit weißem Sandstrand, umrahmt von bizarr geformten gelblich schimmernden Felsen.
Obwohl wir gerade Ebbe haben, ist der Boden feucht.
Die Gibbonaffen kommen bis an den Strand,
sitzen im Gebüsch, und während wir meinen, die Affen zu beobachten, scheinen die Tiere
in Wahrheit uns aufmerksam zu beobachten. Jedenfalls nutzt einer der Affen die Tatsache,
dass die Horde uns ablenkt - und macht sich an Karins Tasche zu schaffen. Mit lautem
Schreien können wir gerade noch verhindern, dass er mit seiner Beute im Gebüsch
verschwindet - aber immerhin hat er es geschafft, alle Bonbons aus der Tüte zu erhaschen.
Das erstaunlichste dabei ist: Er hat die Bonbons auch noch ordentlich aus dem Papier
ausgepackt.
Die Hinterlassenschaften der Menschen
scheinen für die Affen überhaupt das Interessanteste zu sein: Ein Flaschendeckel wird
ebenso inspiziert wie meine leere Zigarettenschachtel, und schließlich stellt sich der
Anführer der Horde, ein älteres größeres Männchen, uns wütend fauchend in den Weg,
als wir uns wieder auf den Rückweg machen wollen und dabei die Mülltonne passieren
müssen.
Der Weg, den wir kamen, nehmen wir nun
als Rückweg, nur sind diesmal auch die Gibbons durch den Schlick unterwegs. Und
schließlich stoßen wir nun auch vor der Kantine überall auf Gibbons, die sich hier
äußerst vorsichtig den Menschen nähern, aber selbst niemanden an sich herankommen
lassen.
Weil jetzt Ebbe ist, müssen wir von der
Kantine zum Strand, dort um die Klippen herum, wo nun die Boote auf ihre Gäste warten.
Um 16 Uhr verlassen wir den Park wieder
auf dem Wasserweg. Der Bootsführer nimmt die schmaler gewordenen Fahrrinnen mit rasanter
Geschwindigkeit, das Boot knallt regelrecht über die Wellen. Viele Boote, die wir sehen,
liegen nun an Land, müssen, um wieder flott zu werden, auf die nächste Flut warten.
Gesamtkosten der Tour: 120 Ringitt Amad,
60 Ringitt das Boot, 21 Ringitt Eintritt, gesamt 210 Ringitt.
Donnerstag, 16 November 1995: Sibu
Gegen 11.30 Uhr verlassen wir das Hotel
mit einem der Hotelwagen, holen uns in Kuching die Tickets für das Express-Boot, fahren
dann zum Hafen.
Der Hafen liegt im Industriegebiet von
Kuching. Die meisten Fabriken sind Sägewerke.
Um 12.45 Uhr, rund 15 Minuten verspätet,
legt das Express-Boot ab. Unser Schiff verfügt über zwei gesch1ossene Decks für die
erste und zweite Klasse. Auf dem Heck kann man zwar nicht im Freien sitzen, aber zumindest
eine Weile stehen. Die Air Condition lässt es in der Passagierkabine so kalt werden,
dass schließlich selbst der Regen eine angenehme A1ternative ist.
Zunächst geht es über das offene Meer,
dann schließlich kreuzen wir in das Delta des Rajang River, des längsten Flusses in
Sarawak. Die Schiffe, die hier vor Anker liegen, befinden sich meist in einem so desolaten
Zustand, dass sie einen europäischen Hafen kaum verlassen dürften.
Etwa gegen 16 Uhr legen wir in Sarikei
an: Auf den ersten Blick eine aus dem Nichts entstandene Industriestadt
Hinter Sarikei wird die Fahrt
interessanter: Wir sehen die ersten Langhäuser, allerdings nicht die für den
Fremdenverkehr
bewahrten Iban-Langhäuser, sondern die Unterkünfte der Ho1zfäller. Überall am Ufer des
gelblich-braunen Flusses liegen die Stapel gesch1agenen Holzes bereit zum Abtransport. Ab
und zu begegnen wir auf dem Fluss Einbäumen, versehen mit Außenbordmotoren.
Um 17 Uhr erreichen wir, reichlich
durchgefroren von der auf volle Stärke aufgedrehten Air Condition, endlich Sibu. Gleich
neben dem Hafen begrüßt uns ein chinesischer Tempel in seinen roten Farben.
Hafen, Stadtzentrum und damit auch das
Hotelviertel liegen dicht an dicht. Wir haben uns für das Sarawak-Hotel entschieden: 40
Ringitt ist der Preis für ein Doppelzimmer, zu dem auch ein Badezimmer gehört. Nach den
Reiseführern ist das hier nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit. Unser Zimmer hat
sogar eine funktionierende Klimaanlage, zum Glück, denn am Abend wird es schwül.
Ab 18 Uhr breitet sich im Stadtzentrum
von Sibu der Nachtmarkt aus. Dieser Nachtmarkt bietet zwar keine einheimische Folklore,
dafür aber das, was für die Einheimischen wirklich begehrenswert erscheint:
Gummilatschen beispielsweise gibt es für 2,80 Ringitt, jede Menge Uhren sind im Angebot -
alles Plastikware.
Auf dem Markt entdecken wir eine ganze
"Straße der Süßigkeiten": Erdnusskuchen, noch warm, dazu andere Kuchen in
allen Formen. Das Fleisch, knusprig gebraten, sieht appetitlich aus. In großen Mengen
wird auch Schweinefleisch angeboten.
Europäer, zumindest Touristen, scheinen
selten nach Sibu zu kommen. Schon auf dem Express-Boot fiel auf, dass wir die einzigen
Europäer waren und auch in Sibu entdecken wir kein einziges europäisches Gesicht.
Kurz nach acht Uhr trinken wir noch einen
Kaffee und einen Tee in dem Lokal gegenüber von unserem Hotel. Das Vogelgezwitscher
übertönt den Straßenlärm. Eine Einheimische, sie heißt No und ist 20 Jahre alt, fragt
uns, wo wir herkommen. No und ihre Schwester kichern, scheinen über die Haare auf
meiner Brust irritiert zu sein. Jedenfalls bestätigt uns die junge Chinesin,
dass hier so
gut wie nie Europäer seien. Als wir gehen, verabschiedet sie uns mit einem "Welcome
to Sibu".
Kosten: 60 Ringitt Transfer
Damai/Kuching, 2 Tickets 1. Klasse Kuching/Sibu für jeweils 38 Ringitt, 40 Ringitt
Hotel; zusammen 176 Ringitt.
Freitag, 18. November
1995: Kapit
Die "Happy Journey" legt kurz
vor neun Uhr von Sibu ab. Diesmal hat unser Express-Boot nur eine Kabine, doch
zwischen der Brücke und der Passagierkabine sind die Türen des Gepäckraumes geöffnet,
so dass wir fast die gesamte Fahrt über im Freien auf den F1uß sehen können.
Nach eineinhalb Stunden legen wir zum
ersten mal in einem Ort namens Kanowit an. Mit seinen zweistöckigen Häusern aus Stein
mutet Kanowit fast wie eine richtige Stadt an.
Die nächsten Stops finden an
Holzfällerlagern statt: Einige dieser Lager sind in Langhaus-Form errichtet, aber mit
Wellblechdach, andere haben sich zu größeren Dörfern entwickelt. Die meisten Passagiere
verlassen die ,,Happy Journey" in einem Camp hinter Song - noch vor
Kapit.
Der Rajang River ist ein geschäftiger
Fluss. Lastkähne tuckern leer stromaufwärts, stromabwärts kommen uns die rostigen
Kähne mit Tropenholz beladen entgegen. Überall schwimmt Treibholz und zwingt den
Kapitän der ,,Happy Journey" zu manchem Ausweichmanöver.
Der Dschungel beginnt direkt am
Fluss,
und etliche Urwaldbäume stehen bereits in dem gelben Wasser. Doch an beiden Uferseiten
sind auch die Narben des Tropenwaldes zu sehen: Kahlgeschlagene Hügel, die Erde schwarz,
darauf die abgeholzten Stämme, bereit zum Abtransport.
Einige dieser Hügel fangen wieder an zu
grünen. Doch Pflanzungen und Bauernhöfe tauchen nur vereinzelt auf, Fischer scheint es
hier gar nicht zu geben.
Kurz vor ein Uhr erreichen wir
Kapit. Das
erste, was wir von der Stadt sehen, sind die Lastkähne, die hier auf ihre Ladung warten.
Für 44 Ringitt mieten wir uni im
"New Rajang Inn" ein. Das Hotel ist sauber, die Klimaanlage funktioniert - und
der Besitzer will sich um einen Guide für unsere Langhaus-Tour kümmern.
In manchen Reiseführern wird Kapit als
"Wildwest-Stadt" beschrieben, in der sich die Kulturen der Einheimischen und der
Siedler begegnen. Etwas von einer Wildwest-Stadt hat Kapit noch immer sich - doch die
Ureinwohner sind weitgehend ins Abseits gedrängt, entweder ins "Reservat" oder
in den Slum der Vorstadt.
Das "Iban-Kapit" finden wir
stromaufwärts vom Hafen unterhalb des chinesischen Tempels: Eine Ansammlung ärmlicher
Bretterbuden, vor denen die Wäscheleinen hängen. In manchen Häusern hängen
Heiligenbilder an den Wänden. Die heutigen Iban sind katholisch.
Ebenfalls am Fluss gelegen ist das Fort
Sylvia, von "Raja Brooke" 1880 errichtet: Ein einfacher Holzbau, an dem die
einzelnen Wasserstände der jeweiligen Überschwemmungen markiert sind. In den 30er
Jahren stand danach das halbe Fort unter Wasser.
Ein Gedenkstein erinnert an die
Friedenskonferenz vom 16. November 1924, als die örtlichen Stämme hier ihre bewaffneten
Streitigkeiten beilegten.
Ansonsten ist Kapit eine aufstrebende
Stadt der Holzindustrie, hat sogar einen Freizeitpark um einen kleinen See, auf dem die
Einheimischen Tretboot fahren. Doch der eigentliche Freizeitspaß scheint Motorcrossing
auf dem Rajang River zu sein.
Aber um 19 Uhr werden hier die
Bürgersteige hochgeklappt - ein verschlafenes Provinznest.
Um 19 Uhr treffen wir in einem
chinesischen Kaffee unseren Führer für die Langhaus-Tour, einen alten tätowierten
Iban,
der kaum Englisch spricht. Am wichtigsten für die Tour ist ihm, dass ich drei Flaschen
Rum kaufe zum Preis für zusammen 30 Ringitt.
Kosten: 2 Tickets zu je 15 Ringitt für
Express-Boot Sibu/Kuching, 44 Ringitt Hotel, 30 Ringitt Alkohol als Gastgeschenk; zusammen
104 Ringitt.
Samstag, 18. November 1995: Ruma Tuan, Ruma
Mikai
Zehn Minuten vor sieben Uhr kommt unser
Führer mit dem Mofa zum Hotel. Er lässt sich von einem seiner Söhne bringen. Unser
Führer hat viele Söhne, auch schon etliche Enkelkinder. Der Mann heißt Aik
Unal, ist 69
Jahre alt, und trägt auf dem Kehlkopf eine Tätowierung, die aussieht wie ein
stilisierter Adler.
Zunächst fahren wir mit dem Bus in sein
Dorf, was uns drei Ringitt kostet. Aik lebt mit seiner Familie in Ruma
Tuan, dem absoluten
Endpunkt der Straße. Das Dorf besteht aus wenigen Holzhäusern, doch das von Aik ist
immerhin ziemlich geräumig. Aik besitzt, uns wunderts kaum, natürlich auch einen
Fernsehapparat, wenn auch nur ein Schwarz-Weiß-Gerät.
Aik nimmt noch einen Begleiter
mit, der als
erstes das Boot startklar machen muss: Das Wasser wird aus dem Boot geschöpft, die
Geschenke verstaut - dann geht es los.
Der Begleiter, der im Bug sitzt und auf
Treibholz und Stromschnellen achtet, spricht die ganze Zeit kein Wort. Und was Aik sagt,
ist leider kaum verständlich.
Rund eine Stunde fahren wir
stromaufwärts, vorbei an Holzlagerplätzen, Lastkähnen und Holzfällercamps. Der ganze
Rajang River wimmelt hier von Treibholz.
Dann biegen wir nach Süden in den River
Sut, einen kleinen Fluss, den ich auf keiner Karte verzeichnet gefunden habe. Hier hat die
Industrie noch nicht nach dem Dschungel gegriffen. Riesige Baumstämme, von Lianen
überwachsen, ranken über das Flussbett, wir sehen Orchideen und rote
Hibiskusse.
Die Tiere des Dschungels sieht man nicht,
man hört sie. Nur eine Eichkatze können wir in den Ästen am Ufer erkennen, aber dafür
schwingt die Luft vom Gezwitscher der Vögel.
Wir kommen an etlichen
Langhaus-Siedlungen vorbei, bis wir schließlich in Ruma Mikai an Land gehen. Doch dafür
müssen wir uns am glitschigen Ufer hochangeln, um endlich den Steg zu erreichen.
Ruma Mikai ist ein auf Pfählen gebautes
Haus, dazu kommen einige Gemüsebeete und Hühnerställe, schließlich auch ein ebenfalls
auf Pfählen errichteter Vorplatz aus Holzbohlen, auf dem die Wäsche zum Trocknen hängt
und Hühner nach Futter picken. Dahinter liegt das eigentliche Haus, erst der langgezogene
Gemeinschaftsraum, der Flur, dahinter die - abgeschlossenen - Wohnungen.
Die meisten Wohnungstüren sind offen.
Auch hier stehen Fernseher in den Zimmern, schmücken Heiligenbilder die Wände.
Die Männer sitzen in kleinen Gruppen auf
dem Boden des Gemeinschaftsraums, trinken etwas, das sie als "Iban-Wein"
bezeichnen. Getrunken wird viel, und einer der Männer schläft nun am frühen Nachmittag
bereits seinen Rausch aus.
21 Familien leben in dem Langhaus; der
Plan zur Regelung der gemeinsamen Hausarbeit hängt für jedermann sichtbar im Flur. Das
Dorf hat auch eine Schule und eine Krankenstation, erzählen die Männer stolz.
Nur die Iban, so sagen sie, würden in
solchen Langhäusern leben. Dadurch sei der Kontakt untereinander enger. Und getrunken,
sagen die Farmer und Fischer, würde nur tags über: "Am Abend wird gesungen."
Am Nachmittag fahren wir allerdings schon
durch den Regen zurück nach Kapit.
Kosten: 20 Ringitt für Süßigkeiten als
Gastgeschenk, 30 Ringitt für die Dorfbewohner als Bargeldgeschenk, 6 Ringitt für den Bus
Kapit/Ruma Tuan, 200 Ringitt für Aik, 44 Ringitt für eine weitere Nacht im Hotel;
zusammen 300 Ringitt.
Sonntag, 19. November 1995: Kapit - Sibu -
Kuching - Damai
Gegen 7.30 Uhr legt das Express-Boot in
Kapit ab. Etwa eine halbe Stunde vor Sibu bleibt es dann mit Maschinenschaden im
Fluss liegen. Der Kapitän bestellt über Funk ein Ersatzboot, das kommt auch nach gut 20
Minuten - aber nun müssen wir auf dem Fluss das Boot wechseln. Auf dem Steg ist das
wahrlich eine wackelige Angelegenheit.
Kurz vor 11 Uhr kommen wir in Sibu an,
essen in einem islamischen Restaurant Nudeln, Reis und Huhn, erkundigen uns dann nach dem
Bus nach Kuching. Ein Inder mit einem grünen Turban, vermutlich ein Sikh, erklärt uns den Weg
zur Busstation, aber der nächste Bus würde erst um 14 Uhr von dort gehen. Der Sikh
fährt mit seinem Mofa zur Mole vor, hält das Express-Boot auf, so daß wir doch noch
pünktlich das Schiff erreichen.
Diesmal nehmen wir die 2. Klasse: Die hat
den Vorteil, dass sie nur 33 Ringitt kostet - und die Air Condition es nicht so kalt wie
in der ersten Klasse werden lässt.
Um 16 Uhr erreicht das Express-Boot den
Hafen von Kuching. Mit dem Taxi sind wir um 17 Uhr wieder in Damai.
Kosten: Schiffstickets Kapit/Sibu/Kuching
zwei mal 48 Ringitt, Taxi Kuching/Damai 40 Ringitt; zusammen 136 Ringitt.
Gesamtkosten der viertägigen Exkursion
nach Kapit mit Langhaus-Tour, allerdings ohne Restaurantkosten: 7l6 Ringitt. Die
organisierte Zwei-Tages-Touren sind für zwei Personen nicht unter 800 Ringitt zu haben.
Montag, 20. November 1995: Santubong
Mountain Trek
Zwei Österreicher seien vom Weg
abgekommen, dann auf dem Berg herumgeirrt und dabei schließlich einem Orang Utan
begegnet. Es sei ein altes Tier, das hier im Dschungel lebe, erzählt Amad als einige Tage
alte Abenteuergeschichte über "seinen" Santubong Mountain Trek. Ob es wahr ist,
ob sich die Österreicher das nur eingebildet haben oder ob Amad die ganze Geschichte
einfach nur erfunden hat, um die Bergtour interessanter zu machen - ich weiß es nicht.
Und wenn die Geschichte stimmt, ist die Begegnung mit dem Orang sicher gut ausgegangen.
Gegen zehn Uhr vormittags bin ich an
Amads "Trek-Cantina", aber der Laden ist heute geschlossen. Es ist auch niemand
da, den sonst üblichen Eintritt zu nehmen.
Ein Holzsteg führt den Bach entlang,
dann beginnt der eigentliche Dschungelpfad - wobei der Weg rot markiert, mit
Hinweisschildern ausgewiesen und im Grunde gar nicht zu verfehlen ist.
Nach zehn Minuten bin ich aber bereits
völlig durchgeschwitzt. Denn der "Weg" führt über knochige Wurzeln, und
überall haben sich vom Regen aus der Nacht zuvor Pfützen gebildet.
Nach einer halben Stunde, am einzigen
"Rastplatz" am Bach angelangt, bin ich der Überzeugung, dass es hier nicht mehr
weitergeht. Doch dann entdecke ich eine Bohle, über die man den nächsten Felsbrocken
erklimmen kann.
Schließlich teilt sich der Weg. Ein
Schild weist zum Wasserfall und Dschungeltrek, das andere zum Mountain
Santubong.
Ich nehme zunächst den Weg zum
Wasserfall, den ich auch tatsächlich - inzwischen völlig durchnässt vom Schweiß -
erreiche.
Eigentlich ist der Wasserfall nicht
einmal etwas besonderes: Der Bach stürzt einmal über fünf Meter Tiefe in eine Mulde,
bildet dort ein paar Stromschnellen, stürzt dann noch einmal fünf Meter hinab. Aber nach
diesem Weg ist man vor allem von Stolz erfüllt, das Ziel erreicht zu haben.
Zurück an der Wegkreuzung entschließe
ich mich, dem "Mountain-Pfad" zu folgen. Ein Seil ist an der Steigung zwischen
den Bäumen befestigt, gibt halbwegs Halt. Ich schaffe es immerhin bis zum nächsten
Baumriesen - und kehre dann um.
Rotbraune Waldameisen, um ein Vielfaches
größer als unsere in Europa, ein Lurch oder Salamander und unzählige Schmetterlinge -
das sind die Tiere, die ich zu Gesicht bekomme. Obwohl es überall summt, trillert und
zwitschert, ist nicht einmal ein Vogel zu entdecken.
Doch in den Baumkronen knackt und
raschelt es, und die Äste bewegen sich stärker, als es der Wind verursacht haben
könnte. Zwischen dem Grün glaube ich, einen großen braunen Farbtupfer ausgemacht zu
haben. Vielleicht ist an der Geschichte mit dem Orang Utan doch etwas dran.
Vorsichtig gehe ich Schritt für Schritt den Berg hinunter, und entdecke schließlich auf
den Zweigen - ein Eichkätzchen.
Nach zweieinhalb Stunden bin ich aus dem
Dschungel wieder draußen. Am Abend sind mein durchschwitztes Hemd und die Hose allerdings
noch immer feucht.
Dienstag, 21. November 1995: Damai Beach
Am Vormittag unternehmen wir einen
Spaziergong durch die Hotelanlage, verbringen danach einen faulen Nachmittag am Strand und
am Swimming Pool.
Die "Holiday-Inn"-Anlage bildet
eine Stadt für sich: Mit mehreren Haupthäusern, dazu Reihenhaussiedlungen, das ganze
aufgeteilt in einen Komplex am Strand und einen Komplex auf dem Hügel. Die
Personalkosten, zum Beispiel für die Pflege der Anlage, dürften sich trotzdem
in Grenzen
halten: Ein Gärtner verdient hier, wie ich von Einheimischen gehört habe, ganze 300 Ringitt im
Monat, also knapp 200 Mark.
Die Anlage selbst ist tadellos in
Ordnung, der Service ist es allerdings nicht, auch wenn man sich dabei alle Mühe gibt,
zweimal täglich die Handtücher wechselt oder die Papierkörbe leert.
Zum zweiten mal habe ich heute
beispielsweise Ärger wegen des angeblichen 24-Stunden-Services beim
Filmentwickeln. Ein Film, gestern Mittag abgegeben, war heute Abend immer noch nicht da!
Dafür spielt eine - oder sind es mehrere
- schrecklich unbegabte Band mitunter bis 1.30 Uhr nachts. Ich hatte deswegen zwar schon
Krach mit dem Manager, er versprach auch Besserung, aber getan hat sich nichts. Jedenfalls
glaubt man mitunter, statt in einem Hotelzimmer in einer Disco abgestiegen zu sein.
Das Grundproblem aber ist: Das Holiday
Inn ist acht Kilometer vom nächsten Dorf und 25 Kilometer von Kuching entfernt. Wenn man
also etwas anderes als Touristen und Hotelangestellte sehen will, muss man das Taxi nehmen
- und freie Taxis dürfen auf dem Hotelgelände keine Fahrgäste aufnehmen. Eine Frage der
Lizenz, oder besser: Wie man seine Gäste zu Gefangenen macht und möglichst viel aus
ihnen herauspresst.
Zum Glück gibt es Amad und seine Trek
Cantina rund fünf Fußminuten vom Holiday Inn entfernt. Amad war, so erzählt er
jedenfalls, 16 Jahre lang Soldat, hatte dann einen Job im Holiday Inn - und betreibt seit
September seine Cantina auch gleich mit der Möglichkeit, ein Bergtrekking-Abenteuer zu
erleben. Und Amad organisiert auch Touren, zwar immer noch teurer, als würde man sie
selbst organisieren, aber immerhin ein Drittel billiger als die
Preise von Matahan, die direkt im Holiday Inn sitzen.
Natürlich ist Amad darauf bedacht,
dass dieser Teil seiner Aktivitäten nicht dem Management des Holiday Inn zu Ohren kommt. Denn
dass er denen ein Dorn im Auge ist, versteht sich von selbst. Doch für diejenigen, die
wirklich das Land erkunden wollen, ist Amads Restaurant ein idealer Ausgangspunkt.
Mittwoch, 22. November 1995: Damai -
Singapur - Berlin
Wir verbringen noch einen
faulen Vormittag am Swimming Pool - und fliegen dann gegen 16 Uhr von Kuching ab. Nach
einer guten Stunde landen wir in Singapur, verbringen einige Zeit in der Flughafenbar,
sind gegen 23 Uhr Ortszeit wieder in der Luft - und am Donnerstagmorgen zurück in Berlin.
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