Israel -  Totes Meer, See Genezareth, Jerusalem, Seite 3

Ein Besuch von Massada - der Festung des Herodes zwischen Negev-Wüste und Totem Meer



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Am Toten Meer entlang nach Norden

Wenige hundert Meter nördlich von Ein Boqeq ist das Tote Meer zunächst einmal zu Ende, zumindest der südliche Teil davon. Östlich der Straße liegt eine öde Sandfläche, durchzogen von einigen geraden, künstlich Kanälen, dem Anschein nach die letzten Wasserläufe, die die Austrocknung des Toten Meeres hier noch übrig gelassen hat.
Amos, unser Reiseleiter, Sohn deutscher Juden, die vor den Nationalsozialisten geflohen waren, nun mit einer Deutschen verheiratet, erzählt, dass hier vor einigen Jahren noch große Schiffe zwischen dem südlichen und nördlichen Toten Meer verkehrt hätten, doch für den Schiffsverkehr reichen diese verbliebenen engen Wasserläufe bei weitem nicht aus. Und im Grunde ist dieser südliche Teil Roten Meeres bereits jetzt nichts anderes mehr als eine künstlich am Leben erhaltene Lagune. So dümpelt eines der nun nicht mehr benötigten Schiffe auch wie ein Denkmal auf seinem Sockel auf dem Trocknen, weit weg vom neuen Uferverlauf, vor sich hin.
Klicke auf das BildAber davor warnen auf der Straße Hinweisschilder vor möglichen Überschwemmungen. Denn wenn es in Hebron oder Jerusalem einen starken Dauerregen gibt, sagt Amos, steigt auch der Spiegel des Toten Meeres, geht der Wasserstand vorübergehend mitunter sogar über die Küstenstraße hinaus. Doch momentan sind die Wadis, die zum See führen, alle trocken.
Dennoch sind wir nach einigen Kilometern wieder an der Küste des Toten Meeres – und schließlich führt auch ein Abzweig in die Berge, der Abzweig nach Massada, der Festung, deren Mauern man sogar von hier unten sehen kann.

Mit der Seilbahn auf die Festung

Klicke auf das BildDer Aufgang zur Festung beginnt an einer Talstation mit Parkhaus, Restaurant, Andenkenladen und sogar einer vor einigen Jahren gebauten Seilbahn, die nun die schnellste Verbindung auf den Gipfel darstellt. Von der Gondel aus sieht man dann hinunter auf den gewundenen Pfad, den so genannten Schlangenpfad, auf dem sich trotz der bereits aufkommenden Hitze einige Besucher auf den Weg zum rund 400 Meter hohen Plateau gemacht haben. Rund 50 Minuten ist man zu Fuß unterwegs, mit der Seilbahn sind wir nach wenigen Minuten oben – und sehen auf die Ausläufer des nördlichen Teils des Toten Meeres, das hier bei Massada sein Ende findet.

Wasser aus dem Felsen

Klicke auf das BildEtwas unterhalb der Seilbahnstation verläuft am Rand des Felsens eine als gerade Linie in den Stein geschlagener Kanal, einer der Wasserläufe, die in der Antike regelmäßig die Zisternen Massadas füllten. Diese Zisternen wiederum wirken von außen beinahe wie natürliche Höhlen, erweisen sich aber beim Hineinschauen als sorgfältig herausgearbeitete säulengestützte Gewölbe. Rund 600.000 Kubikmeter Wasser waren nach Amos zu Zeiten von König Herodes in diesen Zisternen gespeichert.
Und wie das geht, demonstriert Amos an einem Modell, das am Eingang des Palastbereiches steht. Dafür gießt er einen Becher Wasser auf die nachgebildeten Gebirge der Umgebung, durch ein ausgeklügeltes Kanalsystem fließt das Wasser dann in die Zisternen von Massada. – wobei das nachströmende Wasser die Flut auch nach oben drückt, so auch die höher gelegenen Zisternen gefüllt werden können. Der Becher Wasser in dem Modellversuch steht dabei für die winterlichen Regenfälle in Hebron oder Jerusalem, Regenfälle, sie sonst über die Wadis ungehindert ins Tote Meer abgeflossen wären.
Nur: Was zu Herodes Zeiten noch 60.000 Kubikmeter waren, die die heute allerdings leeren Zisternen von Massada füllten, sind heute in ganz Israel rund sechs Millionen Kubikmeter, die vor allem für die Landwirtschaft abgezweigt werden, Regenwasser, das nun nicht mehr ins Tote Meer fließt. Wie sehr dieses Wasser dem Toten Meer fehlt, kann man von der Festung aus unmittelbar sehen – mit der Landzunge, die sich südlich von Massada gebildet hat, eine ausgetrocknete Region, die jetzt den südlichen und nördlichen Teil des Toten Meeres trennt.

Die Tauben von Massada

Klicke auf das BildKlicke auf das BildEinen weiteren Becher Wasser füllt Amos nach dieser Demonstration für die Tauben, ein Brauch, dem angeblich alle Reiseleiter von Massada verpflichtet wären. In der Antike jedenfalls gab es nicht nur Tauben, sondern auch richtige Taubenschläge auf dem Festungsplateau, wobei zumindest einer dieser Taubenschläge die Zeiten überstanden hat: ein eigenes Steinhaus mit Nischen, in denen die Vögel untergebracht waren. Vielleicht sind die jetzigen gefiederten Bewohner von Massada ja sogar direkte Nachfahren der Tauben von Herodes.
Einige andere Festungsbewohner bekommt man in den Überresten der alten Badehäuser des Palastes zu Gesicht. Zwischen den Säulen huscht da mitunter eine Stachelmaus herum, ein rattenähnliches Tier, das allerdings ohne Schwanz auskommen muss.

Die Mosaiken des Herodes

Klicke auf das BildAußer den Stachelmäusen kann man in den Baderäumen aber die noch immer farbenprächtigen Reste der Mosaiken bewundern, Mosaiken, die nur übertroffen werden von den Mosaiken im eigentlichen Palast. Dort das vorherrschende Motiv: die Rosette, das Zeichen des König Herodes. Im Verhältnis zu diesen Werken sind die Mosaiken der immerhin einige Jahrhunderte jüngeren byzantinischen Kirche zwar ebenfalls gut erhalten, aber doch bereits mit verblassenden Farben.
Klicke auf das BildFür Laien kaum als solche erkennbar ist unterdessen die Synagoge von Massada, nun nicht mehr als ein ummauerter Raum mit einigen Säulen und Nischen, allerdings ohne Dach, aber eben doch eine Synagoge, die auch heute noch für Gottesdienste genutzt wird.
Ein Steinhaufen auf dem Plateau erinnert an die letzten Tage von Massada als jüdischer Festung: Die hier zur Pyramide aufgeschichteten Steinkugeln hatten die römischen Belagerer mit einem Katapult in die Bergfestung geschossen. Unterhalb des Felsens von Massada durchzieht immer noch auf der landwärts liegenden Seite eine aus Erde aufgeschichtete Rampe das Tal, jene Rampe, von deren vorderster Stelle die Belagerer die Steinbrocken auf das Plateau schossen.

Die Schlacht um Massada als Ton-Licht-Show

Jeweils am Dienstag und Donnerstag findet am Abend die Ton-Licht-Show statt, die von der Schlacht um Massada während des jüdischen Aufstandes gegen die römische Herrschaft erzählt. Vor dem Gelände stehen nun einige Holzkarren mit gewaltigen Rädern, Nachbildungen der Wagen, die die Römer bei der Belagerung der Festung einsetzten.
Klicke auf das BildEtwas mehr authentische Geschichte gibt es für das Publikum dann zunächst bei dem Schwarz-Weiß-Film über die ersten Ausgrabungen auf der Festungsgelände, schließlich bei der Ton-Licht-Show selbst. Da am Eingang Kopfhörer verteilt werden, kann man die nun auch auf Deutsch sowie etlichen anderen Sprachen verfolgen.
Gestaltet ist die Ton-Licht-Show im Stil eines Hörspieles, die Dialoge dabei weitgehend geschrieben nach den Aufzeichnungen des jüdischen Historikers Josephus Flavius, etwa der Dialog zwischen dem jüdischen Festungskommandanten, dem Führer der Zeloten, und dem römischen Feldherren, aber auch als Streit zwischen den Zeloten in der Festung und den jüdischen Frauen, die eben nicht unbedingt bereit sind, sich zu opfern.
Einseitig als übermenschliche Helden dargestellt werden die jüdischen Kämpfer hier nicht, und da wird sogar die Frage gestellt, ob sie mit ihrem Verhalten nicht vielleicht gegen das oberste mosaische Gesetz, gegen das Gesetz, unter allen Umständen Leben zu retten, verstoßen haben.
Beeindruckender als dieses Hör-Theater ist allerdings die nächtliche Festung, von der nun immer wieder passend zum jeweiligen Dialog einzelne Teile rot angestrahlt werden. Und dieses Lichtspiel in Rot ist auch um einiges fesselnder als die – tadellos gesprochenen – Texte, vor allem gegen das Finale hin, wenn ganze Lichtsalven gegen den Berg geworfen werden, Darstellung des Geschosshagels aus brennenden Pfeilen und schließlich, wenn die ganze äußere Festungsmauer im flammenden roten Lichtschein untergeht.


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