Nordindien, Rajasthan - Jaipur und Amber, Seite 5

Erkundungen in Jaipur, der "Roten Stadt" und ein Elefantenritt zum Schloss von Amber



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Ein Viehmarkt auf dem Weg nach Jaipur

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Auf dem Weg von Jodhpur nach Jaipur entdecken wir am Rand der Straße einen großen Viehmarkt, auf dem etliche tausend Rinder angeboten werden. Die Bauern aus der ganzen Umgebung haben sich versammelt, an einem Lautsprecherwagen wir eine Lotterie veranstaltet, eine ganze Stadt ist entstanden, wo nun in engen Straße Schuhmacher ihre Dienste anbieten, an diversen Ständen alle möglichen Bedarfsartikel verkauft werden, es selbst ein "Restaurantviertel" gibt.
Eine gute Kuh, so sagt Lalit, unser Reiseführer, würde umgerechnet rund 1500 Mark kosten, und der Markt, den wir heute besuchen, fände nur einmal im Jahr statt.




Lektion in Hinduismus

Auf der Weiterfahrt erzählt uns Lalit dann einiges über den Hinduismus. 84 Millionen Wiedergeburten warten nach der Lehre des Hinduismus auf die Seele, und als "Beweis" für die Richtigkeit der Wiedergeburtslehre hält Lalit eine Geschichte parat, die sich in seinem eigenen Bekanntenkreis in Agra zugetragen haben soll. Ein Freund seines Bruders, der Inhaber eines Musikgeschäftes, sei eines Tages bei einem Raubüberfall erschossen worden. Die Täter konnten nicht gefasst werden. Kurz nach diesem Verbrechen sei jedoch in einem 80 Kilometer entfernten Dorf ein Junge geboren worden, der fünf Jahre später mit seinem Vater nach Agra kam, in das Geschäft des Ermordeten ging, alles über den Toten wusste, von der Witwe schließlich auch als Ehemann identifiziert worden sei und auch seine Mörder genannt hätte. Ein halbes Jahr nach der Verurteilung der Mörder sei der Junge völlig unerwartet und ohne krank gewesen zu sein gestorben.
Wir kommen schließlich in eine Gegend, in der Marmor gewonnen wird, und aus der auch das Marmor der Paläste, die wir gesehen haben, stammt. Abgebaut wird noch immer: Auf Dutzenden Lagerplätzen stapeln sich die Marmorplatten, unendliche Lastwagenkolonnen rollen über die Straße.
Je weiter wir nach Jaipur kommen, desto arider wird die Landschaft. Auf den Feldern grasen die Ziegenherden. Die Wüste Thar ist nicht mehr weit.

Rot, die Farbe des Willkommens

Klicke auf das BildAm frühen Nachmittag sind wir in Jaipur, der Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan, fahren in die Altstadt, nach der "blauen" Stadt Jodhpur nun in die "rote" Stadt, die auch in Indien oft als "Pink City" bezeichnet wird. Rot, so erklärt uns Lalit, sei in Indien die Farbe des Willkommens, und als Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Engländer nach Jaipur gelangten, ließ der Maharaja nicht nur seinen eigenen Stadtpalast, sondern gleich sämtliche Häuser der Stadt rot anmalen.
Ebenso auffällig wie die Farbe der Häuser: Jaipur wurde planmäßig um den Stadtpalast herum angelegt, Klicke auf das Bildmit weit breiteren Straßen, als wir sie aus Udaipur oder Jodhpur kennen. Alle Geschäfte in den unteren Stockwerken der Häuser haben die gleiche Größe - und über diesen Geschäften befinden sich die Terrassen, von denen etwa bei Festen jedermann, auch, wenn er gar nicht dort wohnt, dem Treiben auf der Straße zuschauen kann. Noch heute, so Lalit, seien die Geschäftsleute verpflichtet, ihre Terrassen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Unser erster Stop in Jaipur führt uns zu einer alten Haveli, einer Karawansei, nun auch ein Hotel. Die Mauern versprechen von außen nichts besonderes - und durch das Tor können Passanten auch nicht in das Innere des Bauwerkes sehen. Hinter dem Tor befindet sich nämlich wie bei all diesen Palästen eine weitere Mauer, der Besucher muss erst nach links abbiegen, bevor er im eigentlichen Innenhof steht. Mittelpunkt der Haveli ist ein hübscher Garten, von dem aus es zu den einzelnen Räumen geht.
Nun brechen wir auf, um ausgehend vom Stadtpalast die Innenstadt zu erkunden. Dabei werden wir von einer Schar bettelnder Kinder begleitet, die aber das unmittelbare Gebiet des Stadtpalastes nicht verlässt und uns schließlich allein weiterziehen lässt.

Am Palast der Winde

Klicke auf das BildJaipurs Hauptanziehungspunkt ist natürlich der "Palast der Winde", der filigrane Bau, von dem aus die Frauen des Maharajas einst die Straßenfeste beobachteten. Um den "Palast der Winde" besser sehen zu können, lassen wir uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite von einem Händler in seinen Laden auf der Terrasse mitnehmen.
Der "Palast der Winde" ist weder besonders groß noch imposant, besticht eigentlich nur durch die Feingliedrigkeit seiner Formen und durch das Licht seiner Farbe. In einem offenen Palastfenster turnt ein Affe herum, verschwindet dann im Inneren des Baues. Affen auf den Terrassen und Dächern der Stadt beobachte ich schließlich noch mehrere.


Die verlassene Stadt und ihr Palast

Klicke auf das BildIn der Nähe von Jaipur: Amber. Eigentlich wurden der Palast und die Stadt Amber nach der Errichtung von Jaipur von seinen Bewohnern verlassen - aber nun füllt sich der Ort wieder mit Leben. Amber ist schließlich Ziel fast jeder Nordindien-Reise - und damit auch Anziehungspunkt der hier besonders hartnäckig auftretenden Souvenirverkäufer.
Der erste Aussichtspunkt: Auf der anderen Seite des Sees erhebt sich auf einem Berg das gewaltige Schloss, dahinter scheinen weitere befestigungsähnliche Anlagen zu liegen. Von der Stadt Amber selbst sind dagegen nur Ruinen geblieben.
Die Elefanten, mit denen wir auf das Schloss reiten sollen, werden an eine Mauer, ähnlich einer Schiffsmole, geführt, von der wir auf die auf dem Elefantenrücken befestigte Plattform steigen. Dann wird, wie bei einer Schaukel, eine Querstange über die Beine gelegt und befestigt, damit die vier "Passagiere" nicht herabrutschen können - und das Tier setzt sich im gemächlichen Trott in Bewegung. Zwar reitet es sich auf einem Elefanten bequemer als auf einem Pferd oder einem Kamel - aber es schaukelt doch wie auf einem Boot bei etwas Seegang.
Klicke auf das BildAm beeindruckendsten in Amber: Die Mosaiken, mit denen die Decken etlicher Palasträume geschmückt sind - und das Wasser. Weil es auf dem Berg kein Wasser gab, musste es natürlich hochgeschafft werden, war kostbar, und selbst die Herrscher hatten damit - für ihre Begriffe - sparsam umzugehen. Dabei wurde aber fließendes Wasser als Klimaanlage benötigt, und dazu bediente man sich eines Tricks, den Lalit uns nun vorführen lässt: Ein Eimer Wasser wird in einen der "Kanäle" gekippt, und durch die Riffelung innerhalb des Flusskanals dauert es tatsächlich knapp fünf Minuten, bis das Wasser abgeflossen ist.
Atemberaubend die Aussicht: Unter uns liegt der See von Amber, auf einer Treppe waschen Frauen Wäsche - und an der anderen Seite des Ufers baden die Elefanten.


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