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| Die Medina von
Hammamet - im Schutz der Stadtmauer |
Enfidha - auf
dem Wochenmarkt der Bauern |
Takrouna - ein
Berberdorf auf einem Felsen im Atlas-Gebirge |
Neptun-Tempel
von Zaghouan - der Weg des Wassers |
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| Sonnenuntergang
über dem Strand von Hammamet |
Bardo-Museum,
Tunis: Das Mosaik des Vergil |
Karthago - an
den Gräbern der Phönizier |
Die Thermen des
Antonius Pius in Karthago |
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Sidi Bou Said
- die blau-weiße Künstlerstadt bei Tunis |

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Tunis, Medina:
Die "Große Moschee". die Ölbaummoschee |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Beschriebene
Orte und Sehenswürdigkeiten: Hammamet
mit Jasmine, Schiffswrack
vor der Zitadelle, Enfidha,
Takrouna,
Zaghouan,
Sidi Hammat,
Tunis mit
Bardo-Museum,
Karthago, La
Goulette, Medina,
Sidi Bou Said,
Nabeul
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Freitag, 18. Juni
2004: Hammamet
Um 12.20 Uhr war unsere
LTU-Maschine in Schönefeld gestartet, um 13.55 Uhr Ortszeit – eine Stunde
Zeitverschiebung, weil Tunesien keine Sommerzeit hat – setzt sie auf dem
Rollfeld des Flughafens von Monastir zur Landung an. Obwohl Monastir wohl eine
der ältesten Touristenregionen von Tunesien ist, wirkt der Flughafen
unscheinbar, und, abgesehen von unserer Maschine, auch ziemlich unbelebt. Es
gibt zwei Wechselstuben, einen unbedeutenden Duty-free-Shop, aber dafür laufen
die Einreiseformalitäten verhältnismäßig unkompliziert. Nach einer knappen
Stunde stehen wir bereits an dem Bus, der uns nach Hammamet bringen soll.
Der Weg nach Norden führt über
eine ordentliche – und kostenpflichtige – Autobahn vorbei an das ausufernde
Sousse mit offensichtlich endlosen Vororten halbfertiger Backsteinbauten,
Vororten, die angesichts der auf den unbebauten Flächen weidenden Schaf- bzw.
Ziegenherden auch zu groß geratene Dörfer sein könnten und schließlich, nördlich
von Sousse, an Plantagen mit Olivenbäumen, jeder Quadratmeter
landwirtschaftlich genutzt.
Hammamets Ortsteil Jasmine, den
wir zunächst erreichen, ist ein einziges Hotelviertel, mit einer breiten
Strandpromenade, durch und durch sauber, aber dabei sieht man dennoch nur wenige
Geschäfte, aber immerhin neben den Hotels etliche Restaurants und Kaffeehäuser,
in denen aber kaum Betrieb herrscht.
Unser Hotel, das Parc Resort,
liegt zwischen Jasmine und der Altstadt von Hammamet. Von der Terrasse über dem
Sandstrand sehen wir im Süden die Hotelanlagen von Jasmine, im Norden,
angeblich keine drei Kilometer entfernt, die festungsartige Altstadt von
Hammamet.
Samstag,
19. Juni 2004: Hammamet
Die Anlage des Parc Resorts
besteht aus einer Vielzahl einzelner Gebäude, den Villen mit den Zimmern für
die Gäste, einer Sauna, die momentan aber leer zu stehen scheint, dem
Restaurant, einer Terrasse mit dem Swimmingpool, es gibt eine Minigolfanlage und
einen Tennisplatz, alle Gebäude verziert mit Kachelornamenten im maurischen
Stil – und für die wenigen Gäste alles irgendwie überdimensioniert.
Nach dem Frühstück treffen wir
um neun Uhr die ITS-Reiseleiterin im Nachbarhotel Continental, praktisch mit dem
Parc Resort verbunden. Wir buchen eine Tour „Land und Leute“ in die Umgebung
von Hammamet und eine weitere Tour nach Karthago, fahren dann mit dem Taxi für
2,5 Dinar (ein Dinar sind etwa 0,65 Euro) ins Hotel Venus, wo sich das
Tauchzentrum von Hammamet befindet. Für Montag und Mittwoch checke ich mich auf
dem Tauchboot ein, dann fahren wir zurück ins Parc Resort, wo wir die Zeit bis
zum Mittagessen am Strand verbringen.
230 Dinar verdiene er im Monat,
erzählt uns da am Strand der Bademeister des Hotels, dessen Hauptaufgabe darin
zu bestehen scheint, den Hotelgästen die Strandliegen aufzustellen. Davon könne
er mit seiner Familie, bestehend aus seiner Frau und den beiden Kindern, natürlich
kaum leben, zumal er die meiste Zeit des Jahres über arbeitslos wäre. In den
Wintermonaten würde er dann versuchen, etwa auf dem Bau zu arbeiten, wo man
neun Dinar am Tag verdienen könne, aber eben auch nur an den Tagen, wo man
Arbeit habe.
Nach dem Mittagessen machen wir
eine dreiviertelstündige Strandwanderung bis an die Festungsmauern der Altstadt
von Hammamet. Unmittelbar vor diesen Altstadtmauern, über die die weißen
Kuppeln der Häuser und ein Minarett ragen, liegt eigentlich der schönste
Strandabschnitt, nun genutzt von tunesischen Wochenendgästen und Liegeplatz
einheimischer Fischerboote.
Als wir wieder an unserem
Hotelstrand ankommen, hat dort gerade einer der Einheimischen einen mittelgroßen
Rochen harpuniert, den er nun den Kameras der Gäste präsentiert.
Am Abend fahren wir dann noch
einmal mit dem Taxi zur Altstadt, deren Mauern nun in der Dämmerung bereits rötlich
angestrahlt werden. Die ganze ummauerte Altstadt ist kaum größer als zwei oder
drei Fußballfelder, aber von der Dicke her könnten es die Festungsmauern wohl
mit jeder anderen Befestigungsmauer aufnehmen. Fünf Meter sind es sicherlich,
die diese rötlichen Mauern messen.
Der Muezzin ruft gerade zum
Gebet, etliche Männer gehen tatsächlich in die kleine Moschee, aber ansonsten
läuft der Basarbetrieb – jedes Haus beherbergt hier mindestens ein Geschäft
– fast ungetrübt von den religiösen Pflichten weiter. Dabei sind es nicht
einmal sonderlich viele Touristen, die hier durch die engen Basargassen
schlendern, sondern vor allem einheimische Besucher, darunter auch viele Frauen.
Und Kopftücher sieht man hier so gut wie gar nicht. In dem Kaffee, in dem wir
noch einen Capuccino nehmen, sitzen Männer und Frauen gemeinsam wie in jedem
anderen Kaffee Europas.
Was zunächst wie Wetterleuchten
aussieht, entpuppt sich rasch als heraufziehendes Gewitter. Zum Glück schaffen
wir es noch rechtzeitig, ins Hotel zurück zu kommen.
Sonntag,
20. Juni 2004: Enfidha – Takrouna – Zaghouan – Sidi Hammat
In Enfidha
ist heute der Wochenmarkt. Wir erreichen den Vorort von Sousse, ein Ort zwischen
Kleinstadt und Dorf und dazu ein Verkehrsknotenpunkt, von dem es aus unter
anderem Richtung Kairouan geht, von der Landstraße kommend, etwa nach einer
halben Stunde Fahrt gegen 8.30 Uhr früh.
Doch egal, ob nun Stadt oder
Dorf: Geprägt wird Enfidha heute von seinem Wochenmarkt, ein Bauernmarkt, an
dem die Bauern der Umgebung ihre Produkte von allen möglichen Gewürzen bis hin
zu lebenden Hühnern und Schafen anbieten, ein Markt, auf dem sich die Bauern
und Bäuerinnen – bei den Landfrauen sind die Trachten mit dem roten Kopftuch
noch immer verbreitet – mit den Dingen des alltäglichen Bedarfs von Plastikstühlen
bis zu Schuhen oder Küchensieben versorgen. Touristen sind unter den
Marktbesuchern jedenfalls eine absolute Minderheit, denen die Einheimischen auch
keine weitere Aufmerksamkeit schenken.
Das Marktgeschehen auf einem
Platz am Rande des Ortes, gut drei vier mal so groß wie die ummauerte Altstadt
von Hammamet ist bereits voll im Gang. Kunstgewerbe, Keramiken, Lederartikel,
also das, was die Touristen normaler weise interessiert, fehlen praktisch ganz;
dafür gibt es etliche Händler, die nichts anderes als ganze Wagenladungen mit
Melonen anbieten, andere kommen mit Möhren, entweder auf LKW’s oder auf
Eselskarren, eine ganze Straße voller Stände bietet alte, wohl schon getragene
Schuhe, wobei sich die Kunden die jeweils zueinander passenden Exemplare einzeln
aus den Schuhbergen heraussuchen müssen. In dieser „Straße“ findet man
auch die Schuster, die eine Decke auf dem Boden ausgebreitet haben, neben sich
ihre Werkzeuge ausgebreitet haben, um nun Sohlen zu kleben oder auseinander
gehendes Schuhwerk wieder auf andere Weise zu flicken. Geldscheine sieht man
ihren Kassen nicht und nicht einmal sonderlich viel silberne Dinar. Hier auf
diesem Markt wird noch in Millilem gerechnet.
Fast am Ende der Schuhstraße hat
ein Hühnerverkäufer seinen Stand errichtet. Die gackernden Hühner werden an
den Flügeln gepackt, vor dem Kunden auf die Waage gepresst, bekommen dann den
Hals durchgeschnitten und werden kopfüber in einen Blechzylinder gesteckt,
damit sie ausbluten.
Auf die Schafe und Ziegen, die
auf einem eigenen Areal am Rande des großen Marktes angebunden stehen, viele
wohl schon seit Stunden in der mittlerweile prallen Sonne, ohne Schatten und
Wasser, wartet wohl kaum ein besseres Schicksal, auch wenn sie hier nicht gleich
unmittelbar vor Ort unter dem Schlachtermesser landen: Das hier ist eben keine
Folklore sondern die Realität des Landlebens.
Takrouna,
ein Berberdorf auf einem hohen Felsen im Vorläufer des Atlasgebirges, das nächste
Ziel unseres Ausfluges, hat schon wieder etwas mehr von Folklore an sich. Denn
das eigentliche Dorf Takrouna liegt heute weit zerstreut unterhalb des Felsens,
auf den nun eine holprige Autopiste führt, die an einem jetzt bereits voller
Landrover stehenden Parkplatz endet.
Matmata, das Erdhöhlendorf in
der südlichen Steinwüste von Tunesien, steht für die eine Art der
traditionellen Berbersiedlungen, klärt uns Adel, unser einheimischer Tourguide
auf, Takrouna, das Dorf auf dem Felsen, der seine eigene Befestigungsanlage ist,
die andere.
Was man schon von unten als
hervorstechenden Punkt des Bergdorfes, das heute nicht mehr wirklich bewohnt
ist, gesehen hat, war die schneeweiße Moschee mit ihrem Minarett, nun, vom
Parkplatz aus, ist es diese Moschee, die sofort wieder ins Auge springt, das größte
und wehrhafteste Gebäude des Ortes, den jeder Besucher passieren muss.
Takrounas Gassen sind der
unbehauene Fels, nichts als die schmalen Streifen, die man zwischen den aus bräunlichem
Stein errichteten kleinen Häuschen frei gelassen hat. Und als sei das alles
nicht schon sicher genug, haben die Dorfbewohner um ihr Felsplateau herum auch
noch eine Mauer errichtet, über die man nun hinunter auf die bebauten Felder im
Tal sieht.
Mittelpunkt von Takrouna, falls
der Begriff überhaupt passt, ist eine etwas größere freie Fläche, an der
sich nun ein Kaffee für die zahlreichen Besucher findet sowie ein dunkler Raum
in einem der benachbarten Häuser, der schlicht und ergreifend bei zwei Dinar
Eintritt zum Museum deklariert wurde.
Von Takrouna geht es nun nach Zaghouan,
einem landwirtschaftlichen Zentrum, von dem aus in der Zeit des Römischen
Reiches die gesamte Provinz und vor allem das wieder errichtete Karthago über
ein 180 Kilometer langes Aquädukt mit Wasser versorgt wurde. Um die Felsquelle,
von der diese Wasserleitung aus gespeist wurde, errichteten die Römer einen
Neptun-Tempel, der das Ziel unseres Abstechers ist.
Von der Quelle selbst ist nichts
mehr zu sehen, nur in einem Becken unterhalb des Tempels steht noch das Wasser.
Überhaupt sind von diesem Provinztempel nicht mehr geblieben als die Mauern des
Halbrund, versehen mit den Nischen, in denen einst die Statuen der Nymphen
standen und dem Kuppelbau über der einstigen Quelle, Standort der Neptunstatue.
Noch am beeindruckendsten: Die Lage des antiken Heiligtums, unmittelbar zu Füßen
eines steil hoch ragenden Felsens, der die ganze Anlage als fast bescheidene
menschliche Huldigung des Wassergottes erscheinen lässt.
In Sidi
Hammat, einem unscheinbaren Landstädtchen, endet unser Tagesausflug mit
einem touristentypischen Mittagessen. Ein ummauerter ehemaliger Bauernhof wurde
zum Restaurant umfunktioniert, das Brot wird über offenem Feuer an der
Innenseite eines offenen großen Tonkruges gebacken, zu Flötenmusik und
folkloristischem Tanz gibt es Kuskus und andere Nationalgerichte. Jenseits der
Folklore bittet uns das Mädchen, das auf die Toiletten aufpasst, dann um ein Stück
Brot.
Gegen 16 Uhr sind wir schließlich
wieder in Hammamet in unserem Hotel.
Montag,
21. Juni 2004: Hammamet
Mit einem kleinen Schlauchboot
fahren wir – zwei Mann Besatzung, vier Gäste – zu dem Tauchplatz im Süden
von Hammamet, noch vorbei an Jasmine und an dem Jachthafen. Allerdings habe ich
Probleme mit der Ausrüstung, muss den Tauchgang gleich wieder abbrechen. Die
anderen haben immerhin einige Fische gesehen.
Am Nachmittag mache ich mich dann
im Swimmingpool des Hotel Venus noch einmal mit der Ausrüstung etwas
vertrauter.
Dienstag,
22. Juni 2004: Hammamet (Jasmine) und Festung
Der Ortsteil Jasmine hat mit dem
übrigen Hammamet eigentlich wenig zu tun: Das ist eine Stadt für sich.
Morgens um 8.30 Uhr werden wir
abgeholt, um im Yachthafen von Jasmine unsere dreistündige Tour mit dem
Glasboot zu starten. Der Ort Hammamet selbst ist sicherlich durch und
touristisch – aber hier in Jasmine gibt es entlang der
großzügigen Strandpromenade nichts anderes als Hotelanlagen, von denen immer
noch einige gerade im Bau begriffen sind. Vor einem Hotel mit dem Namen Karthago
steht eine künstliche, aber absolut lebensecht wirkende Herde Elefanten, ein
anderes Hotel verfügt über einen als Märchenschloss daher kommenden Vorbau
– der Phantasie der Hotelarchitekten scheinen kaum Grenzen gesetzt. Nur ein
normales Straßenkaffee, ein einheimisches Wohnhaus, einen kleinen Laden für
die Dinge des täglichen Bedarfs – das sucht man hier vergebens.
Der Hafen selbst ist klein,
ausgerichtet auf Yachten und die nachgebauten Piratenschiffe, die von hier aus
die Touristen vor die Festung von Hammamet bringen.
Bis zu dieser Festung des alten
Hammamet reihen sich nun von der Küste aus gesehen die Hotels; mit der
Unterwasserwelt dagegen schaut es etwas bescheidener aus. Was wir vom Glasboot
aus sehen ist vor allem Seegras, ab und zu kleinere Fische.
Etwas südlich vor der Festung
stoppt unser Boot dann über dem Wrack eines Schiffes der italienischen
Kriegsmarine, das hier nun seit dem zweiten Weltkrieg in vielleicht sieben Meter
Tiefe begraben liegt. Mehr zu sehen als die Konturen einer der Außenwände ist
allerdings nicht.
Am Nachmittag fahren wir noch
einmal zur Altstadt von Hammamet. Gleich
hinter dem Eingangstor der Stadtmauer liegt auch der Eingang zur Zitadelle von
Hammamet, die man für einen Dinar besichtigen kann.
Die Festung, so berichten die
erklärenden Texttafeln auch auf Deutsch, stammt aus dem 9. Jahrhundert, ist
damit älter als die im 11. Jahrhundert errichtete Stadtmauer. Aber auch wenn
der an der Nordseite gelegene Wachturm neben dem Minarett über der keinen
Steinwurf entfernten Moschee das höchste Bauwerk der Stadt ist, so ist sie
gemessen an anderen Befestigungsanlagen doch eher bescheiden. Streng genommen
besteht sie auch nur aus den vier Außenmauern um den Zitadellenplatz, in dessen
Mitte sich ein mit ebenfalls massiven Mauern ausgestattetes, ansonsten aber
kleines und einräumiges Gebäude steht. In diesem Steinhaus findet man schließlich
ein schmales Bett, vielleicht das Bett jenes abtrünnigen Johanniter- bzw.
Malteserritters, der hier eine Weile als Kommandant gedient hat.
Viel genutzt hat die
Festungsanlage den Einwohnern von Hammamet, das im Mittelalter und beginnender
Neuzeit aus dreihundert armseligen Häusern bestand,
aber eben so wenig wie die Stadtmauer, die die Bewohner, vor allem
Fischer, dazu einige Kaufleute, wie die Tafeln berichten, aus eigenen Mitteln
erbaut hatten und unterhielten. 1602 wurde der Ort Opfer des Angriffs einer
kleinen Flotte maltesischer und sizilianischer Schiffe. Die christlichen
Angreifer hatten sich einfach als Türken verkleidet, und die leichtgläubigen
Einwohner Hammamets öffneten die Tore, eilten zum Strand, um die vermeintlichen
Freunde zu begrüßen. 700 Einwohner des Ortes, praktisch alle Frauen und
Kinder, dazu auch einige nicht erschlagenen Männer, landeten nach der Chronik,
landeten danach auf den Sklavenmärkten von Malta und Sizilien. Die
Schilderungen der Ereignisse auf den Texttafeln stammen übrigens von einem der
Eroberer; für die offiziellen osmanischen Chroniken war das Scharmützel am
Rande des Reiches wohl nicht einmal einer Erwähnung wert.
Aber irgendwie muss sich Hammamet
von diesem Schlag erholt haben. Von dem Kaffee in dem Aussichtsturm blickt man
nun am späten Nachmittag auf das bunte treiben in den Basargassen zwischen den
weiß getünchten, manchmal leicht bläulichen Häusern, die auch allesamt recht
schmuck hergerichtet sind.
Lederwaren sind die Attraktion
des touristischen Basars. Für einen kleinen Rucksack aus Kamelleder will der
Verkäufer zunächst 65 Dinar, mein erstes Gebot lautet auf 13 – und schließlich
werden wir bei 28 Dinar handelseinig. In einem anderen Laden entdecken wir
Schuhe aus Kamelleder, ebenso Hausschuhe, und für drei Paar lautet der erste
Preis zunächst auf 100 Dinar. Ich biete 20, nach längerem Hin und Her zahlen
wir dann 62,50 Dinar.
Mittwoch,
23. Juni 2004: Hammamet (Schiffswrack)
Familiär und persönlich wären
Attribute, die durchaus auf das „Dive Center Venus Hammamet“ zutreffen würden.
Dass Organisationsvermögen auch dazu gehört, kann man allerdings auch beim
besten Willen nicht behaupten. Um 9.30 Uhr sind wir zum Tauchen verabredet,
angeblich, weil es zu dem in 24 Meter Tiefe gelegenen Wrack im Süden gehen
soll, nach über einer Stunde Wartens passiert aber immer noch nichts, und dann
heißt es, dass es zu dem Wrack vor der Festung von Hammamet, also dem des
italienischen Bootes im Norden geht.
Mit etlicher Verspätung geht es
also auf das Schlauchboot, das mich zu dem bereits vor Anker liegenden Tauchboot
einer anderen Tauchschule bringt. Und endlich geht es dann auch ins Wasser!
Das Wrack
liegt in knapp sieben Meter Tiefe auf sandigem Boden. Inzwischen sind die Überreste
des italienischen Militärbootes – nach rund 60 Jahren Liegezeit – mit
Seegras, kleinen Muscheln und Anemonen bewachsen. Unter den Trümmern noch
deutlich erkennbar ist der auseinandergeborstene Rumpf mit seinen stählernen
Verstrebungen. Eine noch fast ganz erhaltene Außenwand von vielleicht 20 Metern
Länge verrät etwas über die ursprünglichen Ausmaße des Schiffes, das wohl
kaum mehr als ein kleines Patrouillenboot gewesen sein dürfte. Abgesehen von
den Muscheln und den Anemonen haben sich nur einige Schwärme kleiner silberner
Fische das in etwa hundert Meter Entfernung vom Ufer gelegene Wrack als neuen
Lebensraum auserkoren.
Donnerstag,
24. Juni 2004: Tunis (Bardo-Museum, Karthago, La Goulette, Medina)
– Sidi Bou Said
Um 8.30 Uhr – lediglich zehn
Minuten später als vorgesehen – werden wir zu unserer Tagesfahrt nach Tunis,
Karthago und Sidi Bou Said abgeholt. Der Bus führt über die Autobahn – und
nach etwa einer Stunde haben wir bereits unser erstes Ziel, das Bardo-Museum von
Tunis erreicht.
Untergebracht ist das Bardo-Museum
im ehemaligen Palast des Bey von Tunis, streng genommen in zwei Palästen, weil
sich an den Palast des Bey gleich der Palast seines ersten Ministers anschließt.
Dabei wirkt die strahlend weiße Anlage von außen nicht so sehr wie das Schloss
eines orientalischen Herrschers, als vielmehr wie ein großer, einzig und allein
auf Zweckmäßigkeit bedachter Verwaltungsbau.
Das ändert sich allerdings, wenn
man das Gebäude betreten hat. Die Decken der jetzigen Ausstellungssäle sind
beispielsweise mit kunstvollen Insistarien aus Zedernholz verziert, oder, wie
das Kuppeldach über dem Harem des Beys, von feinstem Marmorstuck bedeckt.
Aber berühmt ist das
Bardo-Museum vor allem für seine Mosaiken-Sammlung, von denen wir zuerst die
Grab-Mosaiken aus der christlichen, der byzantinischen Periode zu sehen
bekommen. Erstes Exponat der byzantinischen Abteilung ist allerdings ein aus
Marmor geschlagenes Taufbecken, ein Taufbecken, in das Priester und Täuflinge
hinabsteigen mussten, um etliches größer als die Becken, die man aus den
christlichen Kirchen Nord- und Mitteleuropas kennt.
Die Grabmosaiken zeigen dann die
Porträts der Verstorbenen, nennen Daten und Jahreszahlen, sind dabei ungewöhnlich
Präzise. Über ein Mädchen, dass keine neun Jahre alt wurde, heißt es
beispielsweise dass es acht Jahre, zehn Monate, 23 Tage und sechs Stunden lebte.
Eine Statue des Apollo markiert
den Übergang zur römischen Abteilung, deren Mosaiken nun wieder dem Leben
gewidmet sind – insbesondere dem Weingott Bacchus, der in etlichen
Darstellungen zu finden ist. Im Harems-Raum, dem, mit dem herrlichen
Marmorstuck, hängt das einzige Mosaik, das den römischen Dichter Vergil,
umgeben von den göttlichen Musen zeigt, andere Mosaiken zeigen Szenen aus dem
Landleben reicher Römer, von Ernte und Jagd, wie das Mosaik, das im Landhaus
einer Familie namens Julius gefunden wurde.
Einmalig wohl auch die
„Speisekarten-Mosaiken“, typisch für die Speisezimmer, mit den
Darstellungen von Früchten, allerlei Geflügel und Wild, aber auch den anschließenden
Vergnügungen, die der Tafel folgten, etwa dem Würfelspiel. Dabei scheuten sich
die römischen Künstler auch nicht, die Realität so darzustellen, wie sie nun
einmal ist, beispielsweise den Hausherrn zu zeigen, wie er beim Würfelspiel
gerade mogelt.
In der – kleinen – punischen
Abteilung sind vor allem Vasen und andere Gefäße ausgestellt, dazu einige
Masken, und gleich daneben schließt sich die vorgeschichtliche Abteilung an, in
der unter anderem ein Neandertalerschädel sowie der Schädel eines
Australopiticus zu bewundern sind.
Karthago,
von den Römern zerstörte antike Metropole der Punier, dann von den Römern als
ihre größte Stadt in Afrika wieder aufgebaut (zumindest behaupten das die
tunesischen Reiseführer), dann beim Sturm der Vandalen wieder zerstört, ist
nun als der reiche Villenvorort der tunesischen Hauptstadt wieder auferstanden,
ein Vorort der privaten Prunkbauten und der in den sauberen Straßen parkenden
schwarzen Edelkarossen, als der Ort, über dessen Hügeln auch der tunesische Präsident
seinen weiträumig abgeschirmten Palast hat.
Von dem alten Karthago der Punier
bekommen wir allerdings nicht viel zu sehen. Nur einige offene Grabstellen, etwa
fünf bis sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung angelegt, liegen auf
unserem Weg zu den römischen Thermen, die Kaiser Antonius Pius im zweiten
Jahrhundert für seine afrikanische Metropole errichten ließ.
Die Ruinen der Thermen
beeindrucken vor allem durch ihre Kolossalität: Ein größeres Badehaus als
dies hier gab es tatsächlich nur noch in Rom selbst.
Ein Modell zeigt die Thermen, wie
sie ursprünglich ausgesehen haben, eine Anlage aus einem gigantischen, mit Schrägdach
versehenem mehrstöckigem Gebäude; geblieben sind davon nur die massiven
Unterbauten mit ihren mächtigen Torbögen, deren Funktion im einzelnen für den
Laien kaum noch erkennbar ist. Zwei – nachgebaute – Säulen veranschaulichen
dabei die ursprüngliche Höhe.
Sidi Bou
Said, das Künstlerstädtchen in der Nähe von Tunis ist – mehr noch als
Hammamet oder andere Städte – eine Komposition in Blau-Weiß. Durch das
Stadttor gelangt man gleich auf die an den Berg geschmiegte Hauptstraße, und
unmittelbar gegenüber diesem Stadttor befindet sich auch das „Dar el Annabi“,
das zu einem kleinen Museum umfunktionierte Privathaus, das ursprünglich von
einer reichen Familie islamischer Andalusien-Flüchtlinge gebaut wurde.
Von außen unterscheidet sich das
Haus des „Dar el Annabi“ mit seinen weißen Mauern, dem blauen Eingangstor
und den blauen Fenstern kaum von den Nachbargebäuden. Innen finden sich dann
aber in den Zimmern des ersten Stocks lebensgroße Puppen in traditioneller
Tracht, die das Alltagsleben einer wohlhabenden Familie wiederspiegeln sollen:
Der Hausherr an seinem Schreibpult, Frauen beim Tee, und an die vorderen Räume
schließt sich dann ein großzügiger Innenhof an, von dem es über Erker und
verwinkelte Treppen zu den Nebentrakten des Gebäudes geht.
Einen Besuch lohnt das „Dar el
Annabi“ aber vor allem aber wegen des Ausblicks, der sich von der Dachterrasse
aus bietet: Auf das Gewirr schmucker weißer Häuschen mit den blauen
Farbtupfern und feinen Keramikarbeiten.
Die Hauptstraße etwa 150 Meter
weiter höher hinauf hat man dann von der Terrasse des „Matten-Kaffees“ noch
einmal einen vergleichbaren Blick.
Bis zum Matten-Kaffee wimmelt die
Stadt von Touristen – dahinter wird es dann etwas ruhiger, verirren sich nur
noch wenige Menschen in die schmalen Gassen. Dabei wirkt die Stadt hier – ohne
die Andenkengeschäfte – weitaus typischer. In diesem oberen Teil liegt dann
auch der Parkplatz, von dem aus man hinunter auf die Bucht von Tunis schaut.
Zum Mittagessen fahren wir zurück
nach Karthago, in das Restaurant „Phönix von Karthago“, ausgerichtet auf
repräsentative Veranstaltungen wie etwa Hochzeitsfeiern mit mehreren hundert Gästen,
ein Treffpunkt für die reichen Tunesier – und damit eben auch für die
Einwohner von Karthago.
Unmittelbar neben dem Restaurant
stehen die Überreste jenes Aquäduktes, das die Quelle von Zaghouan mit den
Thermen von Karthago verband, nur noch ein kleines Teilstück, das aber doch
erahnen lässt, wie gewaltig diese Wasserleitung mit ihrer Haupt- und
Nebenlinien, der Vielzahl von Zwischenbecken doch gewesen sein muss.
Über La
Goulette, das Viertel des Handelshafens, geht es nun zur Medina von Tunis.
La Goulette wirkt – zumindest bei der Durchfahrt – als eine eher langweilige
Vorstadt, nicht einmal sehr geschäftig, mit unauffälligen zwei oder dreistöckigen
Wohnhäusern, für afrikanische Verhältnisse aber doch Zeugnisse eines wenn
auch bescheidenen Wohlstandes, zumindest eines regelmäßigen Auskommens. 18 Fährstunden
von den Häfen von Marseille und Genua entfernt ist La Goulette, so unser
Reiseleiter Adel, der bevorzugte Wohnort der jüdischen und christlichen
Minderheit von Tunesien.
Über die Avenue Habib Bourgiba,
der eleganten Hauptstraße von Tunis, umsäumt von den prachtvollen Bauten der
französischen Kolonialzeit, mit Straßenkaffees ähnlich wie auf dem Pariser
Champs Elysee, dem Vorbild der Avenue Habib Bourgiba, nähern wir uns der Medina
von Tunis.
Die Grenze der Medina
wird durch das „Französische Tor“ markiert, einer Nachempfindung des
Triumphbogens, ebenfalls aus der Kolonialzeit – wobei die Häuser an diesem
Platz allerdings ebenfalls aus der Kolonialzeit stammen, wie auch die meisten
anderen, die entlang der größeren Gassen der Medina noch zu finden sind.
Der Basar in der Medina ist klar
auf die Touristen orientiert: Lederkamele, Töpferwaren, alle verschiedenen
Arten von Andenken, einige Gewürze, so gut wie keine Lebensmittel – die
Bewohner von Tunis selbst kaufen in den Einkaufszentren, wie es beispielsweise
an der Avenue Habib Bourgiba inzwischen eines gibt.
Geradeweg vom Französischen Tor
verläuft die sogenannte Ölbaum-Gasse, die direkt auf die Ölbaum-Moschee, die
Große Moschee der Medina führt. Nur: Viel mehr als die Querfassade kann man
von der Moschee hier nicht sehen – der ganze Platz ist schließlich dicht
bebaut, nicht breiter als eine vierspurige Straße.
Wer die Moschee in Gänze sehen
will, muss sich schon einen anderen Standort suchen: Ein Basari, den wir erst für
einen Schlepper halten, führt uns zu einem solchen Platz. Zunächst durch den
überdachten Souk der Gold- und Silberschmiede, deren Geschäfte allerdings eher
klein, die Auslagen eher unscheinbar sind, dann zu dem Gebäude eines
Teppichversands, was uns schon vermuten lässt, dass uns hier noch ein Teppich
verkauft werden soll, schließlich auf das Dach des Teppich-Hauses – und von
hier sieht man dann tatsächlich nicht nur die Moschee in Gänze, sondern hat
auch einen Überblick über die Dächer der Altstadt.
Natürlich lädt uns unser Führer
danach noch in sein Geschäft, in eine Gewürzhandlung, aber wir haben nun ja
tatsächlich keine Zeit. Ich gebe unserem Führer ein Bakschisch von fünf
Dinar, die er sich ja tatsächlich verdient hat, und wir verabschieden uns überaus
freundlich. Die durchaus begründete Furcht, in die Fänge dubioser Schlepper zu
geraten, sollte also nicht unbedingt zu einem übergroßen Misstrauen führen.
Gegen 18.00 Uhr sind wir schließlich
wieder in Hammamet in unserem Hotel.
Freitag,
25. Juni 2004: Nabeul
Jeden Freitag ist in Nabeul
der sogenannte Kamelmarkt, der mit Kamelen – außer dem vielfältigen
Angeboten aus Kamelleder – nichts mehr zu tun hat. Der Kamelmarkt ist ein
riesiger Basar für die Touristen, und im Angebot sind vor allem
Keramikarbeiten, von riesigen Amphoren bis zu kleinen Kacheln, das alles entlang
der breiten Hauptstraße im Zentrum von Nabeul.
M Rande des bunten Treibens
liegt, von den Touristen weniger beachtet, der überdachte Souk, in dem auch die
Einheimischen kaufen. Wir finden einen Schuster, bei dem wir für ein Paar
Damenschuhe aus Kamelleder schließlich 19 Dinar zahlen. Ursprünglich sollten
sie 22 Dinar kosten – immer noch weniger, als wir in Hammamet bezahlt hätten.
In der Nähe des überdachten
Souks liegt schließlich der Zentralmarkt für Gemüse, alle anderen Arten von
Lebensmitteln und Textilien, die auf dem Boden aufgestapelt liegen, wie in einem
übergroßen Kramladen. Hier werden auch lebende Tiere verkauft, zwar keine
Kamele, aber jede Menge Hühner, wobei sie hier allerdings nicht – wie in
Enfidha – gleich an Ort und Stelle geschlachtet werden.
Gegen Mittag fahren wir zurück
nach Hammamet, wo wir dann im Hotel auf unseren Transfer für den Rückflug
warten.
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