Tunesien: Matmata Seite 4

Matmata, das Höhlendorf der Berber


Anzeige

 




Das Video bei YouTube

Druckversion dieser Seite (PDF)

Anzeige




Mit dem Linienbus von Gabes nach Matmata

Der Bus nach Matmata benötigt für die rund 40 Kilometer von Gabes aus eine gute Stunde.
Im Gegensatz zum Zug ist der Bus das nordafrikanische Transportmittel schlechthin: für die Masse der Einheimischen gerade noch erschwinglich. Entsprechend zusammengesetzt sind die Fahrgäste: Eine Berberfrau in bunter Landestracht, das weiße Kopftuch mit den Zähnen zusammenhaltend, hat sich für die Fahrt besonders fein gemacht, sogar ihren Schmuck angelegt. Doch ihre große Zehe ragt durch den kaputten Schuh.
Der Fahrer achtet auf die Straße nicht mehr, als der spärliche Verkehr unbedingt erfordert, begrüßt manche Fahrgäste mit Handschlag, plaudert. Damit sein Sitz nicht verrutscht, hat er ihn mit einem Backstein festgeklemmt.
Die Fahrt geht durch die Ausläufer der Sahara. Der Bewuchs mit Palmen lässt hinter Gabes nach, wird rar. Von ferne sieht man das Gebirge, das sich von hier bis nach Libyen hineinzieht und in dem auch Matmata liegt.
Es sind 40 Kilometer mit der Lebendigkeit der Wüste, in der jeder Baum, jeder Riss im kargen Boden, jede Ziegenherde und erst recht jedes ausgetrocknete Flussbett - wenn es überhaupt eines ist - zum Ereignis wird. Die Straße steigt an, wir haben das Gebirge erreicht.

Bei den Höhlenwohnungen

Klicke auf das BildArchitektur in Matmata: Das Gebäude zählt zwei Stockwerke, hat einen ruhigen Innenhof, von dem aus verschiedene Wege in die verwinkelten Räume hineinführen, die auf der oberen Ebene liegen. Doch diese Beschreibung ist eigentlich schon falsch. Zu ebener Erde liegt nämlich das gar nicht vorhandene Dach; die zwei Stockwerke sind die beiden Ebenen, von denen aus die Gänge - oder Höhlen - in den kalkigen Boden geschlagen wurden. Der Innenhof ist ein Erdloch mit etwa zehn Meter Durchmesser, von dem aus man das obere Stockwerk entweder über eingelassene Treppen oder Strickleitern erreicht. Der Eingang zum Haus führt also nach unten, sozusagen in einen Keller, der aber keiner ist.
Wegen dieser Höhlenhäuser rollen ca. alle zwei Stunden Busse voller Touristen nach Matmata, die das Leben der "Höhlenmenschen" beobachten wollen. Das Haus, zu dem wir Zugang haben, ist allerdings ein vom Touring Club angelegtes Hotel, der traditionellen Bauweise in dieser Oase nachempfunden.
Angebote, auch andere Behausungen dieser Art anzusehen, gibt es zuhauf: Kinder, die kaum mehr Französisch als "Bonjour" und "la maison" sprechen, laden aufdringlich zur Visite, fordern, wenn man ihnen nicht folgen will, trotzdem ihren Obolus, wenigstens aber Kugelschreiber oder Bonbon - die Kehrseite des Tourismus.
Wir begnügen uns damit, die Höhlenwohnungen von oben zu bewundern. Manche Innenhöfe sind begrünt, fast überall hängt die obligatorische Wäscheleine. Eine Frau in mittleren Jahren kommt aus ihrem Zimmer im unteren Stockwerk, sagt "Bonjour" und etwas, was sich wie "three" anhört, spreizt dazu drei Finger, deutet auf den Eingang, der zur Behausung führt. Wir verstehen, dass wir das Haus besichtigen können, vermutlich für drei Dinar, und verzichten.
Manche dieser künstlichen Höhlen werden als Ställe, vor allem für Esel, genutzt. Über anderen Höhlen entdecken wir Fernsehantennen. Überall stößt man auf mit Steinen bedeckte Brunnen. Ein alter Mann reitet auf einem Esel und mit leeren Wasserbehältern über die Dorfstraße; zehnjährige Jungen spielen Fußball und rufen "Bonjour"
Unter Palmen entlang geht es zurück zum Bushalteplatz. Durch das Café hindurch gelangt man zum Zentrum des "modernen" Matmata, das die Touristen üblicherweise kaum interessiert: Ein großer umbauter viereckiger Platz, auch hier bei allen Geschäften die Rolläden heruntergelassen. Nur vor einigen Läden sitzen alte Männer auf Schemeln und unterhalten sich über den Platz hinweg.


Anzeige