Tunesien: Gabes, Seite 3

Gabes , Provinzstadt am Meer - Basar, Strand, Oase und die El-Barber-Moschee


Anzeige

 




Das Video bei YouTube

Druckversion dieser Seite (PDF)

Anzeige




Am Bahnhof

Der erste Eindruck von Gabes ist: Eine Industrielandschaft, ein einziges Kraftwerk, nur im Hintergrund ein unbedeutender Hain der Oase. Hinter den Fabriken liegt eine Hotelanlage, daneben Trabantensiedlungen.
Gabes bleibt zum Glück nicht so: ein verträumter Provinzbahnhof erwartet uns, wo lediglich zwei Pferdedroschken bereitstehen, die Touristen zum Hotel zu bringen.
Die Hauptstraße - Avenue Bourgiba, wie sonst? - führt zum Strand, am Offizierskasino und den wichtigen Hotels vorbei und vermutlich auch sonst zu allen relevanten Plätzen der Stadt.

Auf dem Markt

Klicke auf das BildEine Marktszene am späten Vormittag: Ein alter Mann mit weißem Bart, bekleidet mit einem braunen zerschlissenen Burnus, schlurft über den Innenhof, zielstrebig auf das Zelt mit den davor ausgebreiteten Körben voller Paprika, Kichererbsen, getrockneten Fischen und Mulachita, ein spinatähnlicher "Staub", der gekocht wohl eine Suppe abgibt. Große Auswahl an Geschäften hat der Alte nicht: Klicke auf das BildKurz nach 11 Uhr ist vom Bazar-Treiben von Gabes nur noch dieser eine Händler auf dem Innenhof zurückgeblieben, die festen Läden zeigen nun nur noch ihre heruntergelassenen Rolläden.
Wer einen tunesischen Basar, wenigstens in der Provinz, in voller Aktion erleben will, muss offensichtlich früher als wir aufstehen.
Die fliegenden Händler auf der Straße sind dagegen noch da. Angeboten wird vor allem eine Art grüner Klee, den wir aber nicht identifizieren können.

Breiter Strand und kleiner Hafen

Anziehungspunkt ist Gabes sicherlich nicht wegen seines Marktes: Der ist bescheiden und Souks gibt es in Tunesien wahrlich spannendere. Anziehend sind zunächst etwas anderes: Ein Strand von vielleicht 40 Meter Breite, bei Ebbe sogar etwas mehr, bei Flut etwas weniger und die die Stadt umgebende Oase mit ihren Palmenpflanzungen.
20 Minuten Fußweg sind es, die man vom Stadtkern (wenn man den Haupt- und einzigen Bahnhof als Stadtkern bezeichnen möchte) den Strand an der Stelle erreicht, wo er durch eine 50 Meter ins Meer ragende, aus einfachen unbehauenen Steinen aufgetürmte Mole von dem kleinen Fischereihafen getrennt wird.
Das Meer hat hier neben Seetang zahllose Muscheln aller Formen an Land gespült, viele davon sind noch am Leben, daneben finden wir Seeigel, Krebse und anderes. Abgesehen von ein paar Einheimischen, die den Strand nach Meeresfrüchten absuchen, ist um diese Jahreszeit niemand hier.

Die Oasenstadt

Der Fluss, der Gabes zur Oase werden ließ, führt nur ein kleines Rinnsal an Wasser mit sich. Diesen Fluss entlang geht es in die Pflanzungen.
Landwirtschaft auf den Oasenfeldern ist vor allem Handarbeit. Die Jungen klettern behende auf die Palmen, indem sie die Wedel als Seile benutzen, die Alten bearbeiten die Felder - angebaut werden vor allem Zwiebeln - mit Hacke und Sichel. Hier arbeiten Männer und Frauen gleichermaßen auf den Feldern.
Am Fluss entlang gibt es einen unfehlbaren Orientierungspunkt, der den Weg in die Stadt zurück weist: der Turm der El-Barba-Moschee.

Die Moschee des Barbier des Propheten

Die El-Barba-Moschee, so benannt, weil ihre Gründung auf den Barbier des Propheten zurückgeführt wird, hat die Oase zu einem Wallfahrtsort gemacht. Wir dürfen als Nicht-Muslime nur in den Vorraum - und auch das unter dem Protest der Anwesenden, entschuldigt lediglich dadurch, dass ich die schmerzenden Knöchel meiner Füße waschen will. Der Hauptteil der Moschee bleibt uns verborgen.
Etwas mehr Glück haben wir in der etwas kleineren und weniger berühmten Moschee auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Man lässt uns hier zumindest in den Vorhof, dessen Wände mit kunstvollen bläulichen Mosaiken verziert sind. Wir können sogar einen Blick in die nach Männern und Frauen getrennten Gebetsräume werfen, ausgeschmückt mit den ganzen Boden und sämtliche Wände bedeckenden Teppichen.
Geöffnet hat dagegen für den Fremden das benachbarte Heimatkundemuseum. Die verschiedenen Abteilungen zeigen Schmuck und weitgehend erklärungslos nebeneinander aufgehängte traditionelle Bekleidungsstücke, die Früchte und Gewürze der Oase, ausgestellt selbst ein Korb mit Trockenfisch, Anglergeräte und wieder einige Schmuckgegenstände.

Anzeige