Türkei, Iran, Afghanistan - Kabul, Seite 3

Von der afghanischen Grenze über Herat nach Kabul, in die Altstadt und auf die Chicken-Street



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An der afghanischen Grenze

Die iranisch-afghanische Grenze auf der afghanischen Seite: Vier uralte Häuser, reichlich zerfallen, eine Polizeistation, Zoll, Bank und ein Office, in dem die Gesundheitspässe kontrolliert werden; dazu eine Toilette, die ihren Geruch über das ganze Grenzgebiet verbreitet und wohl die schlechteste in ganz Afghanistan ist.
Wir sind zu spät gekommen und sollen erst am nächsten Tag abgefertigt werden. Die Fahrer haben zwar Bakschisch gegeben, aber wohl den falschen Beamten geschmiert. Ein Grenzsoldat, wenn es hochkommt vielleicht 18 Jahre alt, meint, wir sollten den Bus woanders hinfahren. Wir bleiben stehen; er versucht, grimmig auszusehen, was aber schief geht, und schließlich muß er über sich selber lachen.
Am Abend gehen wir in eines der Teehäuser hinter der Grenze. Jetzt erst sind wir richtig in Afghanistan! Wir essen von unseren Vorräten, trinken Tee und rauchen mit den Einheimischen Charras. Es wirkt nicht schlecht - ein gutes Gefühl. Die Nacht verbringen wir im Bus.
Die Grenzformalitäten am Morgen nehmen etwa drei Stunden in Anspruch, dann kann es weitergehen. In Herat machen wir eine kurze Rast, haben leider zu wenig Zeit, uns die Stadt anzusehen.. Die Straße nach Kabul ist gut, durchgehend gepflastert, aber sie als Autobahn bezeichnen zu wollen, ist eine leichte Übertreibung. Am Abend machen wir in einem Dorf Station, erreichen am nächsten Vormittag Kabul..

Kabul rund um die Traveller-Hotels und Chicken-Street

Die übrigen Reisenden aus unserem Bus steigen im Peace-Hotel ab, dem wohl bekanntesten Traveller-Hotel Kabuls, aber das gefällt uns nicht, weil wir im Freien schlafen müßten, es auch nicht besonders sauber ist. Also suchen wir eine andere Bleibe, die wir dann mit dem Beshed-Hotel auch ganz in der Nähe finden.
Kabul - das ist für uns vor allem die Chicken-Street, das Einkaufszentrum. Dabei muß um alles gehandelt werden; die Preise sind mindestens um 100 Prozent zu hoch angegeben. Angeboten werden vor allem Jacken, Taschen, Ringe usw., mich begeistert aber eigentlich nur ein Schachspiel aus Onyx. 300 DM verlangt der Händler als Einstiegspreis, ich will meinen gelben Anzug eintauschen. Leider mag der Bazari die Farbe nicht, lehnt sie wie die meisten Afghanen wohl aus religiösen Gründen ab; Geld will ich nicht zahlen, also wird aus dem Geschäft vorerst nichts.
Von deutschen Einkäufern erfahren wir, daß Onyx in Istanbul sowieso billiger sein soll. Aber dort kann man kaum Tauschgeschäfte machen.

In der Altstadt
Ich will auf der Post Briefmarken kaufen. Ich stehe eine gute halbe Stunde in der Schlange und gebe dann auf, weil das Warten kein Ende nimmt. Beim Rückweg lande ich aber auf der falschen Seite vom Kabul-Fluß.
An den Berghängen beginnt das Wohnviertel für die meisten Einheimischen. Ich komme nicht direkt dorthin, aber was ich aus einiger Entfernung sehe, reicht durchaus. Straßen sind nicht erkennbar, Stromleitungen oder ähnliches sowieso nicht. Die meisten Häuser sind fensterlos, haben höchstens ein Tuch vor einer Maueröffnung. Die Sanierungsviertel in Berlin-Kreuzberg und selbst die ärmeren Gebiete, die wir in Istanbul gesehen haben, sind die reinsten Luxusbezirke im Vergleich hierzu.
Einige Tage später auf dem Basar der Einheimischen in der Altstadt. Dreck, Armut, stinkendes Fleisch und Fliegen, dazu Altkleider aus den entsprechenden Rot-Kreuz-Sammlungen zu Horror-Preisen. So geht das hier! Die Häuser haben sogar Löcher in den Außenmauern. Die aus Berlin stammende Besitzerin des Lokals, in dem wir meistens essen, hat erzählt, daß manchmal eines dieser Häuser einfach einstürzt.
Wenn wir einmal unseren hiesigen Lebensstil mit dem der meisten Afghanen vergleichen, residieren wir trotz aller Primitivität immer noch fast wie Feudalfürsten.

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