Sonntag, 20. Oktober 1996: Berlin - Macuto
Der British-Airways-Flug nach London
verläuft noch problemlos. Wir geben in Berlin allerdings unser Gepäck gleich durchgehend
bis Caracas auf - was sich noch als schwerer Fehler erweisen wird.
Um 7.45 Uhr fliegen wir von Tegel ab, um
9.45 Uhr - also 8.45 Greenwich-Zeit - landen wir in London-Heathrow. Humboldt beschreibt,
wie seine Südamerikareise auf den Kanaren begann, er nach tagelangen Streifzügen über
die kanarische Inselwelt und wochenlanger Überfahrt über den Atlantik schließlich
Südamerika erreicht.
Wir haben in Heathrow gerade Zeit für
eine Tasse Kaffee in einer Flughafenbar - und sitzen dann schon wieder im Flieger.
Der Flug verläuft streckenweise sehr
turbulent: Immer wieder müssen wir uns anschnallen. Dafür erreichen wir aber noch vor 15
Uhr Ortszeit, das entspricht 21.00 Uhr MEZ, den internationalen Flughafen von Caracas.
Doch alles, was mit Service zu tun hat, ließ auf diesem Flug zu wünschen übrig.
Zum Umtauschen von Travellerschecks
gibt
es auf dem Flughafen nur eine einzige Bank - und vor der steht eine lange Schlange. Die
Bankangestellte lässt sich jedoch mit jedem Kunden viel Zeit. Nach einer knappen Stunde
komme ich an die Reihe, während Karin mittlerweile die Grenzkontrollen passiert hat, um
unser Gepäck zu sichern. Auch an der Grenzkontrolle hatte sich eine lange Schlange
gebildet.
Als ich die Grenze passiere, ist die
Schlange zwar aufgelöst - aber unser Gepäck ist nicht da! Alle drei Gepäckstücke, die
wir in Tegel aufgegeben haben, sind schlicht und ergreifend verschwunden.
Ich beschwere mich bei einer
BA-Angestellten namens Sonja; sie verspricht, sich gleich am nächsten Tag um das Gepäck
zu kümmern, doch wir bleiben gegen diese Zusagen skeptisch.
Immerhin hatte Humboldt sein Gepäck bei
sich, als er Südamerika erreichte.
Mit dem Taxi fahren wir für 7000
Bolivares nach Macuto ins Hotel Santiago. Die Übernachtung kostet 11.000 Bolivares, also
knapp 40 Mark für das Doppelzimmer.
An der Rezeption frage ich nach einem
Tourenveranstalter, 20 Minuten später sind Carlos und Ivan bei uns. Zur
"Geschäftsbesprechung" fahren wir in ein Fischrestaurant am Yachthafen, kommen
dabei auch durch La Guaira, wo wir unter dem alten Kastell durch enge Gassen fahren, die
aus alten, bunten, aber teilweise schon stark verfallenen Häusern bestehen.
Montag, 21. Oktober 1996: Macuto
Erste Eindrücke von Macuto von unserem
Hotel aus: Unmittelbar an die Stadt schließen sich bereits die Berge an, mit dichtem Wald
bewachsen. Das "Santiago" scheint am Stadtrand zu liegen - jedenfalls gibt es in
westlicher Richtung nur die kurvige Küstenstraße zu sehen.
Auf den Palmen, die vor dem Hotel stehen,
haben sich Fischreiher und Pelikane eingenistet. Die Pelikane kreisen über dem Wasser,
stoßen hinunter, so dass das Wasser aufspritzt, steigen dann mit ihrer Beute wieder hoch.
Kurz vor 11 Uhr holt uns Ivan ab; vor
einer Bank in La Guaira treffen wir noch Carlos und fahren dann nach Maiquetia, wo der
Flughafen von Caracas ist.
Carlos sagt, jetzt würde gerade die
Trockenzeit anfangen. Aber der Himmel ist bewölkt, und es scheint fast immer kurz vor
einem Regenschauer zu sein.
In Maiquetia kaufen wir T-Shirts,
Unterwäsche, einen Bikini für Karin - alles in allem Textilien für umgerechnet 50 US-$.
Carlos schwört darauf, dass Maiquetia der billigste Ort zum Einkaufen in ganz Venezuela
sei. Auf mich hinterlässt Maiquetia den Eindruck einer chaotischen, aber unbedeutenden
Kleinstadt.
Wir schauen noch kurz am Flughafen
vorbei, aber weder Sonja, die sich um unser Gepäck kümmern wollte, noch unser Gepäck
sind da.
Weil British Airways auch nicht im Hotel
angerufen hat, rufe ich selbst nach 16 Uhr im Flughafen an, aber dort ist nun niemand mehr
zu erreichen. Ein Telefonat mit dem BA-Büro in Caracas bringt außer 2400 Bolivares
Telefonkosten auch kein Ergebnis.
Der erste Eindruck von
Macuto, dass dort
nichts wäre außer unpersönlichen Hotels, muss korrigiert werden: Am Nachmittag
spazieren wir die Strandpromenade entlang, und diese Promenade mit ihrer ummauerten
Begrenzung macht den Eindruck eines europäischen Seebades. Herzstück der Strandpromenade
ist der kleine Badestrand zwischen zwei Steinmolen. Gleich dahinter schließt sich der
Hauptplatz mit Restaurants und kleinen Hotels an.
Die Häuser hier sind größtenteils im
Stil von Fincas errichtet. Der Platz stammt offensichtlich aus der Zeit der
Jahrhundertwende, als das Seebad Macuto gegründet wurde.
Doch heute strahlt all dies nur noch den
Charme des Zerfalls aus. Auch am Abend sind die meisten Restaurants fast leer. Nur um den
Kiosk am Strand herum treffen sich die Männer des Ortes zu Brettspielen.
Dienstag, 22. Oktober 1996: El Caribe - Los
Caracas - Parque National de Avila - Osma
Ivan und Carlos holen uns unerwartet
pünktlich kurz nach 8.30 Uhr zur Küstentour ab.
Unsere erste Station ist schnell
erreicht: El Caribe. Der Ort ist ein Touristenzentrum ähnlich wie Macuto, scheint aber
moderner und mondäner. Jedenfalls stehen hier die größeren Hotels, und der Yachthafen
mit den prächtigen Booten lässt auf wohlhabende Gäste schließen.
Wir fahren weiter an der Küstenstraße
in Richtung Osten. Hier entdecken wir nun auch kleine Buchten mit Sandstrand, doch das
bleibt eher die Ausnahme. In der Regel herrscht die Steilküste vor - und gleich hinter
der Straße ragen auch die Schieferberge empor.
An einigen Stellen beobachten wir
Pelikane, sehen auch einen Seeadler, wie er über dem Meer seine Kreise zieht.
In Los Caracas beginnt der Parque
National de Avila, der älteste Nationalpark Venezuelas. Los Caracas selbst ist ein Ort
des "Sozialtourismus": Einfache luftige Bungalows, eine Kirche und ein
Restaurant über einem Strand, der tatsächlich etwas von einem
"Wochenendausflugs-Strand" an sich hat. Heute herrscht hier zwar gähnende
Leere, aber Carlos meint, an den Wochenenden wären hier Unmengen von Menschen.
Wir fahren weiter mit dem Auto (!) die
Straße in den Nationalpark hinein. Ein kleiner Fluss fließt hier entlang; sein Wasser
ist ziemlich kalt, kommt aus den Bergen. An seinen Ufern wachsen Bambusstangen, die die
Dicke eines starken Beines erreichen. An einer dieser Bambusstangen entdecken wir einen
wilden Bienenstock.
Allerdings: Sehr pfleglich gehen die
Venezolaner nicht mit ihrem Nationalpark um. Überall am Flussufer liegen weggeworfene
Plastikflaschen.
In Los Caracas endet die Asphaltstraße,
weiter geht es nun über eine regelrechte Dschungelpiste. Die Route ist kurvig, voller
Schlaglöcher - und führt an tiefen, dicht bewaldeten Schluchten vorbei.
Carlos sagt, hier würden Jaguare,
Schlangen und Affen leben, doch wir entdecken lediglich einige merkwürdig gebaute
Vogelnester, die wie Häuser von einem Baum hängen.
Osma, bestehend aus einigen armseligen
Häusern und einem "Platz", der sich dadurch auszeichnet, dass dort mehr als
fünf Gebäude zusammenstehen, liegt inmitten des Nationalparks. Aber durch den Ort
dümpelt ein Flusslauf, der den Gästen des einzigen Hotels sogar einen Badeplatz bietet.
Auch wenn wir ihn nicht zu Gesicht bekommen: Osma soll sogar einen Badestrand am Meer
haben.
Das Hotel jedenfalls ist sauber, und ein
Doppelzimmer kostet lediglich 4000 Bolivares.
Angeblich, so hat uns jedenfalls Carlos
erzählt, sei Osma von entflohenen Negersklaven gegründet worden, und noch heute würden
hier nur Schwarze leben. Der Wirt vom Hotel allerdings ist ein Weißer.
Von Osma aus fahren wir die
Küstenstraße wieder zurück nach Macuto.
Im Hotel finden wir nun wenigstens zwei
unserer vermissten Gepäckstücke vor.
Den Abend verbringen wir mit Carlos, Ivan
und Ivans Freundin in dem Fischrestaurant, in dem wir bereits am ersten Abend waren.
Tour-Preis: 50 US-$.
Mittwoch, 23. Oktober 1996: Colonia Tovar
Diesmal erteilt uns Ivan eine Lektion in
Sachen venezuelanischer Pünktlichkeit: Um 8.30 Uhr ruft er immerhin an, dass
er sich um
eine halbe Stunde verspäten würde - und kommt dann um 10.00 Uhr, also mit ein ein halb
Stunden Verspätung zusammen mit seiner Freundin zu uns ins Hotel.
Von Haus aus sei er eigentlich Pilot,
erzählt Ivan. Aber seit dem Bankrott der staatlichen Fluglinie säßen fast alle Piloten
auf der Straße. Deshalb betreibe er nun seit einem Jahr zusammen mit Carlos die Agentur
"SSL".
Wir fahren die Küstenstraße entlang,
biegen dann schließlich auf eine steil nach oben führende Betonpiste ab. Wir passieren
eine Stadt namens Carayaca, eigentlich ein Ort, der aus einer einzigen Straße zu bestehen
scheint und etwas wildwesthaftes an sich hätte, wären da nicht die vielen Autos.
Die Straße, auf der wir fahren,
durchquert den Nationalpark Macarao - wobei mir allerdings unklar ist, wodurch sich in der
Umgebung von Caracas ein Nationalpark auszeichnen soll. Menschliche Ansiedlungen und
Autowracks am Straßenrand sind hier jedenfalls auch in einem Nationalpark nicht
ausgeschlossen.
Trotzdem: Die Aussicht von der Straße
auf die bewaldeten Täler und Schluchten ist phantastisch.
An der Straße wachsen Eukalyptusbäume,
und schließlich machen wir einen kurzen Stop an einem auf den Feld gebauten Haus, vor dem
ganze Büsche von bis zu zwei Meter hohen Weihnachtssternen gerade in voller Blüte
stehen.
Bei rund 2000 bis 2500 Metern Höhe - wir
befinden uns inzwischen in den Ausläufern der Anden - durchstoßen wir die Baumgrenze.
Auf den Bergkuppen wächst nun nur noch Gras, das aber saftig grün aussieht. Mitunter
fahren wir durch die Wolken.
Colonia
Tovar, die "deutsche
Stadt" in den Anden, eine deutsche Gründung aus dem Jahr 1848, hat den Charme einer
touristischen Traditionsidylle. Tatsächlich treffen wir in den Restaurants lediglich zwei
einheimische Frauen,. die wirklich noch Deutsch sprechen. Doch dafür tragen die Hotels
und Gaststätten Namen wie "Kaiserstuhl", gibt es ein Café "Kuhstall"
und ähnliches.
Die Gebäude sind in Fachwerkstil
errichtet, ein "Stadttor" zeigt den Ortsbeginn an - doch das eigentliche
bäuerliche Leben von Colonia Tovar ist auf die Gehöfte am höher gelegenen Ortsrand
abgedrängt, wo die Fachwerke nicht mehr so malerisch sind, die Frauen ihre Wäsche vor
dem Haus waschen und wo sich die Bewohner mehrerer Gehöfte eine öffentliche Toilette,
ein Plumpsklo, teilen. Von hier oben hat man aber den besten Blick auf das Tal.
Nach dem Essen - Ivans Freundin hat
Schweinshaxe bestellt, schafft nur die Hälfte, lässt sich den Rest einpacken, was hier
allgemein üblich zu sein scheint - fahren wir über Caracas zurück nach
Macuto.
Schon lange vor Caracas staut sich der
Verkehr. Die Stadt selbst scheint auf den ersten Eindruck ein zusammengewürfelter Haufen
von Hochhaussiedlungen zu sein.
Kosten der Tour: 110 US-$, dazu 14.000
Bolivares für das Mittagessen in Colonia Tovar.
Donnerstag, 24. Oktober 1996: La Guaira
Am Vormittag packen wir unsere Sachen
zusammen, nehmen dann für 50 Bolivares pro Ticket des Bus nach La
Guaira.
Kurz vor der Station an der Altstadt
steigen wir aus, laufen dann zum Handelshaus, einem langgezogenen Bau gegenüber vom
Hafen.
Eigentlich ist dieses Handelshaus, das in
allen Reiseführern als größtes unter den Gebäuden Alt-Venezuelas beschrieben wird,
nichts besonderes. Aber in dieser Umgebung sticht es schon durch seinen weißen Anstrich
und seine Sauberkeit hervor. Das Gebäude verfügt über einen kühlen, begrünten
Innenhof - und überall sind die Türen zu den Büros geöffnet.
Auf der Straße gegenüber dem Hafen
laufen wir nun Richtung Neustadt, passieren dabei die Slums, die an dieser Stelle in die
Berge hineingebaut sind.
Zwei Einheimische hatten uns noch am
Handelshaus vor diesem Weg gewarnt: Die Gegend sei gefährlich, man müsse mit
Überfällen rechnen. Trotzdem erreichen wir die Neustadt absolut unbehelligt.
Viel zu bieten hat La Guaira nicht: Ein
Zentralplatz, davon abgehend die Straße zur Markthalle. Da es mittlerweile ein Uhr ist,
wird sie gerade geschlossen.
Weithin sichtbar ist das alte Kastell,
das La Guaira vor Piratenüberfällen schützen sollte. Aber es ist zu heiß, nun noch
einmal Richtung Handelshaus zurückzulaufen, und von dort den Aufstieg zu unternehmen. Zum
anderen soll der Weg direkt durch die Slums wirklich zu gefährlich zu sein.
Also fahren wir zurück nach Macuto, wo
wir gegen 14 Uhr eintreffen und ich erst einmal zum Friseur gehe. Kosten eines
Haarschnitts: Mit Trinkgeld 900 Bolivares, also rund drei Mark.
Den Nachmittag verbringen wir am Strand.
Das Wasser ist schmutzig, aber trotzdem werden hier auch Fische gefangen und gleich an Ort
und Stelle verkauft.
Um 17 Uhr holt uns Ivan ab, bringt uns zu
einem der Busbahnhöfe von Caracas. Am Busbahnhof lernen wir einen Soldaten kennen, der
seine zwei Jahre Wehrpflicht abdienen muss, aber viel lieber in den USA studieren würde.
Auch der Soldat hält es für nötig, uns vor Raubüberfällen zu warnen. Gegen 0.00 hält
der Bus an einer Tankstelle, zu der auch ein Restaurant gehört. Einen Raubüberfall
erleben wir zwar nicht, aber am Rastplatz lauern einige Hütchenspieler auf unbedarfte
Reisende.
Freitag, 25. Oktober 1996: Tucupita
Morgens kurz vor sechs Uhr erreicht der
Bus Tucupita. Die Stadt ist noch total verschlafen, nur einige Taxis warten auf die
Fahrgäste aus Caracas.
Das erste Hotel, zu dem uns unsere Taxe
bringt, ist bereits vollständig ausgebucht, beim nächsten sollen wir bis acht Uhr
warten, um nach einem Zimmer zu fragen.
Inzwischen hat auch ein Restaurant
geöffnet, wo wir ein Frühstück bekommen. Doch selbst am Hauptplatz von Tucupita, unweit
des Orinoco, schläft die Stadt noch immer.
Manche Reiseführer bezeichnen Tucupita
als "Endstation" - und was das Stadtbild betrifft, ist diese Bezeichnung
durchaus zutreffend. Die ganze Stadt besteht aus vor allem einstöckigen Gebäuden,
bereits zwei Stockwerke sind rare Ausnahme, alles schmuddelig - und selbst die Kathedrale
wirkt wohl nur deshalb so imposant, weil sie alles andere hier überragt. Aus der Nähe
betrachtet verliert allerdings auch dieses Prunkstück von Tucupita seinen Reiz.
Unweit des Hauptplatzes befindet sich am
Orinoco-Ufer die Anlegestelle für die Boote. Am Ufer sind einige Hängematten
ausgespannt, ein Feuer brennt - offensichtlich campieren hier die Obdachlosen.
Gegen acht Uhr erleben wir eine böse
Überraschung mit dem Hotel: Das Doppelzimmer soll zwar nur 3200 Bolivares kosten, aber
das Zimmer, das ich zu Gesicht bekomme, ist ein einziges Dreckloch, und im ganzen Hotel,
so meint die Frau von der Rezeption, gibt es nur zwei Zimmer mit fließendem Wasser.
Angeblich gebe es momentan in ganz Tucupita Probleme mit dem Wasser, aber wir ziehen es
dann doch vor, uns eine andere Unterkunft zu suchen.
Zum Glück! Das "Saxxi" ist ein
Motel, das zwar zwei Kilometer vom Stadtrand entfernt in der "Industriezone"
liegt - aber dafür verfügt es über einen richtigen Badestrand am Orinoco.
Ich nutze die Gelegenheit zu einem kurzen
Bad: Der Boden ist schlammig, aber das Wasser ist lauwarm und fließt völlig ruhig.
Abseits der Badestelle treiben die Wasserpflanzen, haben an einigen Stellen im
Flusslauf regelrecht schwimmende Inseln gebildet.
Gegen 12.00 fängt es an zu regnen. Die
Tropfen sind warm, doch der ganze Orinoco scheint nun vom Dunst überzogen. Ein
phantastisches Bild! Gegen 14 Uhr hört der Regen wieder auf, und gegen 15 Uhr fahren wir
in die Stadt, um Geld zu tauschen.
Dabei erleben wir die nächste böse
Überraschung: Außerhalb von Caracas und den Touristenzentren werden nämlich die
Travellerschecks nicht akzeptiert. Nach einer mühseligen bürokratischen Prozedur -
einschließlich Rückfrage in Caracas - bekomme ich über meine Mastercard dann doch noch
300 US-$, 139.000 Bolivares. Die ganze Aktion dauert fast eine Stunde.
Bei einer kleinen Agentur buchen wir für
den nächsten Tag eine Delta-Tour, die um acht Uhr morgens beginnen soll.
Samstag, 26. Oktober 1996: Tucupita - Santo
Domingo
Die Warao-Indianer an der
Bootsanlegestelle dösen um neun Uhr teilweise noch in ihren Hängematten; Kinder, nackt
und manche von ihnen mit aufgeblähten Bäuchen, toben herum. Im Dschungel, sagt Yance,
der Chef unserer Agentur, ginge es den Indianern eigentlich besser.
Vor neun Monaten verkaufte Yance noch auf
der Straße Uhren; nun gehört ihm ein Boot und eine Touristenagentur.
Wir fahren das Delta Richtung Westen
hinauf, kommen an Farmhäusern vorbei und an unzähligen Bootsanlegestellen.
Um Eis zu besorgen, lässt José, unser
Führer, anhalten. An unserer Anlegestelle verarbeitet eine Bauernfamilie gerade eine
geschlachtete Kuh: Der Darm wird mit Fettmasse gefüllt, das Fleisch liegt in einem Eimer
mit Wasser. Immer wieder wird die "Wurst" im Orinoco gesäubert.
Zweimal halten wir Ausschau nach
Flussdelphinen - aber es lassen sich keine Blicken. Dafür kreisen immer wieder große
Vögel über das Wasser.
Aronstabgewächse beherrschen das
Ufergebiet. Immer wieder tauchen Bauernhäuser auf, meist Lehmbauten, aber mitunter auch
offene Holzhütten im Stil der Indianer. Selbst vom Fluss aus sehen wir die Hängematten
im Inneren der Indiohütten.
Gegen Mittag legen wir in einem Indiodorf
an. Es heißt Santo Domingo, und wurde mit seinen Steinhäusern von der Regierung für die
Warao errichtet. Die meisten Indios, so meint José, würden aber ihre traditionellen
Dörfer vorziehen.
Einen ganzen Arbeitstag dauert es, bis
eine Holzstatue - ein Vogel, ein Krieger - fertiggeschnitzt ist. Wir kaufen einen solchen
aus Holz gefertigten Vogel für 1200 Bolivares.
Doch vom Tourismus können die Dörfler
nicht leben. Sie züchten Rinder, Schweine, und am Ortsausgang ist ein Mann gerade dabei,
aus einem Baumstamm ein Kanu zu bauen. Dabei ist er mit der Axt so geschickt,
dass die
Bootswände schließlich ganz glatt sind.
In einem allein stehenden Bauernhaus
essen wir zu Mittag. Das Haus ist ein einfacher Lehmbau mit drei Räumen. Ein Heiligenbild
und eine Büste von Simon Bolivar sind der einzige Schmuck an den Wänden. Neben dem Haus
wachsen Kakao und Kokosnusspalmen.
Am Nachmittag stoßen wir endlich auf
Delphine. Aber sie tauchen immer nur kurz auf, sind nicht zu größeren Sprüngen
aufgelegt. Unterdessen klettert ein rotfelliger Affe behende in den Wipfeln des am Ufer
stehenden Baumes.
Schwärme weißer Vögel fliegen nun
über den Fluss, während allmählich die Dämmerung hereinbricht. Wie Blitze durchzucken
Wetterleuchten die Wolken. Innerhalb weniger Minuten wird es völlig dunkel, doch zum
Glück haben wir Vollmond, der nun rotgelb schimmert. Trotzdem braucht der Mann am Bug
jetzt meine Taschenlampe, um das Boot an den aus den Pflanzen gebildeten schwimmenden
Inseln sicher vorbei zu manövrieren.
Sonntag, 27. Oktober 1996: Tucupita -
Ciudad Guayana - Gran Sabana
Die Bootstour hat an uns ihre Spuren
hinterlassen. Wir sind schlapp, die Schädel brummen - und so verbringen wir den ganzen
Vormittag am Strand des "Saxxi", ausschließlich damit beschäftigt, die
hubschrauberähnlichen Insekten zu beobachten, die uns ständig umkreisen.
Gegen 15.30 Uhr, mit einer halben Stunde
Verspätung, verlässt der "Guayana-Express" Tucupita. 2400 Bolivares haben wir
für unsere beiden Tickets bezahlt - und mehr sind die zugigen Plätze in dem Bus auch
nicht wert. Die Musik aus dem Kassettenrecorder des Fahrers dröhnt ohrenbetäubend, und
natürlich gibt es über lange Strecken mehr Passagiere als Sitzplätze.
Tucupita muss eine absolut typische
venezuelanische Provinzstadt sein: Ich bin eingenickt, wache gegen 16.30 Uhr auf - und
mein erster Gedanke ist, dass wir gerade wieder den Hauptplatz von Tucupita umkreisen: Vom
Baustil, von der Anordnung der Straßen her - nicht der geringste Unterschied zu
Tucupita,
das natürlich in Wahrheit schon weit hinter uns liegt.
Die Gegend, durch die wir kommen, ist
Weideland, wo vor allem Pferdeherden gehalten werden.
Bei Einbruch der Dunkelheit erreichen wir
die Fähre, die von San Felix nach Ciudad Guayana übersetzt. Auf unserer, der nördlichen
Seite des Orinoco stehen einige armselige Bretterbuden, aus denen an die Reisenden
Kartoffelchips und Getränke verkauft werden. Auf der anderen Seite gehen allmählich die
Lichter von Ciudad Guayana an.
Die Fähre, auf die auch unser Bus nun
fährt, macht den Eindruck, als hätte man sie schon einmal im Fernsehen gesehen - bei den
Nachrichten über Fährunglücke in der Dritten Welt. Jeder Quadratzentimeter auf dem Deck
wird ausgenutzt - und dass wir während der Überfahrt im Bus bleiben müssen, erhöht die
Sicherheit wohl kaum.
Das Wasser ist, soweit man es in der
Dämmerung sehen kann, tatsächlich so bräunlich, wie es in den Reiseführern beschrieben
wird.
Gegen 19.00 Uhr erreichen wir den
Busbahnhof von Ciudad Guayana, unmittelbar gegenüber dem Fährhafen, nur wenige hundert
Meter entfernt. Gegen 21.00 Uhr sollen wir laut unseren Tickets - zusammen 7.200 Bolivares
- mit der "Linea Orinoco" nach St. Elena de Uairén weiterfahren können. Der
Bus hat aber eine halbe Stunde Verspätung - und ist noch zugiger und lauter als der Bus
von Tucupita nach Ciudad Guayana.
Offensichtlich braucht der Fahrer die
laute Musik, um nicht einzuschlafen.
Die Orte, durch die wir kommen, haben
etwas von Wildwest-Städten an sich. Gegen Ein Uhr morgens passieren wir eine
Militärkontrolle, sind nun in der Gran Sabana.
Montag, 28. Oktober 1996: St. Elena de Uairén
Im Dämmerlicht sind in der Ferne die
Umrisse eines Berges auszumachen, der als einsames Monument aus der Landschaft ragt.
Ansonsten: Endlose Weite, über die sich der Morgennebel breitet. Das ist der erste
Eindruck der Gran Sabana.
Kurz vor sieben Uhr erreichen wir den
Militärposten, der das Grenzgebiet bewacht, Obwohl wir uns noch vor St. Elena befinden,
die brasilianische Grenze gut 15 Kilometer entfernt ist, findet hier eine regelrechte
Grenzkontrolle statt. Männer und Frauen müssen aus dem Bus, das ganze Gepäck in der
Hand, dazu werden die Ausweise und Pässe der Männer gesondert eingesammelt. Dann geht
es, Männer und Frauen getrennt, zur Gepäckkontrolle, wobei die Soldaten jedes
Gepäckstück, und sei es auch nur ein Schuhkarton, auspacken lassen. Wir haben Glück,
müssen nur kurz unsere Taschen öffnen, sind dann entlassen.
Nach dieser Prozedur steigen wir gar
nicht mehr in den Bus, sondern nehmen für 1000 Bolivares ein Taxi zum Hotel Frontera.
Das ist eine durchaus angenehme
Unterkunft für 6000 Bolivares. Das Hotel verfügt über einen Innenhof mit Kokosnusspalmen, einer Voliere für Papageien und einem großen blauen Papagei, der
gleichsam als König auf seinem Baum in der Mitte des Hofes thront, sich aber auch auf die
Hand nehmen lässt.
Bei "Anaconda-Tours" buchen wir
für zusammen 100 US-$ eine Zwei-Tages-Tour in die Gran Sabana. Jesus, unser Guide, lebt
seit zwei Jahren in St. Elena, ist eigentlich Flugbegleiter, spricht daher auch ein gutes
Englisch.
Weniger Glück habe ich mit den
Travellerschecks. Die Orinoco-Bank will sie nicht umtauschen, weil ich das grüne
Einreisevisa, dass es bei der Einreise am Flughafen gab, nicht mehr vorweisen kann. Zum
Kurs von 1:440 tauscht mir dann ein freier Money-Changer Dollars gegen
Bolivares.
Eigentlich besteht St. Elena aus nicht
mehr als vielleicht drei Hauptstraßen voller Restaurants, Boutiquen, Supermärkten - und
einigen Diamantenhändler-Läden, denen der Ort - neben dem Tourismus - seinen Aufschwung
verdankt.
Das ganze ist nun wirklich eine
Wildwest-Stadt im Goldrausch - aber eine die Glück gehabt hat, weil sie nicht nur vom
Gold - hier Diamanten - sondern auch vom Fremdenverkehr lebt.
Wir unterhalten uns mit dem Besitzer
eines Kunstgewerbeladens. Rund 80 Jahre ist er alt, stammt aus Spanien, spricht gut
Deutsch, lebt seit 60 Jahren in Venezuela und seit 40 Jahren in St. Elena. Damit dürfte
er zu den Gründern der Stadt gehört haben.
Dienstag, 29. Oktober 1996: St. Elena de
Uairén - Camp Chivaton
Bei Umita, etwa Km 271, machen wir
unseren ersten Stop in der Gran Sabana. In der Ferne sehen wir das Massiv eines
Tafelberges, der von den Einheimischen "Schlafender Indianer" genannt wird. Der
langgezogene Berg ist der "Körper", der daran anschließende kleinere Berg mit
der herausragenden Erhöhung auf seinem Plateau das "Kopf" mit der
"Nase".
Bei Km 278 biegen wir auf eine Piste,
verlassen dann unseren Wagen. Wir klettern einen Hügel hinab, stolpern über die schweren
Sandsteinbrocken, die überall herumliegen, geraten schließlich in ein kleines Stück
Dschungel, klettern weiter über Felsbrocken, halten uns an herunterhängenden Ästen fest
- und sind schließlich am Salto Agua Fria.
Der Tümpel unterhalb des vielleicht 20
Meter hohen Wasserfalls ist wirklich kalt - doch wenn man einige Momente darin geschwommen
ist, gewöhnt man sich daran. Entlang der glitschigen Steine folgen wir dem Flusslauf
ungefähr auf 150 Meter, stehen dann am oberen Teil des nächsten Wasserfalls.
Schätzungsweise 70 Meter tief stürzt das Wasser in die Schlucht - und fließt dann
sofort völlig ruhig weiter in der scheinbar endlosen Ebene, die nur von einigen Hügeln
und kleinen Wäldchen unterbrochen wird.
Auch der nächste Stop an der Quebrada de
Jaspe führt uns zu einem Wasserfall. Er ist zwar nicht sehr groß, führt aber über ein
glattes Gestein, das in allen möglichen Schattierungen zwischen Rot und Gelb schimmert
und auch überall am flachen Grund des Flusslaufes zu sehen ist: Jaspe. Der ganze Berg
besteht aus dem vulkanischen Halbedelstein.
Am Wasserfall selbst tummeln sich Scharen
gelber, blauer und roter Schmetterlinge, in den Bäumen entdecken wir zwei schwarze
Termitennester.
Wir passieren das Indiodorf San Francisco
bei Km 250, eine einfache Ansammlung rundlicher Lehmhütten. Weil der Boden der Gran
Sabana so sauer ist, wächst hier nichts außer Ananas, berichtet Jesus, unser Führer.
Jetzt haben die Indios von San Francisco zwar jede Menge Ananas - aber keine Abnehmer für
ihre Früchte.
Der Arapena-Merú am Rio Yurani - bei Km
247 - beeindruckt nicht durch seine Höhe, sondern durch die Breite, über die der
Fluss hier allerdings nur rund drei Meter hinabstürzt. Und überall schwirren hier die
Moskitos!
Am Kauchik-Merú bei Km 217, mit
vielleicht knapp 100 Metern heute unser bisher höchster Wasserfall, ist ein richtiges
Touristenzentrum mit Campingplatz und Bungalows entstanden. Die Gischt schäumt so hoch,
dass so etwas wie kleine Nebelschwaden über dem Kauchik-Merú zu liegen scheinen.
Zwischen den Kilometerständen 210 und
200 machen wir einen Aussichtsstop: Wir scheuen auf ein kleinen Wäldchen, zu dem sogar
ein Weg führt und in der Ferne liegen Hügel, die wie treppenartige Terrassen gebaut
sind.
Rund 11000 Indios leben in der Gran
Sabana, sagt Jesus, nutzen den Dschungel zum Feldbau von Maniok und anderen
Nahrungsmitteln.
Nach einem Tankstop biegen wir bei Km 147
auf eine Pistenroute, kommen an einem verlassenen Flugplatz vorbei, passieren gefährlich
aussehende Brückenkonstruktionen und erreichen nach Einbruch der Dunkelheit das Camp
Chivaton. Nach Sonnenuntergang fallen die Temperaturen rapide.
Am Abend gibt Alfredo, der Camp-Besitzer,
einige Geschichten aus der Tierwelt der Sabana zum besten: Einmal sei ein Puma ums Haus
gestreunt, habe immer wieder Ziegen gerissen. Als sie ihn dann jagten, sei er nur
verwundet worden. Später hätten sie ihn dann lediglich so bekommen, indem sie ihm
vergiftetes Ziegenfleisch als Köder vorsetzten. 180 Kilo habe der Puma gewogen.
Die Indiofrauen, so erzählt Alfredo
weiter, fürchten, dass der große Ameisenbär ihr Menstruationsblut riechen könne. Also
flüchteten sie während ihrer Periode auf die Bäume. Wir bekommen weder Pumas, noch
Ameisenbären und schon gar keine auf Bäumen sitzenden Indiofrauen zu Gesicht.
Mittwoch, 30. Oktober 1996: Kavanayén -
St. Elena de Uairén
Nach dem Aufbruch machen wir unseren
ersten Stop an einem Aussichtspunkt gleich in der Nähe unseres Camps. Wir sehen über ein
weites Tal, einen kleinen See - und schließlich einen Tafelberg, der auch hier den Namen
"Schlafender Indianer" trägt. An dem einen Ende hat er ein Gesicht, zumindest
kann man eine herausragende Spitze als Nase deuten, dann schließt sich der Körper an, in
dessen Mitte eine weitere Erhebung, wie ein stehender Phallus.
Von hier aus fahren wir über eine Piste
zum Indiodorf Kavanayén, 1942 von Franziskanermönchen gegründet.
Von einem urwüchsigen Indiodorf hat
Kavanayén nichts an sich. Die Häuser sind aus massiven Feldsteinen gebaut, an der Spitze
des Dorfplatzes - auf dessen Mitte steht ein Kreuz - prägen die zweistöckige
Missionsstation mit ihren hohen Balkonen, daneben die Kathedrale und schließlich die
Schule das Ortsbild.
Die Schule verfügt über einen
prächtigen begrünten Innenhof mit Marienstatue - und die Indiokinder tragen alle ihre
blauweißen Schuluniformen, lassen sich aber nicht fotografieren
Das nächste Ziel ist das Indiocamp
Iboribo, wo wir in einen motorisierten Einbaum steigen und den Rio Apanwao ein kleines
Stück stromabwärts fahren. Dann verlassen wir das Boot und machen einen ca. 20minütigen
Fußmarsch zum Salto Chinak-Merú. 105 Meter stürzt der Fluss hier vom Felsen in die
Tiefe, der Fuß des gigantischen Wasserfalls ist eine einzige Gischtwolke.
Auf dem Marsch zum und vom Wasserfall
entdecken wir Salamander, Termitenhügel, manche einen Meter hoch und eine gelbe
Raupenart, von denen einige Exemplare braune Haare tragen.
Schließlich geht es an dem verlassenen
Flughafen vorbei wieder auf die Hauptstraße, wo wir am Salto Kaui-Merú einen Badestop
einlegen. Eine schmale Steintreppe, nur notdürftig abgestützt durch zusammengebundene
Äste, führt zu dem Tümpel am Fuß des kleinen Wasserfalls. Das Wasser ist frisch - aber
nicht so kalt, wie es den Anschein hat.
Nach einem Ausrutscher, bei dem ich mir
sehr schmerzhaft den Ellbogen prelle, stehe ich schließlich im Schwall des Wasserfalls
und spüre die Kraft des herunterprasselnden Wassers.
Bei Sonnenuntergang genießen wir noch
einen Blick über die dämmernde Sabana. Schnell wird es dunkel - und bei strömendem
Regen sind wir zurück in St. Elena de Uairén.
Donnerstag, 31. Oktober 1996: St. Elena de
Uairén - Ciudad Bolivar
Unser Bus verlässt St. Elena de Uairén
um 11.30 Uhr. Zusammen 11000 Bolivares kosten uns die Tickets nach Ciudad
Bolivar. Der Bus
ist bequem, sauber und hat sogar ein Videoprogramm.
Weit im Norden, etwa bei Km 100, führt
die Straße durch Regenwald - wobei Regenwald hier vor allem dickes Gehölz und Gebüsch
bedeutet, durch das zwar kaum ein Durchkommen möglich ist, aber die großen Urwaldriesen,
die alten hochgewachsenen Bäume gibt es hier nicht.
Bei Km 88 stoppen wir in einem Ort, der
einstmals eine berüchtigte Gold- und Diamantensucher-Siedlung war. Einige Bretterbuden an
der Straße, ein Restaurant, was allerdings gerade geschlossen ist und ein Laden mit ein
paar Lebensmitteln - das ist alles, was von der Goldrauschromantik übrig geblieben ist.
Die wichtigsten Gebäude an "Km
88" sind wohl die Tankstelle, an der die Trucks Schlange stehen und ein Hotel mit dem
großspurigen Namen "International".
Die folgende Siedlung, Las Claritas, ist
zwar um einiges Größer, macht aber auch keinen imposanten Eindruck.
Anschließend kommen wir durch Farmland,
sehen einige kleine Rinderherden, erreichen schließlich Ciudad Guayana und sind etwa
gegen 21 Uhr am Busbahnhof von Ciudad Bolivar.
Unser "Hotel Union", das Zimmer
kostet 4700 Bolivares, liegt in einer Nebenstraße der Paseo Orinoco, und beherbergt
außer uns noch etliche Ameisen.
Gegen 22 Uhr legt sich Ciudad Bolivar zum
Schlafen nieder. Selbst an der Paseo Orinoco sind die meisten Restaurants geschlossen.
Etwas Leben kommt nur vor einem Lebensmittelladen auf, in dem jetzt Dosenbier verkauft
wird. Auch der Hafen liegt absolut still.
Unser Hotelier erwartet uns schon von
unserem Abendspaziergang, um hinter uns die Tür fest zu verschließen.
Freitag, 1. November 1996: Ciudad Bolivar -
Puerto la Cruz
Am Vormittag erfüllt sich der Paseo
Orinoco tatsächlich mit Leben. Schuhputzer und Schuhmacher, Uhrmacher und andere
Handwerker haben unter den Kolonnaden ihre Stände aufgeschlagen, gehen im Freien ihrer
Arbeit nach, ebenso wie die zahlreichen fliegenden Händler, vor allem für Socken und
Uhren, aber auch sonstiges.
Die Stadtbesichtigung - für die unser
Führer Roy stolze 50 US-$ nimmt - steht ganz im Zeichen Simon Bolivars. Die älteste
Straße, eine steil nach oben führende Gasse mit Kopfsteinpflaster, links und rechts von
bunten Häuser mit höchstens zwei Stockwerken umrahmt, heißt natürlich Calle Bolivar
und führt schließlich zum Plaza Bolivar.
Wir kommen an der Kathedrale vorbei, die
an der Kreuzung von Calle Bolivar und Plaza Bolivar steht, besichtigen dann das Casa des
Congreso de Angostura, das Gebäude, in dem Simon Bolivar seine Rede zur Eröffnung des
Unabhängigkeitskrieges hielt.
Roys Führung erinnert an
Heiligenverehrung: Wir stehen an dem Pult, an dem Bolivar stand, sehen den Stuhl, auf dem
er saß - doch für angebliche Originale sehen die Stücke alle noch sehr neu aus. Doch
von der Veranda das Casa del Congreso genießt man einen herrlichen Blick über die
Dächer der Altstadt und den Orinoco.
In einem anderen Museum, dem Museo Correo
del Orinoco, bekommen wir schließlich doch noch ein garantiert echtes Originalstück zu
sehen: Die Presse, auf der Simon Bolivar seine Zeitung drucken ließ.
In dem Landhaus Quinta San Isidro, wo
Bolivar regelmäßig bei einem Freund wohnte, sind dagegen eher die monumentalen
Felsbrocken und die zahlreichen Salamander in dem schattigen Park erwähnenswert.
Eigentlich wollen wir Ciudad Bolivar
schon um 18 Uhr wieder verlassen - aber aus einem unklaren Grund bekommen wir für diesen
Bus zunächst keine Karten. Schließlich bekomme ich dann doch noch zwei Tickets für den
18-Uhr-Bus für zusammen nicht einmal 4000 Bolivares.
Der Bus ist bis auf den letzten Platz
ausgebucht, und ab El Tigre, der einzigen großen Stadt auf der Strecke, müssen etliche
Leute wieder stehen. Verstärkt wird die Enge auch noch dadurch, dass wir unser Gepäck
mit auf die Plätze im Bus nehmen mussten, der Gepäckraum offensichtlich nicht für die
Sachen der Passagiere zur Verfügung steht.
Gegen 22 Uhr erreichen wir Puerto la
Cruz, nehmen für 8300 Bolivares fast unmittelbar an der Paseo Colon, der Strandpromenade,
Quartier.
Anders als in Macuto, in Tucupita oder in
Ciudad Bolivar: Hier geht das Leben nach Einbruch der Dunkelheit weiter. Straßencafés,
Restaurants, Bars und Discos haben geöffnet - ein Touristenzentrum mit pulsierendem
Leben.
Samstag, 2. November 1996: Puerto la Cruz
Der erste Eindruck von Puerto la Cruz als
einer quirligen Stadt bestätigt sich am Vormittag. Vor den Geschäften tummeln sich
weitere unzählige Straßenhändler mit Gürteln und Brillen im Angebot, dazu Schuhputzer
- und aus den Lautsprechern, die überall zu stehen scheinen, dröhnt die Musik.
Aber Zeit ist auch hier ein relativer
Begriff. Gegen 11 Uhr kaufen wir für 3000 Bolivares zwei Bootstickets zur Insel El Faro
im Nationalpark Mochima, sollen angeblich 20 Minuten warten, sitzen also zunächst noch
geduldig unter den Kokosnusspalmen am Strand von Puerto la Cruz, werden dann allmählich
doch etwas kribbelig. Das Boot kommt und kommt einfach nicht. Erst kurz vor 12 Uhr, also
nach einer geschlagenen Stunde, können wir endlich in See stechen.
Die Überfahrt nach El Faro dauert rund
20 Minuten. Hochhäuser bestimmen das Bild von Puerto la Cruz, am Ende der Bucht steht
sogar ein besonders hässlicher Bau, wahrscheinlich ein Hotel. Nicht weit entfernt davon
befindet sich ein Zementwerk, vor dem einige große Frachtschiffe ankern. Alles in allem
ist das nicht gerade das, was man unter einer romantischen Karibikbucht verstehen würde.
Dafür sind die vorgelagerten Inseln bis
auf eine Ausnahme, auf der einige ärmliche Hütten stehen, um so fantastischer: Wild aus
dem Meer ragende Schieferfelsen, teilweise grün bewachsen.
El Faro - "Der Leuchtturm", am
höchsten Punkt der Insel steht auch tatsächlich ein 15 Meter hoher Leuchtturm - ist eine
Ausnahme im Nationalpark. In einer Bucht liegt der geschützte Hafen, weißer,
palmenumsäumter Sandstrand, dazu ein Restaurant und diverse Strandhütten, die den
Badegästen Schutz vor der Sonne bieten - und schließlich auf der ganzen Insel Kakteen.
El Faros große Attraktion sind die
Leguane, die sich munter zwischen den Badegästen tummeln. Ein alter Leguan, vom Kopf bis
zur Schwanzspitze misst er gut einen Meter, hat sich direkt hinter der von uns besetzten
Hütte ausgestreckt, macht einen müden, sogar kränklichen Eindruck, lässt
sich in
seinem Schlaf nicht einmal von den Ameisen stören, die auf ihm herumkrabbeln. Zwei
andere, wesentlich agilere Exemplare lassen sich derweil am Strand von den Badegästen mit
Toastbrot füttern.
Schließlich steige ich auf die Anhöhe,
auf der der Leuchtturm steht, genieße den Blick auf die Bucht, beobachte zwei große
schwarze Vögel, die auf dem gegenüberliegenden Felsen sitzen. Pelikane, Störche und
Seeadler bilden die Vogelwelt im Mochima-Nationalpark.
Gegen 16 Uhr treten wir die Heimreise an.
Nun wird die ganze Insel von ihren Besuchern "gesäubert", ein Vorgang, der von
der bewaffneten Küstenwacht genauestens kontrolliert wird.
Sonntag, 3. November 1996: Santa Fé
2000 Bolivares will der Taxifahrer von
uns für die Fahrt nach Santa Fé - und auch die beiden Venezolanerinnen in dem Wagen
bestätigen uns das als den korrekten Preis. Später erfahren wir dann, dass
wir um
einiges zuviel gezahlt haben.
Wie auch immer: Da, wo wir von der
Straße aus Blick auf die Küste haben, ist die Fahrtroute eine Augenweide. Unter uns
liegt blau das Meer, weiter draußen dann die Inseln des Nationalparks. Der Playa
Colorado, an dem wir vorbeikommen und der als einer der schönsten Strände der Gegend
gilt, wird allerdings durch einen vorgelagerten Parkplatz verschandelt.
Schließlich erreichen wir nach einer
knappen halben Stunde Santa Fé - ein Fischerdorf mit langem Sandstrand, eingestellt auf
Besucher am Wochenende. Im Dorf"kern", unmittelbar am Wasser gelegen, hinter
dem, was in den meisten anderen Orten der Plaza Bolivar wäre, haben einige Händler ihre
Marktstände errichtet. Verkauft werden vor allem Badetücher und ähnliches - aber auch
die Fruchtstände in der eigentlichen Markthalle haben geöffnet. Und dann landen auch
noch die Fischer ständig frischen Fang an, darunter auch einige große, gedungene Fische,
die bestimmt ihre 50 Kilogramm wiegen.
Breit ist der Strand nicht. Aber die
Kokosnusspalmen bieten Schatten, und überall gibt es kleine Cafés und Restaurants.
Am beeindruckendsten ist die Aussicht auf
die gegenüberliegenden Inseln. Einige Boote dümpeln im Wasser, und schließlich gibt es
auch hier ganze Schwärme von Pelikanen, die über dem Meer ihre Kreise ziehen.
Eines dieser Cafés wird von einer
Deutschen mitbetrieben. Barbara heißt sie, lebt schon rund ein Jahr in Venezuela - und
verdient mit ihrem Café, so erzählt sie es jedenfalls, 30.000 Bolivares im Monat. Das
bezeichnet sie schon als ein gutes Gehalt!
Barbara sagt, dass man früh am Morgen
Delphine sehen könne, wenn man mit dem Boot herausfährt, und einen Orca habe man auch
schon in der Bucht gesichtet.
An der westlichen Seite von Santa Fé
sind die bunten Häuser bis ans Wasser gebaut.
Gegen 17 Uhr machen wir uns auf den
Heimweg, laufen die ungepflasterte Dorfstraße hoch zum Taxistand. Der Ort macht nun vor
allem einen lethargischen Eindruck.
Für die Heimfahrt nehmen wir ein echtes
Pro Puesto, ein Mittelding zwischen Taxi und Kleinbus - und zahlen nun für die gleiche
Strecke zusammen nur noch 800 Bolivares.
Montag, 4. November 1996: Puerto la Cruz -
Caracas - Macuto
Der Weg zum Passamt von Puerto la Cruz,
den wir antreten, weil ich die grünen Einreiseformulare verloren habe, erweist sich als
überflüssig: In St. Elena wollte die Bank wegen des fehlenden Papiers nicht tauschen,
sagte man mir noch erhebliche Probleme bei der Ausreise voraus - und nun heißt es, das
Einreisevisa sei völlig bedeutungslos, wenn nur der Einreisestempel im Pass
in Ordnung
ist.
Hoffentlich behält die Frau vom
Passamt recht!
Mit einem "wilden", also einem
nicht lizensierten Taxi fahren wir anschließend zum Busbahnhof. Unser Taxifahrer ist
Kubaner, von Beruf Musiker, spielte auch schon in Deutschland, kannte zum Beispiel das
Berliner Quartier Latin und das Quasimodo.
Das Pro Puesto nach Caracas kostet für
uns beide zusammen 9000 Bolivares. Gegen 12 Uhr, besetzt mit fünf Fahrgästen, macht sich
unser Wagen auf den Weg.
Die Straße führt zunächst an großen
Ölraffinerien vorbei, ab und zu erlaubt sie einen Blick aufs Meer, und schließlich geht
es durch dicht bewaldete Berge, vorbei an grünen Tälern.
Größere Städte passieren wir nicht,
kommen aber an etlichen kleineren ärmlichen Ansiedlungen vorbei - Dörfer, in denen
Bananen und andere Früchte angebaut werden. Einige dieser Siedlungen scheinen vor allem
davon zu leben, dass ihre Bewohner Bast- und Stroharbeiten an die Vorbeikommenden
verkaufen. Jedenfalls sind diese Waren vor allen Häusern und Lehmhütten ausgebreitet.
Caracas kündigt sich bereits eine halbe
Stunde vorher durch vereinzelte, noch relativ weit auseinanderstehende Hochhaussiedlungen
an, bevor wir die eigentliche Stadt erreichen. Dann geht es vorbei an den in die Berge
gebauten Armenvierteln, bestehend aus zwei- bis dreistöckigen schmucklosen Ziegelbauten,
dicht an dicht, ein Häusergewimmel, durch das statt Straßen Treppen führen.
Kurz vor 17 Uhr sind wir am Busbahnhof
für die Weiterfahrt nach Macuto. Allerdings bekommen wir hier nur einen Bus bis La
Guaira. Mit unserem ganzen Gepäck dort in einen der völlig überfüllten Busse nach
Macuto umzusteigen, erscheint uns dann doch etwas gewagt. Deshalb nehmen wir von La Guaira
dann doch für 1000 Bolivares ein Taxi zu unserem Hotel in Macuto, wo wir um 18.30 Uhr
ankommen.
Dienstag, 5. November 1996: Macuto - Osma
Um mit dem Pro Puesto nach Osma zu
fahren, müssen wir zunächst zurück nach La Guaira. Von dort gibt es dann einen Jeep -
für uns und das Gepäck kostet die Fahrt 3000 Bolivares - nach Osma.
Außer uns und einem alten Mann, der
etwas hellhäutiger ist, sind die übrigen Fahrgäste im Jeep, darunter etliche Kinder,
tatsächlich alle schwarz.
Die Berichte von Carlos, sämtliche
Einwohner von Osma wären Schwarze, erwies sich allerdings schon bei unserem ersten Besuch
zumindest in Hinsicht auf den Hotelbesitzer als falsch. Nun stellen wir fest,
dass auch
die Inhaberin des einzigen Ladens in dem Dorf eine Weiße ist, schon sehr alt, die aber
etliche schwarze Angestellte hat.
Ansonsten ist unser Hotel "La Posada
de Max", 30 Zimmer um einen romantischen Innenhof herum angelegt, tatsächlich ein
"Hotel mitten im Dschungel".
Osma, zumindest der eigentliche Ort
selbst, besteht aus wenigen Dutzend Häusern an zwei ungepflasterten Straßen, die Häuser
meist unverputzt, aus Ziegeln errichtet, und natürlich einer Polizeistation am
"zentralen Platz".
Der Weg zum Strand führt über einen
Dschungelweg, vorbei an Bambusstauden, bei denen die einzelnen Stangen gut zehn bis 15
Meter Höhe erreichen, vorbei auch an einigen kleinen Bananen"plantagen". In dem
Bambusgebälk herrscht ein ständiges Knarren, wie auf einer morschen alten Holztreppe.
Obwohl wir keinen Vogel entdecken, ist die Luft erfüllt von Gezwitscher.
Allerdings ist der Strand eine
Enttäuschung. Einige verlassene Hütten stehen am Wasser, der Sand ist an vielen Fällen
schwarz und obwohl das alles in einer von Felsen geschützten Bucht liegt, ist die
Brandung zum Baden doch zu stark. Dazu stören auch noch die vielen Steine im Wasser.
Die ganze Gegend wirkt schon trostlos:
Nur einmal wagen einige junge Männer, ein Boot zu Wasser zu lassen, und ein anderes mal
kommt ein Mann vorbei, um seine gefangenen Fische im Meer zu waschen.
Am Nachmittag wandern wir über die
gepflasterte Straße entlang, die von Osma nach Osten führt. Wir sehen auf die Berge von
Avila, entdecken dann eine kleine Bucht mit weißem Sandstrand, die unterhalb der Straße
geschützt zwischen den Felsen liegt. Tatsächlich ruhen da unten auch zwei Badegäste -
doch Karin erscheint der Abstieg von der Straße so halsbrecherisch, dass wir auf eine
nähere Augenscheinnahme verzichten. Zumindest von oben machte dieser Strand aber einen
sehr reizvollen Eindruck.
Am Abend erzählt uns der Wirt der
"Posada de Max" Geschichten aus der Umgebung Osmas: In den nahe gelegenen
Bergen, so berichtet er, sollen immer noch Jaguare leben.
Mittwoch, 6. November 1996: Los Caracas -
Osma
Es ist gar nicht so einfach, von Osma
wegzukommen. Gegenüber vom Hotel liegt zwar die "Haltestelle" für die Jeeps
nach Los Caracas - aber einen Fahrplan gibt es eben nicht. Schließlich haben wir nach
einigem Warten doch noch Glück, und ein Lastwagen nimmt uns mit nach Los Caracas.
Der Strand von Los Caracas ist im
Unterschied zum Strand von Osma wirklich ein weißer Badestrand, auch, wenn heute kaum
Badegäste da sind. Der Wind bläst so stark vom Meer, dass uns der feine Sand wie eine
Peitsche ins Gesicht und auf den Körper schlägt. Einen Großteil des Tages verbringen
wir damit, eine windgeschützte Stelle zu finden.
Gegen 16 Uhr wandern wir zurück, gehen
zur Polizeistation von Los Caracas - und schließlich hält ein Polizist für uns einen
vorbeikommenden Jeep an. Der Wagen gehört einem Zollbeamten, der in La Guaira arbeitet
und nach Hause nach La Sabena auf der anderen Seite des Parkes fahren will.
Nach Einbruch der Dunkelheit, also gegen
19 Uhr, unternehmen wir einen Spaziergang durch Osma, das, wie wir mittlerweile von
unserem Hotelbesitzer wissen, weniger als 200 Häuser zählt.
Von dem "Platz" aus, an dem
sich die Polizeistation befindet, zweigt sich die "Wohnstraße" ab, führt dann
im Kreis um den Ort. Die Bewohner, tatsächlich sehen wir nur Schwarze, sitzen vor ihren
Häusern. Die aktivsten "Nachtschwärmer" von Osma sind allerdings die Hunde,
deren Gebell uns die ganze Zeit begleitet.
Donnerstag, 7. November 1996: Osma - El
Caribe
Seit zweieinhalb Jahren, so verstehe ich
aus den Erzählungen von Maximo Suarez, dem Eigentümer unseres Hotels, gibt es nun schon
das "Posada de Max". Touristen kämen allerdings nur im September und Oktober,
dann noch einmal im Dezember - ansonsten hätte er nicht sehr viele Gäste.
Das Wegkommen, diesmal auch noch mit
Gepäck, erweist sich als äußerst schwierig. Schließlich hält Maximo für uns einen
Jeep an, aber da der Fahrer nun meint, er würde für uns eine Extratour machen müssen,
fordert er ganze 10000 Bolivares für den Weg nach El Caribe.
Nach dem Einchecken im Hotel - das
Floramar liegt genau an der Hauptstraße, das Doppelzimmer kostet 9000 Bolivares -
verbringen wir den Nachmittag am Strand.
Die Badestrände von El Caribe sind mit
ins Meer gebauten Steinmolen, um so den Wellen ihre Wucht zu nehmen, werden bewacht - und
kosten allerdings auch Eintritt.
Und mit diesem Eintritt werden wir übers
Ohr gehauen. Ein Mann im schwarzen T-Shirt, der sehr amtlich tut, führt uns zu den
Liegen, kassiert 2000 Bolivares - und später stellt sich heraus, dass wir gar keine
Strandtickets haben, der Eintritt für uns beide mit den Liegen auch nur 1500 Bolivares
gekostet hätte. Da die eigentliche Kassiererin die Angelegenheit mit dem falschen
Kassierer klären kann, müssen wir zwar nichts nachzahlen, bekommen aber auch kein Geld
zurück.
Am Abend unternehmen wir einen
Stadtbummel durch El Caribe: Der Ort wirkt ausgesprochen gesichtslos, ähnelt weitgehend
einer Baustelle, auf der es aber an Bauplänen fehlt. Hässliche Betonklötze,
Hotelanlagen, prägen das Bild, und die Straße am Strand ist in der Dunkelheit ohne
Leben.
Freitag, 8. November 1996: El Caribe -
Maiquetia
Der Vormittag ist noch sonnig - und bis
gegen 14 Uhr der nachmittägliche Regen einsetzt, verbringen wir die Zeit am Strand.
El Caribe hat eine ganze Reihe von
bewachten Stränden. Diesmal zahlen wir nur 1200 Bolivares Eintritt, obwohl der Strand
größer ist als der von gestern, das Wasser hier auch etwas sauberer scheint. Jedenfalls
führt hier kein Abwasserrohr ins Meer, liegen auch keine Steine am Strand.
Gegen 18.30 Uhr -
der Taxifahrer, mit dem wir eigentlich erst für 20 Uhr verabredet waren, wartet schon vor
unserem Hotel - fahren wir für 7000 Bolivares zum Flughafen nach Maiquetia.
Der internationale Flughafen von Caracas
wirkt, als wäre er für etwas größeres geplant worden, was dann aber nie eingetroffen
ist. Vor dem abgesperrten internationalen Teil gibt es in dem Flughafengebäude nicht
einmal Sitzplätze - und im internationalen Teil, in den wir nach der Passkontrolle
gelangen, hat der Duty-free-Shop mit den Zigaretten und den Alkoholika bereits
geschlossen.
Dafür verläuft die Ausreise
problemloser als befürchtet: Jedenfalls fragt kein Mensch nach den verlorenen
Touristenvisa.
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