Tunesien: Nefta, Seite 6

Über den Salzsee Schott el Djerid, vorbei an Touzeur, nach Nefta, in die Oasenstadt am Fluss in der Wüste


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Eine Wüste in der Wüste

Der Weg über den Schott el Djerid führt zunächst in die Distrikthauptstadt Kebili: eine ärmliche, bescheidene Wüstenstadt, trotzdem ein Verkehrsknotenpunkt, ein unvermeidlicher Durchgang für alle möglichen Richtungen.
Der Übergang von der Wüste zum Schott, zum Salzsee, vollzieht sich für den Ortsunkundigen allmählich, ohne, dass er die eigentlichen Grenzen unbedingt bemerkt. Die Vegetation lässt nach, kleine Büsche sind die einzige vorkommende Gewächsart. Der Bus fährt schneller, als das sonst der Fall ist. Die ebene Straße verläuft schnurgerade. Entlang der Straße ist die Wüste fast nie leer: Doch schon bald hinter Kebili finden sich dann auch keine weidenden Schafherden mehr.
Klicke auf das BildDer Schott ist ein Meer ohne Wasser, spiegelglatt, eine Wüste in der Wüste. An der Oberfläche haben sich Salzkrusten gebildet, die von weiter Entfernung wie Schaumkronen auf Wellen aussehen. Aber es gibt hier keine Wellen. Zwei oder drei kaputte Reifen unter der Trasse, über die unsere Straße führt, sind die Zeugen missglückter Überquerungsversuche. Mitunter deuten Reifenspuren neben der Straße von versuchten und wohl auch geglückten Wendemanövern.
Quer durch den Schott, links und rechts der Asphaltstraße, fließen zwei schmale Bäche. Sie fangen im Schott an, versickern nach einigen Kilometern, ohne den Schott je zu verlassen.
In der Ferne tauchen palmenbewachsene Inseln auf, aber es könnten auch Schiffe oder sogar monströse Tiere sein, die sich auf der Salzkruste zu schaffen machen - Fata Morgana.
Die Ufer eines Flusses wirken wie eine gigantische Steilküste mit Höhlen, die vom Wasser gegraben wurden. Tatsächlich zeigt der Fluss seine Untiefen, Wasserhöhlen, die sich in die Salzkruste hineingefressen haben.
Der Boden ist hart, trägt uns problemlos, und zumindest in der Nähe der Straße hinterlassen wir nicht einmal Fußspuren. Es ist gleich einer Marslandschaft, nur ohne Kanäle, dafür aber mit aufgebrochenen Krusten an den Stellen, wo das Salz an die Oberfläche drängt. Es ist reines Salz, lässt sich schmecken, so, wie es aus der Tiefe hervorkommt, man braucht es nur aufzuheben und von den Sandbrocken abzukratzen.
An verschiedenen Stellen, vor allem am Fluß oder an den Wassertümpeln entlang der Straße, formt sich das Salz zu Kristallkörpern, die dann wie Schaumkronen oder weiße, bizarre Felsbrocken wirken.
Doch auch hier, in dieser lebensfeindlichen Umgebung, triumphiert menschlicher Geschäftssinn. Genau in des Mitte des Schotts befindet sich das Café des Amis, gebaut aus Palmenwedeln, lädt den Reisenden zur kurzen Rast.

Römische Funde und Touzeur

Unmittelbar auf den Schott folgt unmittelbar die erste Oase des Djerid, ein Beweis dafür, wie weit das römische Imperium in seiner Glanzzeit vorgedrungen ist: Ein "Maison antique" wirbt um Besuch und Bewunderung der römischen Funde.
In Touzeur fällt zunächst die gegenüber den anderen Landesteilen kunstvolle Bauweise im Djerid auf: Die Häuserwände werden nicht aus einfachen unbearbeiteten Sandsteinen zusammengemauert, sondern zumindest bei den besseren Häusern nimmt man hier gebrannte Ziegeln, die sorgfältige Muster, meist Rauten, aber auch andere Ornamente bilden.

Nefta – an der Straße nach Algerien

Am späten Nachmittag erreichen wir Nefta, auf den ersten Blick zunächst nichts weiter als ein sich an der Straße nach Algerien entlangziehender Ort am Rande des Schott.
Im Restaurant an der Bushaltestelle von Kebili prangte ein Wandgemälde mit einer idyllischen Palmenlandschaft, in der sich Beduinen an einem kleinen Flüsschen niedergelassen hatten So wird Nefta allgemein beschrieben.
Der erste Eindruck scheint dieses idyllische Bild Lügen zu strafen, auch wenn der erste Einheimische, der an anspricht, uns von Thermalquellen, zum Baden geeignet, erzählt. Der Einheimische war schließlich Fremdenführer, der uns für teures Geld seine Dienste aufdrängen wollte.
Nach dem grobflächigen Stadtplan, der den Touristen in die Hand gedrückt wird, zerfällt Nefta in vier Teile: Zwei Souks, eine Zone Touristique und die Corbeille.
Die Corbeille ist das wesentliche an Nefta: Ein Palmenhain inmitten der Stadt, das Herz der Oase, durch die der Fluss führt und in deren Mitte dann die Thermalquellen liegen.
Wir versuchen, nach Stadtplan durchaus folgerichtig, uns der Corbeille, also dem eigentlichen Stadtzentrum, von der Hauptstraße aus, der Avenue Bourgiba, zu nähern. Wir landen in einem Garten, haben zwar Aussicht auf die Corbeille, aber mehr auch nicht: Hier geht es nicht weiter. Den zweiten Anlauf unternehmen wir von der Pumpstation südlich der Straße, folgen einer Ziegenherde, die gerade den Weg in den Palmenhain nimmt.
Damit sind wir tatsächlich in der Corbeille. Zunächst unterscheidet sie sich durch nichts von den anderen Oasen, bis auf einen kleinen, aber wesentlichen Punkt: Ein Fluss zieht sich quer durch den Palmengarten, der auch hier wieder in zahlreiche Einzelgrundstücke aufgeteilt ist. Dem Flusslauf zu folgen erweist sich als unmöglich, wenn man nicht direkt ins Wasser hineinsteigen und hindurchstapfen will. Das Ufer ist teilweise unpassierbar, wird ständig von den eingezäunten - dazu nimmt man hier Palmenblätter - Parzellen unterbrochen
Ein kleiner See, umrahmt von einem winzigen "Strand", darüber wieder Palmen, ist alles, was wir entdecken. Ein idyllischer Anblick, aber eben noch nicht die Quelle, die wir eigentlich suchen.
Also geht es zunächst einmal hinaus aus der Corbeille, einen Berg hinauf, den Ziegen- und Menschenspuren folgend, in die nördlichen Vororte von Nefta, von denen aus man einen Überblick auf die gesamte Umgebung von Nefta hat.
Die nördlichen Vororte bestehen aus bescheidenen Gebäuden, viele von ihnen bereits Ruinen.
Etwas weiter oben liegt dann das Touristenhotel Sahara Palace, eine moderne Appartement-Konstruktion in der Wüste, voller falscher Beduinenromantik. Einige wenige Gäste tummeln sich am Swimmingpool. Wenigstens einen Eindruck von Nefta kann man von dieser Anlage aus erhalten: Der Ausblick auf die Stadt und die Oase ist authentisch.

An den heißen Quellen

Zwischen dem Sahara Palace und dem folgenden Hotel, dem Mirage, geht es noch einmal in die Corbeille hinab, diesmal geradewegs auf die heißen Quellen zu.
Das Wasser ist bräunlich und dampft an seiner Oberfläche. Es ist eine Männergesellschaft unter sich, deren Angehörige hier in Badehosen ihre Sitzbäder nehmen, wobei jede einzelne Gruppe für sich bleibt.
Wieder geht es den Berg hinauf, diesmal in die ärmlichen nördlichen Souks mit fensterlosen kleinen Lehmhütten, die sich an die engen Gassen anschmiegen. Aber diese Gassen sind keine Wege. Sie sind uneben, führen nur in ein Labyrinth. Ziegen weiden in den Abfällen, die einen unerträglichen Gestank verbreiten.
Neben den Souks finden sich die Brennereien für die Ziegelherstellung, einfache in den Sand gegrabene Löcher und Höhlen. Der Sand ist schwarz vom Verkokungsprozess.
Die südlichen Souks machen einen wesentlich gediegeneren Eindruck. Es gibt sogar einen richtigen Marktplatz, allerdings ohne Markt. Die Straßen sind teilweise mit Torbögen überbaut, eine arabische Bilderbuchstadt.

Ein Ausflug in die Wüste

Klicke auf das BildVon Nefta aus nach Osten führt die Straße zur algerischen Grenze. Wir nehmen aber nicht diese neue Straße, sondern die Sandpiste unterhalb, zwischen der eigentlichen Straße und den weit aus der Oase herausreichenden Palmenhainen gelegen.
Die Wüste ist voller Leben. Eidechsen kreuzen unseren Weg, vor allem aber Wüstenameisen, die um einiges größer sind als unsere heimatlichen Waldameisen, dazu Käfer aller Arten, vorherrschend dabei ein großer schwarzer, den man in Deutschland wohl als Mistkäfer bezeichnen würde.
Das ist es aber nicht, was den Reiz unserer Route ausmacht.
Aus der Entfernung erscheint der Schott mit seiner Salzkruste als ein riesiger See, durchsetzt mit vielen kleinen Inseln. Ist man einige Zeit gewandert, hat die Sonne einen neuen Stand erreicht, dann verändert auch der "See" seine Gestalt, scheint plötzlich auch viel weiter entfernt zu sein.

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