Dienstag, 23. März 1999: Berlin - London - San
Juan - San José
Das
Umsteigen in London macht einen normalen Langstreckenflug zum Abenteuer: In Heathrow, der
Flughafen wird gerade umgebaut, kommen wir noch pünktlich an, passieren die
Sicherheitskontrollen, fragen uns dann mühsam zum Transferbus nach Gatewick durch. Eine
British-Airways-Angestellte händigt uns dabei die Bustickets aus. Ohne diesen Zufall
hätten wir die vielleicht gar nicht bekommen oder wären in einem Linienbus gelandet, der
noch einmal hätte extra bezahlt werden müssen.
Über eine Stunde dauert die Fahrt von Heathrow aus, wo wir um
8.35 Uhr nach zwei Flugstunden angekommen waren. Um 12.45 Uhr soll nun unsere Maschine
nach San José starten. Trotzdem: Nun bei der Fahrt durch die endlosen und tristen
Flughafenanlagen hege ich die Befürchtung, dass selbst diese Umsteigezeit zu knapp
bemessen sein könnte.
Sie ist es nicht. Ginge alles nach Plan, blieben uns in
Gatewick für Einchecken und Duty-Free-Einkauf zwar auch nur eine gute halbe Stunde Zeit,
aber als wir gegen 12 Uhr am Abfluggate von British Airways erscheinen, sitzen dort zwar
schon einige Passagiere, aber kein Personal. Um 12.05 Uhr soll das Einchecken beginnen, um
12.20 Uhr kommt schließlich jemand von BA, meint ohne jede weitere Erklärung, dass der
Flug Verspätung habe und deshalb alle Fluggäste in die zentrale Halle zurück müssen.
Erst dort erfahren wir die neue Flugzeit: 14.30 Uhr.
Also warten wir in dem Café, sind gegen 14 Uhr wieder am
Abfluggate, werden auch eingecheckt, und um 14.30 Uhr sitzen alle Passagiere in der
Maschine. Die bleibt aber erst einmal eine weitere Stunde am Boden. Die Erklärung aus dem
Cockpit: Probleme mit der Aircraft.
Kurz vor 16 Uhr starten wir dann doch, bekommen während des
Fluges zwei pappige Mahlzeiten geboten, sitzen in der engen Reihe wie Ölsardinen - und
dürfen nicht rauchen.
Irgendwann nach 22.00 Uhr Ortszeit fliegen wir San Juan auf
Puerto Rico an: Man sieht das Lichtermeer, ein Stück von der Bucht, dann sitzen wir für
eine Stunde auf dem Flughafen in der Maschine. Nicht einmal in den Transitraum gelangt
man.
Etwa gegen 23 Uhr Ortszeit landen wir dann endlich in
San José. Für acht US-$ fahren wir mit dem Taxi in die Innenstadt, quartieren uns dort im
Hotel Fortuna für 28 US-$ die Nacht im Doppelzimmer ein.
Mittwoch, 24. März 1999: San José
Von
unserem Hotelzimmer aus sehen wir auf Wellblechdächer, eine Kirchturmspitze - und die
Berge, die San José umgeben.
Den Vormittag verbringen wir in einem Café um die Ecke, dazu
tausche ich 200 US-$ bei der benachbarten Bank. Etwa gegen 11 Uhr brechen wir zu unserem
Stadtbummel auf.
Der erste Eindruck, den wir gestern nacht von San José
gewonnen hatten, bestätigt sich: Es gibt kaum Hochhäuser, wie man sie sonst aus den
Metropolen der Entwicklungsländer kennt, einige wenige imposante Gebäude im
klassizistischen Stil, dazu etliche hübsch gestaltete Plätze, die das Stadtbild
auflockern, und überwiegend ein- bis zweistöckige Zweckbauten, die dieses Stadtbild
bestimmen.
Unser Hotel liegt in der Nähe des Parque Central, kaum ein
Park, dafür aber ein Platz mit einem Pavillon in der Mitte, unter dessen Dach die Tauben
nisten.
Eine der Straßen führt zur Cathedral Metropolitana, hier
eines der größeren Gebäude, aber doch eher unbedeutend gemessen an den anderen
Kathedralen im katholischen Teil Amerikas.
Wir erreiche den Platz der Kulturen, einer der wichtigsten
Plätze der Stadt, zunächst einmal aber auch das ein Platz der Tauben, die von vielen
Spaziergängern gefüttert werden.
Eigentlich wollen wir nun über die Avenida Central zum Platz
der Demokratie, schlagen aber in der Fußgängerzone die falsche Richtung ein und laufen
statt nach Westen nach Osten. Auf diese Weise passieren wir nun zunächst den
Zentralmarkt, ein überderdachtes Gebäude mit engen Gassen und kleinen Geschäften von
Lederwaren bis zur Fleischerei, und erreichen schließlich das Hospital de San Juan, einen
imposanten Komplex aus dem Jahr 1845. Davor befindet sich ein kleiner Park, in dem - vor
dem Eingang zum Hospital - eine der geheimnisvollen Steinkugeln ruht, die zu den
Attraktionen des Südens von Costa Rica zählen.
Wir kehren um und gelangen wieder zum Platz der Kulturen, wo
wir an einem der Tische vor dem Gran Hotel eine Cola trinken und dann - 600 Colones
Eintritt - das wahrhaft protzige Nationaltheater besichtigen. Über dem Parkett liegen die
großzügigen Logen, im oberen Stock dazu das Theaterfoyers für die Pausen, die sich
durch allegorische Deckenbemalungen und einen kunstvollen Teakholzfußboden auszeichnet.
Neben diesem Hauptraum liegen einige kleinere Salons mit vermutlich äußerst wertvollen
Gemälden an den Wänden.
Gegen 15 Uhr kehren wir erst einmal ins Hotel zurück, nehmen
dann noch ein Eis in dem Café, in dem wir schon den Vormittag verbracht haben.
Donnerstag, 25. März 1999: San
José
Im Coca-Cola-Viertel wollen wir die Tickets für den Bus nach
Nicaragua besorgen - doch bei unseren Spanisch-Kenntnissen ist das gar nicht so leicht. Es
gibt hier nämlich nicht nur einen Busbahnhof, sondern die unterschiedlichsten Linien
haben jeweils ihre eigene Station, und die Ticketverkäufer in den einzelnen Kiosken
können auch kein Englisch, uns also auch nicht weiterhelfen.
Schräg gegenüber von einer der größeren Stationen entdecke
ich das Büro einer Agentur, die Tickets nach Panama und Nicaragua anbietet. Nur: Sie
haben lediglich Direktverbindungen nach Managua, wo wir aber nicht hinwollen. Also gehen
wir zurück zum Busbahnhof, fragen noch einmal einen der Sicherheitsleute - und der führt
uns nun in das Büro von Sirca-Express. Allerdings: Wir haben nur meinen Pass dabei,
benötigen für den Ticketkauf aber beide Pässe, müssen also erst wieder ins Hotel
zurück, marschieren dann wieder zum Busbahnhof, halten dann endlich für 6000 Colones die
beiden Fahrkarten für unsere Tour zum Lago Nicaragua in den Händen. Am Samstag früh um
4.30 Uhr soll die Fahr losgehen.
Am Parque Central spricht uns eine Touristenpolizistin an,
fragt, ob wir Hilfe bräuchten. Wir erzählen ihr von unseren Reiseplänen, und sie
notiert sich die Rufnummer der Busgesellschaft, mit der wir fahren werden. Diese
Information war für sie neu.
Gegen Mittag machen wir uns - diesmal nun in richtiger Richtung
- auf zum Platz der Demokratie. Von der Avenida Central kommend sieht man zunächst ein
festungsartiges Mauerwerk, dann schließlich das imposante gelbe Gebäude, das
Nationalmuseum beherbergt. Zu Füßen des Museums liegt der Platz, angelegt mit halbrunden
nach unten führenden Treppen, wie ein Amphitheater.
Aber der Ort ist kaum belebt, und auch der
Kunsthandwerker-Markt in einer der angrenzenden Straßen besteht nur aus einigen wenigen
Buden, von denen manche gänzlich leer sind.
Das Leben tobt am Platz der Kulturen, wo wir am Nachmittag das
Goldmuseum besuchen, drei unterirdisch angelegte Stockwerke direkt unter dem Platz, eine
Mischung uns modernen Kunstmuseum und bombensicheren Bunker. Eintritt: 1000 Colones. Im
unteren Stockwerk befinden sich die Goldschätze der Indianer aus vorkolumbianischer Zeit,
meist kleine Tierfiguren, Frösche, Krokodile, Jaguare, vor allem aber Vögel, dazu
massive Armreife und Ohrringe in Faustgröße und selbst Angelhaken aus purem Gold. Den
Indianern Costa Ricas jedenfalls hat dieser Reichtum kein Glück gebracht!
Unmittelbar neben dem Eingang zum Museum finden wir die
Touristeninformation, wo wir - umsonst - eine ausgezeichnete Landkarte für unsere weitere
Reise erhalten.
Freitag, 26. Februar 1999: San José
- Alajuela - Poás Vulcano - Puerto Viejo - Braulio Carillo Nationalpark - San José
Pünktlich
um 6.30 Uhr starten wir zu unserer "Highlight-Tour", die wir in unserem Hotel
für 75 US-$ pro Person bei "Ecoscape Nature Tours" gebucht haben.
Wir verlassen mit dem Bus San José und seine vornehmen
südlichen Vororte, nehmen dann die Route nach Westen Der erste Ort, durch den wir kommen,
ist Alajuela, ein hübsches, aber doch nichtssagendes Kleinstädtchen. Kurz hinter dem Ort
nehmen wir im Buena-Vista-Hotel unser Frühstück, genießen dabei die Aussicht auf die
Kaffeefelder im Tal. Die Dörfer, durch die wir bei unserer Weiterfahrt kommen, erwecken
den Anschein ordentlich geführter Schrebergartensiedlungen: Im Valle Central erscheint
Costa Rica tatsächlich als der Garten Eden.
Kurz nach dem Frühstück entdecken wir bei unserer Weiterfahrt
an der Straße einen Quetzal, einen schönen großen Vogel mit langen lila oder auch
bläulichen Schwanzfedern. Dieser Anblick, so unser Reiseleiter, sei ein äußerst rarer
Glücksfall. Manche Reisende würden tagelang nach den seltenen Vögeln suche, aber keinen
zu Gesicht bekommen.
Unser nächster Stop ist an einem Blockhaus oberhalb einer
Kaffeeplantage, wo wir uns nun mit Kaffeebohnen eindecken.
Der Weg zum Poás-Vulkan führt über eine gut gepflegte
Dschungelstraße, deren letzten Teil wir zu Fuß zurücklegen. Wir kommen an den Pflanzen
des Urwaldes vorbei, nicht nur an Orchideen, sondern auch an merkwürdigen Gewächsen in
der Form gigantischen Rhabarbers.
Leider nieselt es ständig, und am Kraterrand angekommen ist
unter uns nur eine undurchdringliche Wolken- oder Nebelwand zu sehen. Einzig der
Schwefelgeruch in der Luft lässt erahnen, dass wir uns an einem Vulkankrater befinden.
Bei unserer Weiterfahrt in nördlicher Richtung passieren wir
den La Paz-Wasserfall. der über zwei Etappen vielleicht 30 oder 40 Meter tief den dicht
bewachsenen Abhang hinunterstürzt. Den besten Blick auf den Wasserfall hat man aber von
dem Berg auf der gegenüberliegenden Seite des Tales aus. Hier machen wir an einem
Aussichtspunkt Station, wo wir nicht nur den Wasserfall bewundern, sondern auch die
zahlreichen Kolibris, die vor dem Rasthaus herumschwirren.
Allmählich gelangen wir auf die karibische Seite Costa Ricas,
der etwas flacher als der pazifische Teil ist. In der Silva Verde Lodge nehmen wir nun
unser Mittagessen. Die Lodge, an einem Fluss gelegen, ist wie ein botanischer Garten mit
Dschungellehrpfaden angelegt. Leider regnet es immer noch.
Puerto
Viejo, am Rio Sarapiquí, einem Zufluss des Rio San Juan
gelegen, ist ein kleines Städtchen, das durch den zunehmenden Tourismus gerade
aufzublühen scheint. Es gibt kleine Hotels, Andenkenläden - und natürlich die
Anlegestelle für die Boote, die die Touristen auf ihre Flusssafari über den Rio
Sarapiquí bringen.
Das Ufer ist zu beiden Seiten des Flusses alles andere als
unbewohnt. Es gibt Bananenplantagen, Angler stehen am Fluss - aber dennoch stoßen wir auf
zahlreiche Tiere. Im Fluss leben Alligatoren, keine all zu großen allerdings - zumindest,
soweit wir sie zu sehen bekommen, ohnehin nur schwer auszumachen in dem Geäst der im
Wasser treibenden Bäume. Am Ufer entdecken wir Weißkopfaffen und schließlich sogar
Faultiere. Allerdings regnet es inzwischen in Strömen. Auf dem Weg zurück zur
Anlegestelle fliegt über uns ein Schwarm Tukane auf die andere Seite des Flusses.
Bei Wolkenbruch geht es nun - es ist schon dunkel - durch den
Braulio Carillo-Nationalpark zurück nach San José.
Samstag, 27. März 1999: San José -
Penas Biancas - Rivas - San Jorge - Isla Ometepe: Moyogalpa
Um vier
Uhr früh sind wir an der Busstation im Stadtteil Coca Cola, um 4.30 Uhr startet der Bus
der Sirca-Linie nach Norden.
Costa Ricas nördlicher Teil ist - obwohl es auch hier gerade
regnet - trockener als der Süden. In der Nähe der Grenzstation Penas Biancas scheint
auch der Lebensstandard deutlich niedriger zu sein als im übrigen Teil des Landes.
Um zehn Uhr haben wir die costaricanische Seite der Grenze
erreicht - und die auf einem Schild stehende amtliche Losung "Ticos und Nicas sind
für immer Brüder" sollte jeden Reisenden gegenüber den kommenden Grenzkontrollen
stoisch stimmen.
Zunächst heißt es immer, sich in einer langen Schlange
anzustellen, dann die 75 Colones Ausreisegebühr zu entrichten und dabei seinen
Pass abzugeben. Dann stellt man sich wieder in einer Schlange an und wartet darauf, den
Pass wiederzubekommen.
Schließlich geht es zurück in den Bus, der fährt nun drei
Kilometer weiter bis zur nicaraguanischen Grenze, wo sich die ganze Prozedur in
umgekehrter und verschärfter Form wiederholt. Drei US-$ kostet die Einreise, dazu müssen
noch 30 Cordoba für den Zoll gezahlt werden. Dafür bekommen wir allerdings keine
Quittung: Das Geld stecken sich die Beamten direkt ein. Und als wir schließlich wieder im
Bus sitzen, kommt die eigentliche böse Überraschung: Alle müssen wieder aussteigen, ihr
Gepäck nehmen und nun doch noch zur Kontrolle schleppen.
Von der Grenzstation aus sieht man den See, den Lago de
Nicaragua und die Vulkane der Insel Ometepe - aber wegen der bürokratischen Hürden für
uns noch unerreichbar. Als wir endlich an der Reihe sind, wird unser Gepäck allerdings
nicht einmal kontrolliert sondern einfach mit einem grünen Filzstift markiert! inzwischen
ist es bereits 14 Uhr!
Wenige Minuten hinter der Grenze liegt
Rivas, ein öder Ort an
der Durchgangsstraße, wo wir erst einmal eine Cola trinken und uns dann in das Taxi nach
San Jorge setzen. 20 Cordoba nimmt der Fahrer für die Strecke bis zur Fährstation.
San Jorge ist offensichtlich ein Badeort für
nicaraguanische
Urlauber. Es gibt einen schönen Sandstrand mit etlichen Imbissbuden und natürlich die
Mole für die Schiffe zur Insel, über die sich majestätisch der Vulkan mit seiner
abgebrochenen Spitze erhebt.
Das Boot - 10 Cordoba kostet die Passage - ist hoffnungslos
überbelegt. Etwa eine Stunde dauert die Überfahrt, bis wir in Moyogalpa an Land gehen
und uns für 17 US-$ im Hotel El Pirate einquartieren.
Sonntag, 28. März 1999: Moyogalpa
"Willkomen
in Ometepe - Oase des Friedens", das deutsche Wort "Willkommen" aber eben
nur mit einem "M" geschrieben, steht an dem Wartehäuschen der Busstation,
gleich neben der Schiffsanlegestelle von Moyogalpa. Der Ort ist tatsächlich eine
friedliche Oase, wenn auch etwas ärmlicherer Natur.
Die "Inselmetropole" verfügt über zwei parallel
verlaufende "Hauptstraßen", die vom Meer Richtung Vulkan "Concepcion"
führen, aber bereits am Dorfplatz mit der Kirche enden. Dazu gibt es einige Querstraßen
und schließlich einen Weg entlang des Strandes, wo einfache Bauernhütten, teilweise nur
aus Holzstämmen gebaut, stehen. Die Wäsche wird im See gewachsen, auf den Straßen bzw.
den Wegen laufen Schweine, Kühe und Hühner. Ob der Ort nun ein Dorf oder eine Stadt ist,
lässt sich kaum sagen.
Den Vormittag verbringen wir mit einem Spaziergang am Strand,
wo die Mangroven wachsen, ruhen uns am Nachmittag im Hotel aus und genießen am Abend an
der Hafenmole den Sonnenuntergang hinter den Bergen des Festlandes. Später bekommen wir
im Hotel noch Besuch von einem Reiseführer namens Berman Gomez, der erste Mensch, den wir
hier treffen und der Englisch spricht. Wir haben unsere Tour für morgen aber schon bei
Marvin Garcia, Eigentümer der Ometepe Tour und Alcalde, also Bürgermeister des Ortes,
gebucht.
Montag, 29. März 1999: Moyogalpa -
Punta Jesus Maria - San José del Sur - Charco Verde - Urbaite - Playa Santo Domingo -
Alta Gracia - Moyogalpa
Um neun
Uhr starten wir mit dem Wagen von Marvin Garcia zu unserer Inseltour. Allerdings fährt
uns nicht der Bürgermeister selbst sondern sein Sohn.
Zunächst steuern wir in die südliche Richtung.
Asphaltstraßen außerhalb von Moyogalpa gibt es nicht. Die Wege sind allenfalls als
Pisten zu bezeichnen, die bei Regen kaum noch zu befahren sein dürften. Nun aber breitet
sich eine Staubwolke um unseren Wagen herum aus.
Die Gegend, durch die wir kommen, ist Farmland, vor allem für
Bananenplantagen. Die Hütten in den Dörfern sind teilweise aus Holz oder aus
Palmenzweigen.
Als erstes Ziel fahren wir Punta Jesus Maria an, eine spitze
Landzunge mit schwarzem Lavastrand, den beiden Strandcafés nach zu urteilen ein beliebtes
Ausflugsziel. An diesem Morgen sind wir allerdings die einzigen Gäste.
Kurz hinter
San José del Sur, einem typischen Inseldörfchen,
wo die Schweine und Hühner über die Straße laufen, fahren wir Charco Verde an, eine
weitere Landzunge auf der Südseite der Insel. Auf einer improvisierten Werft wird hier
gerade ein Holzschiff fertiggestellt - und daneben führt hinter einem Holztor ein
schmaler Weg durch den Mangrovenwald. Wir laufen diesen Weg entlang bis zur
"Mündung", wo das Brackwasser des Tümpel in den Lago de Nicaragua fließt. Wir
beobachten die Vögel, und hören dann auf einmal ein Bellen oder Grunzen, das an
Wildschweine erinnert. Schließlich entdecken wir auf den Bäumen einen braunen Affen, der
sich von Ast zu Ast hangelt, als Verursacher dieses Lärms.
Am Abend erzählt uns Berman Gomez übrigens,
dass nach einer
einheimischen Legende an dieser Stelle der Teufel wohnen soll.
Über
Urbaite, ein weiteres Inseldorf, geht es nun zum Playa
Santo Domingo, einem schönen weiten Strand, der hier auch nicht aus schwarzem Lava
besteht, sondern - fast - weiß ist.
Unsere letzte Station ist
Alta Gracia, der andere Hauptort der
Insel. Hier besuchen wir das Museum, in dem die archäologischen Ausgrabungen der
ursprünglichen indianischen Besiedlung ausgestellt sind: Steinerne Figuren in
Mannesgröße, teilweise mit dämonischen Köpfen, und tönerne Krüge, in denen die
Indianer ihre Toten bestatteten. Die Steinfiguren finden sich übrigens nicht nur im
Museum, sondern stehen auch vor der Kirche von Alta Gracia.
Am späteren Nachmittag, inzwischen wieder zurück im Hotel,
lernen wir Detlef kennen, einen 68jährigen deutschen Rentner, der allerdings weitaus
jünger aussieht und nun schon neun Jahre auf der Insel lebt, hier auch geheiratet hat.
Ihm gehört jetzt das Haus neben dem Hotel, dazu auch ein Stück Land, das er bebaut.
Und noch ein Erlebnis aus dem Hotel: In unserem Zimmer hat sich
ein Leguan eingenistet. In einer wilden Verfolgungsjagd über die Betten gelingt es einem
der zum Hotel gehörenden Kinder, das Tier einzufangen. Leguane, so erzählt Berman, sind
auf der Insel eine Delikatesse. Ich hoffe, dass das putzige Tierchen nicht auch im
Kochtopf oder auf dem Grill gelandet ist.
Dienstag, 30. März 1999: Moyogalpa
- Rivas - Liberia - Nicoya - Samara
Im
"El Pirate" hat das "Haus-Museum" geöffnet: Tongefäße, meist sehr
gut erhalten, einige mit dämonenhaften Verzierungen, fast ebenso wie im Museum von Alta
Gracia.
Detlef, den wir am Vormittag in seinem Haus neben dem Hotel
besuchen (schließlich ist er der Schwager des Hoteliers), erzählt, dass es solche
Fundstücke auf dieser Insel fast auf jedem Feld zu entdecken seien. Ein Paradies für
Hobbyarchäologen!
Gegen 12 Uhr mittags sitzen wir in der Fähre zum Festland,
nehmen dort den Bus nach Rivas. Die Route, die der Bus nimmt, zeigt uns ein weit
größeres Rivas als das, was wir bei unserem ersten Besuch kennen gelernt haben. Wir
passieren ein - selten hässliches - Denkmal, das an die Massentaufe erinnert, die in der
Zeit der spanischen Eroberung die Indianer "freiwillig" über sich ergehen
ließen und gelangen schließlich an den zentralen Busbahnhof, gleich neben dem großen
Marktplatz.
Von hier aus nehmen wir für 45 Cordoba ein Taxi bis zur
nicaraguanischen Seite der Grenze. Die Straße, die uns wieder an den Feldern der
Kochbananen, der Patanos vorbeiführt, ist recht gut ausgebaut. Schließlich befinden wir
uns auch wieder auf der Panamericana.
Die Grenzformalitäten vollziehen sich diesmal zwar etwas
schneller - wir sind diesmal nur in Begleitung einer australischen Reisenden, also nicht
mehr in einem Massenpulk - aber dafür nicht weniger chaotisch als bei der Einreise. Statt
zum Ausreise- werden wir zunächst zum Einreiseschalter geschickt - und wieder findet sich
niemand, der auf Englisch den Weg weisen könnte. Nachdem trotzdem endlich alles erledigt
ist, setzen wir uns in den Bus, der uns die drei oder vier Kilometer zur costaricanischen
Seite der Grenze bringt. Hier, die Grenze ist diesmal fast leer, geht diesmal alles sehr
rasch. Wir zahlen die 75 Colones Einreisegebühr, bekommen unsere Stempel - und sitzen
nach einer Stunde Warten im Grenz-Café im Bus nach Liberia.
Kleine, aber gediegene Einfamilienhäuser, Parks mit weißen,
steinernen Bänken - Liberia macht den Eindruck eines kleinen, aber feinen
Landstädtchens. An der Busstation gibt es allerdings keinen Bus mehr nach Puntarenas, was
wir eigentlich als unser nächstes Ziel ausgesucht hatten. Dafür kommt gerade ein Bus
nach Nicoya, dem Zentrum der gleichnamigen Halbinsel, ein Ort, der sich kaum von Liberia
zu unterscheiden scheint. Allerdings haben wir hier praktisch keinen Aufenthalt, sondern
teilen uns mit einem kanadischen Pärchen ein Taxi nach Samara, was uns zusammen 4000
Colones kostet.
Die Straße zur Küste ist ordentlich, führt immer wieder
durch dschungelartige Waldflächen, von denen der Geruch von Pinien ausgeht. Gegen 21.30
Uhr erreichen wir Samara, wo wir uns für 53 US-$ im Hotel Casa del Mar, etwa 40 Meter vom
Strand entfernt, einquartieren.
Mittwoch, 31. März 1999: Samara
Der Ort
Samara besteht aus einigen unasphaltierten Straßen, links und rechts kleinere Hotels und
natürlich Restaurants, an der Hauptecke einige Stände für Ketten und andere
Klein-Souvenirs - das ist alles.
Kurz vor Ostern ist es aber fast nicht mehr möglich, in diesem
Badeort, der vor allem von einheimischen Touristen besucht wird, noch ein Bett zu
bekommen. Auch wir müssen morgen weiterreisen, weil unser Zimmer im Casa del Mar bereits
von anderen Gästen reserviert wurde.
Die Attraktion Samaras ist natürlich der Strand, an dem wir
fast den ganzen Tag verbringen. Zwei Kilometer lang dürfte die ausladende Bucht mit dem
weißen Sand sein, und während der Strand am Vormittag bei Ebbe fast eine Breite von
hundert Metern erreicht, ist er am Nachmittag bei Flut auf vielleicht 20 Meter
zusammengeschrumpft.
Einige hundert Meter vor der Küste liegt ein gänzlich
bewachsener Fels, der steil aus dem Wasser empor ragt. Aber auch für einen geübten
Schwimmer ist er nicht zu erreichen: Der Sog des Wassers ist so stark, dass sich hier
keiner der vielen Badegäste all zu weit hinaus wagt.
Naturerlebnis beim Mittagessen: Auf dem Baum unmittelbar neben
dem Strandrestaurant leben Leguane. Ein mittelgroßes Tier, grün mit schwarzen Streifen,
klettert geschickt den Stamm hinunter, läuft über die Straße, verschwindet auf der
anderen Straßenseite im Gebüsch. Ein kleineres Exemplar hangelt sich unterdessen von Ast
zu Ast, während das größte Tier der Gruppe zwischen Stamm und Krone döst oder auch auf
der Lauer liegt. Als ich mich unmittelbar unter den Baum stelle, um das Tier näher in
Augenschein zu nehmen, verschwindet es - allerdings relativ gemächlich - in der Krone.
Donnerstag, 1. April 1999: Samara -
Nicoya - Playa Naranjo - Paquera - Montezuma - Cabuya
Gegenüber
der Busstation von Samara sitzt ein großer schwarzer Vogel, vielleicht eine Art Geier,
auf einem Baum. Dieses Bild passt zum Thema "Reisen auf der Halbinsel Nicoya" -
was bei aller Naturschönheit eben auch eine Herausforderung für den Reisenden ist.
Bis Nicoya ist die Straße fast durchgehend gepflastert, aber
nun bei Tag betrachtet schaut die Gegend völlig anders aus als bei unserer Herfahrt: Was
in der Nacht wie kleinere Dschungelstücke wirkte, erweist sich nun als schütterer und
ausgetrockneter Wald. Weitgehend ausgetrocknet sind auch die Bachläufe, und die Berge
hinter den Viehweisen sind fast völlig kahl: Trockenheit in einer weitgehend
landwirtschaftlich genutzten Zone. Die Rinder auf den Weiden suchen Schatten unter den
wenigen Bäumen.
Um 11.30 Uhr hat der Bus Samara verlassen, um 12.30 Uhr
erreichen wir Nicoya, was sich nun als ein kleines, unbedeutendes Provinzstädtchen mit
einstöckigen Häusern entpuppt. In Nicoya endet nicht nur die Asphaltstraße, sondern
auch unsere Busfahrt. Zwar soll es um 13 Uhr noch einen Bus nach Playa Naranjo geben,
unsere nächste Station, aber wegen der Osterfeiertage geht dieser Bus erst wieder am
Samstag. Also setzen wir uns ins Taxi, das uns nun für 16.000 Colones bis nach Paquera
bringen soll.
Die Straßen in diesem Teil der Halbinsel sind mehr oder
weniger gut ausgebaute Geröllpisten, die durch kleine Ansiedlungen führen , an
ausgetrockneten Wäldern vorbei und über Brücken hinweg, bei denen sich unser Fahrer
jedes Mal bekreuzigt.
Ein Leguan läuft vor uns über die Straße, und einmal
entdecken wir auf einem der Bäume auch einen Affen.
In der Höhe von Playa Naranjo legen wir einen Aussichtsstop
ein, schauen auf die unter uns liegende Bucht mit ihren Inseln und auf das
gegenüberliegende Festland.
In Paquera, dem Ort mit dem Fährhafen zum Festland, wollen wir
eigentlich in den Bus umsteigen. Wir stehen an einer menschenleeren Straße, erkundigen
uns in einem offenen Geschäft nach der nächsten Verbindung - und sitzen dann wieder in
dem Taxi, das uns hier hergebracht hat.
Je weiter wir nach Süden kommen, desto dschungelhafter wird
der Wald - und Montezuma schließlich kommt bei der Durchfahrt mit seinen bunten
Boutiquen, kleinen Hotels und Restaurants und natürlich den Leuten auf der Straße vor
wie eine Hippie-Ansiedlung im Dschungel. Montezumas Strand - dunkler Sand - liegt in einer
kleinen gedungenen Bucht.
Cabuya, unser Ziel, ist als Ort kaum auszumachen. Immer wieder
erkundigt sich unser Taxifahrer in den versteckt liegenden Hotelanlagen nach dem Weg, und
schließlich sind wir im Hotel "celaje", für das wir schon von Samara aus
angemeldet worden sind. Der Taxifahrer kassiert nun noch einmal 10.000 Colones, macht sich
auf seinen langen Heimweg, und wir erkunden die nähere Umgebung.
Unser Hotel ist eine reizvolle Bungalowansiedlung in einem
naturbelassenen Waldstück, unmittelbar am Strand. Allerdings haben wir hier keinen
Sandstrand, sondern Steine und Kiesel, zum Liegen und Baden kaum geeignet. Auf dem Boden
krabbeln Tausende von kleinen Krebsen, aber mit der vorgelagerten Insel strahlt das alles
doch eine herbe Schönheit aus.
Freitag, 2. April 1999: Cabo Blanco
Zwei
Kilometer von unserem Hotel entfernt befindet sich der Nationalpark Cabo Blanco.
Theoretisch soll um zehn Uhr ein Bus zum Park gehen, aber weil weit und breit ist kein Bus
zu sehen ist, machen wir uns zu Fuß auf den Weg entlang der staubigen Piste.
Dabei kommen wir an einer Viehweide vorbei, ab und zu auch an
kleinen Gärten, wo jetzt die Ibiskusse blühen. Allerdings: Nach diesem Marsch durch die
Hitze kommen wir gegen elf Uhr schon ziemlich entkräftet an der Grenze des Parks an.
Sieben US-$ beträgt der Eintrittspreis pro Person, und eine
ältere Kanadierin, die hier jedes Jahr sechs Monate als freiwillige Helferin arbeitet,
erzählt uns die Geschichte dieses Nationalparks.
Anfang der 60er Jahre begann ein skandinavisches Ehepaar,
rund um das Cabo Blanco Boden von den Viehzüchtern aufzukaufen, und die Viehzüchter
sollen damals auch recht froh gewesen sein, , die ausgelaugten und damit wertlos
gewordenen Weiden an die Umweltschützer abstoßen zu können. 1963 hatten die
Skandinavier dann einige tausend Hektar beisammen, die sie der Regierung als Geschenk
vermachten - nun als Areal des ältesten Nationalparks des Landes.
Der Dschungel von Cabo Blanco ist jetzt wieder ein Refugium
für zahlreiche Tier- und Vogelarten, ein Sekundärwald, der sich selbst im Zeitraum von
35 Jahren regeneriert.
Die Farben des Dschungels sind braun und grün, braun auf dem
Boden, wo das abgefallene Laub der Bäume liegt, grün in den immer blühenden Kronen.
Durch diesen Dschungel führt nun ein Weg - besser: ein schmaler Trampelpfad - hinunter
zum eigentlichen Kap und zu einem kleinen Strand, alles in allem eine Strecke von
vielleicht vier Kilometern, für die aber doch mehr als zwei Stunden zu veranschlagen
sind.
Die ersten Tiere, auf die wir hier schon kurz nach Beginn
unserer Wanderung stoßen, sind weißnasige Pizotes, possierliche Nager mit buschigen
Schwänzen, die den Boden nach Essbarem absuchen, und sich dabei auch durch uns kaum aus
der Ruhe bringen lassen, auch wenn uns eines der Tiere beim Fressen aufmerksam beäugt.
Weiter geht es über den holprigen Pfad, über Baumwurzeln, die
wie Schlangen am Boden liegen, und oft bieten uns nur die herabhängenden Lianen und Äste
einen halbwegs sicheren Halt für den nächsten Schritt. Auf unserem Weg entdecken wir
braune Vögel, die wie Hühner über den Waldboden laufen, zahlreiche Schmetterlinge in
braun oder lila, einige groß wie eine Männerhand und schließlich auch einen Tukan.
Wir überqueren zwei Bachläufe, und dann endlich zeigt ein
Hinweisschild auf den Aussichtspunkt, der 100 Meter oberhalb des eigentlichen Weges liegt.
Nur: Diese 100 Meter erweisen sich als die schwersten der ganzen Route. Mitunter geht es
so steil nach oben, dass man sich mühsam von Ast zu Ast hochhangeln muss.
Oben angekommen sieht man dann über das undurchdringliche
Grün hinweg auf die Bucht und den vorgelagerten Felsen, die Isla de Cabo
Blanco.
Der Abstieg ist nicht minder mühsam als der Aufstieg, und nun,
es ist gegen 14 Uhr, beginnt unser Rückweg, ohne dass wir das eigentliche Kap erreicht
haben. Aber um 16 Uhr schließt der Park, und bis zu diesem Zeitpunkt müssen sich alle
Besucher wieder bei den Rangers gemeldet haben.
Den ganzen Rückweg über begleitet uns das Gebrüll der Affen,
von denen wir schließlich auch zwei Exemplare, aber weit entfernt von uns in den
Baumkronen sitzend, zu Gesicht bekommen.
Am Parkein- und -ausgang werfen wir noch einen Blick auf die
Bucht, beobachten die kleinen braunen Eichhörnchen in den Bäumen, nehmen dann ein
"Taxi" zu unserem Hotel in Cabuya, kein richtiges Taxi, sondern ein
Kleinlastwagen mit Sitzflächen auf seiner hinteren Ladefläche.
Den Rest des Tages verbringen wir in der Hotelanlage.
Samstag, 3. April 1999: Montezuma
Um neun
Uhr morgens sitzen wir im "Taxi" - wieder ein kleiner LKW, aber diesmal ohne
Sitzbänke auf der Ladefläche - nach Montezuma. Wir kommen über die staubige Piste an
kleinen Buchten vorbei, meist mit Steinstrand, einige aber auch mit winzigen
Sandstränden.
Montezuma ist tatsächlich das quirlige kleine
Touristenörtchen, als das es uns bei der ersten Durchfahrt erschien.
"Mittelpunkt" dieses Ortes ist das Hotel Montezuma, direkt am Strand gelegen, wo
auch die Busse und Taxis halten. Es gibt noch einige weitere Hotels, einige
Tourenveranstalter, etliche Cafés und Andenkenstände, einen Supermarkt und eine Kirche -
die Ticos selbst scheinen jedenfalls nicht im Ortskern zu leben.
Montezumas Strand ist nicht sehr groß, dafür aber ohne
Steine, allerdings auch ohne jeden Schatten. Es sind auch nicht sehr viele Menschen, die
hier am Strand liegen.
Bevor wir zum Wasserfall südlich des Ortes aufbrechen, trinken
wir noch eine Fresca und einen Kaffee in einem Restaurant am Beach, machen dabei unsere
Erfahrungen mit der Zutraulichkeit einheimischer Vögel. Ein bläulich-lila gefiederter
Vogel mit einer Krone auf dem Kopf nistet offensichtlich direkt im Gebälk des Hauses,
lässt sich auf den Tischen nieder, pickt hier seine Brosamen auf - lässt sich aber trotz
fehlender Scheu vor Menschen leider nur schwer fotografieren.
Den Bach entlang geht es nun zum Wasserfall. Der erste Teil der
Route läuft sich noch bequem, und nach wenigen Minuten erreichen wir auch schon den
ersten Wasserfall, einen vielleicht fünf Meter breiten Felsbrocken, über den der Bach in
eine Mulde plätschert - eindeutig ein beliebter Swimmingpool für Einheimische und
Touristen.
Der nun folgende Weg zum eigentlichen Wasserfall jedoch steht
in seinem Schwierigkeitsgrad den Wegen im Nationalpark in nichts nach - im Gegenteil. Man
muss sich an den Felsvorsprüngen festhalten, um nicht beim nächsten Schritt ins Wasser
zu stürzen. Etwa zehn Minuten dauert die Kletterei, bis ich schließlich vor dem großen
Wasserfall von Montezuma stehe, ein eher dünnes Rinnsal, das vielleicht 30 Meter in die
Tiefe stürzt. Für diese Sehenswürdigkeit Montezumas gilt zumindest der Satz: Der Weg
ist interessanter als das Ziel.
Gegen 14 Uhr sitzen wir im Bus zurück nach Cabuya. Am Abend
färbt sich der Himmel über dem Meer rot, ein Farbspiel, von dem unser Hotel seinen Namen
hat: Celaje.
Sonntag, 4. April 1999: Cabuya -
Montezuma - Paquera - Puntarenas
Nachtschlaf
mit Hindernissen: Eine Fledermaus hat sich in unseren Bungalow verirrt. Nun, wir haben das
Licht angeknipst, liegt das arme Tier hilflos am Boden. Ich will es vorsichtig zum Fenster
bringen, aber da flattert es schon wieder los in das untere Stockwerk. Am Morgen ist es
jedenfalls verschwunden.
Wir stehen um neun Uhr vor unserem Hotel, warten auf den Bus
nach Montezuma. Der kommt mit einer viertel Stunde Verspätung an, ist aber bereits so
voll, dass niemand mehr hineinpasst, geschweige denn wir mit unserem Rucksack und den
beiden Reisetaschen. Vom Hotel aus wird nun ein anderer Wagen gerufen, und kurz nach 9.30
Uhr sind wir dann auch in Montezuma, um den Bus nach Paquera zu besteigen.
Der Bus ist eine alte Klapperkiste, die schon voll besetzt
scheint, bevor wir einsteigen. Aber er wird weiter bis auf den letzten Stehplatz
vollgestopft, so dass man sich während der Fahrt kaum rühren, geschweige denn drehen
oder wenden kann, um eventuell die Umgebung anzuschauen. Den ersten Teil der Route geht es
zudem über eine unbefestigte Piste voller Kurven und Steigungen, bei denen es jedesmal
wundert, dass der Bus sie überhaupt bewältigen kann.
Beim ersten mal lernten wir Paquera als verlassene Busstation
kennen, nun als überlaufene Fährstation. Die letzten Hunderte Meter vor dem Kai stauen
sich die Autos auf der Piste, nur mühsam kommt der Bus an den Wartenden vorbei. Die
letzten in dieser Schlange werden sicherlich noch etliche Fähren abwarten müssen, bevor
sie auf das Festland übersetzen können.
Kurz vor 12 Uhr sticht die Fähre in See, kreuzt an unzähligen
kleinen Inseln - selbst der unscheinbarste Felsen ist dicht bewachsen - und grünen
Buchten mit winzigen Stränden vorbei, bis wir kurz vor 14 Uhr den Hafen von Puntarenas
erreichen. Mit einem Taxi fahren wir zum Hotel Tioga, das vom Dumont-Reiseführer
empfohlen wird und mit 45 US-$ für das Doppelzimmer einschließlich Frühstück wirklich
passabel ist.
Am Nachmittag spazieren wir die Strandpromenade entlang: Auf
der Straßenseite befindet sich ein Restaurant neben dem anderen, auf der Strandseite -
hier gibt es tatsächlich weißen Sandstrand - reihen sich die Souvenir- und
Imbissstände dicht an dicht, gibt es dazu etliche Strandcafés. Zwischen Strand und Promenade ist ein
Palmenpark angelegt. Aber in den Cafés sitzen fast nur Einheimische, die Restaurants sind
meist gähnend leer.
Den Abschluss dieses Ensembles bildet eine lange ins Meer
gebaute Mole, den Seebrücken auf deutschen Ostseeinseln nicht unähnlich. Nach der
teilweise drückenden Hitze auf der Halbinsel Nicola empfinden wir den erfrischenden Wind,
der hier ständig weht, als durchaus angenehm.
Puntarenas ist sicherlich besser als sein Ruf in den
Reiseführern - und könnte sich durchaus wieder zu dem Seebad entwickeln, das es einmal
gewesen sein soll.
Montag, 5. April 1999: Puntarenas -
Tarcoles - Puntarenas
Weil unser
Bus nach Tarcoles erst um 11 Uhr abfährt, , haben wir genügend Zeit, durch das
Stadtzentrum von Puntarenas zu schlendern. Groß ist es nicht: Eine Kathedrale, allerdings
in den Maßen einer normalen Kirche, aber gebaut aus Sandstein mit einem Dach aus Holz,
daneben das im klassizistischen Stil das Kulturhaus mit dem Theater und dem Museum. Die
Wege des Platzes sind verziert mit Muscheln, nicht imposant, aber hübsch.
Wir verlassen Puntarenas, eigentlich eine Insel, über eine
aufgeschüttete Landzunge. Da, wo auf diese Weise eine Bucht entstand, wachsen nun die
Mangroven.
Etwa eine Stunde fahren wir in südlicher Richtung, bis wir
Tarcoles erreicht haben. Tarcoles ist ein unscheinbares Fischerdörfchen, bestehend aus
unasphaltierten Wegen, einstöckigen bunten Holzhäusern, einige auch als Läden
eingerichtet, aber mit einem schönen Dorfplatz mit Steinbänken und Bäumen, gewidmet
einer Senora Rodriguez für ihre Verdienste um die Gemeinde, wie die Gedenktafel verrät.
Am Strand steht ein einsames Hotel, aber an diesem langen
dunklen Strand gibt es außer den Möwen und einigen Fischadlern keine weiteren Gäste.
Die touristische Attraktion von Tarcoles ist der
Fluss, der Rio
Tarcoles, auf dem die Krokodil-Safaris stattfinden.
Unsere "Safari" beginnt um 15.30 Uhr. Der Rio
Tarcoles, so erzählt unser Reiseleiter, sei der krokodilreichste Fluss des ganzen Landes.
Etwa 25 Krokodile lebten auf jedem Flusskilometer.
Wir fahren zunächst stromaufwärts, sehen vor allem Vögel,
weiße Fischreiher, kleine bunte "Rachenputzer", jene Vögel, die den Krokodilen
bei geöffnetem Maul die Zähne putzen und schließlich auch unser erstes Krokodil, ein
noch junges, gerade armlanges Exemplar, das etwas ängstlich am Uferstreifen kauert.
Der Rio Tarcoles führt durch Weideland, und an den flachen
Stellen des Ufers stillen die Kühe ihren Durst. Mitunter, berichtet der Tourguide, würde
ein Krokodil auch schon ein Rind erwischen. Die Tiere sind allerdings vorsichtig. Wir
fahren mit Vollgas an einer Viehherde vorbei, und die Tiere, aufgeschreckt von den Wellen,
stürmen hastig vom Ufer fort.
Krokodile im
Fluss zu entdecken ist gar nicht so einfach: Erst
die darin geübten Bootsführer müssen uns auf die aus dem Wasser lugenden Augenpaare
aufmerksam machen. Die ungeübten Beobachter könnten selbst die zackenbesetzten
Rückenpartien für im Wasser treibende Äste halten.
An einer kleinen Sandbank machen wir Stop. Hier beginnt die
"Crocodile-Man-Show". Einer der beiden Bootsführer geht an Land, hat dabei ein
halbes Huhn an der Leine, das er nun immer wieder auf das Wasser schlägt. Ein großes
Krokodil wird dadurch tatsächlich angelockt, hechtet dann sogar mit einem gewaltigen Satz
aus dem Wasser, um sich das Huhn zu schnappen. Die Beute im Maul dreht es sich
blitzschnell wieder um und taucht ab, wobei es mit dem Schwanz aufs Wasser schlägt, so
dass wir im Boot davon alle nass gespritzt werden. Danach wird die faszinierende Show mit
einem zweiten Krokodil wiederholt.
Wir verlassen die Landzunge, fahren stromabwärts bis zur
deltaartigen Mündung des Rio Tarcoles. Einer der Seitenarme hier wäre erst im
vergangenen Jahr als Folge des Hurrikan Mitch entstanden, und die Insel in diesem Arm
heißt deshalb jetzt Mitch-Island, erklären uns die Guides.
In den Bäumen nisten Pelikankolonien,
Hunderte weiße
Fischreiher, und schließlich stoßen wir am Flussufer auf den verwesenden Kadaver eines
großen Krokodils, offensichtlich nun eine Nahrungsreserve für seine Artgenossen. Kopf
und Schwanz sind bereits abgerissen.
Zum
Schluss unserer Tour kreuzen wir noch in einen kleinen
Seitenarm, dicht mit Mangroven bewachsen, und beobachten eine große Gruppe gelber Aras in
den Bäumen.
Um sechs Uhr abends, es wird gerade dunkel, stehen wir an der
Busstation - aber es geht kein Bus mehr nach Puntarenas. Eine knappe Stunde laufen wir in
der Dunkelheit die Straße entlang, im Gras leuchten die Glühwürmchen, es ziept und
piept überall, und endlich erbarmt sich ein einheimischer Autofahrer, uns ein Stück des
Weges mitzunehmen. Kaum sind wir in dem Wagen, der bereits auseinander zu fallen
droht,
fängt es auch in Strömen an zu regnen.
An einer Busstation an einem Verkehrsknotenpunkt - endlich ein
belebter und beleuchteter Ort - lässt uns unser rettender Engel aussteigen, und
schließlich bekommen wir auch noch einen Bus, der uns kurz vor 22 Uhr nach Puntarenas
bringt.
Dienstag, 6. April 1999: Puntarenas
- San José
Um 11.30
Uhr verlässt der Direktbus Puntarenas Richtung San José.
Etwa zwei Stunden dauert die Fahrt über gut hundert Kilometer.
Es geht über die Berge, wo die Farmer Terrassen angelegt haben, vorbei an winzigen
Dörfern und Ansiedlungen. Mitunter sieht man vom Bus aus Nadelwald, aber auch Bambus
wächst an der Straße.
In San José steigen wir wieder im Fortuna ab, wollen dann am
Nachmittag das Jade-Museum, untergebracht im Nationalinstitut der Sozialversicherung,
besuchen.
Unser Weg führt uns wieder zum Platz der Demokratie, wo
diesmal zumindest der Markt geöffnet hat. 8000 Colones sollen die Hängematten kosten,
rund 55 Mark. Dazu gibt es allerlei Schnickschnack, Vasen, Pfeifen - das übliche Angebot
eines normalen Allerwelt-Souvenirmarktes eben.
Wir kommen am Parlamentsgebäude und am Parque National, ein
Park wie die meisten anderen auch, aber etwas größer, vorbei und stoßen schließlich
auf die gelben Mauern des Kulturzentrums, ein Bau aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, nun
mit einigen Museen, diversen Kulturverwaltungen und einem Freilicht-Theater ausgestattet.
Immerhin entdecke ich hier als Ausstellungsstück einen jener bunt bemalten hölzernen
Karren, die angeblich typisch für Costa Rica sein sollen, von denen ich bisher aber auch
auf den Landstraßen keinen gesehen habe.
In unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem Kulturzentrum stehen
einige hübsche Häuser im klassizistischen Stil, darunter eine absolute Prachtvilla, die
nun die mexikanische Botschaft beherbergt.
Nur das Jade-Museum - das hat leider geschlossen.
Am Abend geht es noch einmal zum Platz der Kulturen, aber
bereits kurz nach acht Uhr scheinen in San José die Bürgersteige hochgeklappt zu werden.
Nach der Hitze der Pazifikküste empfinden wir die Stadt als
ausgesprochen kalt.
Mittwoch, 7. April 1999: San José -
Parque National Braulio Carillo - Siquirres - Parismina - Parque National Tortuguero - San
José
Pünktlich
um 6.15 Uhr holt uns "Jungle-Tom" zu unserem 75-US-$-Ausflug nach Tortuguero ab.
Wir fahren in nordöstlicher Richtung, kommen zunächst an den
Kaffeeplantagen der Provinz Heredia vorbei und erreichen dann den Nebelwald des
Nationalparks Braulio Carillo, den wir diesmal also bei Tageslicht zu Gesicht bekommen.
Zwar führt nun eine Autobahn durch den Nationalpark, aber
links und rechts der Straße haben die Berge und Täler tatsächlich kaum von ihrer
Naturbelassenheit verloren. Bei unserem ersten Stop schauen wir auf das undurchdringliche
Grün im Tal unter uns - und auf die "Regenschirme", die für diesen Park
typischen Gewächse aus einem Stengel und einem riesigen grünen Blatt als Krone.
Ein zweiter Stop im Park gilt dem "Dirty River",
einem mineralhaltigen orangeroten Fluss, der, von einem nahe gelegenen Vulkan kommend,
unter uns durch ein schwarzes Lavafeld fließt, unmittelbar neben einem zweiten, von Algen
giftgrünen Fluss. Auf der anderen Seite der Brücke treffen sich diese beiden Flüsse,
vermengen ihre Farben, wobei das Orangerote die Oberhand behält.
Wir verlassen nun die Berge, kommen in die Tiefebene, in das
Farmland der Karibikküste.
Hinter Siquirres, einem kleinen Landstädtchen, beginnt nun das
Bananengebiet. So weit das Auge reicht stehen die Bananenplantagen, wobei die Bananen
selbst mit blauen Plastiksäcken vor der Sonne geschützt werden. Wir halten an der
Station, wo die Bananen wie am Fließband von ihren Stauden abgenommen, gespült und je
nach Qualität sortiert und zur weiteren Verwendung auf die jeweiligen Förderbänder zur
Verpackung geschickt werden. 400 US-$ würden die Arbeiter in dieser Station monatlich mit
ihrer schweren Tätigkeit verdienen, mehr als ein Bankangestellter, der es auf 350 US-$
bringen würde, erzählt Tom, selbst studierter Biologe, dann neun Jahre lang angestellter
Touristenführer und jetzt Chef seiner eigenen Ein-Mann-Agentur.
Nach Parismina, einem kleinen idyllischen Dorf an der Grenze
des Nationalparks, gibt es keine Asphaltstraße mehr. Nur eine holprige Piste führt durch
die Bananenfelder. In Parismina essen wir in einer Lodge Mittag, besteigen dann das Boot
zu unserer Tour durch den Nationalpark von
Tortuguero.
Zunächst kreuzen wir auf dem Revantzón, entdecken in den
treibenden "Inseln" aus Gehölz und Laub ein kleines Krokodil und einen Kaiman,
dazu am Ufer natürlich wieder jede Menge Vögel, Blau- und Weißreiher. Komorane und
lustige kleine rote Gesellen mit weißen Flügeln.
Schließlich biegen wir in den Kanal von Tortuguero ein,
zunächst eine schmale Wasserstraße, die dann aber doch die Breite eines Stromes, an
beiden Ufern an den Dschungel stoßend, annimmt. Interessanter als der Kanal sind seine
stillen Nebenarme, wo das Wasser fast ganz von Seerosen bedeckt ist und herabgestürzte
Äste und Baumstämme die Manövrierfähigkeit des Bootsführers herausfordern. In dem
ersten Seitenarm, in den wir einbiegen, sehen wir an einem Baum eine ganze Kolonie
ruhender Fledermäuse, wie festgeklebt an ihrem Stamm.
Vom zweiten Seitenarm aus starten wir dann einen kurzen
Biologie-Lehrgang durch den Urwald. Erstaunliches aus der Fauna: Orchideen, die um die
Baumstämme herumwachsen und ein wandernder Baum, der sich auf seinen Wurzeln wie auf
einem Dutzend Beinen etwa fünf Zentimeter im Jahr bewegen soll. Wir sehen einen
faustgroßen blauen Schmetterling, dessen untere Flügelseiten allerdings wie ein braun
gemusterter Teppich erscheinen. Und schließlich fängt Tom einen der winzigen roten
Giftfrösche, setzt das Geschöpf von der Größe eines Daumennagels auf ein Blatt, und im
Zickzack springt das Tier nun davon. Ein solcher Winzling hat soviel Gift in sich,
dass die Kuh, die ihn versehentlich verschlucken würde, unweigerlich sterben
müsste, weiß
Tom.
Zurück im Boot entdecken wir in den Baumkronen ein
Kapuzineräffchen und, nun schon bei der Rückfahrt, noch Brüllaffen und ein Faultier.
Etwa gegen 18.30 Uhr sind wir schließlich wieder in unserem
Hotel in San José.
Donnerstag, 8. April 1999: San José
- Cartago - Turrialba
Der
Direktbus von San José nach Turrialba fährt gegen fünf Uhr früh - also nehmen wir
lieber den Umweg über die normalen Linienbusse, verlassen San José gegen 10 Uhr, sind
eine halbe Stunde später in Cartago.
Cartago scheint ein sauberes, aber langweiliges Städtchen mit
einstöckigen Häusern zu sein. Das einzige herausragende Bauwerk, das wir vom Bus aus
sehen, ist die mächtige weiße Kathedrale mit ihren Türmen.
Wir haben Glück: Ohne warten zu müssen, können wir gleich in
den Bus nach Turrialba umsteigen, was wir etwa gegen 13.30 Uhr erreichen.
Turrialba ist von Bergen umgeben, , sieht bei der Anfahrt nach
einem friedlichen Landstädtchen in einem lieblichen Tal aus. Besonders bemerkenswert ist
der Ort aber nicht. Für 20 US-$ mieten wir uns im Hotel Interamericana ein, unmittelbar
an den Gleisen der - stillgelegten - Atlantikbahn gelegen, machen dann eine Erkundungstour
durch den Ort.
Das Stadtzentrum besteht aus einem kleineren Platz mit einem
orangenen Musikpavillon in seiner Mitte, um den Platz herum sind das unscheinbare Rathaus,
eine - hässliche - moderne Kirche, ein wahrer Betonklotz, und auch das städtische
Theater gruppiert. Viel mehr hat die Stadt selbst nicht zu bieten.
Wie wir von amerikanischen Reisenden in unserem Hotel erfahren,
ist Turrialba allerdings das Zentrum des costaricanischen Wildwasser-Rafting, dem meist
auf dem nahe gelegenen Revantzón nachgegangen wird. Der einzige Programmpunkt der
ortsansässigen Travel-Agentur ist natürlich ebenfalls Rafting.
Die indianischen Ruinen von Guayabo, derentwegen wir hier sind,
scheinen dagegen kaum jemanden zu interessieren.
Freitag, 9. April 1999: Turrialba -
Guayabo - Turrialba - Siquirres - Limon - Puerto Viejo de Talamanca
3000
Colones nimmt der Taxifahrer für die 18 Kilometer lange Strecke von Turrialba zum
"National Monument" von Guayabo - wobei es die Strecke auch wirklich in sich
hat.
Die ersten Kilometer fährt man noch über eine meist recht
ordentlich asphaltierte Straße durch die Kaffeeplantagen in die Berge. Dann, vier
Kilometer vom archäologischen Park entfernt, führt eine holprige Piste nur noch bergauf,
und wir werden gehörig durchgeschüttelt.
Zwei US-$ Eintritt - wir bezahlen sie allerdings erst beim
Verlassen, bei unserer Ankunft ist das Kartenhäuschen gerade nicht besetzt - kostet der
Parkbesuch. Über ordentliche Wege geht man durch einen "kultivierten
Dschungel", wo in den Bäumen unter anderem Tukane sitzen, kommt dabei an einem
kleinen Wasserfall vorbei und kann am Wegesrand die ersten Ausgrabungsstücke, zum
Beispiel einen größeren Stein, in den die Figur eines Jaguar geschlagen wurde,
bestaunen. Meist jedoch sind es einfache mit Steinwällen versehene Schächte im Erdboden,
die man bei diesem ersten Teil der Besichtigung sieht.
Von einem Aussichtspunkt aus hat man dann einen Überblick
über den eigentlichen Kern des Ausgrabungsfeldes. Viel mehr als einen kreisrunden
Pyramidenansatz, auf der abgestumpften Oberfläche mit Gras bewachsen, kann man von hier
oben aber nicht erkennen.
Wir folgen dem Weg hinunter auf das Grabungsfeld, stoßen nun
auch auf die Überreste einer gepflasterten Straße. Ob in Guayabo tatsächlich Menschen
lebten oder ob es sich um einen rein sakralen Ort handelte - dies erfährt man leider
nicht. Überhaupt gibt es kaum Informationen über diesen Ort, der immerhin der älteste
indianische Fundplatz sein soll oder über den Stand der Grabungen.
Etwa kurz vor 11 Uhr ist unsere Besichtigungstour beendet, und
wir machen uns auf den Heimweg. Zwei Kilometer müssen wir zunächst die menschenleere
Piste entlang marschieren, bis uns schließlich ein Farmer in seinem wagen bis zur
Asphaltstraße mitnimmt. Von dieser Kreuzung nimmt uns dann ein anderer Fahrer bis
Turrialba mit.
Mit dem Bus fahren wir gegen 13 Uhr nach Siquirres, bekommen
dort sofort einen Anschlussbus nach Limon.
Diese Hafenstadt kündigt sich schon einige Kilometer vor der
Stadtgrenze an: mit einem absoluten Verkehrsstau, hervorgerufen vor allem durch die
Trucks. An den Hafenanlagen vorbei geht es zur Innenstadt, wo wir dann die Station für
den Bus nach Puerto Viejo suchen müssen. Wir kommen durch die belebte Fußgängerzone,
finden dann auch das Büro mit dem Warteraum, in dem wir fast zwei Stunden verbringen, bis
unser Bus nach Puerto Viejo abfährt.
Das neue an Limon: Auf den Straßen sieht man überwiegend
schwarze Costaricaner.
Pünktlich um 18 Uhr starten wir zu unserer letzten Etappe,
sind etwa um 19.30 Uhr in Puerto Viejo, wo wir an der Busstation von Peter, einem
deutschen Residenten, angesprochen und in das Hotel Yucca gebracht werden.
Samstag, 10. April 1999: Puerto
Viejo
Den
Vormittag verplaudern wir mit unseren deutschen Hotel-Wirtsleuten Christel und Jürgen.
Ebenfalls mit dabei: Peter, der uns an der Busstation aufgelesen hat und Michael, früher
einmal freier Journalist in Berlin, hier nun Besitzer eines anderen kleinen Hotels, des
Vista Verde.
Puerto Viejo ist offensichtlich ein durch und durch
kosmopolitisches Stranddorf: Das Restaurant neben unserem Hotel gehört einem Italiener,
ein weiteres Hotel, das Casa Verde, einem Schweizer.
Unsere Wirtsleute erzählen von Schlangen, die sich manchmal
auch in die Hotelanlagen verirren, und unmittelbar neben unserer Cabina ist das Revier
einer Echse, "Jesus Christus" genannt, weil sie auf zwei Beinen über das Wasser
laufen kann. Mit ihrer grünen Krone auf dem Kopf sieht das kleine Tier aus wie die
Miniaturausgabe eines Dinosauriers.
Das "Straßenbild" - tatsächlich gibt es hier keine
Straße, sondern nur eine Piste - wird von der schwarzen Bevölkerung dominiert. Im
Dschungel sollen auch noch viele Indianer leben, die wir hier aber nicht zu Gesicht
bekommen.
Der Strand unmittelbar am Ort besteht aus weißem Sand.
Allerdings kommt man wegen der Korallenbank nicht so ohne weiteres ins Wasser. Beim
Schnorcheln entlang der Korallen entdecke ich einige sehr kleine Fische - aber heute
scheint dies nicht der Ort für einen spannenden Schnorchelgang zu sein.
Sonntag, 11. April 1999: Puerto
Viejo
Zimmergenossen:
An der Decke unserer Cabina krabbelt eine große rotbraune Schabe. Es handelt sich um eine
Königs-Cucaracha, ein nützlicher Geselle, der die anderen Schaben frisst, sagt Jürgen.
Trotzdem befreit er uns von diesem Mitbewohner und setzt ihn im Freien aus.
Den Nachmittag verbringen wir an dem weißen Sandstrand im
südlichen Teil des Ortes. Etwa 10 Minuten laufen wir durch einen
"Dschungelpfad" - der Dschungel stößt hier dicht auf den Strand - passieren
einen Felsvorsprung an der Küste, befinden uns dann am schönsten Strand, den wir in
Costa Rica bisher gesehen haben: Etwa ein ein halb Kilometer lang, in einer sanft
geschwungenen Bucht gelegen, der Urwald an dem weißen Sand angrenzend, und vielleicht
hundert Meter vor der Küste ein grün bewachsener Korallenfelsen im Meer, ein Felsen, auf
dem die Pelikane nisten.
Am Strand selbst tummeln sich einige Krebse, scheue und flinke
Geschöpfe, die eilig in ihren Erdlöchern verschwinden, wenn man sich ihnen nähert.
Am Abend erleben wir einen Tropenregen.
Langsam fängt es an zu
tröpfeln - und dann schüttet das Wasser wie aus Eimern.
Montag, 12. April 1999: Puerto Viejo
Der
tropische Regen hält, abgesehen von einigen Unterbrechungen, die ganze Nacht an. Die
Nebenwirkung: Die Moskitos werden aggressiv. Ich bin durch und durch zerstochen, kann die
ganze Nacht nicht schlafen.
Die einzige Aktivität des Tages: Ein Spaziergang durch das
Dorf, bei dem wir schließlich an dem schwarzen Strand am nördlichen Ortseingang landen.
Der Haken dieses Strandes: es gibt absolut keinen Schatten.
Am Abend, bei Einbruch der Dämmerung, also schon kurz nach 17
Uhr, sammeln sich auf einer Gruppe besonders hoher Bäume in der Ortsmitte die Geier.
Später am Abend auf der Terrasse des Yucca: Große
Dschungelkrabben befinden sich auf ihrer Wanderschaft zum Wasser, um dort ihre Eier
abzulegen. Dabei ziehen sie zu Dutzenden auch durch die Hotelanlage. Jürgen fängt eine
Kröte, die sich dabei mächtig aufplustert.
Dienstag, 13. April 1999: Puerto
Viejo
Ein Tag am
weißen Strand: Auf dem Weg dahin entdecken wir auf dem Dschungelpfad eine Reihe roter
Krebse, die gerade aus ihren Höhlen krabbeln.
Am Abend gelingen mir einige Aufnahmen von den durch die
Hotelanlage laufenden Dschungelkrabben.
Mittwoch, 14. April 1999: Puerto
Viejo
Ein fauler Tag zwischen Strand und Terrasse unserer Anlage.
Donnerstag, 15. April 1999: Puerto
Viejo - Manzanillo - Punta Mona - Puerto Viejo
Morgens um
sieben laufen die Geier über die Straße, picken die Reste des nächtlichen Krabbenzuges
auf.
Wir wollen mit Harry auf Dschungeltour. Harry, 42 Jahre alt,
ehemaliger Versicherungsagent aus Nordbayern, seit gut acht Jahren in Costa Rica, ist ein
Abenteurer wie aus dem Bilderbuch. Seine Spezialität: Laufen im Dschungel. In ein bis
zwei Wochen durchquert er Costa Rica von der Karibik-Küste zum Pazifik, besteigt dabei
die Vulkane, muß dabei jeweils bis zur Dämmerung einen Lagerplatz gefunden haben, weil
er diese Tour natürlich fernab der Straßen macht. Oder: Vom Strand von Puerto Viejo
startet er Richtung Süden, überquert in einem selbstgezimmerten Floß den
Grenzfluss,
ist in Panama, läuft dann auf demselben Weg zurück nach Costa Rica. Und vor allem ist
Harry ein Spezialist für Schlangen.
Mit dem Bus - Harrys Jeep ist gerade defekt - fahren wir gegen
7.15 Uhr nach Manzanillo, einem noch weit kleineren und beschaulicheren Ort als Puerto
Viejo, aber mit einem weiten schönen steinfreien Strand. Allerdings : Zwischen Puerto
Viejo und Manzanillo liegen bereits etliche Cabinas und sogar größere Hotelanlagen. Von
"Unberührtheit" kann also auch hier nicht mehr gesprochen werden.
Vom Strand gelangen wir über die Feldwege innerhalb weniger
Minuten in den - trockenen - tropischen Dschungel. Harry macht uns auf eine Besonderheit
aufmerksam: Lianen, fast 1000 Jahre alt, ineinander verschlungen, so dass das
Lianenbündel selbst dicker als mancher Urwaldbaum ist. Und wir stoßen auf ein Nest von
Bullett-Aint-Ameisen, eigentlich gefürchtete Einzelgänger mit einer gehörigen Portion
Gift im Stachel. Harry wirft eine Zigarette in die Ameisenschar, und die Zigarette wird
als mutmaßlicher Feind sofort wütend angegriffen. Die Indianer, so Harry, legen die
Ameisenköpfe in offene Wunden. Die Scheren sollen die Wunde dann angeblich sofort
verschließen.
Dazu sehen wir überall die kleinen roten Frösche und ihre
bräunlich-grünen Verwandten, auch die nicht minder giftig.
Schon nach kurzer Zeit unserer Wanderung hat Harry eine an
einem Baum klebende Grubenschwanzlanzenotter ausfindig gemacht. Wir hätten sie auf dem
Holz niemals entdeckt. Harry nimmt das giftige Reptil auf einen Stock, die Schlange geht
in Angriffsstellung, aber aus sicherer Entfernung kann uns das etwa einen halben Meter
lange Tier nicht gefährlich werden.
Unsere Wanderung wird begleitet vom wütenden Geschrei der
Brüllaffen, die hoch oben in ihren Baumkronen sitzen. Das erste Zwischenziel unserer
Tour: Ein winziger trüber Tümpel im Wald, kaum 20 Meter Durchmesser groß. Was man hier
beim ersten Blick für einen im Wasser treibenden Ast halten muss, zeigt sich aber rasch
als das Maul eines etwa zwei Meter langen Kaimans - und insgesamt sechs Kaimane leben in
diesem friedlichen Tümpel, weiß Harry. Ungerührt von den Kaimanen flattert ein Blue
Murphy, ein großer bräunlicher Schmetterling, über das Wasser.
Etwa zehn Minuten später machen wir an einer Finca Rast. Hier
werden Bananen angebaut, keine Arbeit, von der man reich werden könnte. Das Wohngebäude
des Farmers ist ein einfacher Holzbau, die Fenster sind ohne Glas und selbst ohne
Moskitonetz. Strom gibt es hier draußen sowieso nicht.
Harry macht sich auf die Suche nach weiteren Schlangen, findet
eine helle Grubenschwanzlanzenotter, wiederholt mit ihr das Spiel, das er schon mit der
ersten getrieben hat.
Weiter geht es durch den Dschungel. Wir kommen zu einer zweiten
Finca, steigen dann von hier in den feuchten Teil des tropischen Waldes ein.
Dabei machen wir zunächst Bekanntschaft mit der Lebensweise
der Blattschneideameisen. Ein riesiger Hügel der fleißigen Insekten liegt an unserem
Wegesrand, und die Ameisen tragen ihre zersägten Blätter in das Bauwerk. Dabei hat das
Tragetier nicht nur das Blattstück zu transportieren, sondern auch noch eine zweite
Ameise auf ihren Schultern, die das Blatt sauber zu lecken hat. Im Ameisenbau wird dann
aus dem Blattsalat eine Pilzkultur angelegt, von der sich der Ameisenstaat ernährt.
Später, an einer anderen Stelle, schon auf unserem Rückweg, führt uns Harry dann noch
zu einer Seltenheit: Zu einem Ameisenbau, aus dem der Pilz bereits steil empor gewachsen
ist, eine Rarität, wie sie nur alle paar Jahre zu beobachten ist.
Zunächst geht es jetzt aber durch den feuchten Teil des
Waldes: Der Boden ist so morastig, dass unsere Gummistiefel bei jedem Schritt stecken zu
bleiben drohen. Und zwischen den Ästen eines Baumes entdeckt Harry eine Mica Amarillo,
eine grüne Schlange, die hier auf ihr nächstes Opfer wartet. Sie ist durch uns nicht im
geringsten aufgeschreckt, verharrt völlig unbeweglich - und wartet darauf,
dass wir
näher kommen, um ihr Gelegenheit zum Zustoßen zu geben.
Trotz dieser Erfahrung: Beim weiteren Auf und Ab über die
Unebenheiten des Waldes halte ich mich immer wieder an den vorstehenden Ästen fest,
teilweise unfreiwillig, teilweise, weil ich nicht weiß, was gefährlicher wäre: An eine
Schlange zu geraten oder irgendeine Böschung hinunterzustürzen.
Schließlich treten wir aus dem Dschungel heraus, befinden uns
in einer winzigen Bucht mit weißem Sandstrand, wenige Meter vor dem Strand ein Felsen,
wie eine eigene kleine Robinson-Insel im Ozean. Über solche Traumstrände wandern wir nun
zu einer Bucht, wo wir über eine Stunde Rast machen. Nachts, so berichtet Harry, könne
man an dieser Stelle die Barracudas vom Strand aus harpunieren - und weiter draußen
sollen die Hammerhaie sein.
Aber weil dies laut Harry auch ein hervorragender
Schnorchelplatz sein soll, nutze ich die Gelegenheit, ins Wasser zu gehen, sehe auch die
grünlichen Korallen, die sich unter den Wellen in der Strömung wiegen, dazu kleinere
gelbe und schwarze Fische. Besonders belebt ist das Meer aber heute nicht.
Nach der Pause geht es wieder in den Wald zurück. Dieser Teil
der Talamanca ist zum Refugio erklärt worden, zwar kein Nationalpark, bestehende Fincas
dürfen weiter wirtschaften, aber dafür darf nichts mehr gebaut und auch keine Bäume
geschlagen werden.
Ein Teil des Geländes, an dem wir vorbeikommen, wurde
allerdings von einer Naturschutzorganisation namens Green Life gekauft, eingezäunt, und
darf nun gar nicht mehr betreten werden.
Schließlich erreichen wir
Punta Mona, ein Aussichtspunkt über
die Buchten unter uns, und ein Ort, von dem aus man auch Haie beobachten kann. Aber es ist
schon später Nachmittag, das Meer ist aufgewühlt, und so bekommen wir nichts mehr zu
sehen.
Wir passieren eine weitere Finca, unmittelbar hinter Punta Mona
gelegen, beobachten von einem freien Feld aus einen Krebsadler auf seiner Baumkrone und
den Flug der Tukane. Dann machen wir uns, begleitet vom Geschrei der Brüllaffen, ein
Geräusch wie das eines startenden Flugzeuges, auf den Heimweg. Diesmal kommen wir den
Brüllaffen näher als beim ersten mal: Die Tiere fühlen sich gestört, wollen uns
vertreiben, indem sie von den Bäumen herunterpinkeln. Das hört sich an, als würde ein
Tropenregen heruntergehen. Glücklicherweise werden wir von dieser Dusche nicht getroffen.
Noch einmal steuern wir einen Aussichtspunkt am Meer an,
beobachten den Sonnenuntergang, und kurz vor Einbruch der Dunkelheit verlassen wir
endgültig den Wald. Die letzte Etappe setze ich nur noch mechanisch einen Fuß vor den
anderen. Dabei sind wir an diesem Tag nicht mehr als zwölf Kilometer gelaufen!
Freitag, 16. April 1999: Puerto
Viejo
Ein
Regentag!
Am Tag zuvor hatten Bauarbeiter begonnen, die Straße vor
unserem Hotel zu befestigen, den Schotter mit einer Straßenwalze festgefahren. Nun ist
alles erst recht aufgeweicht. Kein Wunder, dass die Straßen hier meist in einem
miserablen Zustand sind.
Puerto Viejo selbst ist wie ausgestorben. Erst am Nachmittag,
der Regen hat aufgehört, sind einige Surfer in den Wellen zu beobachten.
Rund 300 Einwohner hat Puerto Viejo, meist schwarze Nachfahren
der einstigen "Gastarbeiter" aus Jamaika, einige Indianer, die ein- bis
zweistündige Fußmärsche entfernt vom eigentlichen Ort wohnen, also schon im Dschungel,
und schließlich jede Menge Ausländer, die meist die Hotels und Restaurants betreiben.
Rund zwei Dutzend Köpfe zählt beispielsweise allein die Gemeinde der deutschen
Residenten, dazu kommen etwa ebenso viele Italiener und natürlich weit mehr Amerikaner.
Im großen und ganzen scheint das Zusammenleben von
Einheimischen und Residenten aber weitgehend reibungslos zu funktionieren. Größere
Probleme, so hatte Jürgen erzählt, werden auf den Einwohnerversammlungen besprochen, und
dann in Selbsthilfe gelöst.
Nur die Indianer bleiben da meist draußen vor. Immerhin: Das
Zimmermädchen unseres Hotels, Sandra, ist eine Indianerin, vermutlich die einzige in der
Umgebung, die für ihre Arbeit auch den gesetzlich vorgeschriebenen Tariflohn bekommt.
Am Abend feiern wir mit Pizza und Wein den Abschied von
Christel, Jürgen, Peter und Michael.
Samstag, 17. April 1999: Puerto
Viejo - Cahuita - Limon - San José
1330
Colones kostet das Busticket für die Direktverbindung nach San José. Um 11.20 Uhr, mit
20 Minuten Verspätung, kommt der Bus auch von der panamesischen Grenze an. Die erste
Etappe unserer Heimreise kann beginnen.
Nun sehen wir die Karibik-Küste bei Tag: Bananenplantagen,
Zuckerrohrfelder, immer wieder aber auch Dschungelecken, die bis an die Straße reichen.
Cahuita, das bei unserer Herfahrt einen so lebendigen Eindruck
machte mit seinen Restaurants und Bars, erscheint nun völlig verschlafen
30 Kilometer vor Limon passieren wir eine Zollkontrolle. Alle
Passagiere müssen den Bus verlassen, aber die folgende Gepäckkontrolle beschränkt sich
auf ein einfaches Abtasten der Taschen und Rucksäcke.
In Limon halten wir an einem Rastplatz unmittelbar neben einem
wunderschön angelegten Friedhof, fast einer Parkanlage gleich: saubere, weiße
Steingräber, auf einem Hügel eine große Christus-Figur und am hinteren Ende der Anlage,
von einer Mauer umgeben, der chinesische Friedhof mit prächtigen Mausoleen. Etwa 20
Minuten haben wir in Limon Aufenthalt, nehmen dann die Straße nach San José.
Über Braulio Carillo hat es offenkundig in Strömen gegossen.
Dutzende kleine Wasserfälle stürzen in den Graben neben der Straße. Die Berge und auch
die unter uns liegenden Täler sind wolkenverhangen.
Gegen 16 Uhr sind wir wieder in San José.
Sonntag, 18. April 1999: San José -
Berlin
Sonntag
Vormittag in San José: Einige Geschäfte haben geöffnet, allmählich belebt sich der
Platz der Kulturen. Auf der Hauptstraße zieht eine Behindertendemonstration für soziale
Rechte vorbei zum Parque Central, wo dann, begleitet von einer Musikkapelle, die
Abschlusskundgebung stattfindet.
In der Fußgängerzone tritt eine Artistengruppe auf, später
gibt es daneben noch das Treffen irgendeiner religiösen Sekte - doch am lebhaftesten geht
es im Parque Central zu, wo nach der Behindertenkundgebung noch diverse Musikgruppen
auftreten, um dann ihre Kassetten zu verkaufen.
Gegen 16 Uhr holt uns das Taxi vom Hotel ab, eine halbe Stunde
später sind wir am Flughafen, zahlen pro Person 17 US-$ Flughafengebühr, passieren die
Sicherheitskontrollen - und warten dann im internationalen Teil des Airports auf unseren
Rückflug nach Europa.
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