Israel -  Totes Meer, See Genezareth, Jerusalem, Seite 5

Durch das biblische Galiläa - Vom Jordan zum See Genezareth und nach Nazareth



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Über Jericho zum Jordan

Der Weg vom Toten Meer zum See Genezareth führt vorbei an Qumran und dem Wadi Kelt durch das palästinensische Autonomiegebiet in der Region von Jericho. Das Land ist grün. Es gibt zwar einige Gewächshäuser, aber auch die sind umrahmt von bebauten Feldern. Alles in allem muss es hier doch recht fruchtbar sein.
Klicke auf das BildWir passieren ein Straßendorf, das schlicht Uja heißt, ein Dorf, dessen Bewohner sich jedenfalls die Lage an der Durchgangsstraße nutzbar machen. An etlichen Ständen werden Keramiken jeder Größe verkauft, Kitschiges und Nützliches, wobei der Menge nach, die hier Klicke auf das Bildangeboten wird, fast das ganze Dorf in der Keramikbranche aktiv sein dürfte.
Am Rande des Dorfes befindet sich der – verwilderte – islamische Friedhof. Gräber sind hier so gut wie har nicht erkennbar, nur einige Steine auf einem Feld. Und kurz darauf kommen wir an den Fundamenten einer frühchristlichen Kirche vorbei, ein Platz, der auch heute noch für christliche Gottesdienste genutzt wird.
Im Jordantal fahren wir kilometerweit an einem Grenzzaun vorbei – der allerdings auch nicht weiter kontrolliert zu werden scheint. Von der Straße aus sieht man zumindest keinerlei israelische Einheiten, aber auch keine jordanischen Truppen. Die Grenze, so Amos, unser Reiseleiter, sei schon seit Jahren ruhig, und es gebe auch ein Grenzdorf, das von Beduinen bewohnt sei, die eine Hälfte auf der ehemals jordanischen, nun palästinensischen Seite, die andere Hälfte auf der israelischen Seite. Von diesem Grenzdorf selbst bekommen wir allerdings nichts mit – und von der Grenze auch nicht all zu viel. Es gibt zwar eine Grenzstation – aber wir passieren wieder einmal ohne jede Kontrolle.

Jardenit – Taufplatz am Jordan

Klicke auf das BildUnsere erste Station des Tages ist Jardenit, eine vor allem von Baptisten genutzte Taufstelle. Doch aktuell ist keine Taufe angemeldet, das Areal, eine parkähnliche Anlage, und der große Andenkenladen sind ziemlich verwaist – und der Jordan dümpelt still und fast romantisch vor sich hin.
Dafür bekommt man hier aber einen plastischen Eindruck, wie schmal der Jordan ist. Wenn überhaupt, sind es hier nicht viel mehr als zehn, 15 Meter, die zwischen den beiden Ufern liegen, und besonders schnell scheint das Wasser auch nicht zu strömen. Dafür fühlen sich hier aber auch einige größere Fische wohl.

Am Kibbuz En Gev

Wenige Fahrminuten von Jardenit entfernt haben wir den See Genezareth erreicht, durchqueren wir die weitläufigen Ortschaften vor Tiberias. Wir passieren die Ruinen eines alten osmanischen Bahnhofs, kommen an einigen kleineren Badestränden vorbei, befinden uns dann auf der Ostseite, beim Kibbuz En Gev, direkt zu Füßen der Golan-Höhen.
Klicke auf das BildVor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967, erzählt Amos, wollten die Bewohner eigentlich schon ihren Kibbuz verlassen, weil der Druck und die tägliche Bedrohung durch die syrische Armee kaum noch auszuhalten gewesen wäre. Nun liegen am Ufer des Sees nicht nur die bebauten Felder, sondern sogar etliche Feriensiedlungen mit Bungalows, Spielplätzen und mehr, betrieben von einem offenkundig wirtschaftlich blühenden Kibbuz.
Genau gegenüber liegt, auch bis an den See gebaut, Tiberias – was von unserem Aussichtspunkt ausschaut wie ein italienisches Hafenstädtchen. Die Straße um den See ist schmal, wird nördlich von En Gev auch kaum benutzt, obwohl sie doch in einem tadellosen Zustand ist. Abseits der Straße liegt eine alte Brücke, nun gesperrt, aber so etwas wie ein militärisches Denkmal: Über diese Brücke rollten 1967 die israelischen Panzer nach Syrien.
Die ganze Region ist fruchtbar, und auf der Höhe von Kapernaum kommen uns auf einem extra Radweg auch einige Radler entgegen. Eine Fahrradstrecke rund um den See Genezareth, das ist eines der neuen Projekte des israelischen Fremdenverkehrsamtes.

Das biblische Kapernaum

Klicke auf das BildDas in der Bibel erwähnte Kapernaum scheint als Ort heute jedenfalls so gut wie gar nicht mehr zu existieren. Es gibt eigentlich nicht viel mehr als eine größere Bootsanlegestelle für die allerdings wenigen Ausflugsschiffe, die man auf dem See verkehren sieht. In der Nähe des Stegs dieser Anlegestelle schwimmen einige Welse, dunkle Prachtexemplare, die sicher über einen Meter Länge erreicht haben. Wir kosten von der harten Frucht eines Johannisbrotbaumes, laufen dann zu der keine hundert Meter entfernten orthodoxen Kirche.
Weit schöner als diese durchaus ästhetische Kirche ist aber noch der parkähnliche, etwas verwildert wirkende Garten, den die Mönche hier geschaffen haben, ein wahrhaft paradiesisch wirkendes Fleckchen Erde. Hier sitzt man an einem Tisch unter einem gewaltigen Ficus-Baum, der wie ein natürlicher Pavillon zum Zentrum des Gartens wurde, über den Weg spazieren die Pfauen, in einem eigenen abgezäunten Bereich gackern einige Hühner.
In Nachbarschaft zu dieser orthodoxen Kirche befindet sich auch noch eine Kirche und ein Kloster der Franziskaner, ein Kloster, dessen Bewohner ebenfalls fleißig Landwirtschaft betreiben.

Bei den Benediktinern von Tabgha

Klicke auf das BildBei der Ortschaft Tabgha – eigentlich ist auch hier von einer bewohnten Ortschaft nichts zu erkennen – besuchen wir die zu einem Benediktiner-Kloster gehörende Brot-vermehrungs-kirche. Wirklich sehenswert sind in dieser eher schlichten Anlage aber eigentlich nur die farbigen Mosaiken, meist von Tieren, Mosaiken, die um einiges älter als die übrigen Teile der Kirche sein dürften

Nazareth - Vom Basar zur Verkündigungskirche

Das letzte Ziel des Tages ist Nazareth mit der Verkündigungskirche. Die Stadt selbst wirkt zunächst wie ein zusammen gewürfelter Haufen verschiedener Ansiedlungen auf mehreren Hügeln, fast auf jedem Hügel auch eine Kirche, alles verbunden durch breite Hauptstraßen, aber kein Ort, der irgendwie einen besonderen historischen Kern vorzuweisen hätte.
Klicke auf das BildWir halten in der Nähe des Basars, der hier aber nur aus wenigen Straßen besteht, in dem es auch kaum Geschäfte für Touristen, sondern fast nur für den Alltagsbedarf gibt. Die Käufer sind beinahe ausschließlich Frauen in arabischer Tracht, keine ohne Kopftuch, und die Touristen, die hier entlang laufen, befinden sich lediglich auf dem Weg zur Verkündigungskirche.
Die ist wieder ein massiver Bau, mit einem archäologischen Grabungsgelände vor dem heutigen Kirchengebäude. Ausgegraben werden hier Funde aus römischer Zeit, aber auch Fundamente aus der byzantinischen Periode. Entdeckt wurde die Stelle, an der nach der Bibel Erzengel Gabriel Maria die bevorstehende Geburt Jesus verkündete, von der Heiligen Helena, der Mutter von Kaiser Konstantin und, so die Legende, auch Entdeckerin einer ganzen Reihe weiterer heiliger Stätten, zum Beispiel von Christi Grab, den Stationen des Leidesweges und mehr. So gesehen gehen heute fast alle christlichen Wallfahrtsorte in Israel und Palästina auf die Mutter des römischen Kaisers zurück, der das Christentum zur herrschenden Religion des Reiches machte.

Im Zentrum der Marien-Verehrung

Klicke auf das BildWie auch immer: Nazareths Verkündigungskirche ist nun der zentrale Ort der Marien-Verehrung, und das findet seinen ersten Niederschlag im Hof der Kirche. Die Mauern des Komplexes sind nun eine einzige Galerie von Marien-Bildern von Künstlern aus wohl praktisch allen Ländern der Erde, wobei die meisten Bilder eine fast naive Frömmigkeit ausstrahlen, etliche ihre regionale Herkunft verraten, etwa in Form einer Maria mit japanischen Gesichtszügen, andere Bilder eher zum Abstrakten neigen. Dazu zählt dann auch sicherlich der deutsche Beitrag, ein Marienbild, in dem eine Mauer gemalt ist, Sinnbild dafür, dass der Glaube die deutsche Teilung überwinden würde. Jedenfalls war Deutschland, als dieses Bild entstand, noch geteilt.
In der Kirche findet gerade ein Gottesdienst statt – wobei auch hier die neue Kirche über dem Gewölbe einer weit älteren steht. Und dieses darunter liegende Gewölbe ist nun der Raum des Kirchenchores – und obwohl der Gesang nun aus der Tiefe des Baus kommt, lässt ihn die Akustik des Raumes beinahe von oben erschallen.
Auf dem Weg zurück zum Auto, dass nun in der Nähe des Hauptplatzes steht, kommen wir an verschiedenen Transparenten vorbei, die auch neben solchen Geschäften hängen, die Andenken an die Touristen verkaufen wollen. Auf den Transparenten stehen Koran-Suren, in denen den „Ungläubigen“ die ewige Verdammnis angekündigt wird. Auch wenn Nazareth nicht unwesentlich von den christlichen Besuchern lebt, scheint ein großer Teil seiner islamischen Bevölkerung von diesen Gästen nichts zu halten – und demonstriert diese Ablehnung zumindest geduldet von der Stadtverwaltung und den Behörden auch sehr offen.
Erstaunlich: In dem von der Palästinensischen Autonomiebehörde verwalteten Bethlehem hat es solche zur Schau gestellte antichristliche Haltung nicht gegeben.

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