Sonntag, 3.
März 1996: Berlin - Gander - Acapulco
Die Taesa-Maschine geht wirklich ziemlich
pünktlich, kurz nach sechs Uhr, von Schönefeld los. Allerdings hat sie,
was wir nicht wussten, noch einen Stop in Düsseldorf. Über eine Stunde
sitzen wir dort in der Maschine, angeblich, weil einige Passagiere sich
verspätet haben. Nun jedenfalls hat unser Flug eine halbe Stunde
Verspätung.
Die Verhältnisse an Bord sind beengt, der Service
nicht einmal mäßig. Insgesamt zwei magere Mahlzeiten werden auf dem alles
in allem zwölf Stunden langen Flug geboten, es gibt zwei Filme - aber die
Kopfhörer muss man für drei $ kaufen (was wir allerdings nicht
tun).
Im übrigen verläuft der Flug sehr turbulent,
ständig müssen wir uns anschnallen.
Gegen 15 Uhr MEZ, es ist 11.30 Uhr Ortszeit,
fliegen wir Gander in Neufundland an. Bein Anflug ist von Gander nicht
viel zu sehen: Kiefernwälder im Schnee, dazu Reihen gleichförmiger
Bungalows, die einer häßlichen übergroßen K1eingartensiedlung in
Deutschland ähneln.
Eine Stunde haben wir Zwischenaufenthalt auf dem
F1ughafen von Gander. Eine größere Halle, ein Caféstand, ein Duty-free-Shop, mehr hat Gander seinen Zwischen-Stop-Gästen nicht zu
bieten. Aber dafür gibt es einen Stempel in den Pass, der jedoch keinerlei
einreiserechtliche Bedeutung hat.
Rund eine Flugstunde vor Acapulco fliegen wir nun
tief genug, ist auch der Himmel so klar, dass wir etwas von der
mexikanischen Landschaft sehen. Wir überfliegen die Sierra Madre de Sud:
Kahle Berge und Schluchten, majestätisch in ihrer Nacktheit. Nur auf
wenigen Berggipfeln breiten sich kleine Wälder aus.
Um 17 Uhr Ortszeit, immerhin 24 Uhr MEZ, landen
wir endlich auf dem Flughafen von Acapulco. Der Unterschied zwischen der
unmittelbaren Umgebung Acapulcos und der Sierra Madre ist grandios. An der
Straße, die vom F1ughafen in die Stadt führt, wachsen Palmen, alles
grünt.
Eine Stunde dauert die Busfahrt bis zum Hotel Las
Harmacas, unmittelbar an der stark befahrenen und lauten Strandpromenade.
Von unserem Zimmer aus beobachten wir noch einen Karnevalsumzug -
geschmückte Wagen, Tänzerinnen und Tänzer - die Richtung Altstadt
ziehen.
Dann gehen wir etwas essen, lernen dabei Pedro
kennen, einen Restaurantbesitzer, der in Deutschland aufgewachsen
ist.
Montag, 4.
März 1996: Acapulco
Den Vormittag verbringen wir damit, Geld zu
tauschen und eine Batterie für Karins Kamera zu kaufen. Beides geht erst
nach mühsamer Suche.
Zunächst laufen wir die Strandpromenade in
Richtung Neustadt entlang: Hotels und Restaurants auf der einen, der weiße
Strand auf der anderen Seite. Im Wasser tummeln sich Pelikane, ohne jede
Scheu, unmittelbar neben den Schwimmern.
Einige Straßen landeinwärts ist vom mondänen
Hotelleben nur noch wenig zu spüren. Trotzdem: Geschäftig scheint es hier
überall zuzugehen.
Schließlich finden wir eine Bank, in der man sich
in einer langen Schlange anstellen muss. Und das dritte Fotogeschäft, in
dem wir nachfragen, hat endlich auch die passende Batterie für Karins
Kamera.
Die Besprechung mit dem ITS-Vertreter bringt
nichts Interessantes: Außer den unvermeidlichen Warnungen, dass es
angeblich unmöglich sei, mit dem Bus nach Oaxaca zu kommen und dass man bei
Dunkelheit nicht in die Altstadt soll, hat der Mann von ITS nichts zu
berichten.
Am Nachmittag brechen wir also auf zum Zocalo,
dem Hauptplatz in der Altstadt. An der Strandpromenade kommen wir am Hafen
vorbei, wo gerade ein Kreuzfahrtschiff angelegt hat. Unmittelbar gegenüber
vom Hafen stehen die Mauern des Forts Sant Diego, von dem aus die Kanonen
aufs Meer schauen. Trotzdem wirkt das Fort von der Strandpromenade aus wie
ein friedliches ummauertes Parkgelände.
Die Kathedrale verblüfft mich: Ein weißer
Kuppelbau, den man, wären da nicht die christlichen Kreuze, eher für eine
islamische Moschee halten würde.
Auf dem Hauptplatz sitzen Liebespärchen auf den
Bänken, die Palmen spenden überall genug Schatten. Auf dem Rückweg
erkunden wir erst einmal die Altstadt. Überall klingt Musik, doch die
Gassen wirken im Vergleich zur Strandpromenade schmuddelig. Viele dieser
Gassen sind nichts als Treppen, die zu den höher auf den Hängen stehenden
Häusern führen.
Am Abend sind wir wieder bei Pedro, essen
Fischsuppe und Teufelskrabben. Danach fahren wir mit Pedro, seiner
Freundin und seiner Kellnerin - also mit dem Fahrer zu sechst - in einer
Käfertaxe in die Bar von Hans Schmidt.
Auf dem Weg dahin machen wir aber noch einen Stop
zwischen Acapulco und Puerto Marques, genießen die Aussicht auf die Bucht
bei Nacht.
Hans Schmidt ist ein gut 60-jähriger Maler aus
Berlin-Schöneberg. Seit 23 Jahren lebt er hier nun schon zwischen Acapulco
und Puerto Marques, hat seine Bar mit Collagen - Autobildern aus allerlei
Krimskrams - geschmückt und wartet darauf, auch vom Fernsehen entdeckt zu
werden.
Dienstag, 5.
März 1996: Acapulco
Mit der "Dinka", einem Glasboot auch für
Unterwasserbeobachtungen, stechen wir gegen 11 Uhr zur Lagunenrundfahrt in
See. Nicht nur die Pelikane zeigen hier keinerlei Scheu. Die Möwen
begleiten uns, fressen sogar aus der Hand. Kurz vor der Hafenausfahrt
entdecken wir einen Delphin, der durch das Wasser springt.
Am "Elefantenfelsen" wartet ein Todesspringer auf
das Touristenschiff. Der Mann steht auf der gut über 20 Meter hohen
Klippe, hebt seine Arme wie zum Gebet, konzentriert sich und springt dann
ins Meer. Während der Springer noch unter Wasser ist, erklimmt bereits ein
Kollege von ihm den Felsen, bereit zum nächsten Sprung beim nächsten
Schiff.
Unser Ziel ist die Isla de la
Roqueta.
Unmittelbar vor dem vorgelagerten Felsen steht eine Madonnenfigur, die
Jungfrau von Guadeloupe, im Wasser. Allerdings hat unser Bootsführer sein
Problem damit, das Schiff so ruhig zu halten, dass wir durch das Glas
hindurch die Unterwasserfigur auch fotografieren können.
Auf der Insel gibt es ein Restaurant, Strand mit
allem, was zum Badeurlaub dazugehört und auch einen Zoo, der aber gerade
geschlossen hat. Dafür beobachten wir aber die Seeadler, die hier ihre
Kreise ziehen.
Gegen 15 Uhr holt uns die "Dinka" wieder ab, kurz
vor 16 Uhr sind wir wieder im Hafen von Acapulco. 30 Pesos pro Person,
also rund sieben Mark, hat die Tour gekostet.
Mit dem Taxi fahren wir zum zentralen Busbahnhof,
lösen dort für je 74 Pesos zwei Tickets für Mittwoch, 7.45 Uhr, nach
Salina de Cruz. Wie lange die Fahrt dauert, ist allerdings nicht zu
erfahren: Auf Englisch bekommt man hier keine Auskunft.
Unsere nächste Station ist der Zentralmarkt.
Auffällig sind vor allem die Floristen mit ihren gigantischen Gestecken,
manche ganz in weiß, andere in voller Farbenpracht. Auch die Keramiktöpfe
ins Mannesgröße springen ins Auge. Einige enge Ladenstraßen sind ganz den
Gewürzen gewidmet. Aus Eimern wird schwarze Bohnenpaste verkauft. Früchte
sehen wir allerdings weniger. Dafür ist es wahrscheinlich schon zu
spät.
Gegen 17 Uhr sind wir wieder im Hotel. Ich will
noch Geld tauschen, ab die Banken haben schon geschlossen. Ein
Andenkenladen in der Altstadt tauscht mir dann doch noch einen
100-$-Traveller-Scheck.
Mittwoch, 6.
März 1996: Acapulco - Oaxaca
Kurz vor acht Uhr morgens verlassen wir den
Busbahnhof von Acapulco, doch jetzt in der Rushhour benötigt der Bus über
eine Stunde, die Stadt zu verlassen.
Je weiter wir vom Stadtkern wegkommen, desto
ärmlicher erscheint Acapulco. An seinem Stadtrand franst es aus zu einer
Ansammlung einfacher Hütten, die ohne erkennbare Struktur in die Berghänge
gebaut sind.
Die Umgebung ist Buschlandschaft. Die Kakteen
erreichen teilweise eine Höhe von drei bis vier Metern, das Land wirkt
vertrocknet.
Die Hütten in den Dörfern sind aus Lehmziegeln,
manchmal aber auch nur aus Holz. Aber so arm die Dörfer auch erscheinen:
In fast jedem Dorf sehen wir eine weiße saubere Kirche und einen
prächtigen Friedhof, auf dem die weißen Denkmäler wie kleine geschmückte
Häuser errichtet sind.
An der Grenze zwischen Guerrero und Oaxaca ist
Militär stationiert Die Männer müssen alle den Bus verlassen, werden nach
Waffen durchsucht, die Frauen müssen im Bus die Gepäckkontrollen über sich
ergehen lassen.
Hinter der Militärkontrolle gibt es einen
weiteren unvorhergesehenen Stop: Demonstranten, offensichtlich
Landarbeiter und Sympathisanten des Neuen Zapatistischen Volksheeres,
haben mit einem quer gestellten Kleinbus die Straße gesperrt. Erst nach 20
Minuten löst sich die Landarbeiterdemonstration friedlich auf, können wir
weiterfahren.
Wir haben zwar bis Salina de Cruz gebucht,
steigen aber bereits in Puchatla aus. Von hier gibt es eine direkte Straße
nach Oaxaca.
Unser neuer Bus scheint seine letzten Schnaufer
zu machen. Die Windschutzscheibe ist angebrochen, der Motor dröhnt, und
der Fahrer nimmt die Kurven trotz der erkennbaren technischen Mängel mit
atemberaubender Geschwindigkeit.
Unfälle werden hier nicht so tragisch genommen:
Ein entgegenkommender Bus ist an den Berghang gekracht - kein
Personenschaden, aber der Bus fährt nicht mehr. Eher amüsiert lässt sich
der Fahrer des Unglücksbusses nun von seinem Kollegen ins nächste Dorf
bringen, während seine Passagiere auf der Straße stehen und
abwarten.
Die Gegend, durch die wir nun kommen, ist bergig
und von subtropischer Vegetation bedeckt. Die Dörfer liegen versteckt in
den Tälern.
Nach 23 Uhr erreichen wir Oaxaca - und finden im
dritten Hotel für 120 Pesos ein Zimmer.
Donnerstag, 7.
März 1996: 0axaca - Zaachila - Atzompa- Tule - Teotitlan -
Oaxaca
Wir frühstücken in einem Straßencafé mit Blick
auf die Kathedrale. Auf dem Zocalo, umgeben von Kolonialbauten, findet
gerade eine Demonstration statt.
Mit einem deutschen Pärchen, Matthias und
Christiane, teilen wir uns das Taxi zum Indianermarkt in Zaachila. 30
Pesos kostet die rund 10 Kilometer lange Strecke. Teilweise über sandige
Pisten verlassen wir Oaxacas Vorstädte, passieren die Mauern
der Klosterruine von Culipan im Süden Oaxacas und erreichen schließlich
den Marktplatz, der zu Füßen einer aus rosa Stein gebauten Kathedrale
liegt.
Reisende haben sich nur wenige hierher verirrt.
Der Markt ist tatsächlich ein Markt der Einheimischen: Indiofrauen bringen
ihre Radieschen, Gewürze, Backwaren und Fleisch hierher, decken sich mit
Plastikgeschirr und anderen Haushaltswaren ein.
Auf dem Vorplatz der Kirche haben Teppich- und
Webwarenhändler ihre bunten Artikel ausgehängt. Daneben gibt es einen
eigenen Platz für die Holzarbeiten.
Der Indiomarkt findet genau auf dem Boden der
letzten Hauptstadt des Zapotekenreiches statt. Eine freigelegte Pyramide
befindet sich unmittelbar hinter der Kirche. Die beiden Grabkammern sind
für den Laien nur unscheinbar - aber dafür bietet der erhöhte
Pyramidenplatz einen fantastischen Blick über das ganze Tal.
In Zaachila engagieren wir für 200 Pesos einen
Taxifahrer für eine Rundfahrt durch Oaxacas indianische Umgebung
Unsere nächste Station ist nun
Atzompa, ein Dorf,
das für seine Töpferwaren und Keramiken bekannt ist. Wir besuchen eine
"Fabrik", genauer gesagt, einen Verkaufsladen mit einer eigenen Werkstatt
und einem aus aufgehäuften Steinen bestehenden Brennofen. Die Rohware wird
einfach ins Feuer gelegt und hart gebrannt. Allerdings: Die meisten Stücke
weisen kleine Fehler auf, die Glasur bröckelt ab.
In Tule bewundern wir eine 2000 Jahre alte
Zypresse, die im Laufe der Zeit einen Durchmesser von 42 Metern erreicht
hat. Der gigantische Baum wirkt für sein hohes Alter noch erstaunlich
frisch.
Teotitlan gilt als die Heimat des Poncho. Der
idyllische Markt ist ganz den Webwaren - und den Touristen - gewidmet.
Touristenbusse lassen sich an diesem Tag allerdings nicht viele blicken.
Dabei hat der ansonsten verschlafene Ort durchaus seinen romantischen
Reiz: An den Marktplatz mit Museum und Bibliothek schließt sich der vor
der Kirche gelegene erhöhte Zocalo an.
Nach 18 Uhr sind wir wieder in Oaxaca, verbringen
den Abend bei lateinamerikanischer Life-Musik in einem Lokal. Draußen
zieht wieder ein Demonstrationszug, diesmal von Indios, über den
Platz.
Der Zocalo bleibt auch nachts belebt: Doch unter
den Kolonnaden legen sich die Armen zum Schlafen.
Freitag, 8.
März 1996: Oaxaca - Monte Alban - Oaxaca
Frühstück auf dem Zocalo: Wieder wird
demonstriert, und wieder sind da die Bettler, die die Gäste der
Straßencafés um mildtätige Gaben angehen.
Kurz nach 10 Uhr sind wir am Hotel Meson del
Angel, kaufen zwei Tickets zu jeweils 10 Pesos für die Tour nach Monte
Alban.
Der "Touristenbus" - von den anderen Bussen
unterscheidet er sich nur dadurch, dass hier lediglich Touristen mitfahren
- verlässt Oaxaca Richtung Berge, passiert die Vorstädte der Armen, in die
Hänge gebaute Lehm- und Wellblechhütten und erreicht nach nicht
einmal 30 Minuten Monte Alban.
Eintrittspreis in die archäologische Anlage: 14
Pesos.
Die alte Hauptstadt der Zapoteken wirkt noch
immer überwältigend. Das Museum unmittelbar am Eingang zeigt die wohl
bedeutendsten Stelen Monte Albans mit den Reliefs unbekannter Götter.
Danach geht es in die eigentliche Stadt. Zunächst passiert der Besucher
eine Art "Theater", allerdings viereckig mit zwei Längsseiten, auf deren
Steinstufen die Zuschauer sitzen konnten. Dahinter kommt dann der riesige
Platz, um den herum die einzelnen Pyramiden stehen. In der Mitte dieses
Platzes erhebt sich ein weiteres Bauwerk, in die Länge gezogen wie ein
Schlachtschiff.
Von den Spitzen der Pyramiden blicken wir über
das ganze Tal von Oaxaca.
Gegen 14 Uhr sind wir wieder in der Stadt,
schlendern zunächst durch die Markthallen in der Umgehung des Zocalo. Aber
auch auf den schmalen Bürgersteigen wird gehandelt. Meist sind es
Indiofrauen, die auf der Straße ihre Waren ausbreiten, geduldig auf Käufer
warten und dabei ihre Säuglinge stillen.
Gefeilscht wird auch um die kleinsten Artikel.
Den Preis eines Lederportemonnaies drücke ich von 25 auf 22 Pesos, für
Karins Schuhe zahlen wir statt 30 dann doch nur 25 Pesos.
Oaxaca wurde als Stadt zum "Kulturerbe der
Menschheit" erklärt - und bereits allein wegen des Zocalo, über den die
Kirchturmuhr ständig fünf Minuten nach acht Uhr anzeigt, hätte Oaxaca
diesen Titel verdient.
Doch auch die Straßen um den Zocalo herum
strahlen die Vergangenheit aus: Von der spanischen Kolonialzeit wie die
Kirche Santo Domingo mit ihrem prachtvollen Deckenrelief und dem
vergoldeten Hochaltar bis zur Aufbruchstimmung der Jahrhundertwende, wovon
die antiken Straßenlaternen zeugen.
Die überall sichtbare Armut, bettelnde Frauen mit
Kindern, zerlumpte Männer, will scheinbar gar nicht dazu passen. Während
ich noch die Kirche von Santo Domingo filme, zieht wieder eine
Indio-Demonstration vorüber.
Samstag, 9. März 1996: Oaxaca - Tule - Mitla
- Teotitlan - Oaxaca
Auf dem Zocalo demonstrieren wieder die Indios -
Sympathisanten des Zapatistischen Befreiungsheeres: Indiofrauen in ihren
roten Trachten, daneben die Männer mit Gesichtsmasken, auf denen das
Symbol der Zapatisten gedruckt ist.
Der Sonntagsmarkt liegt am Stadtrand, beginnt am
Busbahnhof, erstreckt sich dann über etliche Straßenzüge. Den Auftakt
macht - für den Besucher, der von der Stadt kommt - der Viehmarkt: Ziegen,
weiße und gescheckte Ferkel, alle an einem Fuß angebunden, auch einige
Hühner.
Die Indiofrauen haben meist keine Stände, breiten
statt dessen ihre Waren auf dem Boden aus - und trotzdem macht der Markt
nicht nur einen bunten, sondern auch einen sauberen Eindruck.
Eine Ein-Kilo-Melone kostet umgerechnet 50
Pfennige, für ein gutes Kilo Bananen zahlen wir 75 Pfennige - drei Pesos.
Doch mit dem Handeln ist das so eine Sache. Auf dem Areal der Töpfer
kaufen wir zwei kleine bemalte Tonschalen. Zwei Pesos, also nicht einmal
50 Pfennige, will die alte Händlerin für ein Schälchen. Ich versuche, den
Preis für zwei Schalen auf zusammen drei Pesos zu drücken, aber die Alte
lässt nicht mit sich reden.
Mittags wieder auf dem Zocalo: Diesmal sammeln
Angehörige eines Frauenkomitees zur Verteidigung der Politischen und
Sozialen Rechte Spenden bei den Caféhaus-Gästen: Ich gebe einen
Peso.
Kurz nach 15 Uhr starten wir mit dem Touristenbus
zu den Ausgrabungsstätten von Mitla.
Zunächst passieren wie wieder Tule. An einem der
Stände kaufen wir für 20 Pesos eine Flasche Mescal, den echten mit dem
Kaktuswurm. Es fällt auf: Der ganze Ort scheint von der 2000 Jahre alten
Zypresse zu leben - Restaurants, Andenkenläden, alles ist auf ausländische
Besucher ausgerichtet.
Auf der Weiterfahrt nach Mitla - die Straße
gehört hier zur Panamericana, wie uns der örtliche Reiseführer aufklärt -
kommen wir an den Ruinen von Yogul vorbei und passieren eine einzigartige
Kakteenlandschaft: Manche Kakteen, jeweils nur ein starker bis zu zwei
Meter hoher Stamm, stehen so dicht an dicht, dass sie hier die Zäune
ersetzen.
Mitla selbst ist ein Ort, der genau zwischen den
Ruinen der alten Zapotekenstadt errichtet ist. Am Eingang zur Ruinenstadt
erhebt sich die katholische Kirche, errichtet teilweise aus den Steinen
der Zapotekenstadt.
Doch trotzdem sind die Tempel, ihre Ornamente und
teilweise sogar die rote Originalfarbe noch gut erhalten. Drei Faktoren
haben den indianischen Denkmälern unwiderruflichen Schaden zugefügt, sagt
unser Führer: Die Zeit, die Spanischen Eroberer und die Raubarchäologen
des 19. Jahrhunderts.
Zum Schluss unternehmen wir noch einen Abstecher
noch Teotitlan: Wir besuchen ein Wohnhaus, das gleichzeitig eine
Weberwerkstatt ist, und lassen uns die Herkunft der Farbe für die
Webarbeiten erklären: Sie kommt von den Kaktusläusen.
Sonntag, 10.
März 1996: Oaxaca - Puerto Escondido - Acapulco
Der Bus verlässt Oaxaca kurz nach zehn Uhr, fährt
zunächst durch romantisch verschlafene Landstädte.
Doch so klein diese Städte auch jeweils sein
mögen: Prächtige Kirchen haben sie alle. Aber die meisten Häuser sind
schmucklos, einstöckig - und die Läden der Geschäfte sind
verrammelt.
Allmählich geht es in die Berge. Von den Anhöhen
aus genießen wir den Blick über die Täler, scheinbar endlose Weite, rote
Erde, aber kaum bebaute Felder.
Irgendwo auf der Strecke verwandelt sich der Bus
in einen Holztransporter. Einer der Passagiere stapelt den ganzen
Gepäckraum mit Brettern und Stühlen voll. Weil nicht alles in den
Gepäckraum passt, vertäut er einen Teil seiner Stühle nun auf den
Bus-Sitzen. Eine nicht ganz ungefährliche Angelegenheit für die anderen
Reisenden! Bei der Fahrweise unseres Busfahrers können diese
Konstruktionen leicht ins Rutschen geraten. Doch tatsächlich scheint der
Fahrer nun etwas vorsichtiger in die Kurven zu gehen.
Je höher wir kommen, desto bewaldeter ist die
Gegend. Doch die Kiefern sind an vielen Hängen bereits abgeholzt - und von
Wiederaufforstung ist nichts zu erkennen. Trotzdem haben die verbliebenen
Waldflächen etwas dschungelhaftes an sich.
Auf der Straße liegt leblos ein Mann. Wir halten
an, der Beifahrer stellt fest, dass der Leblose nur betrunken ist - und
bugsiert ihn ziemlich unsanft in den Straßengraben. So kann der Hilflose
zumindest nicht überfahren werden.
Etwa gegen 19 Uhr - die Sonne versinkt gerade rot
im Meer -erreichen wir Puerto Escondido. Das Städtchen bereitet sich auf
den Fremdenverkehr vor, erlebt offensichtlich gerade seine letzte Phase
des Traveller-Tourismus: Einfache Hütten, als Restaurants gekennzeichnet,
stehen neben kleinen Hotels, die zumindest von außen betrachtet
bescheidenen Komfort versprechen.
Leider nur von weitem hatten wir bei der Fahrt
hierher einen endlos weiten Strand gesehen. Nun können wir bei Dunkelheit
zumindest einen Blick auf die malerische Bucht werfen.
Am Busbahnhof warnt uns ein Einheimischer vor der
gefährlichen Nachtfahrt nach Acapulco. Dabei ist unser jetziger Bus
luxuriöser als die vorangegangenen Fahrzeuge, verfügt sogar über Toiletten
und ein Videoprogramm. Nur einmal halten wir auf einem abgesperrten
Busbahnhof - und sind schließlich gegen vier Uhr morgens wieder in
Acapulco.
Montag, 11.
März 1996: Acapulco
Der Strand von Acapulco ist zwar sicher ein
Touristenstrand - aber die einheimischen Strandfischer lassen sich davon ebenso wenig
beeindrucken wie die Pelikane. Rund 20 Mann, darunter
allerdings auch einige Frauen, ziehen das von den Kuttern ausgelegte Netz
zurück an den Strand, während die Pelikane dabei versuchen, ebenfalls ihre
Beute zu machen.
Selten mehr als ein Waschkorb voller Fische ist
das Ergebnis dieser Gemeinschaftsarbeit: Vor allem sind es Sardinen und
Schwertfische, während ein bunter Kugelfisch zurück ins Wasser geworfen
wird.
Später am Abend sehen wir die Fischer wieder: Nun
wird der Fang an der Bushaltestelle verkauft.
Gegen neun Uhr abends fahren wir mit dem Taxi zu
den Klippenspringern von Quebrada, verfolgen die Nervenkitzelshow von der
Bar des Hotel Mirador.
Mit Fackeln kommen die Springer aus ihren
Kabinen, laufen die Treppen zu einem kleinen Felsen hinüber, wo sich
ebenfalls Zuschauer postiert haben. Dann springen die Männer 20 Meter tief
in das angestrahlte klare blaue Wasser - und klettern schließlich den
eigentlichen Sprungfelsen hoch.
Oben auf diesem Felsen steht eine gelb
angestrahlte Marienstatue. Die Springer beten, klettern dann einige Meter
hinunter auf einen Vorsprung in der Klippe - und springen dann aus knapp
40 Meter Höhe in die Brandung.
In der Normalausführung ist das ein "einfacher"
Kopfsprung, doch a1s Steigerung springen dann zwei Männer gleichzeitig,
absolvieren im Sprung jeweils einen doppelten Salto.
Zum Höhepunkt der Show wird nun das Flutlicht
ausgeschaltet. Auf der gegenüberliegenden Klippe leuchten nur noch einige
Fackeln auf. Dann springt der Mann, der die ganze Zeit gewartet hat,
unmittelbar von der Spitze des Felsens ins Meer.
So beeindruckend das alles ist: Was das Mirador
veranstaltet, ist reiner Nepp von Touristen. 70 Pesos kostet der Eintritt
pro Person - und angelockt wurden wir von einem Schlepper, der uns gleich
vom Taxi weg den "Weg" zu den Klippenspringern wies. Genau so gut hätten wir
die Springer auch von der Plattform des gegenüberliegenden Felsens
beobachten können, wo der Eintritt nur zehn Pesos pro Person
beträgt.
Aber immerhin waren wir jetzt in dem Hotel, in
dem bereits Gina Lollobridiga abstieg und sich, wie andere Prominente
auch, mit Autogramm an der Wand der Hotelbar verewigte.
Dienstag, l2.
März l996: Acapulco
Caleta ist der Strand, der von den Einheimischen
bevorzugt wird: Nicht sehr groß, aber mit einem Hafen für die
Kristallboote und dem "Marinecenter" für die Meeresbewohner unmittelbar
daneben.
15 Pesos kostet die Überfahrt, einschließlich
Rückfahrtticket, vom Playa Caleta zur Roqueta. Im Hafen von Caleta tummeln
sich die farbenprächtigsten Fische unter dem Glas unseres Bootes - was
eigentlich auf eine interessante Überfahrt und spannende Schnorchelgänge
hoffen lässt.
Diese Erwartung wird allerdings nicht erfüllt.
Vor dem Sandstrand der Roqueta liegen ein Autoreifen und einige
Plastikflaschen auf dem Meeresboden, aber sonst ist zunächst nichts zu
sehen. Erst an den Felsen, die den Strand im Westen begrenzen, ändert sich
das etwas. Ich entdecke heim Schnorcheln gelb gestreifte, große blaue
Fische, dazu einige kleinere Schwertfische, wie sie die Fischer am Strand
vor dem Las Harmacas aus dem Meer geholt haben. Auch ein kleiner Rochen
ist zu sehen, wie er eilig über den Meeresboden huscht.
Trotzdem bleibt festzuhalten: Ein
Schnorchelparadies, wie es in manchen Reiseführern von Acapulco
beschrieben wird, ist die Roqueta nicht.
Vielleicht wäre das bei den weiter vorgelagerten
Felsen, da, wo die Meeresstatue unter Wasser steht, etwas anders, aber zum
Schwimmen bzw. zum Schnorcheln ist der Weg zu weit, und wegen der
Motorcrossboote, die hier überall herumdüsen, auch zu
gefährlich.
Am Abend sind wir wieder in Pedros Restaurant -
und handeln uns mit einer scharfen Fischsuppe, ebenso scharf gebackenen
Krabben mit Reis und einem einheimischen Mixgetränk aus Bier, Zitrone,
Salz und Eis, Michelada genannt, einen kräftigen Durchfall
ein.
Die Korruption, so erzählt Pedro, nachdem ein
Vertreter des Ordnungsamtes kurz hereingeschaut hat, sei die Basis der
mexikanischen Gesellschaft: Früher habe er elektronisches Spielzeug ins
Land geschmuggelt, dabei auch einige Zöllner und Richter ernährt - und
nun, wo alles legal sei, wäre das Geschäft kaputt. Den Vertreter des
Ordnungsamtes kennt er wohl, seit der ihm einmal eine Kneipe geschlossen
habe. Warum das damals passiert sei, wäre Pedro bis heute nicht klar
geworden.
Aber jedenfalls, so sagt Pedro, wären der Mann
vom Ordnungsamt und er seitdem die besten Freunde.
Mittwoch, 13.
März l996: Coyuca
Auf der Hauptstraße, also der Uferpromenade,
findet eine Demonstration statt - deren Folgen wir spüren, als wir mit dem
Taxi zur Bushaltestelle wollen. Das übliche Verkehrschaos von Acapulco
bricht nun vollends zusammen.
Schließlich erreichen wir doch noch den Bus und
verlassen Acapulco auf der Küstenstraße Richtung Norden.
Zunächst liegt linkerhand von uns die felsige
Steilküste voller malerischer Buchten, später dann beginnt das Farmland.
Die Dörfer sind ärmlich. Manche Hütten bestehen nur aus einfachen
Palmwedeln.
Doch der Boden scheint fruchtbar. Wir kommen an
Palmenhainen und saftig grünen Viehweiden vorbei.
Nach einer knappen Stunde sind wir in
Coyuca. Für
15 Pesos nehmen wir ein Taxi zur Lagune. Der Weg dahin führt durch Haine
von Kokosnusspalmen. Im Schatten dieser Palmen wachsen Bananenstauden,
daneben Mangos, Avocados - fast alles, was das Land Mexikos
hergibt.
120 Pesos zahlen wir für die Bootstour durch die
fast völlig naturbelassene Lagune von Coyuca. Fischreiher und "Taucher"
gehen in dem brackigen lauwarmen Wasser auf ihre Beutezüge; die Algen
wachsen so hoch, dass sie an vielen Stellen die Höhe des Wasserspiegels
erreichen. Von der Uferzone aus ranken sich die Wasserpflanzen - Seerosen,
Schilf, Seegras - in das Gewässer, bieten den zahlreichen Vögeln sichere
Nistplätze.
Das Ufer selbst ist palmenumsäumt. Unter manchen
Palmen ruhen Kühe, unter anderen haben es sich Pferde bequem gemacht. Eine
Frau hat sich eine offene Hütte im Wasser als ihren Platz zum
Wäschewaschen ausgesucht.
An dieser Stelle passiert unserem Boot ein
Missgeschick: Das Boot verfängt sich in einem Schleppnetz und muss nun in
mühevoller Kleinarbeit befreit werden, ohne dass dabei das Netz beschädigt
wird.
Ein weißer endlos wirkender Sandstrand begrenzt
die Lagune zum Meer hin: Nur einige Hütten, umfunktioniert zu Restaurants,
stehen hier. Ansonsten ist dieser Strand, nur 22 Kilometer von Acapulco
entfernt, noch völlig unberührt.
Allerdings ist der Eintritt in dieses Paradies
für mexikanische Verhältnisse teuer: Für drei Cafés zahlen wir stolze 25
Pesos.
Coyuca selbst ist eine Kleinstadt, die, denkt man
sich die Autos weg, gut die Kulisse für einen Italo-Western abgeben
könnte. Typisch mexikanisch: Einstöckige Häuser, zusammengebaut zu
endlosen Reihen, darüber hinausragende, auf Säulen ruhende Dächer. So
werden die Terrassen der Häuser zu langen Kolonadengängen.
Warum die großen Hotelgesellschaften noch nicht
nach Coyuca gegriffen haben, erklärte Pedro so: Die Bauern verteidigen ihr
Land - und zwar auch mit dem Gewehr.
Donnerstag,
l4. März 1996: Taxco
Gegen sieben Uhr verlassen wir Acapulco, nehmen
die Autobahn Richtung Mexico-City.
Wir fahren durch die Berge der Sierra Madre -
einer dieser Berge sieht aus wie das Gesicht eines liegenden Mannes mit
spitzer Nase - , durch eine Landschaft der Kakteen, die hier die Größe
ausgewachsener Bäume erreichen und ebenso wie in einem Wald dicht an dicht
stehen.
Wir kommen über zwei Flüsse, passieren
Chilipancingo, die Hauptstadt des Bundesstaates Guerrero, das von weitem
wie eine gesichtslose Neubausiedlung aussieht und erreichen gegen 11.30
Uhr Taxco.
In seinen Vororten unterscheidet sich Taxco
zunächst kaum von den mexikanischen Städten, die wir bisher kennen
gelernt
haben: Eine Ansammlung einfacher Häuser, hier allerdings keine wie die
sonst vorherrschenden ärmlichen Hütten, die sich dann allmählich zur Stadt
verdichten.
Unser Bus hält vor einem Silbergeschäft. Auf zwei
Dutzend Tischen ausgebreitet liegt die Ware, aufgeteilt nach Armbändern,
Ohrringen, Tierfiguren, Stiere, aber auch Elefanten sind darunter, Teller,
schließlich sogar komplette Schachspiele aus Silber. Allerdings: Größere
Stücke, versehen mit dem Taxco-Stempel als Beweis für ihre Echtheit, sind
auch hier nicht unter 1000 Pesos zu haben.
Von dem Silbergeschäft aus wandern wir in die
Innenstadt. Taxco gilt zwar als Silberstadt, aber eben so gut könnte sie als
Inbegriff der engen Gassen und Treppen gelten. Die Steine der
Straßen sind glatt, und der unkundige Besucher muss aufpassen, dass er nicht
ausrutscht.
In manchen Gassen stehen die gegenüberliegenden
Häuser so eng aneinander, dass man mit ausgestreckten Armen beide
gleichzeitig berühren kann.
Trotzdem: Wo immer sich ein Auto hindurchzwängen
kann, verkehren auch Autos - und die Gassen unterhalb des Hügels, auf dem
sich Zocalo und Kathedra1e befinden, sind vollgestopft mit den Ständen der
Markthändler, die Früchte, Gemüse und Textilien anbieten. Wie mögen bloß
all diese Warenmengen am Morgen ange1iefert worden sein, wo hier doch nun
wirklich kein Fahrzeug mehr durchkommen kann?!
Das Wachstum und der Niedergang Taxcos im Laufe
der Jahrhunderte spiegelt sich in den Gassen wieder. Häuser, noch aus
Feldsteinen errichtet, mächtig und unverputzt, stehen neben den weiß
verputzten Gebäuden späterer Zeiten, verziert mit blumengeschmückten Balkonen. Neben dem Zocalo erhebt sich Taxcos Kathedrale, die schon von
weitem das ganze Stadtbild überragt.
Auch wenn die Kathedrale ein Abbild des einstigen
Reichtums dieser Silberstadt ist: Auch vor ihren Toren sitzen alternde
Bettlerinnen, während Kinder versuchen, sich durch den Verkauf von
Kaugummi ein paar Centavos zu verdienen.
In der Kathedrale herrscht dagegen ungehemmte
Prachtentfaltung: Ein goldener Altar im Barockstil, und an den Wänden der
Nebenräume hängen die Porträts der einstigen Prälaten und Bischöfe der
Stadt.
Gegen 16 Uhr machen wir uns wieder auf den
Rückweg nach Acapulco.
Freitag, 15.
März 1996: Acapulco
Die Fischer am Playa Dominguillo legen sich
wieder mächtig ins Zeug. Die Seile ihres Netzes sind mit Schulterriemen
ausgestattet, und die Männer werfen sich nach vorne, um den Fang
einzuholen. Das Netz erweist sich wieder einmal als schwerer als die
Beute.
Am frühen Nachmittag fahren wir zur Marineshow an
der Caleta. Die "Magic Marina" ist ein roter, einem Leuchtturm
nachempfundener Bau. Die Anlage beherbergt einen Swimmingpool für die
Gäste, ein Becken für die Show, dazu ein Aquarium und ein
Restaurant.
Am Eingang steht zunächst ein Vogelkäfig mit
einem großen roten Papagei, dazu einem Vogel, der wie ein Nashornvogel
aussieht. Daneben befindet sich das Bassin für die Schildkröten. In einem
anderen Bassin sind Schildkröten und Krokodile zusammen untergebracht, was
die Schi1dkröten allerdings nicht zu beunruhigen scheint. Außerdem gibt es
in dem Aquarium Phiranhas, Goldfische, ein Bassin für Seepferdchen sowie
eines für ein größeres Krokodil. Auch ein Hai ist zu sehen, der sich
ebenfalls sein Bassin mit unterarmgroßen Fischen teilt. Von der Größe her
wären sie eigentlich seine ideale Beute, aber der Hai lässt seine
Mitbewohner merkwürdigerweise in Ruhe.
Gegen 15 Uhr beginnt die Show mit den Seelöwen.
Die Tiere balancieren mit Bällen, tauchen nach Ringen, lassen sich zum
Schluss mit den Zuschauern fotografieren. Das Fell der Seelöwen, die gerade
aus dem Wasser kommen, fasst sich samt und trocken an.
Auch nach zwei Wochen Mexiko mache ich noch eine
überraschende Einsicht in das tatsächliche Preisgefüge des Landes. Ich
gehe zum Friseur, frage anschließend nach dem Preis, der Friseur will zwei
Dollars, ich gebe zehn Pesos - und bekomme sechs Pesos zurück. Für ein
Bündel Radieschen zahlen wir, was mir ebenfalls der reelle Preis zu sein
scheint, zwei Pesos.
Doch für fünf Schrippen sollen wir sechs Pesos
zahlen. Ich meine, dass das wohl der Preis für Gringos wäre, und die
Verkäuferin stimmt mir freundlich lächelnd zu, bleibt aber bei ihrer
Forderung. Aber immerhin gelingt uns noch ein echter Handel.
175 Pesos will der Verkäufer aus dem
"Kunsthandwerkladen" für einen Ledergürtel. Wir gehen darauf partout nicht
ein, wollen bereits weitergehen - und bekommen sch1ießlich drei Gürtel für
200 Pesos. Aber auch dabei dürfte der Händler einen guten Schnitt gemacht
haben.
16. März 1996: Acapulco -
Gander - Berlin
Kurz nach sechs Uhr werden wir vom Hotel
abgeholt, sind gegen sieben Uhr am Flughafen.
Eine Erfahrung aus dem Duty-free-Shop von Acapulco: Erst bildet sich eine Schlange vor dem Stand, wo man die
ausgesuchte Ware abgeben muss, dann heißt es, sich in die nächste Schlange
zum Bezahlen einreihen - und dann muss man die nun bezahlte Ware wieder
abholen. Das alles dauert so lange, dass die Taesa-Maschine wieder warten
muss.
Doch das schadet der Taesa nicht. Die Sitze sind
eng, wir sind in der letzten Reihe, können nicht einmal den Sitz
zurückklappen. Der Kopfhörer-Anschluss funktioniert auch nicht, aber das
Filmprogramm ist ohnehin miserabel: Gegen Mitternacht läuft ,,Lassie".
Auch die technische Qualität des Videoprogramms
ist katastrophal. Nachdem die Stewards die Klappe zur Videotechnik-Kammer
mit einem Drahtbügel geöffnet haben, hantieren sie ständig an den Geräten
herum.
Vielleicht ist das alles ein Indiz für den
Standard der Taesa-Maschinen im allgemeinen: Beim Zwischenstop in Gander
fällt mir eine lange dünne Linie am Höhenruder auf - eine Schweißnaht? Um
21.30 Uhr Acapulco-Zeit, 4.30 Uhr morgens MEZ, hat mit der Landung in
Schönefeld der quälende Flug endlich sein Ende gefunden.
Zum Schluss zwei Rezepte, die uns Pedro mit auf
den Weg gegeben hat:
Teufelskrabben
Rohe Krabben werden von Kopf bis Schwanz in zwei
Hälften geschnitten, dann mit Zitrone und Pfeffer einziehen lassen,
anschließend in eine Pfanne mit Öl geben. Auf die gerösteten Krabben kommt
zum Schluss gemahlenes Chili Huajillo oder Chili de Arbol - fertig zum
Servieren.
Mexikanische
Knoblauchsuppe
Zwei geschälte Knoblauchzehen werden in kleine Stücke gehackt
und in Butter gebräunt. Der Rest der Knoblauchknolle wird im Mixer mit
Wasser zu Brei gemahlen. Beides wird dann in einer Hühner- oder
Fleischbrühe zusammen mit Wasser gekocht. Vor dem Servieren kommt noch
Eidotter das Gericht.
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