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| Ein
Zitronenhai - gesehen am Tauchplatz Marine Reef |
Boavistas
Deserto de Viana auf - aus dem Flugsand der
Sahara |
Fischmarkt
in Boavistas Hauptort Sal Rei - Domäne der Frauen |
Gipfel
in den Wolken - gesehen auf der Vulkaninsel Fogo |
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| In
Fogos Hauptstadt São
Filipe: ein altes Kolonialhaus |
Gesehen
von Cabeca Fundao: Berglandschaft von Fogo |
Erkaltete
Lava - in der Caldera des großen Vulkans von Fogo |
Cabo
de Santa Maria auf Boavista: ein Wrack am Strand |
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In der Boa
Esperança leben noch zahlreiche Wildesel |

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Straßenszene in Sal Rei:
Ein Häuserdach wird Ziegenstall |
Zum Betrachten
der Fotos klicken Sie auf die Vorschaubilder
Beschriebene
Inseln und Orte: Die Insel Boavista mit den Orten Rabil, Povoacao
Velha, Sal Rei, Bofareira,
Fundo Figueiras (Norte), João Galego,
den Regionen Praia da Chave mit dem
Hotel RIU Karamboa, Deserto de Viana,
Praia de Santa Monica, Boa Esperança,
Cabo de Santa Maria, Campo da Serra,
und
den Tauchplätzen Marine Club Reef
Possens Hole, Shark Point,
Bodega, Rockwall, die
Insel Fogo
mit São Filipe, Patim,
Achada Furra, Cabeca Fundao,
Pico Pequeno, Chã das Caldeiras, Bangaeira
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Donnerstag,
22. Oktober 2009: Boavista, Rabil und RIU Karamboa, Praia de Chavez (Praia
da Chave)
Gegen
13 Uhr Ortszeit, 16 Uhr Mitteleuropäische Sommerzeit, befindet sich die
TUIfly-Maschine knapp sechs Stunden nach dem Start in Frankfurt im Anflug
auf Boavista. Von oben scheint es, als hätte sich die Kapverden-Insel
nicht entscheiden können, ob sie nun eine reine Sandwüsten-Insel oder eine
Weideland-Insel werden wollte. Auf alle Fälle ist es eine ziemlich baumlose
Insel, nur einige kleine Sträucher sind zu erkennen.
Von
Rabil, dem Ort, dem der Flughafen seinen Namen verdankt, bekommt man beim
Aufsetzen auf der Rollbahn einen ersten Eindruck: ein eher gesichtloses Dorf
mit einigen kleinen Neubauten in der Nähe des Rollfeldes.
Der
kleine Flughafen von Rabil erinnert in seiner Anlage an eine alt-maurische
Festung mit einem geschwungen Tor, die Mauern gelblich getüncht – und
alles absolut überschaubar. Ein Willkommensschild erklärt den Ankömmlingen,
dass der Flughafen einzigartig auf der Welt sei, seine Gäste liebe – und
sie ihn ebenso lieben würden.
Die
Einreise verläuft jedenfalls völlig unkompliziert, und obwohl wir vorab
online ein Visum beantragen mussten, gibt es nun einen einfachen Stempel in
den Pass, eine Prozedur, die nur wenige Minuten Zeit in Anspruch nimmt.
So
bescheiden sich Flughafen und Rabil zeigen, so pompös ist das RIU
Karamboa,
gelegen am Praia de Chavez oder auch Praia da
Chave, gerade drei Autominuten
vom Flughafen entfernt. Schon von weitem wirkt die Hotelanlage wir das
gewaltige Schloss eines Maharadschas, eher sogar schon wie eine ganze
Schloss-Anlage mit einem Hauptgebäude für den Eingangsbereich, verziert
mit bläulichen Kuppeln, auch die vier Trakte mit den Gästezimmern verziert
mit Türmen, und schließlich gibt es noch die dazu passenden Pavillons,
auch die mit bläulichen Türmen versehen, das Poolrestaurant
und die Poolbar.
Allerdings:
Zwischen diesen einzelnen Gebäuden schaut es noch nach Wüste aus, Sandfläche,
in denen aber bereits wie Oasen erste Palmenhaine sprießen.
Und
außerhalb des Hotels: Breiter Sandstand, der Strand Praia de Chavez, so
weit das Auge reicht. Im Norden geht der Blick dabei bis zur Inselhauptstadt
Sal Rei und der kleinen, grün bewachsenen Insel, die wie ein Schutzschild
vor der Stadt liegt, im Süden sieht man bis zu einer Erhebung, die, nicht
zwar sehr hoch ist, aber die Verhältnisse von Boavista doch schon einen bis
an die Küste reichenden Berg darstellt. Nur: Wer sich hier auf eine längere
Strandwanderung einlässt, wird unterwegs keinen Schatten finden.
Unmittelbar am Strand wächst kein Strauch, erst recht keine Palme.
Kurzes
Gespräch mit einer jungen Verkäuferin aus einem der Souvenirläden im
Hotel: Die junge Frau kann Deutsch, hat es während ihres neunmonatigen
Aufenthaltes in Trier gelernt. Dort war sie, nachdem sie auf den Kapverden
ihr Touristik-Studium beendet hatte. Doch die einheimische Firma, für die
sie auf Sal als Reiseleiterin gearbeitet hatte, gibt es nun nicht mehr, und
überhaupt ist auf Sal, wo der Kapverden-Tourismus immerhin begann, der
Fremdenverkehr nun fast zum Erliegen gekommen. So hat es sie vorübergehend
hierher in dieses Geschäft verschlagen. So wie ihr geht es noch einigen
anderen, aber entsprechend sind die Lebenshaltungskosten für die Zuwanderer
explodiert.
Freitag,
23. Oktober 2009: Tauchplatz Marine Club Reef
Die
Tauchbasis von Scuba Caribe befindet sich direkt am Strand, an der Nordseite
der Hotelanlage. Und zu den Tauchplätzen geht es mit dem Schlauchboot. Das
reicht momentan aber auch aus, an diesem Nachmittag sind ein Portugiese und
ich jedenfalls die einzigen Tauchgäste.
An
einer Küste mit leerem Strand und sandigen Hügeln, den Dünen vorbei geht durch den Hafen von Sal Rei, wo einige schon leicht
angerostete Frachter, Fischerboote und auch Yachten und Segelschiffe, die
aber schon bessere Tage gesehen haben dürften, liegen, zu unserem heutigen
Tauchplatz, dem Marine Club Reef, keine 200 Meter von der hier etwas
felsigeren Küste entfernt.
Der
Tauchplatz liegt in einer Tiefe von 15 Metern, besteht aus einer
Unterwasserlandschaft aus Felsen, aus Felswänden mit Mulden und kleinen Höhlen,
aus Schluchten mit meist sandigem Boden. An einer Stelle liegen die
einzelnen, fast quadratischen Felsblöcke
so in gerader Linie aufgereiht da, dass man fast glauben könnte, hier auf
die Straße einer im Meer versunkenen Stadt gestoßen zu sein. Tatsächlich
wurden die Steine natürlich von der doch recht starken Strömung so gleichförmig
gestaltet.
Die
Sicht ist leider nicht besonders gut, geht kaum über acht Meter. Die
beeindruckendsten Entdeckungen dieses Tauchganges macht man aber auch nicht
im freien Wasser, sondern in den Mulden an den Felswänden. Das sind die Muränen,
eine kleinere gescheckte und ein riesiges grünes Exemplar, das sich in die
Felsspalten gewunden hat, das Prachtexemplar eines Rochen, der vom Kopf bis
zur Spitze seines Schwanzes sicherlich zwei Meter misst, nun aber seinen
Kopf weitgehend im Sand seiner Höhle versteckt hat, große, ausgewachsene
Langusten, die uns ihre Fühler wie Verteidigungswaffen entgegenstrecken,
kleine Babylangusten – und schließlich, auch der wie schlafend in einer Höhle,
ein Zitronenhai, vielleicht etwas über eineinhalb Meter lang, ein Tier,
dass sich zumindest von uns nicht aus seiner Ruhe bringen lässt.
Samstag,
24. Oktober 2009: Tauchplätze Possens Hole und Marine Club Reef
Possens
Hole, 23 Meter tief, ist wieder ein felsiger Tauchplatz, etwas weiter von
der Küste entfernt, aber wieder im Norden, noch über den Marine Club Reef
hinaus.
Die
Strömung erscheint mir etwas stärker als gestern, die Sicht ist noch dürftiger,
und zu allem Überfluss verliere ich auch noch eine meiner Bleitaschen –
wobei die Divemaster von Scuba Caribe fest überzeugt sind, sie bei ihrem nächsten
Tauchgang hier wieder zu finden. Aber zumindest einige Langusten kann ich
trotz dieser widrigen Umstände doch noch entdecken.
Die
Langusten, die wir bereits gestern gesehen haben, treffen wir beim zweiten
Tauchgang des Vormittages nun am Marine Club Reef ebenfalls wieder an, dazu
auch die Muränen – und wieder den Zitronenhai, der sich völlig ruhig in
seiner Höhle verhält, so, als wollte er das Problem, schon wieder von
Tauchern belästigt zu werden, einfach aussitzen.
Sonntag,
25. Oktober 2009: Tauchplätze Shark Point und Bodega
Der
Tauchplatz Shark Point – ein Name, der aber keine weitere Bedeutung hat
– liegt ein gutes Stück nordwestlich unserer Hotelanlage, auch mit
unserem Schlauchboot fast 45 Minuten entfernt.
In
26 Metern Tiefe wartet dann ein fast unheimlich anmutender Platz, unheimlich
zumindest bei der eher dürftigen Sicht, mit der wir es hier zu tun haben.
Aber dennoch entdeckt man in den Höhlen wieder die Langusten, und schließlich
gibt es hier auch eine größere Höhle, die man durchtauchen kann, und in
der sich ganze Schwärme von Fischen tummeln. Zum Schluss unseres
Tauchganges begegnen wir noch einer Gruppe von Langusten, die ihre sichere Höhle
verlassen haben, nun an der offenen Felswand gerade eine weitere
Futterquelle erschließen.
Bodega,
der zweite Tauchplatz, liegt unmittelbar neben der kleinen Sal Rei
vorgelagerten Insel, 15 Meter tief, bestehend aus mitunter fast gerade
verlaufenden Felswänden mit sandigen Canyons dazwischen. Die Sicht ist
etwas besser als bei den Tauchgängen zuvor. Und da auch die Strömung etwas
schwächer scheint, ist dies – im Vergleich zu den anderen bisher erlebten
– geradezu gemütlich.
Wohl
zu fühlen scheinen sich hier insbesondere die Muränen, von denen zumindest
eine von den grünen sich ihre Mulde noch mit einem Seeigel teilt. Fast
putzig: Eine ziemlich kleine gescheckte Muräne hat ihren Oberkörper nach
oben gestellt, das Maul dazu weit aufgerissen.
Am
Nachmittag unternehmen wir noch einen kurzen Strandspaziergang Richtung
Norden, bis zu einer flachen Lagune, die man leicht zu Fuß durchqueren
kann. Der Weg nach Sal Rei scheint an diesem Strand kaum mehr als ein
ausgedehnter Spaziergang.
Montag,
26. Oktober
2009: Rabil – Estãncia de Baixo – Deserto de Viana – Povoacāo
Velha – Praia de Santa Monica – Fábricia da Chave
So
gesichtslos, wie der Ort vom Flughafen aus erschien, ist Rabil gar nicht.
Die gepflasterte Dorfstraße wird gesäumt von kleinen bunten Häuschen,
angemalt mit rosa, blau, grün, wobei manch schmuck instand gehaltenes Haus
unmittelbar neben einer Ruine steht, von denen es hier auch etliche gibt.
Die
beiden Landrover, mit denen wir zu unserer Halbtagestour durch den Süden
von Boavista unterwegs sind, halten an dem Platz, der das Ende des Dorfes
markiert. Von einer Anhöhe blickt man hier auf ein grün blühendes Tal, in
dem auch einige Palmen wachsen. Das ist das Tal, in dem die Einwohner von
Rabil der Landwirtschaft nachgehen, und angeblich wurde der Ort vor allem
deshalb auf dem Hügel gebaut, um dem Feldbau keine unnötige Fläche zu
nehmen. Sicherlich hat die Frage der Verteidigung aber ebenso eine Rolle
gespielt: Schließlich war Rabil die erste Hauptstadt von Boavista – auch
wenn man davon heute nicht mehr viel merkt.
Rabils
wirtschaftliches Rückrat ist heute ohnehin nicht mehr wirklich die
Landwirtschaft, sondern eher das bescheidene blaue Gebäude am Ende des
Ortes, unmittelbar gegenüber der Ruine eines Wohnhauses und den Resten
eines alten Brennofens für Ziegel oder Töpferware. Das ist die Töpfereischule
von Boavista, in der beispielsweise innerhalb von zwei Jahren sämtliche
Tongefäße für das Riu-Hotel gefertigt wurden.
Dabei
handelt es sich hier eher um eine überaus bescheidene Werkstatt, in der
momentan auch nur ein Mann arbeitet, gerade kleine Schildkröten aus Ton
formt. Zu den Besonderheiten der Töpferei auf den Kapverden gehört es
dabei, dass Töpferscheiben unbekannt sind, alles ausschließlich Handarbeit
ist.
Das
gilt für die großen Krüge, bei denen Tonreihe um Tonreihe per Hand
aufeinander aufgesetzt wurden wie auch für die Schildkröten, von denen wir
eine für 300 Escudos, rund drei Euro, kaufen.
Von
Rabil aus geht es nun ein kleines Stück nach Norden, vorbei an der
Ortschaft Estãncia de Baixo, zur Deserto de Viana, einer kleinen Sandwüste
voller Dünen fast mitten in der Insel. Es ist eine überschaubare Wüste,
mit ziemlich klar erkennbaren Rändern, an denen dann wieder spärliches Grün
sprießt, aber in ihrem Verbreitungsgebiet nicht anders als jede andere größere
Sandwüste. Allerdings kann man hier gefahrlos auch barfuß durch den Sand
laufen: der ist nämlich auch in der Mittagshitze verhältnismäßig kühl,
dazu auch so fest, dass man nicht all zu tief einsinkt.
Umgeben
ist die Deserto de Viana von einigen Kalkbergen, eher Kalkhügeln, an deren
Rand wachsen vereinzelte Akazien wachsen. Ursprünglich standen auch auf dem
Territorium der Wüste solche Akazien, aber die wurden abgeholzt, um den aus
den benachbarten Hügeln abgebauten Kalk zu Ziegeln zu brennen. Als Ergebnis
konnte sich der aus der Sahara vom Wind hierher getragene Sand, über dem
Meer vermengt mit feinem Korallenstaub, in der baumlosen Region ausbreiten,
eine Wüste bilden, die immer wieder ihre Konturen ändert, neue Dünen
entstehen und alte verschwinden lässt.
Unser
nächstes Ziel ist Povoacāo Velha, angeblich das älteste Dorf auf
Boavista, nun jedenfalls nicht mehr als ein kleiner Weiler mit wohl höchstens
400 Einwohnern.
Auf
dem Weg dorthin kommen wir an Feldern vorbei, an Ziegenherden, die die Büsche
abweiden, kreuzen Esel unseren Weg, die hier noch immer vielbeschäftigt als
Transportmittel und Reittier im Einsatz sind.
Povoacāo
Velha ist ein verschlafener, aber unerwartet hübscher Ort. Die breite
Dorfstraße verfügt sogar über einen begrünten Mittelstreifen, die
meisten Häuschen kommen schmuck und farbenprächtig daher. Viele dieser Häuser
wurden von Auswanderern für ihre zurück gebliebenen Angehörigen gebaut
– und trotz aller Einnahmen aus dem Tourismus sind diese Überweisungen
von ausgewanderten Insulanern noch immer die wichtigste Einnahmequelle des
Landes.
Und
so schmuck manche Häuser auch sind: der Ort ist ebenso durchsetzt von
Ruinen, und viel zu tun scheint es auch nicht zu geben. Das einzige Haus,
das geöffnet hat, ist die Bar,
und davor spielen einige Männer voller Begeisterung Tischfußball. Dabei könnten
sie auch durchaus richtigen Fußball spielen. Der Ort verfügt nämlich
sowohl über einen Fußballplatz als auch ein neues Sportstadion.
Beides
sieht man von der kleinen weißen Kirche mit einer schweren, blauen
Eingangstür, nach der Jahreszahl über dieser Tür im Jahr 1828 hier auf
einer Anhöhe außerhalb des Dorfes errichtet wurde.
Von
hier sind es noch rund 15 Kilometer zum Praia de Santa
Monica, dem
Sandstrand der Südküste, erreichbar nur über eine dürftige Piste, vorbei
an den Bergen des Südens, die, wenn man dann vom Strand ins Landesinnere
schaut, eine faszinierende Naturkulisse bieten.
Praia
de Santa Monica ist ein einsamer, langer weißer Strand, wohl gut und gerne
hundert Meter breit, aber auch wie der Praia da Chave ein Ort ohne jeden
Schatten.
Am
Nachmittag zurück im Hotel unternehmen wir noch einen
kurzen Spaziergang am Strand Richtung Süden, zu der einstigen
Ziegelei, von der nun nur noch der einstige Schornstein wie ein
Industriedenkmal aus rotem Stein über die Sanddünen hinausragt. Auch
einige Grundmauern schauen noch aus dem Treibsand hervor, auch die Reste
eines alten Brennofens. Doch die meisten Gebäude, die hier wohl gestanden
haben müssen, sind begraben unter den Dünen, vom Flugsand zersetzt –
eine beeindruckende Demonstration der Macht der Sahara, die offenkundig bis
hierher reicht.
Dienstag,
27. Oktober 2009: Tauchplatz Rockwall – Sal Rei
Der
Tauchplatz Rockwall liegt auf der nördlichen Seite von Boavista, mit dem
Boot etwa 40 Minuten vom Hotel entfernt, eine lang gezogene Felswand unter
Wasser, bei unserem ersten Tauchplatz etwa 18 Meter tief, dann, bei unserem
zweiten Tauchgang an einer anderen Stelle der Wand, 15 Meter tief.
Der
Rockwall verfügt über zahlreiche Höhlengänge, manche dieser Höhlen voll
von Fischschwärmen, andere dagegen absolut leer. Immerhin bekommen wir beim
ersten Tauchgang einen Trompetenfisch, dann, versteckt in einer Höhle, das
Hinterteil einer Schildkröte zu sehen.
Der
zweite Tauchgang wird dagegen fast zu einem fischlosen Ereignis. Die Sicht
ist diesmal so schlecht, dass man kaum etwas zieht – und zudem wird der
Tauchgang, der uns auch durch einige Höhlen und Kamine führt, zu einem
Dauerkampf gegen die Strömung.
Für
den nachmittäglichen Ausflug nach Sal Rei entscheiden wir uns gegen dien
Strandwanderung, nehmen statt dessen für 1000 Escudos ein Taxi. Hinter dem
Flughafen, den man bei dieser
Variante wieder passiert, führt die Straße an einer grünen Ebene vorbei,
einer Ebene, auf der auch zahlreiche Palmen wachsen.
Der
Stadtrand von Sal Rei wird markiert durch eine Reihe dreigeschossiger Wohnhäuser,
einige noch nicht ganz fertig – ein Bauboom im kleinen, ausgelöst durch
den zunehmenden Tourismus auf der Insel.
In
Sal Reis Zentrum dagegen ist von Bauboom nichts zu spüren. Am Hauptplatz
gibt es einen größeren Kinderspielplatz, natürlich die allerdings nicht
sonderlich imposante Kirche, dazu in der Nähe einen alten grauen
Kolonialbau, der aber dem Verfall preisgegeben scheint. Nicht viel besser
scheint es dem Gerichtsgebäude der 2000-Einwohner-Stadt zu gehen. Gericht
wie auch Notariat sind untergebracht in einem länglichen, zweistöckigen
Gebäude, bei dem sich allerdings das Dach gerade in seine Bestandteile auflöst,
bereits ein metergroßes klaffendes Loch aufweist.
Während
der Ort sonst eher wie ausgestorben wirkt, herrscht an der „Straße der
Fischer“ noch reges Treiben. Gleich neben dem Fischerhafen, einem
Sandstrand, auf dem einige kleine Boote liegen, bieten Marktfrauen den Fang
des Tages an. Im Angebot sind noch ein fast kompletter großer Thunfisch,
ein kleinerer Hai und körbeweise
mittelgroße Fische, wie man sie auch selbst bei schlechter Sicht in Massen
beim Tauchen sieht. Für die Männer dagegen ist die Arbeit getan. Die
sitzen in Gruppen auf der Stra0e beisammen, widmen sich dem Oril, einem
Brettspiel mit Kugeln, einer afrikanischen Variante des Damespiels.
Die
Gassen rund um diesen Fischmarkt sind bestimmt von meist einstöckigen
unscheinbaren Gebäuden, zu denen in der Regel auch ein ummauerter Hof gehört,
ein doch recht afrikanisches Bild, das sich hier bietet.
Am
Kai befindet sich eine einfache Holzbaracke, eine Bar, die zu dieser
Tageszeit die einzige ist, die wir geöffnet finden. Wir trinken noch zwei
Fanta, nehmen dann ein Taxi zurück ins Hotel. (mehr
von Sal Rei hier)
Mittwoch,
28. Oktober 2009: Fogo mit São
Filipe – Patim – Achada Furra – Cabeca Fundao – Pico Pequeno – Chã
das Caldeiras – Bangaeira
Etwa
50 Minuten dauert der Flug von dem zur Nordgruppe gehörenden Boavista zur südlichen
Insel Fogo, ein Flug, der zunächst an der
Hauptinsel Santiago vorbei führt, bevor es über die Steilküste und
die Ausläufer des Vulkans von Fogo geht. Aus der Luft erscheint Fogo nicht
nur als eine grüne, sondern vor allem auch als eine überaus zerklüftete
Insel mit einer schroffen Küste mit schmalen, schwarzen Lavastränden, als
eine von tiefen Schluchten zerfurchte Bergwelt.
São
Filipe, die Inselhauptstadt, wirkt aus der Luft gesehen verhältnismäßig
großflächig – allerdings auch kaum belebt. In den Außenbezirken zeigt
sich die Inselhauptstadt eher wie eine Landgemeinde, könnten die einzelnen
Häuser von oben betrachtet auch durchaus kleine Bauernhöfe sein.
Fogos
Flughafen allerdings erscheint selbst im Vergleich zu dem auf Boavista nicht
einmal mehr provinziell: ein Rollfeld, ein kleines Verwaltungsgebäude, das
man als Fluggast aber nicht einmal unbedingt passieren muss – das war
alles.
Mumadou
von der örtlichen Reiseagentur namens Qualitur holt uns vom Flughafen ab,
und vor unserer eigentlichen Tour geht es nun erst einmal zu einem zweiten
Frühstück in das Hotel Xaguate, gelegen an der Steilküste von São Filipe,
mit Blick auf einen kleinen Friedhof auf der gegenüberliegenden Seite einer
kleinen schmalen Bucht und auch auf die Nachbarinsel Brava. Das Hotel verfügt
zwar über einen hübschen Garten, einen Swimmingpool, macht aber doch eher
den Eindruck eines familiär geführten Gästehauses. Allerdings: Momentan
soll Fogo jährlich nicht mehr als 4000 Touristen zählen, Tagesbesucher wie
wir allerdings nicht mitgerechnet, meint Mumadou – und dafür dürfte das
zweistöckige Gebäude mit den wenigen Zimmern als größtes und wichtigstes
Hotel der Insel völlig reichen.
Unsere
Stadtrundfahrt – meist ein Stadtrundgang – führt zunächst zum alten
Machtzentrum von Fogo, zum einstigen Sitz des portugiesischen Gouverneurs,
wobei für einen dieser Gouverneure hier auf dem Platz davor immer noch ein
Denkmal steht, ein altes Stadtzentrum der einstöckigen Herrenhäuser und
Kolonialbauten oberhalb der Küste, was von den eher bescheidenen Ausmaßen
der einzelnen Gebäude und des gesamten Platzes wohl sehr realistisch der
tatsächlichen Bedeutung Fogos innerhalb des einstigen portugiesischen
Kolonialreiches entsprechen dürfte.
Auffällig
ist, dass an diesem Platz und auch in den Straßen und Gassen um ihn herum
alle Häuser unterschiedliche Farben haben. Der Hintergrund: Hausnummern
waren hier früher unbekannt – und um eine Adresse zu konkretisieren,
musste man etwa in einem Brief noch die Farbe des Hauses angeben, ein
System, so Mumadou, das in den kleineren Gemeinden Fogos heute teilweise
immer noch praktiziert wird.
Am
Vormittag sind die Altstadt-Gassen des einstigen Herrenviertels nun doch
einigermaßen belebt. Und die Bürgerhäuser in der Nähe des einstigen
Gouverneurshauses sind auch um einiges größer als der
„Gouverneurspalast“, meist dreistöckig, ein oder zwei Geschäfte im
unteren Stockwerk. Die Läden, erzählt Mumadou, würden übrigens zum großen
Teil von Chinesen betrieben – und für viele Einheimische wäre es schon
ein großes Glück, in einem solchen Laden einen Job zu finden. Denn während
auf den anderen Inseln das Durchschnittseinkommen immerhin bereits monatlich
bei etwa 200 Euro im Monat läge, würden es auf Fogo meist keine 50 Euro
sein – ein Betrag, den die chinesischen Geschäftsleute aber wohl immerhin
zahlen.
Die
meisten dieser alten Kolonialbauten erscheinen stark renovierungsbedürftig.
Dennoch: Wer ein solches Haus im Stadtzentrum kaufen will, muss dafür schon
bis zu 100000 Euro hinlegen. Den
Grund dafür sieht man an den bereits restaurierten Kolonialbauten, in der
Regel umfunktioniert zu Gästehäusern oder kleinen Hotels, alles in
Erwartung des bisher allerdings noch ausgebliebenen Touristenansturms.
Von
überschaubarer Größe: der örtliche Gemüsemarkt, bestehend aus einigen
wenigen Ständen in einer an den Seiten offenen, aber überdachten Halle,
ein Platz, den man auch bei dichterem Gedränge in kaum mehr als zwei
Minuten durchquert hätte.
Über
einen größeren Platz mit dem Rathaus und dem – etwas kleineren – Haus
der Regierungspartei, der „Partei der Afrikanischen Unabhängigkeit der
Capverden“ gegenüber geht es, an der Kirche vorbei, wieder an den
Stadtrand, genauer gesagt zu einem weiteren größeren Platz oberhalb der Küste.
Neben einem Restaurant, das wohl vor allem einen fantastischen Ausblick
bietet, momentan aber geschlossen ist, liegt hier, direkt auf eine Klippe
gebaut, das einstige Gefängnis von Fogo, ein gelb angestrichener einstöckiger
Bau, der auch nicht weiter abgesichert gewesen zu sein schien – und auch
schon seit etlichen Jahren nicht mehr genutzt wird. Besonders viel Gefangene
können hier aber auch damals nicht eingesessen haben...
Durch
die dörflichen Vororte von São Filipe geht es nun in die Berge. Das erste
Ziel dabei: Patim, ein weit auseinander gezogenes Dorf an der Straße, für
die Verhältnisse von Fogo aber doch schon fast so etwas wie eine Stadt.
Mumadou macht uns auf einen Brunnen, hier aber eher moderne Pumpstationen,
neben der Straße aufmerksam. Solche Pumpstationen sieht man öfter, denn
die Wasserversorgung auf Fogo ist ein zentrales Problem. Nicht einmal die Hälfte
der Häuser hat eigenes Wasser – und so kommen die Menschen der Umgebung
hierher, um sich ihr frisches Trinkwasser zu holen.
Dennoch
ist die Region nicht nur um Patim herum eine fruchtbare Region. Wir besuchen
eine Bananenplantage, in der die Stauden dicht an dicht stehen, dazu Mangos
und andere Früchte wachsen.
Die
Kinder in den Gemeinden an der Straße haben dazu eine weitere
Einnahmequelle entdeckt, nämlich, an die anhalten Touristen kleine
Spielzeug-Häuser aus Lava zu verkaufen. Der Preis: Nicht unter einem
Euro...
Bei
der Ortschaft Salto biegen wir ab auf die Straße auf den Vulkan, eine
einspurige Straße voller Baustellen, vor denen man dann warten muss, dass
die Baufahrzeuge den Weg freimachen – wobei die Bauarbeiter sich aber von
dem spärlichen Verkehr nicht aus der Ruhe bringen lassen.
Je
höher wir kommen, desto komplizierter wird die Versorgung mit Grundwasser.
Doch man sieht, wie sich die Menschen zu helfen wissen: Die Dächer sind
ummauert, als Behälter gebaut, die das Regenwasser auffangen sollen, das
dann in Tanks unmittelbar neben dem Haus gesammelt wird.
Errichtet
sind die einfachen Häuser in der Region rund um Achada Furra vielfach aus
Lava – während die aus modernen Baumaterialen errichteten kleinen
Reihenhaussiedlungen meist schon wieder verlassen sind. Gebaut wurden diese
Siedlungen unter anderem von der Bundesrepublik Deutschland für die
Obdachlosen des letzten Vulkanausbruchs – doch die Einheimischen sind fest
davon überzeugt, dass der beste Schutz vor einem Vulkanausbruch nun einmal
Lava sei. Denn Lava, so meinen sie, suche sich stets andere Gesteinsarten
und Materialen, gehe nie dorthin, wo schon Lava ist. Das Haus, das vor einem
Vulkan absolut sicher ist, steht demnach, selbst aus Lava errichtet, auf
einem alten Lavastrom.
Und
trotz aller Probleme mit dem Grundwasser sorgen der regelmäßige Regen, die
Luftfeuchtigkeit der Wolken und
die eher gemäßigte Temperatur auch hier für eine lohnenswerte
Fruchtbarkeit. Ein Blick zurück bei Cabeca Fundao: Unter uns liegt eine grüne
Talsohle mit einem ebenfalls grün bewachsenen Berg, der ausschaut wie ein
Vulkan, lange Zeit nach seiner letzten Eruption. Doch was da an der Spitze
des Berges wie der Krater eines Vulkans wirkt, ist – in diesem Fall –
eine eingebrochene Bergkuppe.
Die
tatsächlichen Vulkanschlote erleben wir einige Kilometer weiter: Noch vor
dem Pico Pequeno erreichen wir die Mondlandschaft der direkten Vulkanregion.
Wegen der Wolken sind zwar weder der Pico Pequeno noch der etwas höhere
Pico Fogo zu sehen, aber auch, vielleicht sogar gerade im Dunst der Wolken
bekommt man am Eingang zum Nationalpark eine Ahnung von der Natur dieser
Vulkaninsel: Große, mitunter bizarr geformte Lavabrocken erheben sich
über dem toten Feld, bilden im Dunst bedrohliche Figuren.
Eine
fast schnurgerade Straße führt durch die unwirtliche Ebene am Rand der Chã
das Caldeiras, links und rechts des Weges nur schwarzes Lavageröll, an
manchen Stellen zu Hügeln aufgetürmt, anderswo mit einem großen,
zerborstenen Brocken. Dabei sind diese Steine nicht einmal sonderlich
schwer, weisen vielmehr etliche Lufteinschlüsse aus, die sie um etliches
leichter als andere Steine machen. Allerdings
ist die Lavavariante von Fogo auch gefährlicher als die Lava anderer
Vulkane. Die hier fließt nämlich nicht gleichmäßig vom Vulkan ins Tal
– sondern wird aus dem Krater herausgeschleudert, geht dann wie ein tödlicher
Geschoss- und Bombenhagel auf die Erde nieder.
Doch
auch, wenn diese Landschaft der schwarzen Trümmerhalden absolut leblos
erscheint, wächst am Straßenrand der Wein, nicht an Terrassen, sondern wie
wild auf dem Lavaboden, gedeihen diverse Nutzpflanzen, passieren wir nach
einigen Kilometern so etwas wie kleinen landwirtschaftlichen Feldern,
passieren wir zunächst Portela, dann, kurz danach Bangaeira, das zweite
Dorf unmittelbar am und im Vulkan.
Bangaeira
hat zwar eine Schule und sogar ein Hotel für die Wandertouristen -
aber ansonsten sind das doch unscheinbare Örtchen, deren einzelne Häuser,
natürlich aus Lava, sich kaum voneinander unterscheiden, Dörfer, fast ganz
ohne Strom oder fließendes Wasser.
Aber
die Versorgung mit Lebensmitteln aus der Hauptstadt scheint zu
funktionieren. In Bangaeiras Restaurant bekommen wir ein erstklassiges
Fischgericht – und danach auf dem Hof von Tito die Produktion der
Lebensmittel vom Vulkan vorgeführt.
Tito,
hoch in den 70-ern, ist einer der großen Weinbauern des Ortes, Vater von
wohl 15 Kindern von vier Frauen, was, wie Mumadou sagt, hier in den Vulkan-Dörfern
durchaus üblich, aber auch sonst auf Fogo noch weit verbreitet wäre. Denn
die meisten Männer wären nach wie vor zur Auswanderung gezwungen, was auf
der Insel eben zu einem extrem hohen Frauenüberschuss führe.
Wie
auch immer: In seinem betagten Alter lebt Tito nur noch mit einer Frau fest
zusammen, einer Frau, die etwas über 20 ist, während die anderen Frauen
teilweise aber immer noch in seinem Haushalt arbeiten, etwa, als wir gerade
den Hof betreten, die Bohnen auflesen, während sich der Hausherr damit begnügt,
die Gäste willkommen zu heißen.
Sinn
und Zweck von Titos Gastfreundschaft ist der Verkauf seines Weines, fünf
Euro für die Flasche, erhältlich als roter und weißer Wein, etwas süßlich
im Geschmack, aber gut und schwer.
Nach
dieser Weinverkostung ist es für uns an der Zeit, wieder zum Flughafen zu
fahren, den Rückflug nach Boavista anzutreten.
Donnerstag,
29. Oktober 2009: RIU Karamboa
Ein
Tag am Swimmingpool des Hotels: Wegen des hohen Wellenganges und der
schlechten Sicht geht das Tauchboot heute nicht raus. Es bleibt auch fast
den ganzen Tag über bewölkt.
Freitag,
30 Oktober 2009: Boa Esperança – Cabo de Santa Maria – Bofareira –
Campo da Serra – João Galego – Fundo Figueiras (Norte)
Unsere
Tour durch den Norden von Boavista führt kurz nach 14 Uhr zunächst wieder
an Rabil vorbei, dann aber nicht weiter über die Asphaltstraße, sondern
auf eine Piste, auf der wir schon bald durch die von Akazienbüschen
bewachsene Savannenlandschaft der Boa Esperança fahren, dann eine buschlose
Steppe passieren – um schließlich den Strand der Cabo de Santa Maria zu
erreichen.
Auch
das ist wieder ein breiter, schattenloser Sandstrand, ein Sandstrand, der
seinen Nachschub an Material regelmäßig in Form von Flugsand aus der
Sahara erhält. Fast den ganzen Strand entlang ziehen sich die Reste einer
Mauer, Beleg des gescheiterten Versuches, dem Sand irgendwie Herr zu werden.
An
der Mauer liegen die Panzer einiger Schildkröten, die hier ihr Ende fanden.
Der Strand rund um Cabo de Santa Maria ist einer der Plätze, an denen die
Meeresschildkröten im April ihre Eier ablegen.
Und
vor allem ist der Cabo de Santa Maria der Strand, an dem das Wrack jenes
spanischen Frachters liegt, der hier 1968 unter ungeklärten Umständen
strandete. Eine der Erklärungen: Die Einheimischen haben mit falschen
Leuchtsignalen eine sichere Route vorgegaukelt, den Schiffbruch wenige Meter
vor der Küste provoziert – und dann nach gutem alten Recht sich der
gesamten Ladung bemächtigt. Um die Ladung zu sichern, war damals sogar die
Piste angelegt worden. Nun liegt die verrostete Hülle des Frachters immer
noch im Wasser, ausgefranste Stahlplatten, in denen, so hören wir,
inzwischen auch ein Seeadler seine Horst gebaut haben soll, wobei wir von dem Adler momentan
aber nichts zu sehen bekommen.
Vom
Cabo de Santa Maria geht es nun wieder ein Stück ins Inselinnere, zunächst
einmal aber in das Land der Wildesel, von denen wir auch einigen begegnen,
erst aus der Ferne eine Familie am Strand, dann am Rand der Piste ein
einzelnes Tier – und schließlich eine ganze Horde mit einigen Jungtieren
auf dem Feld.
Bofareira,
der erste Ort, den wir hier im Norden passieren, ist nicht einmal ein
richtiges Dorf: man sieht einige kümmerliche Felder, die nicht einmal
unbedingt als bebaut zu erkennen sind, einige bescheidene Häuschen, vor
denen Frauen sitzen und ein Schwätzchen halten. Größere Gebäude, die ein
Zentrum des Dorflebens sein könnten, sind hier jedenfalls nicht
auszumachen.
Hinter
Bofareira legen wir an der Campo da Serra einen kurzen Stopp ein, schauen
auf eine Millionen Jahre alte Kraterlandschaft. Rund 20 Millionen Jahre soll
der letzte Vulkanausbruch hier zurückliegen – doch noch immer ist hier so
etwas wie der Rand eines uralten Kraters erkennbar, auch, wenn diese
Formation kaum von dem einstigen Ausbruch herrühren dürfte.
Die
Piste, auf der wir nun fahren, rüttelt die Wagen und ihre Insassen nicht
nur bei der Überquerung der Flussläufe gewaltig durch – keine Tour, die
man in einem normalen PKW für mitteleuropäische Straßenverhältnisse bewältigen
könnte. Und fast schon skurril: An der „Kreuzung“ zweier solcher Pisten
oder Feldwege steht ein Hinweisschild, das für sämtliche Ortschaften
Boavistas nun den richtigen Weg anzeigt.
João
Galego, das wir als nächstes passieren, erweckt zumindest den Anschein
einer etwas größeren Ortschaft, und sogar eine Schildkröten-Schutz-Organisation
scheint hier ein ständiges Quartier gefunden zu haben. Wir halten hier aber
nicht an, sparen uns die Ortsbesichtigung für später auf, fahren gleich
weiter nach Fundo Figueiras – wobei Fundo Figueiras streng genommen auch
kein eigenes Dorf ist, sondern mit João Galego und anderen Orten zusammen
die Gemeinde Norte bildet.
Wie
auch immer: Fundo Figueiras verfügt über eine – für die Verhältnisse
Boavistas – recht große Kirche, und ist damit, wie wir hören, alljährlich
im Juni für drei Tage Schauplatz eines der großen Insel-Feste. Jedenfalls
überragt die in schlichtem Weiß gehaltene Kirche, wie es sich gehört,
alle anderen Gebäude der Stadt, selbst die recht beachtliche
Polizeistation, und wird, wie wir bei unserer Besichtigung sehen, auch
regelmäßig von den Frauen des Ortes geputzt.
Relativ
großzügig ist auch unmittelbar bei der Kirche der zentrale Dorfplatz
ausgefallen, gebaut im Stil einer von Palmen und Blumenbüschen gesäumten
Allee mit Parkbänken zum Verweilen – was momentan allerdings niemand tut.
Der von hübschen gepflegten Häusern – alle in verschiedenen Farben
gestrichen – umgebene Platz ist wie verwaist.
Etwas
absonderlich: Die Bar des Ortes, momentan geschlossen, ist, so das
Hinweisschild an der Eingangstür, für Jugendliche unter 18 Jahren
verboten.
Beim
Rückweg legen wir nun doch noch einen Stopp in dem Straßendorf João
Galego ein, besuchen hier die Schule. Eine solche Schule soll es in jedem
Dorf der Kapverden geben, die Schulpflicht reicht bis zur vierten Klasse und
wird wohl auch konsequent durchgesetzt.
Hier
ist die Schule untergebracht in einem zweistöckigen Gebäude – und was
man von außen durch die Fenster sehen kann, sind doch recht ordentliche
Klassenräume, der Anzahl der Plätze nach zu Urteilen für Klassen mit kaum
mehr als 20 Kindern, mit verschiedenen Unterrichtsmaterialen.
Nach
diesem kurzen Schulbesuch endet unsere Tour durch den Norden Boavistas, geht
es zurück direkt ins RIU Karamboa.
Samstag,
31. Oktober 2009: RIU Karamboa
Die
Strömung ist inzwischen so stark, die Sicht so schlecht, dass die nächste
Tauchausfahrt erst für den kommenden Dienstag
wieder ansteht – für mich bereits zu spät. Also verbringen wir
wider faulenzend einen Tag am Pool.
Am
Strand jedenfalls sind die Wellen so heftig, dass man dort auch jedenfalls
nicht ohne Kraftanstrengung ins Wasser kommt.
Am
Abend eine böse Überraschung: Der Ausflug, den wir für Montag nach
Santiago gebucht hatten, soll wegen zu geringer Teilnehmerzahl ausfallen.
Sonntag,
1. November 2009: RIU Karamboa
Eine
Lektion über die Schwierigkeiten, von einer Insel zur anderen zu gelangen:
Wir versuchen, mit Hilfe der TUI-Vertreterin für Montag oder Dienstag nun
einen Linienflug nach Sal oder besser noch nach Santiago zu bekommen, um
dann eine der beiden Inseln auf eigene Faust zu erkunden. Nur: Spontan einen
Flug zu bekommen, ist von Boavista aus nicht möglich. Wenn überhaupt etwas
zu machen wäre, dann frühestens am Mittwoch.
Die
Frage, was denn der einheimische
Geschäftsmann macht, der auf die Schnelle am Nachmittag einen Termin auf
Boavista und am Abend einen auf einer anderen Insel zu absolvieren hat,
beantwortet sich hier auf eigene Weise: Solche Geschäftsleute gibt es auf
den Kapverden noch nicht.
Montag,
2. November 2009: Sal Rei
Vor
der Tauchbasis des Riu Karamboa befindet sich nun ein Schildkrötennest,
eine mit einer Plane abgesicherte Sandburg, in der auch noch ein Schild
steckt, das darauf hinweist, dass es sich hier um ein geschütztes Nest
handelt. Allerdings, so erfahre ich von einem der Divemaster, ist das kein
natürliches Nest. Das hatte die Schildkröte in der Nacht nämlich auf
einer der Quadrouten angelegt, und dort hätte es wohl kaum einen Tag heil
überstanden. Also haben die Mitarbeiter der Basis die vielleicht Eier
ausgegraben, sie unmittelbar
neben der Basis sorgfältig erneut vergraben – und vielleicht in 50 Tagen
werden die Schildkrötenbabys schlüpfen.
Am
Nachmittag fahren wir noch einmal mit dem Taxi nach Sal Rei, lassen uns
wieder am Zentrum vor der Kirche absetzen. Diesmal haben wir zur besseren
Orientierung noch den Dumont-Reiseführer dabei – und tatsächlich erweist
sich der Stadtplan darin als recht hilfreich.
Auffällig
an Sal Rei ist das unmittelbare Nebeneinander von Neubau und Verfall. Der
Reiseführer beispielsweise macht ausdrücklich auf den Kolonialbau gegenüber
der Kirche aufmerksam, erkennbar an seinem breiten Balkon, einst der
Prachtbau einer jüdischen Händlerfamilie, die die Kalkindustrie auf
Boavista kontrollierte. Doch von der alten Pracht ist bei dem grauen Gemäuer
nichts geblieben – während des benachbarte Haus, in dem die Bibliothek
untergebracht ist, doch recht ordentlich instand gesetzt wurde.
Zunächst
einmal wenden wir uns der zweistöckigen Markthalle zu, auch die unmittelbar
am Hauptplatz gelegen, ein neues Gebäude, an dem aber auch schon der Zahn
der Zeit nagt. Im unteren Stockwerk ist der Gemüsemarkt untergebracht, doch
jetzt am Nachmittag herrscht bereits gähnende Leere. Im oberen Stockwerk
dann befinden sich einige kleine Andenkengeschäfte, fast ausschließlich
mit Schnitzereien und Schnitzereien im Angebot, die Schnitzereien in der
Regel Schildkröten in allen Größen, aber auch andere Vertreter der
afrikanischen Tierwelt, die es auf den Kapverden gar nicht gibt, erhältlich
– nach Handeln – für wenige Euro.
Wir
gehen wieder zur Straße der Fischer, wo der Fischmarkt gerade in seinen
letzten Zügen liegt, vorbei am zur Ruine verfallenen Zollhaus, vorbei auch
an einer wohl schon vor etlichen Jahren still gelegten Konservenfabrik,
versteckt hinter gelben Mauern. In regem Betrieb dagegen ist das kleine
Waschhaus neben dem Fischmarkt: Ein kleines, graues Haus, vor dem die Frauen
Schlange stehen, um endlich auch ihre Wäsche waschen zu können. Auch in
Sal Rei ist die Versorgung mit fließendem Wasser wohl nicht in allen Häusern
selbstverständlich.
Straßenszenen
einer Kleinstadt: Frauen sitzen für einen Plausch mit der Nachbarin vor
ihren Häusern, müssen dabei keine vorbeifahrenden Autos fürchten, auf dem
Flachdach eines Hauses tummeln sich die Ziegen – Sal Rei wirkt eher wie
ein ländlich geprägtes Fischerdorf als wie die Hauptstadt einer Insel, die
gerade vom erhofften Touristenboom profitieren will.
Dienstag,
3. November 2009: Praia de Chaves
Vormittags
ein letzter Spaziergang am Strand, vorbei an der alten Ziegelei, bis zu
einer Bungalowsiedlung, die vielleicht 20 Fußminuten vom RIU entfernt
liegt. Zur Siedlung gehören
eine gemeinschaftliche Poolanlage, einige Liegen und
Sonnenschutzvorrichtungen am Strand – und zum Preis von 100000 Euros kann
man sich laut Werbetafel hier ein Ferienhaus kaufen.
Beim
Rückweg Anschauungsunterricht über die Fortbewegung von Wanderdünen: Je
nach Windlage fließen aus der obersten Schicht des lockeren Sandes kleine
Rinnsale wie winzige Wasserfälle die Steilhänge der darunter liegenden
festeren Sandschichten hinab, türmen sich etwas tiefer zu neuen Sandhügeln
auf, geraten aber rasch wieder ins Rutschen. Auf diese Weise hat sich am Fuß
der Düne, bei der wir dieses Naturschauspiel beobachten, bereits ein
kleines Gebirge lockeren Sandes gebildet, bereit, schon bald die unterste
Schicht der neuen Düne zu bilden – oder die unterste Schicht der alten Düne,
die nun um einige Meter weiter gewandert ist.
Mittwoch,
4. November 2009: Rabil – Sal, Airport Amilcar Cabral
Noch
vor zehn Uhr werden wir für unseren Flug, der allerdings erst nach 12
Uhr starten soll, vom Hotel abgeholt. Dabei ist das Komplizierteste,
was man hier erledigen kann, der Rücktausch kapverdischer Escudos in Euros
ist. Dafür benötigt man nämlich seinen Reisepass – und muss bei der
Bank, wozu auch immer, sein Flugticket vorzeigen, also belegen, dass man
tatsächlich gerade ausreist.
Und
danach muss man dann warten. Pass- und Sicherheitskontrolle gehen zügig
vonstatten, und der Duty-Free-Shop des Flughafens Rabil bietet nichts außer
einigen einheimischen Souvenirs.
Aber
der Flughafen von Rabil ist dennoch ein Kleinod – gemessen an dem
einfallslosen Airport Amilcar Cabral, dem größten Flughafen der Kapverden,
auf dem wir nach 20 Minuten Flugzeit bei unserer Zwischenlandung
auf Sal etwa eine Stunde im schmuck- und abwechslungslosen
Transitraum verbringen, ein Transitraum, in dem
nicht einmal einen Getränkeautomaten aufgestellt hat. Aber dafür
scheint die Abfertigung auch hier reibungslos zu funktionieren: Der
Weiterflug nach Frankfurt jedenfalls geht fast pünktlich an den Start.
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