Tunesien: Douz, Seite 5

Eine Busfahrt über Kebili nach Douz, dem "Tor zur Sahara"


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Sahara im Regen

Die Höhenzüge des Djebel Tebaga sind wolkenverhangen. Spätestens, seit El Hamma hinter uns liegt, fahren wir auf der Piste durch die Sahara. Der Busfahrer stellt die Scheibenwischer erst gar nicht mehr aus: Über der Wüste regnet es.
Der aus Gabes kommende Bus ist besetzt mit Berbern, darunter viele Frauen, und jedes Durchqueren einer Pfütze wird mit freudigem Lachen aufgenommen. Grasnarben erscheinen im übersättigten Grün, schmale Sandfurchen haben sich in sprudelnde Bäche verwandelt.
Bis Kebili reicht die dichte Wolkendecke , erst südlich Richtung Douz klärt sich der Himmel auf.
Kebili ist für die meisten einheimischen Fahrgäste die Endstation, nur wenige wollen weiter nach Douz, dem "Tor der Sahara", wie es in den Reiseprospekten genannt wird.

Douz, das „Tor zur Sahara“

Douz ist zunächst eine tunesische Kleinstadt, wie wir schon viele vom Zug oder vom Bus aus gesehen haben. Die einstöckigen Häuser entlang der Straße, die der Bus nimmt, sind aufgereiht wie in einer Stadt aus einem Wildwestfilm, Mofas und Pferdefuhrwerke stellen die vorherrschenden Verkehrsmittel.
Zwischen den Häusern an der Hauptstraße wird für einen ersten Augenblick aber schon ein anderes Douz sichtbar, wie es seit Jahrhunderten in dieser Oase gewesen sein dürfte: einfache Bauten aus Kalksandstein, unmittelbar auf dem Sand der Sahara errichtet.
Klicke auf das BildWir umrunden Ort und Oase. Zunächst geht es in die Palmenfelder, ordentlich Feld für Feld voneinander abgesteckt, wobei die Furchen auch gleich die Bewässerungsläufe darstellen. Mit dem Eselkarren bringt ein junger Mann Saharasand auf sein Feld, verteilt ihn unter den Palmen. Es ist ein feiner weißer Sand, der wie Wasser durch die Finger rinnt.
Sanddünen umgeben den Ort.
Wir verlassen die Hauptstraße, gehen geradezu auf eine Moschee, die sich einige hundert Meter weiter erhebt. Hier gibt es keine Wege mehr, nur noch feinen Sand, mitunter Dünen bildend, in dem wir tiefe Fußspuren hinterlassen.
Vor noch nicht langer Zeit kann der Sand noch nicht so weit vorgedrungen sein wie jetzt: Von den meisten Häusern, die es hier in den Sanddünen gibt, stehen zwar nur noch die Außenmauern, aber einige der besser erhaltenen Ruinen - so alt können sie nicht sein - werden als Stallungen für Ziegen und Esel genutzt, in einigen hausen sogar noch menschliche Bewohner.
Die Sandwüste beginnt aber nicht überall um den Ort herum. Denn auch Douz hat einen Müllabladeplatz, und das Müllfeld kommt gleich hinter den Palmen, übelriechend, aber eine Durchquerung trotzdem lohnend. Hinter dem Müll gibt es nämlich einen Vorgeschmack auf das, was der Schott el Djerid zu sein verspricht: eine Salzwüste riesigen Ausmaßes, eine Todesfalle für den, der vom Weg abkommt, weil er den Bildern einer Fata Morgana folgt.
So schlimm ist es in Douz nicht. Zwar sinkt man tatsächlich einige Zentimeter tief ein an den Stellen, wo der Sand nachgiebiger ist, als seine scheinbar feste Kruste vermuten lässt, aber der See, der hier in der Wüste schimmert, ist sogar echt: Eine übergroße Pfütze nicht verdunstenden Regenwassers, das vom Boden einen Teil des Salzgehaltes aufgenommen hat.
Hinter der Moschee fängt der eigentliche Ort dann wieder an, doch statt Asphaltstraßen gibt es auch hier nur Sandpisten. Männer haben sich im Schatten der Häuser zum Gespräch hingelegt, Frauen kauern auf der Straße.
Oasenleben 1986: Ein Kameltreiber schiebt sein Mofa, das Kamel marschiert angebunden hinterdrein.

Ein Markt am Rand der Wüste

Auf einem Platz haben die Obst- und Gemüsehändler ihre Stände aufgebaut. Angeboten werden dicht an dicht Orangen, Zwiebeln, Kartoffeln, fast halb so groß wie Fußbälle.
Auf dem eigentlichen Marktplatz breiten sich am Nachmittag die Kleiderhändler aus. Sie führen Hosen, Hemden, selbst Gardinen vermutlich aus irgendwelchen europäischen Spendensammlungen.
Am Abend hocken die angereisten Händler vor ihren Lagerfeuern, die sie am Rande des Platzes entzündet haben, trinken einen letzten Tee vor dem Schlafengehen. Geschlafen wird in Decken eingerollt auf dem Platz, unmittelbar neben den von ihnen feilgebotenen Waren.
Kurz nach 19 Uhr ist die Stadt wie ausgestorben. Der morgige Tag, ein Donnerstag, ist der große Tag von Douz, der wöchentliche Markttag, an dem die Nomaden der Umgebung in die Oase ziehen werden.

Der große Tag von Douz

Douz wartet auf den Markt. Nach kurzer Ruhepause beginnen irgendwo auf dem Marktplatz oder in den Gassen die Trommeln zu schlagen, ein Mann bläst auf der Trompete. Die Musik bricht ab, ohne jeden Übergang, um eine Minute später wieder voll zu erschallen. So geht es mehrere Stunden.
Klicke auf das BildDoch der Markt hält kaum, was die Nacht versprochen hat. Etwas entfernt vom Marktplatz des Ortes haben die Ziegenhändler ihre lebende Ware ausgestellt. Die Lämmer blöken, Kinder laufen zwischen den Stellplätzen der vier bis sechs Köpfe zählenden Herden, durch das hintere Tor fahren Kleintransporter auf den Platz, um für den Warennachschub zu sorgen.
Nur wenig Zulauf finden die Verkäufer, die ihre Waren zwischen Ziegenherden und Marktplatz anbieten. Düngerhaufenähnlich haben sie ihre Ware aufgeschüttet: Eine schwarze, scharf riechende Masse, die sich als Ölextrakt erweist, das, nach mehrmaligen Aufkochen, dem Essen beigegeben werden kann.
Der Marktplatz ist, wie ein Supermarkt, in einzelne Bereiche gegliedert, nach Branche und Ware aufgeteilt. Ein Planquadrat haben die Textilhändler unter Beschlag gelegt. Die meisten von ihnen, fast alle mittleren Alters, sind mit Kleinlastern gekommen, haben ihre Massenware vor sich ausgebreitet. Eine exotische Randerscheinung, wenn auch mitten im Gewühl: Ein alter Mann vor einem Ballen Schafwolle.
Was es sonst noch gibt: Blechtöpfe und Blechpfannen und vor allem jede Menge Mausefallen, zusammengeschnürt zu Reihen aus einigen Dutzend, einfache Drahtgebilde, die sich erst beim Fingertest als Mausefallen zu erkennen geben.
Die Gewürzhändler halten ebenfalls ein Areal auf dem Marktplatz, anders als die Obst- und Gemüsehändler, die sich außerhalb des Platzes postiert haben und vor deren Ständen das größte Gedränge herrscht. Für die Obst- und Gemüsehändler ist die ganze Woche über Markttag.

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