Samstag,
28. März 2009: Playa del Carmen
Gegen
13.30 Uhr Ortszeit, hinter uns liegen inzwischen rund 12 Stunden Flug
von Frankfurt und sieben Stunden Zeitverschiebung, ist die Maschine im
Landeanflug über Yucatan. Orte oder Städte sieht man von oben eher
selten: Das ganze fast überall flache Land scheint aus einem einzigen
riesigen Wald zu bestehen, dessen Baumkronen aber mitunter aber einen bräunlichen
Schimmer angenommen haben. Das ist der Buschwald von Yucatan, eigentlich
ein Regenwald, dessen Bäume aber kaum höher als vier oder fünf Meter
werden.
Wir
landen überpünktlich kurz vor 14 Uhr auf dem Flughafen von Cancun, benötigen
dann nicht viel mehr als eine gute halbe Stunde für die
Einreiseformalitäten.
Über
eine gut ausgebaute breite Straße geht es dann nach Playa del Carmen
– wobei wir von Cancun, der größten Stadt des Bundesstaates Quintana
Roo, gar nichts zu sehen bekommen. Und Playa del Carmen selbst ist ein
eher unscheinbares Städtchen, wobei das Hotel- und Ferienhausviertel
ein völlig abgeschirmter Ortsteil ist, mit einer Schranke vom Rest der
Stadt klar abgegrenzt, eine Schranke, die nur die Touristenfahrzeuge
passieren dürfen.
Für
den ersten Tag sind wir, weil unser gebuchtes Hotel, das Viva Windham
Maya, momentan belegt ist, im Iberotel untergebracht – eine gewaltige
Anlage in einem angelegten Dschungel, mit Pfauen und Agutis, den
mittelamerikanischen Meerschweinen, die sich im üppigen Gebüsch der
Anlage tummeln. Dazu gibt es sogar einen richtigen Naturlehrpfad, um den
herum auch einige Affen leben müssen, die wir allerdings nicht zu
Gesicht bekommen.
Der
Hotelstrand ist zwar nicht sonderlich breit, aber dafür feinster
Sandstrand, geschützt durch große Sandsäcke, die die Gestalt von wie
an einer Schnur aufgereihten im Wasser liegenden Felsbrocken haben.
Sonntag,
29. März 2009: Valladolid
Ein
Aguti hat sich im Gebüsch direkt vor unserer Terrasse eingenistet, lässt
sich auch nicht durch unser Erscheinen von seinem Frühstück abhalten.
Erst, als ein Artgenosse auftaucht, beginnt er mit dem eine wilde Jagd.
Das
Iberotel erweist sich tatsächlich als eine Art Naturpark. Neben den
Agutis, den Pfauen sowie den Kois in den Wasserbecken an den zentralen
Hotelgebäuden gibt es ein Areal für Schildkröten, einen Wasserfall
mit nachgebauter Seenlandschaft, in der sich alle möglichen Arten von
Wasservögeln und sogar Flamingos tummeln.
Um
15 Uhr werden wir zu unserer Yucatan-Rundreise abgeholt. Dabei geht es
allerdings zunächst noch einmal durch das Hotelviertel von Playa del
Carmen, um weitere Teilnehmer aufzusammeln, dann zum Flughafen, wo noch
Neuankömmlinge abzuholen sind. Auf dem Weg zum Flughafen sieht man übrigens
von der Straße aus in der Ferne eine Kette von Hochhäusern – die
Hotelzone von Cancun.
Es
ist bereits gegen 18 Uhr, als endlich unsere zweistündige Weiterfahrt
nach Valladolid beginnt. Die ganze Zeit über geht es über eine
schnurgerade breite Straße, die Autobahn. Die einzige Unterbrechung –
und Abwechselung – während dieser Fahrt ist die Grenze zwischen den
Bundesstaaten Quintana Roo und Yukatan. Hier gibt es zwar auch eine
Polizeistation, an der die einheimischen Reisenden kontrolliert werden,
aber unser Touristenbus muss hier lediglich stoppen, weil
praktischerweise direkt an der Staatsgrenze auch eine Mautstation der
Autobahn steht. Der Kilometer auf dieser Autobahn kostet übrigens einen
Peso, was immerhin rund 6 Euro-Cent entspricht.
Etwa
um 20 Uhr haben wir Valladolid erreicht. Mit ihren 65000 Einwohnern ist
sie zwar die zweitgrößte Stadt des Bundesstaates Yukatan, macht aber
nun bereits in der Dunkelheit einen völlig verschlafenen
Eindruck. Valladolid wirkt wir ein größeres Dorf mit einstöckigen
Bauernhäusern entlang den allerdings planmäßig und schnurgerade
angelegten Straßen. Lediglich unser Hotel, das Ecotel Regina, fällt
aus diesem Stadtbild heraus, präsentiert sich wie eine großzügig
angelegte Hazienda mit Wirtschaftsbauten und Gästehäusern.
Nach
dem Abendessen unternehmen wir noch einen kurzen Spaziergang zu einem
wenige Gehminuten entfernten Platz, einem der städtischen Zentren. Das
ist gekennzeichnet vor allem durch die aus dunklem Feldstein errichtete
Kirch, wobei der Platz davor vor allem als Spielplatz genutzt wird, auf
dem es um diese Uhrzeit hier aber keine Kinder mehr gibt – und einem
der überall zu findenden Oxxo-Läden, den Supermärkten, die rund um
die Uhr geöffnet haben.
Montag,
30. März 2009: Valladolid – Chichén Itzá – Yaxcopoil – Uxmal
Auf
dem Weg zum Zoccalo, dem eigentlichen Hauptplatz von Valladolid,
passiert unser Bus das „Geschäftsviertel“ der Stadt. Auch hier sind
die Häuser in der Regel einstöckig, doch die Straßen sind nun – am
Montag morgen – tatsächlich um einiges belebter als wir sie gestern
gesehen haben.
Der
Zoccalo ist fast eine kleine Parkanlage im Zentrum der Stadt, viereckig
angelegt, mit einem Springbrunnen in der Mitte, steinernen Sitzplätzen
sowie zahlreichen weiß angemalten geschmiedeten Parkbänken, die alle
das Wappen von Valladolid mit der Bezeichnung „Ciudad Heroica“
tragen.
Rund
um den Zoccalo der um 1552 als koloniales Zentrum neu gegründeten
spanischen Stadt finden sich natürlich die von den Franziskanern
errichtete Kathedrale, damals wie auch noch heute mit ihren zwei Türmen
das herausragendste Gebäude der Stadt. Auffällig auf dem feldgrauen
Bau ist allerdings die weiß getünchte Kuppel, die den hinteren Teil
des Kirchenschiffes ziert.
Schräg
gegenüber der Kathedrale liegt das Rathaus mit seinen
Arkaden, eines der wenigen zweistöckigen Gebäude von Valladolid.
Die Galerie im oberen Stockwerk verfügt über einige kleine Balkone,
wohl die einzigen Punkte, von denen aus man tatsächlich fast den
gesamten Zoccalo überblickt. Die großen Gemälde in dieser Galerie
wiederum verraten, warum sich Valladolid heute als „Ciudad Heroica“
bezeichnet. Die Bilder erzählen von der mexikanischen Revolution 1910,
von der Befreiung der Indios. Tatsächlich spielte Valladolid damals auf
Seiten der Revolution wohl eine wichtige Rolle, ist Valladolid noch
immer eine Indiostadt. In den Andenkenläden werden Postkarten aus der
Zeit des Bürgerkrieges mit den Porträts von Zapata und Pancho Villar
verkauft – und zumindest von den älteren Frauen trägt ein großer
Teil auch auf der Straße noch immer die traditionelle Tracht der
Indios.
Ebenfalls
am Zoccalo: Das Restaurant und Hotel Del Marques,
von außen ein rosa angestrichener Bau, der kaum weiter auffällt
– von innen dann ein Schmuckstück mit Säulengängen und einem blühenden
tropischen Garten. Dieses Haus soll, so hat uns unser Reiseleiter Tony
zuvor erklärt, ein Musterbeispiel der kolonialen Architektur in diesem
Teil Mexikos ein.
Etwas
nach zehn Uhr sind wir bei knapp zwei Stunden Fahrzeit an den Ruinen
Chichén Itzá. Für etwa 700 Jahre Maya-Geschichte bleiben uns drei
Stunden Zeit, wobei wir aber schon bald feststellen, dass eine
Besichtigung der Anlagen in der Mittagshitze rasch zur Tortur wird, die
man kaum freiwillig in die Länge zieht.
Vom
Haupteingang passiert man zunächst einen Weg durch den Buschwald –
und steht dann ziemlich unverhofft auf dem gewaltigen Platz, auf dem
sich die neunstufige Pyramide, der Tempel des Kukulkan erhebt. Das
Faszinierende dabei ist, dass sich die Pyramide nicht schon von weitem
ankündigt, sondern man geradezu von dem Kolossalbau überrascht wird.
Monumental
wirkt nicht nur die in neun Stufen gebaute Pyramide, bei der dazu die
Zahl der Treppen an allen vier Seiten zusammengezählt ursprünglich 365
ergeben haben soll, monumental wirkt der gesamte Platz mit seinem
Ensemble von Tempelbauten. Und dabei hat ein ganz besonderer Aspekt der
Maya-Baukunst die Zeiten unbeschadet überstanden: Wenn man vor der
Pyramide stehend in die Hände klatscht, ergibt dies einen Hall wie in
einem Konzertsaal mit ausgetüftelter Akustik.
Die
Pyramide ist das Herzstück des „neuen“ Chichén Itzá, an dem im
12. und 13. Jahrhundert gebaut wurde, als die Maya-Stadt unter dem
Einfluss der Tolteken stand. Und was immer in dieser Zeit gebaut wurde
– man baute es mit einem Hang zur Größe. Das gilt insbesondere für
den Ballspielplatz, gut über hundert Meter lang, links und rechts von
gewaltigen Blöcken aus großen Felsblöcken begrenzt, an seinem oberen
Ende dann von dem Podium der Herrscher bzw. Priester. An einem der
beiden Blöcke befindet sich noch der steinerne Ring, durch den die
Spieler den Ball werfen, besser gesagt schießen mussten – wofür sie
aber weder die Hände noch die Füße benutzen durften.
Weitaus
kleiner, von der Anlage aber ganz ähnlich, sind die Bauten in der
„Altstadt“ von Chichén Itzá, entstanden wohl bereits ab dem fünften
oder sechsten Jahrhundert. Auch hier gibt es eine Pyramide, deren Ausmaße
allerdings nur einen Bruchteil von denen der großen Pyramide ausmachen,
diverse andere Tempel, und schließlich ein Observatorium, das sogar
noch fast vollständig ergalten ist.
Ein
anderes Gebäude der „Altstadt“ hatte dieses Glück nicht: Um
schneller zu den erhofften Kunstschätzen im Inneren der Anlage zu
kommen, sprengten die „Entdecker“ einfach mit Dynamit ein gewaltiges
Loch in die Außenwand – ein beredtes Zeugnis für die Arbeitsweise
der frühen Archäologie.
Kurz
vor 13 Uhr ist die Hitze ist inzwischen kaum noch erträglich. Die
Temperaturen liegen in jedem Fall weit über 30 Grad, und selbst die überall
auf der Anlage anzutreffenden Leguane suchen ein kühleres Plätzchen
zwischen den Steinen. Wir verlassen nun das Ruinenfeld von Chichén Itzá,
steuern nach einem Mittagessen unser nächstes Ziel Yaxcopoil an.
Die
Attraktion dieses ansonsten unscheinbaren Ortes ist eine zum Museum
umfunktionierte Hazienda am Rande eines typischen Maya-Dorfes auf
Yucatan. Das in rosa gehaltene Eingangstor zu den Weideflächen des
Landgutes verfügt über zwei geschwungene Bögen, sagt damit dem
Besucher, dass hier ursprünglich 20000 Rinder gehalten wurden, ein
Bogen für jeweils 10000 Rinder. Wirtschaftliche Bedeutung hatte das Gut
zuletzt aber nicht wegen der Viehzucht, sondern wegen des Sisal-Anbaus.
An den erinnert nun aber nicht viel mehr als das halb verfallene
Fabrikgebäude am Rande der Hazienda, während hinter dem Herrenhaus auf
einer Koppel immerhin noch einige weiße Rinder stehen.
Vor
allem geht es in dem Museum aber um das Leben der Großgrundbesitzer
selbst. Deren Herrenhaus besteht aus zwei lang gezogenen Gebäuden mit
Arkaden, das linke Gebäude das Wohnhaus der Herrschaft, das rechte der
Wirtschaftsflügel.
Man
läuft durch die Räume des Herrenhauses wie durch einen langen Flur:
Die geöffneten Türen markieren zwar den Übergang von einem Raum zum nächsten,
aber funktionelle Unterschiede sind nicht wirklich erkennbar. Alle Räume
hätten so als Arbeits- wie als Aufenthaltsraum genutzt werden können.
Zu den Besonderheiten des Museums zählt aber sicherlich der
Ablassbrief, der im vordersten Raum hängt, die Sammlung antiquarischer
Bücher, darunter auffallend viele Medizinbücher – und ein eher
kitschiges Bild, das den stolzen Haziendero mit Sombrero auf einem Pferd
zeigt. Nicht zu vergessen schließlich: Zum Herrenhaus gehört auch eine
eigene Kapelle, allerdings auch die mit Heiligendarstellungen und einem
Altar, der nicht für den Kunstgeschmack der alten Besitzer spricht.
Was
man im Herrenhaus übrigens nicht sieht, sind Schlafzimmer: Geschlafen
wurde in Hängematten, die man in allen Räumen zwischen den Wänden
aufhängen konnte!
So
spartanisch die Einrichtung dieses Herrenhauses dem Besucher auch
erscheinen mag – für die Indios des Dorfes muss das der pure Luxus
gewesen sein. Die leben auch heute noch in einfachen Hütten, meist
inmitten von verwildert erscheinenden Grundstücken, züchten dort ihre
Tiere, zum Beispiel ihre Truthähne, der ganze Stolz jener alten Bäuerin
im zerschlissenen Kleid, die ihre Tiere gegen ein kleines Trinkgeld auch
gern fotografieren lässt. Ansonsten scheinen die Dorfstraßen fast
leer. Nur in der Kirche, dem einzigen erkennbaren größerem öffentlichen
Gebäude, herrscht Betrieb: Hier findet gerade eine Bibelstunde für
Frauen statt.
Wir
verlassen Yaxcopoil, fahren nun durch die hügelige Landschaft der
Puuc-Region zu unserem Tagesziel, zum Hotel Mision Uxmal. Allerdings
muss man auf der absolut flachen Halbinsel Yucatan auch den Begriff „hügelig“
eher relativ sehen: an anderen Orten würden die sanft ansteigenden
Erhebungen auf vielleicht zehn oder 20 Meter Höhe kaum Erwähnung
finden – hier erscheinen sie fast schon wie bewaldetes Gebirge.
Von
der Terrasse unseres Hotels sieht man am Abend auf eine dichte, grüne
Dschungellandschaft – und in der Ferne auf die antike Maya-Stadt Uxmal.
Dienstag,
31. März 2009: Uxmal – Kabah – Celestún – Merida
Das
antike Uxmal zählt zwar wie Chichén Itzá zu den großen Maya-Städten,
war zu seiner Zeit auch bedeutender als Chichén Itzá, ist nun aber
doch um einiges kleiner. Und: Da wir heute wohl die ersten sind,
entgehen wir hier dem touristischen Massenansturm.
Auch
in Uxmal steht als erstes ein Abstecher zur Pyramide, hier als
„Pyramide des Wahrsagers“ bezeichnet, auf dem Programm. Obwohl ein
Pyramiden-Bau unterscheidet sie sich doch von der Kukulkan-Pyramide in
Chichén Itzá: Hier in Uxmal fehlen die neun Stufen. Trotz der
kunstvollen Ornamente neben der Treppe wirkt das Ganze eher wie ein künstlich
angelegter Berg mit einem Steinbau auf der Spitze.
Natürlich
gibt es auch hier ein Fußball-Feld - und schließlich auf einem Hügel
das „Haus des Gouverneurs“, ein lang gezogenes Gebäude mit einer über
und über mit Götterdarstellungen versehenen Fassade.
Etwa
20 Kilometer von Uxmal entfernt liegt die Ruinen-Stadt Kabah, auch die
natürlich eine Hinterlassenschaft der Maya-Kultur, unsere nächste
Station. Höhere Pyramidenbauten gibt es in Kabah nicht: Laut Forschung
war die Stadt in einem Abhängigkeitsverhältnis zu Uxmal – und durfte
in Sachen „Hochbauten“ natürlich nicht mit der Metropole
konkurrieren.
Dafür
besticht Kabah durch die klaren Strukturen seiner Anlage und die fast
filigran zu nennende Bauweise seines mit Masken geschmückten
Codz-Pop-Palastes, mit einer fast vollständig erhaltenen Skulptur von
Regengott Chac.
Eine
längere Fahrt bringt uns nun nach Celestún an der nordwestlichen Küste
von Yukatan, zur Mündungslandschaft des gleichnamigen Flusses, einer
Heimat der Wasservögel und der Mangroven.
Eigentlich
sollen ja die roten Flamingos die Attraktion dieses Biosphärenreservats
sein, doch es herrscht gerade Hochwasser. Das heißt: Im Uferbereich der
Insel, die von den Flamingos am liebsten aufgesucht wird, beträgt die
Wassertiefe gerade über einen Meter – und das ist für die Flamingos
zu tief, um beim gemütlichen Waten durchs Wasser auch noch zu fischen.
So treffen wir nur zwei dieser Wasservögel an – statt der Dutzende,
die sich sonst hier aufhalten sollen.
Die
Reiher und die Fregattvögel scheinen sich am Hochwasser allerdings
nicht zu stören. Vor allem die Fregattvögel haben sich zu Hunderten
auf den Baumkronen niedergelassen oder fliegen in Schwärmen über das
Wasser.
Schließlich
biegen wir in einen kleinen Seitenarm des Flusses ein: links und rechts
von uns machen sich die Mangroven breit – und auf etlichen Stämmen in
diesem Mangrovendschungel sieht man die Termitenbauten. Faszinierend,
welchen Lebensraum sich die Termiten alles erobern! Aber die Mangroven
haben hier eben auch neue „Inseln“ geschaffen, wenn auch
„Inseln“, die zum größten Teil noch knapp unter der Wasseroberfläche
liegen.
Am
frühen Abend erreichen wir Mérida, die Hauptstadt des Bundesstaates
Yukatan. Bei der Einfahrt erscheint Mérida zunächst als
Industriestadt, doch dann gelangt man schließlich in die Innenstadt mit
ihren engeren Einbahnstraßen und kleineren schmucken Plätzen, auf
denen sich die Cafés breit gemacht haben.
Nach
dem Einchecken in unserem Hotel, dem Los Aluxes Mérida, unternehmen wir
einen Spaziergang durch die belebten Straßen. Selbst in der Universität,
untergebracht in einem Kolonialgebäude, in dessen Foyer gerade eine
Ausstellung läuft, herrscht nun nach 21 Uhr noch Hochbetrieb.
Wir
kehren im „La Habana“ ein, einem Kaffeehaus in der Nähe des Zoccalo
– wo es in der Tat einen ganz herausragenden Kaffee gibt. Auf dem Rückweg
zum Hotel kommen wir an einer Kirche vorbei, in der gerade ein
Gottesdienst abgehalten wird. Die Kirche ist bis auf den letzten Platz
besetzt, die Gläubigen stehen bis vor der Eingangstür.
Mittwoch,
1. April 2009: Mérida – Ek Balam – Playa del Carmen
Eine
morgendliche Fahrt über Méridas Prachtboulevard: Auf beiden Seiten der
Straße stehen die hochherrschaftlichen Villen, manche von den Ausmaßen
kleiner Schlösser, die sich die Sisal-Barone in der wirtschaftlichen Blütezeit
ihrer Haziendas haben errichten lassen. Eine der allerdings kleineren
Villen gehört übrigens den Nachfahren eines gewissen Don Donaciano
Garcia Rejon, jenes Sisal-Pflanzers, dessen Hazienda wir in Yaxcopoil
besichtigt hatten. Und auch diese Stadt-Villa der Rejons dient nun als
Museum.
Der
Boulevard führt zu einen Platz, auf dem nun eines dieser typischen
Denkmäler der Geschichte Mexikos steht: Ein Kolossal-Denkmal für
Freiheitskämpfer, Indios – also ein Denkmal, das mit der Realität
von Méridas Prachtboulevard nicht all zu viel zu tun hat.
Wir
fahren zurück in die Innenstadt, zum Zoccalo: Der ist angelegt wie alle
mexikanischen Zoccalos, viereckig, mit einer Parkanlage in der Mitte –
und am Zoccalo natürlich den wichtigsten Gebäuden der Stadt, der
Kathedrale und dem Rathaus, wobei das Rathaus auch hier wieder ein
Arkaden-Bau aus. Dazu finden sich einige weitere recht hübsche
Kolonialbauten – aber am Vormittag tut sich hier momentan noch recht
wenig, und irgendwie fehlt Méridas Zoccalo auch der Charme, den der
Hauptplatz des kleineren Valladolid versprüht.
Von
Charme kann auch auf dem wenige hundert Meter entfernten Markt nicht
wirklich die Rede sein. Das einstöckige Marktgebäude ist mit Ständen
total überfüllt, er herrscht ein fürchterliches Gedränge – und die
Luft ist zum Schneiden. Verkauft werden hier fast ausschließlich
Lebensmittel, Gemüse, Fleisch und Fisch, der dem ganzen Markt seinen
Geruch aufdrückt. Der Kleidung nach zu urteilen decken sich hier wohl
vor allem die ärmeren Einwohner Méridas ein.
Ek
Balam, die letzte Maya-Stadt, die wir auf dieser Rundreise besichtigen,
ist eine der weniger bekannten Grabungsstätten, Natürlich gibt es auch
hier wieder ein Fußballfeld – doch Ek Balams eigentliche Tradition
ist selbstverständlich wieder einmal die „Pyramide“, die hier aber
gar nicht so recht an eine klassische Pyramide erinnern will. Vielmehr
hat sie die Gestalt eines terrassenförmig errichteten Hochhauses –
wobei auch auf jeder Terrasse nun leer stehende, strohüberdachte Gebäude
stehen. Dem äußeren Anschein nach würde ein unbefangener Beobachter
das nicht einmal unbedingt für einen Tempel, sondern eher für einen
Profanbau halten. Dass dieser Bau meist eher als Akropolis denn als
Pyramide bezeichnet wird, hat jedenfalls seine Berechtigung.
Über
Tulum fahren wir nu zurück nach Playa del Carmen, um an der Riviera
Maya unseren Badeurlaub zu verbringen.
Donnerstag,
2. April 2009: Playa del Carmen, Viva Windham Azteca
Wir
verbringen den gesamten Tag in unserem Resort – zwischen Strand und
Swimmingpool.
Das
Windham Azteca ist trotz seiner Größe eine relativ überschaubare
Anlage. Links und rechts des Eingangsgebäudes mit der Rezeption und dem
Restaurant befinden sich die beiden Haupthäuser mit den Zimmern, in der
zum Strand gelegenen Hälfte gibt es dann den Swimmingpool und schließlich
den Strand selbst. Der ist ziemlich breit, weiß, und wie auch schon vor
dem Iberotel mit Sandsäcken geschützt.
Dieser
Schutz ist auch notwendig: Den ganzen Tag über weht ein heftiger Wind,
und es herrscht ein starker Wellengang mit einem kräftigen Sog. Ins
Wasser jedenfalls kann man sich nur an den von den Sandsäcken geschützten
Stellen wagen.
Nach
dem Abendessen unternehmen wir noch einen kurzen Spaziergang zum
vielleicht hundert Meter von unserem Hotel entfernten Shoppingcenter der
Hotelzone von Playa del Carmen. Die besteht allerdings aus nicht viel
mehr als vielleicht einem guten Dutzend Boutiquen für Textilien und vor
allem für Schmuck – wobei die Läden hier aber wohl auch nicht
wirklich billiger sind als die Shops in den Hotels.
Freitag,
3. April 2009: Playa del Carmen
Ein
weiterer fauler Tag am Strand: Und Strandspaziergänge stoßen hier doch
relativ schnell an ihre Grenzen. Links und rechts geht es kaum mehr als
hundert Meter weit weg vom Hotel, dann müsste man schon durch das
Wasser laufen, um zum nächsten Strandabschnitt zu gelangen. Doch um
tatsächlich mit den Füßen im Wasser zu spazieren, ist das Meer um
einiges zu unruhig, auch wenn der Wind heute nicht mehr ganz so stark
wie gestern bläst.
Samstag,
4. April 2009: Cenote Chac-Mool
Rund
20 Autominuten südlich von Playa del Carmen beginnt entlang der Straße
nach Tulum beginnt die Region der Cenotes. Eine der ersten Cenoten, die
man von Playa del Carmen kommend passiert, ist dabei die Cenote
Chac-Mool, benannt nach dem Regengott der Maya, der nach dem Glauben der
Indios in der Unterwelt, in den Cenoten lebte .
Wie
fast alle anderen dieser Unterwasserhöhlen im Kalkstein ist auch
Chac-Mool im Privatbesitz – was für den Farmer bedeutet, dass er mit
dem Tauch-Tourismus heute wohl ein größeres Geschäft macht als mit
den Hühnern und Enten, die er in unmittelbarer Nähe des Einganges zu
seinem Grundstück hält. Als wir in Chac-Mool ankommen, sind bereits
eine ganze Anzahl von Tauchgruppen eingetroffen,
Der
Haupteingang zur Cenote Chac-Mool, die insgesamt ein rund 19 Kilometer
langes Höhlensystem bildet und damit eher zu den kleineren Cenoten zählt,
wirkt wie ein kleiner Tümpel unter einem Felsvorsprung.
Tiefer
als 15 Meter wird es in diesem „Tümpel“ auch nicht gehen – aber
doch durch weitläufige Gänge, in die nur zum Teil natürliches
Tageslicht fällt. Und da, wo man noch das Tageslicht hat, lohnt immer
wieder ein Blick nach oben. Da bilden Wurzelwerk und herabgestürzte Äste
ihren eigenen Unterwasser-Dschungel, durch den vereinzelte Guppys
streifen, wirft die Sonne ihre Lichtspiele ins Wasser.
Psychedelisch
mutet der Wechsel vom Süßwasser in das Salzwasser der größeren
Tiefen ab 10 Meter an: Den weißen Kalkstein nimmt man beim Übergang
nur noch verschwommen wahr, so wie alle festen Formen nun zu zerfließen
scheinen.
Dann
durchqueren wir in der absoluten Dunkelheit das Reich der Stalagmiten
und Stalaktiten, bevor wir wieder an unserem Ausgangspunkt di
Wasseroberfläche erreichen.
Unser
zweiter Tauchgang startet an einem Einstieg, der passend zum
Haupteingang den Namen „Kleiner Bruder“ trägt. Der Einstieg
funktioniert hier ähnlich wie schon beim ersten Höhlentauchgang –
wobei es hier allerdings etwas dunkler und auch kälter ist. Dafür
sieht man hier aber auch einige kleine, das Tageslicht scheuende Welse
und ein paar größere Fische.
Nach
dem Wechsel vom Süß- zum Salzwasser wähnt man sich dann aber plötzlich
in einem unterirdischen Museum: Die Stalagmiten und Stalaktiten haben
regelrechte Figuren gebildet, kommen in allen möglichen Formen daher.
Daneben liegt schließlich ein blank und absolut glatt gewaschener
Stein, der die Form eines flachen Bootes oder auch einer großen
Opferschale hat.
Das
eigentliche Highlight eines Tauchganges durch den „Kleinen Bruder“
ist aber der Dom, eine Halle, bei der das Wasser nicht bis zur Decke
reicht, in der man auftauschen und frische Luft atmen kann. Zwar fällt
hier nicht das geringste Sonnenlicht ein, aber an der Decke
dieses „Domes“ zieht sich das Wurzelwerk der
oben wachsenden Bäume entlang, und manche Wurzeln haben sich
sogar mit einer Dicke von einem Meter oder Mehr durch den Kalkstein
gefressen, hängen nun wie Stalaktiten herab bis unter die Wasseroberfläche
hinab.
Nach
diesem zweiten Tauchgang fahren wir nach Playa del Carmen zurück. Der
Preis für das Tauchen in den Cenotes: 159 US-$.
Sonntag,
5. April 2009: Playa del Carmen
Der
für den Nachmittag geplante Tauchgang muss ausfallen: Wegen des starken
Wellenganges fahren die Boote auch heute nicht aus.
Statt
dessen fahren wir für 50 Pesos, also umgerechnet vier US-$ oder drei
Euro, von der Hotelzone in den Ort Playa del
Carmen. Der Weg ist
allerdings auch nicht sonderlich weit: Die Hauptstraße von Playa del
Carmen, eine Fußgängerzone mit dem bezeichnenden Spitznamen „Fifth
Avenue“, schließt sich nämlich
unmittelbar an die Hotelzone an.
Kurz
vor der „Grenze“ zwischen Hotelviertel und der eigentlichen Stadt
liegt noch ein kleines Grabungsfeld mit Maya-Ruinen. Von der Straße
sieht man eine alte Maya-Mauer sowie die Plattformen, auf denen früher
wohl kleinere Tempel gestanden haben könnten. Ein Schild weist das
Areal als archäologische Zone der Stufe „C“ aus – was in diesem
Fall für eher für als ein weniger wichtiges Grabungsfeld stehen dürfte.
Nach
wenigen Schritten vorbei an Cafés, Boutiquen und Geschäften für
Silberschmuck ist man dann am Hafen von Playa del Carmen. Der besteht
allerdings nur aus einer Mole, an der die Fähren etwa nach Cozumel
anlegen. Vom Hafengebäude aus sieht man dann noch auf den öffentlichen
Strand von Playa del Carmen, also den Strand, der nicht den großen
Hotelanlagen gehört, nun aber gerade besonders bevölkert ist. Schließlich
sind wir in der Woche vor Ostern – und entlang der „Fifth Avenue“
gibt es nicht nur jede Menge weiterer Boutiquen und Restaurants, sondern
auch noch zahlreiche weitere kleinere und auch größere Hotels.
Montag,
6. April 2009: Tulum – Sian Ka’an – Muyil – Chimoyil – Cenote
Xunaan-Ha
Morgens
gegen neun Uhr macht Tulum noch einen dörflichen und dazu verschlafenen
Eindruck. Die Vielzahl von Hotels und Restaurants lässt zwar auf einen
wachsenden Tourismus schließen, aber noch scheint das alles sehr gemütlich
und überschaubar. Auch das zweistöckige weiße Rathaus mit seinem
Glockenturm lässt eher eine Landgemeinde als eine Ferienmetropole
vermuten.
Ziel
unseres Tagesausfluges ist der Nationalpark Sian Ka’an. Durch den führt
zwar eine Verbindungsstraße und es gibt auch einige verstreute Maya-Dörfer,
aber im großen und ganzen ist die Dschungel- und Lagunenlandschaft hier
doch noch naturbelassen.
Eines
dieser Maya-Dörfer in Sian Ka’an ist das Dorf Muyil, kein Dorf mit
einer Mitte und einem Dorfplatz, sondern eher eine lose Ansammlung weit
verstreuter Hütten, in denen insgesamt 28 Familien leben. Wir besuchen
das Anwesen eines dieser Familien, bestehend aus 13 Personen, den Eltern
und elf Kindern. Das jüngste Kind ist gerade ein Jahr alt, der älteste
Sohn 27 – und die Mutter 42 oder 43. An dem Pickup, den der Vater fährt,
sieht man, dass es sich um eine wohlhabende Familie gehört. Schließlich
gehören der Familie 50 Hektar Land, auf denen sie Früchte anbauen,
ihre Hühner halten, vor allem aber auf der nahe gelegenen Lagune für
die Touristen einen Bootsverkehr betreiben.
Dennoch:
Obwohl sie auch einige Steinhäuser ihr eigen nennen, leben die
Familienangehörigen in einfachen, einräumigen Holzhütten, und auch
die Küche ist eine solche Holzhütte mit halbwegs glatt gestampften
Boden und einer offenen Feuerstelle. Auf einem winzigen Holzschemel
reibt die Hausfrau mit einer Holzrolle die Tortillas, bestehend aus Mais
und Wasser, in die richtige Form, legt sie dass auf einen Blechdeckel über
dem offenen Feuer. Elektrische Haushaltsgeräte sucht man hier vergebens
– aber für die gebe es ohnehin keinen Stromanschluss.
Zu
Muyil gehört auch die Ausgrabungsstätte einer alten Maya-Siedlung, die
vermutlich etwa um 200 vor Christus angelegt wurde, die aber in jedem
Fall um 1500 bereits verlassen war. Im Unterschied zu den großen,
bekannten Grabungsstätten ist hier bisher nur wenig rekonstruiert, so
dass man einen Eindruck
davon bekommt, auf was die ersten Archäologen gestoßen sind:
Steinhaufen meist in Form von größeren und kleineren Pyramiden,
Steinhaufen, auf denen die Bäume wachsen und die allmählich von den
Wurzeln auseinander gerissen werden.
Am
Eingang zur alten Maya-Stadt steht allerdings dann ein bereits
rekonstruierter Tempel mit einem kleinen Steinhaus davor. Auch dieses
Haus, von den Ausmaßen eher kleiner als heutige Maya-Hütte, möglicherweise
der Schlafplatz eines Priesters, ist rekonstruiert, und an den
Eingangspfosten erkennt man nun auch wieder die Reste des bläulichen
und roten Anstrichs, der ursprünglich wohl über das ganze Gebäude
ging.
Höhepunkte
des archäologischen Feldes sind aber sicherlich ein als „Nummer 8“
bezeichneter Tempel, ein aus vier Stufen bestehender pyramidenähnlicher
Bau mit einem Altarraum auf der obersten Plattform sowie den Fundamenten
weiterer Altäre vor der Treppe und das „Castillo“. Mit seinen 17
Metern ist das „Castillo“ das höchste Bauwerk des antiken Muyil,
ein Mittelding zwischen Pyramide und Turm, wegen seiner Form auch als
„Lebensbaum“ bezeichnet.
Am
Ende des archäologischen Feldes beginnt der etwa einen halben Kilometer
lange Sendero Canan-Ha, ein Dschungellehrpfad zu den Lagunen von Muyil.
Der Pfad aus Holzbohlen führt an einem kleinen Tümpel, einer kleinen
Cenote, in der man auch einige Fische sieht, vorbei, an umgestürzten Bäumen,
die den letzten Hurrikan nicht überstanden haben, in deren nun offen
liegenden Wurzeln die Termiten ihre Bauten errichtet haben, durch einen
Wald, der tatsächlich sich selbst überlassen ist. Nur die Tiere, die
es hier geben soll, Affen oder Brillenbären beispielsweise, sieht man
hier nicht. Dafür sind die Dschungeltiere zu scheu!
Die
große Süßwasserlagune, die wir am Ende des Weges erreichen, ist nur
eine von insgesamt 15 eines ganzen Netzes von Süß- und
Salzwasserlagunen, ein System, das über einen Kanal und einen Fluss mit
dem offenen Meer verbunden ist. Mit Motorbooten geht es über das klare,
flache Wasser auf die andere Seite der Lagune, wo wir in einen schmalen
Kanal einbiegen. Die Wasserstraße, angeblich von den Maya zur
Entstehungszeit des antiken Muyil angelegt, ist so schmal, dass kaum
mehr als zwei Boote nebeneinander passen. Links und rechts sind nichts
als Mangrovenfelder zu erkennen. Auch Fische sieht man nur wenige.
Der
Kanal führt zu einem Maya-Bau, nicht größer als eine Hütte, die
einsam auf ihrer Landzunge steht. Das sei, so heißt es, eine alte
Zollstation von Muyil gewesen sein.
An
dieser Stelle mündet der Kanal in einen Fluss, der immerhin etwas
breitet als der Kanal, aber mit vielleicht etwas mehr als einem Meter
auch nicht tiefer ist. Wir fahren noch in kleines Stück den Fluss abwärts,
kehren dann zurück, um bei Tulum in einem Strandhotel unser Mittagessen
zu nehmen.
Danach
geht es zur letzten Station des Tagesausfluges, zu der Cenote Xunaan-Ha
bei dem Dorf Chimoyil. Das Dorf selbst scheint, wie auch andere kleine
Ortschaften, die wir gesehen haben, eher eine etwas engere
Zusammenballung verschiedener Gehöfte zu sein, ohne erkennbare Struktur
oder Zentrum, fast typisch für die überwiegend von Indios bewohnten Dörfer.
Außerhalb
des Ortes, aber auch bei den Einheimischen als Badestelle offenkundig
ziemlich beliebt liegt dann die Cenote Xunaan-Ha. Das ovale Wasserbecken
ist vielleicht gut 25 Meter lang, kaum mehr als 15 Meter breit – und,
abgesehen von den hier abzweigenden Höhlen, bis zu sechs Metern tief.
In dem „kühlen“ Wasser, angesichts der Lufttemperaturen empfindet
man auch 24 Grad Wassertemperatur als kühl, leben einige kleine Fische,
die wohl auch in den in die Cenote gestürzten Ästen und Blättern
reichlich Nahrung finden.
Das
Schnorcheln hier ist nicht wirklich spannend – aber erst vor kurzem
sind französische Taucher von hier aufgebrochen, um mehrere Kilometer
lang das Höhlensystem, für die Mayas das unterirdische Reich von
Regengott Chac, zu durchstreifen. Für uns ist allerdings nach dem kühlen
Bad lediglich die Rückfahrt nach Playa del Carmen angesagt.
Dienstag,
7. April 2009: Playa del Carmen, Tauchplätze Barracuda und Sabalos
Etwas
mehr als 15 Minuten mit dem Boot vom Hotel Richtung Tulum befindet sich,
vielleicht 200 oder 300 Meter vom Ufer entfernt, befindet sich der
Tauchplatz Barracuda. In 15 Metern Tiefe erstreckt sich das Riff
im sandigen Meeresboden wie ein langer, aber flacher Hügel
entlang der Küste. Das Riff ist bewachsen vor allem mit Fächerkorallen,
seltener sieht man auch Röhrenkorallen.
Die
auffälligsten Bewohner sind die Schnapper, die in riesigen Schwärmen
auftauchen – und schließlich sehen wir auch zwei Prachtexemplare der
Namensgeber, zwei große Barrakudas, die etwas abseits des Riffs im
Wasser fast still zu stehen scheinen. Verstreckt in einer Mulde, kaum zu
erkennen, hat es sich unterdessen ein Steinfisch gemütlich gemacht.
Will
man sich nicht die ganze Zeit einfach von der Strömung treiben und dann
weit entfernt vom Boot wieder auflesen lassen will, kostet dieser
Tuchplatz aber doch einiges an Kraft.
Sabalos,
das Ziel unseres Tauchganges vom Nachmittag, liegt gleich neben dem
Tauchplatz Barracuda, hat auch eine ähnliche Struktur ebenfalls in 15
Metern Tiefe. Die Strömung ist aber etwas schwächer – und das Riff
ist hier nicht nur en sanfter Hügel, sondern es gibt auch eine Riffwand
mit kleinen Höhlen. Auch hier tauchen wieder die Schnapper in riesigen
Schwärmen auf, auch ein vereinzelter Barrakuda kommt vorbei, aber dazu
sehen wir auch etliche Kaiser-, Drücker- und Kofferfische, von den
Kofferfischen auch zahlreiche noch ganz winzige. Unter einer Koralle hat
sich ein Steinfisch in den Boden gedrückt, und kurz vor dem Auftauchen
entdecken wir auch noch eine Muräne in einem Spalt in der Korallenwand.
Mittwoch,
8. April 2009: Playa del Carmen, Tauchplätze Jardines und Shark Point
Eine
große, grüne Muräne, versteckt in einer Mulde, vor der sich etliche
Schnapper tummeln – das ist fast noch die spektakulärste Begegnung am
Tauchplatz Jardines. 15 Bootsminuten vom Hotel in Richtung Cancun
entfernt liegt in zwölf Metern Tiefe das flache Riff, bewachsen vor
allem mit Fächerkorallen, eben, wie der Name schon sagt, ein
Unterwasser-Garten.
Nur
für das geübte Auge und aus nächster Nähe zu erkennen: Wenige
Millimeter messende schwarze Trommlerfische, dazu Kofferfische, die auch
noch nicht viel größer sind als diese Trommlerfische – Jardines,
eine Babystube der Fischwelt.
Was
für ein Unterschied zu Shark Point, unserem Tauchplatz am Nachmittag,
nicht weit von Jardines entfernt. Rund 23 Meter tief geht es auf den
sandigen Boden. Fische sieht man nur vereinzelt, und der erste Fisch,
der sich uns fast zielstrebig nähert, ist ein etwa halber Meter langer
Schiffshalter, geradezu neugierig, als wäre er auf der Suche nach einem
neuen Trägerfisch.
Die
2,5 bis drei Meter lagen gedungenen Bullenhaie, die dem Tauchplatz den
Namen gaben, nähern sich uns nicht im gleichen Maße, wahren Distanz,
bleiben in der Regel auf gut zehn Metern Entfernung, ziehen aber
ansonsten ziemlich ungerührt von unserem Erscheinen knapp über dem
Meeresboden ihre Bahnen. Manchmal sieht man die Haie paarweise, meist
aber einzeln. Insgesamt sind es aber bestimmt ein Dutzend Bullenhaie,
die hier, nicht viel weiter als 300 Meter vom Ufer entfernt, Quartier
bezogen haben, ein Quartier, dass sie lediglich mit einigen
Stachelrochen teilen.
Donnerstag,
9. April 2009: Playa del Carmen, Tauchplatz Barracuda
Sowohl
am Vor- wie auch am Nachmittag geht es wieder zum Tauchplatz Barracuda.
Dass man Barrakudas hier allerdings nur noch vereinzelt antrifft, liegt,
so höre ich von den Divemastern, an der intensiven Befischung des
Riffes. In den Tauchbasen hofft man, das es vielleicht im kommenden Jahr
unter Naturschutz gestellt wird. Doch noch darf hier auch unbegrenzt
weiter gefischt werden.
Diesmal
geht es die nicht sehr hohe Riffwand entlang. Zunächst statten wir
einer großen, gescheckten Muräne in ihrer Mulde einen Besuch ab, wenig
später begegne ich einer kleinen Artgenossin der großen Muräne auf
dem Weg zu ihrem Versteck. Dazu treffen wir auf prächtige Kaiserfische,
Kofferfischen und Drückern, immerhin auch einen Barrakuda – sowie natürlich
die Schwärme von Schnappern und Süßlippen, die vor den Höhleneingängen
patrouillieren.
Am
Nachmittag unternehmen wir den gleichen Tauchgang noch einmal, diesmal
aber bei schwerer See – und einer vom aufgewühlten Sand gestörten
Sicht. Diesmal treffen wir allerdings nicht nur auf vereinzelte
Kofferfische, sondern gleich einer ganzen Familie. Und schließlich
besuchen wir auch noch eine riesige grüne Muräne, die mit ihrem
gewaltigen Kopf aus ihrer Nische hervorlugt. Nach dem Maul zu urteilen
muss das Tier, das von einem Schwarm Schnappern und Süßlippen
umgeben ist, wohl an die zwei Meter Länge messen.
Freitag,
10. April 2009: Playa del Carmen
Auf
der Fifth Avenue von Playa del Carmen auf der Suche nach Mitbringseln:
Obwohl, oder vielleicht auch weil sich hier Andenkengeschäft an
Andenkengeschäft reiht, ist die Auswahl an Souvenirs vorsichtig
formuliert allenfalls als bescheiden zu bezeichnen – und die meisten
Artikel liegen unterhalb der Peinlichkeitsgrenze. Für dickbäuchige
Mexikanerfiguren mit Sombrero und Musikinstrument zum Beispiel sind die
Preise der Einfachheit halber gleich in US-$, und zwar aber zwei $, und
in Euro angegeben.
Es
gibt zwar auch eine ganze Reihe von Silberläden, die Schmuck im Stil
der mexikanischen Silberstadt Taxco anzubieten vorgeben – aber wieso
dazu auch die Nachbildungen von Elefanten gehören sollen, ist eine
andere Frage. Aber immerhin findet man, mit viel Suchen, auch Geschäfte
mit Mineralien und Schmuck mit Steinen oder auch karibischem Amber.
Samstag,
11. April 2009: Playa del Carmen – Flughafen Cancun
Die
Abholung vom Hotel ist mehr als pünktlich, und so sind wir auch überaus
rechtzeitig am Flughafen von Cancun. Doch das nutzt uns nichts, weil am
Abfertigungsschalter erst einmal die Computer nicht funktionieren.
Erfahrungen
im Duty-free-Bereich: Zigaretten beispielsweise sind teurer als in den
einheimischen Supermärkten, und das gilt auch für ziemlich alle
anderen Produkte.
Gegen
16 Uhr startet die Maschine – und kurz darauf werfen wir aus der Luft
einen Blick auf die Hochhäuser von Cancun.
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