Reisetagebuch einer Ägypten-Reise - mit den Stationen Kairo - Alexandria - Luxor - Hurghada am Roten Meer- Suez - Kairo - Fayum - Kairo

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Ägypten: Von Alexandria über das Tal der Könige zu den Delphinen des Roten Meeres

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Im Herzen von Luxor, direkt am Nil: Der "Luxor-Tempel"

Theben-West: Eseltreiber warten an der Fähre auf Kundschaft

Im Tal der Könige: Der Tempel von Pharaonin Hatschepsut

Im Tempel-Komplex von Karnak: Der "Heilige See"

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Fischerboote im Hafen von Hurghada - am Roten Meer

Am Stadtrand von Kairo: Ein großer Kamelmarkt

Auf dem Pyramiden-Feld von Gizeh: Die Cheops-Pyramide

Fayum: Eine Oase mit See - mitten in der Wüste

In der Altstadt von Kairo: Der große Basar

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Gesehen vom Kairo-Tower: Der Nil und Kairos Skyline

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Samstag, 5. April 1986: Kairo - Alexandria

Einstimmung auf das Land bereits am Flughafen: Parallel zu unserer Maschine ist das Flugzeug aus Mekka gelandet, bringt die Pilger nach Hause. Morgens um zwei Uhr herrscht nun Hochbetrieb auf dem Flughafen, doch es geht bei aller Hektik alles seinen geregelten Gang.

Die Pilgergruppe wird zügig abgefertigt; ein Mann mit einem braunen Koffer, der sich vorzudrängeln versucht, wird vom Officer ans hintere Ende der Schlange zurückgejagt, als letzter abgefertigt, zu der Zeit etwa, als eine halbe Stunde später auch wir die Grenze passieren können.

Und das ist gar nicht so einfach: Für das Visum benötigen wir die Bescheinigung über den Mindestumtausch in Höhe von 150 US-$ von der Bank - und was bei dem einen Bankschalter 350 DM wären, sind an dem anderen unmittelbar daneben 400 DM. Mit der Umtauschbescheinigung geht’s also zurück zum Office - aber niemand hat uns gesagt, daß wir am Bankschalter auch für drei ägyptische Pfund die Marken für die Einreise hätten kaufen müssen. Also wieder zurück, die Marken gekauft, dann die Pässe bei dem einen Beamten abgegeben, der reicht sie zur Kontrolle an den nächsten Beamten - und nach weiteren zehn Minuten ist dann endlich alles erledigt.

Zu viert - zusammen mit den drei Reisenden, die ich im Flieger kennenlernte -steigen wir in ein Taxi, wollen zunächst für sieben Pfund zum Nil-Hilton, überlegen es uns dann doch anders, unternehmen statt dessen eine erste Spritztour zur Sphinx und zu den Pyramiden.

Der erste Eindruck von der Sphinx bei Nacht ist enttäuschend. Eingemauert, umgeben von einem Bau- und Trümmerfeld, ist sie nicht gerade eine imposante Erscheinung.

Einer der Pförtner spricht uns an: Für angeblich einen Pfund dürfen wir alle auf das Gelände. Der Sternenhimmel ist klar, und von nahe reicht das Sternenlicht aus, die Sphinx in natürlicher Schönheit zu betrachten.

Offensichtlich sind gerade einige Rekonstruktionsarbeiten im Gange: Ein Schienenstrang führt um die Sphinx herum, überall liegen Bauteile.

Vom Gesicht sehen wir nicht allzuviel, dafür springen als erstes die gigantischen Füße ins Auge. Beim Rundgang um die Figur stoßen wir auf eine Öffnung, die unter die Sphinx führt und die angeblich bis zum Grund des Nilwassers reichen soll.

Auf dem Gelände wollen unsere Führer, wir haben mittlerweile vier, plötzlich von jedem von uns zehn Pfund haben. Wir lehnen ab, zahlen aber schließlich pro Person ein Pfund.

Unser Taxifahrer fährt uns die Straße noch weiter hinauf, hält vor einer der Pyramiden. Sie liegt fast unmittelbar an der Straße, unter uns befinden sich bereits die Ausläufer von Kairo.

Den Rest der Nacht verbringen wir bis fünf Uhr früh im Café des Nil-Hilton. Die Dämmerung vollzieht sich schnell, und eine halbe Stunde warte ich auf dem Platz vor dem Hotel auf den Bus nach Alexandria.

Um sechs Uhr früh, es ist bereits hell, herrscht hier bereits Hochbetrieb. An einem Stand wird Reis verkauft, den die Passanten in schmuddeligen Plastiktellern essen, an anderen Ständen gibt es Zeitungen, Zigaretten und mehr.

Den Weg nach Alexandria verbringe ich im Halbschlaf. Der Bus nimmt die Wüstenroute. Vor Alexandria erscheint die Gegend kultivierter; schnurgerade Wasserstraßen durchziehen die Landschaft.

Kurz nach neun Uhr ist der Bus im Stadtzentrum. Ich steige im "St. Stephano" ab, einem Hotel mit dem verblassenden Charme der britischen Kolonialherrschaft.

Am Abend treffe ich, wie schon in Berlin verabredet, mit Ruga zusammen.

Sonntag, 6. April 1986: Alexandria

Wir fahren gegen Mittag zum Fort Kait Bey, passieren dabei die imposante Küstenstraße Alexandrias fast in ihrer gesamten Länge. Alexandria zeigt sich als moderne Großstadt, die so auch an jedem anderen - südlichen - Platz der Welt stehen könnte.

Im Fort Kait Bey erhalte ich zunächst einmal eine Lektion über den ägyptischen Umgang mit Fremden. Zehn Piaster kostet der Eintritt für Ruga, ein Pfund für mich. Die Fototasche kann ich nur behalten, weil Ruga sie übernimmt. So kostet es nur ein Pfund; für mich hätte die Fotoerlaubnis zehn Pfund gekostet.

Das Fort Kait Bey, erbaut an der Stelle, an der einst der Leuchtturm von Pharaos stand, ist eine recht eindrucksvolle Festung. Die Ausstellung im Inneren der Anlage befaßt sich mit dem Untergang der napoleonischen Flotte vor Alexandria. Zu sehen sind Flottenzeichnungen Napoleons, französische Weinflaschen, alte, halb verrostete Bohlen sowie einige französische Münzen, dazu auch noch einige alte Waffen aus der Zeit der Türkenherrschaft, mächtige Gewehre und verzierte Säbel.

Im unteren Geschoß befinden sich Reliefdarstellungen aus dem antiken Ägypten, darunter eine, die die Geschichte einer Seereise erzählt.

Wichtiger aber ist: Von den Außenmauern des Forts genießt man einen Rundblick über den alten Fischereihafen und über die sich kilometerlang erstreckende Skyline des modernen Alexandria.

Montag, 7. April 1986: Alexandria

Mein Einstieg in das alte Ägypten erfolgt über die Römer, über das griechisch-römische Museum von Alexandria. Die einzelnen Ausstellungsstücke sind zwar bei weitem nicht so beeindruckend wie etwa die Nachbauten des Ägyptischen Museums in Berlin, aber die Zusammenstellung hier hat den Vorteil, in chronologischer Reihenfolge die Geschichte eines Teils von Ägypten zu erzählen - wobei es mit dieser chronologischen Reihenfolge mitunter jedoch nicht so genau genommen wird.

Begrüßt wird man von einem gewaltigen Stier, gearbeitet aus schwarzem Granit oder Alabaster, eine Skulptur aus der Römerzeit.

Ägyptische Monumente sind eindeutig in der Minorität, auch wenn deutlich wird, wie der ägyptische auf den römischen Stil abgefärbt hat. Makabres Beispiel dafür: ein mumifizierter römischer Legionär. Sein jugendliches Gesicht ziert den Deckel seines Sarges, aus den Leinen lugen am unteren Ende die Zehen hervor, so, als seien sie eingeschlafen und warteten darauf, durch ein Kitzeln am Fuß geweckt zu werden.

Zwei Ausstellungsstücke haben mich besonders beeindruckt: Eine Büste von Cäsar, eine Arbeit in weißem Marmor, bei der die Stirnfalten noch genau zu sehen sind, Cäsar den Eindruck eines nachdenklichen Mannes macht, ohne den üblichen heroischen römischen Pathos, hellenistische Kunst in ihrer höchsten Blüte.

Nicht weniger eindrucksvoll ist im Nachbarsaal die Aphrodite-Skulptur, eine Figur von ungewöhnlicher erotischer Ausstrahlungskraft, mit einem idealisierend nachempfundenen weichen Körper voller schwungvoller Linien, kein Detail verbergend, in der Pose einer Frau, die sich gerade wieder bekleidet.

Gut aufgebaut und klar gegliedert ist die enorme Münzsammlung, beginnend bei den griechischen Kolonialmünzen - Cleopatra, die letzte ägyptische Königin, kann so schön übrigens nicht gewesen sein, wenn die Münzporträts authentisch sind; vermutlich sind sie aber sogar noch geschmeichelt - über die byzantinische Zeit bis hin zur islamischen Periode.

Vom Museum aus gelange ich, zum Teil mit der Straßenbahn, zur Pompejussäule, einer auf einem Hügel stehenden Säule in einer Art, von der es anderswo wahrscheinlich gewaltigere Exemplare gibt. Eigenartig ist aber die Verbindung von römischem und ägyptischem Stil: Vom Rande des Geländes, unterhalb des Hügels, schaut es so aus, als wenn die beiden davor aufgestellten Sphinx-Skulpturen die Säule bewachen.

Das Gelände ist umgeben von Wohnhäusern, und die Alexandriner bekunden nur wenig Respekt vor ihren Altertümern. Am Rand des Grabungsgeländes liegt der Müll, der einfach hinunter geworfen wurde.

Die Straße, die von der Pompejussäule zu den Katakomben führt, zeigt die andere Seite Alexandrias, obwohl auch sie wahrscheinlich noch weit davon entfernt ist, ein Elendsgebiet genannt zu werden. Ziegen weiden in halboffenen zerfallenden Unterständen, die Fahrbahn starrt vor Schmutz.

Gegenüber dem Café , in dem ich kurz Pause mache, sitzt ein Handwerker im Schlafanzug vor seinem Laden.

Von den Katakomben kann nur das oberste der drei Stockwerke besichtigt werden. Ins Auge fällt zunächst die Begräbnishalle, in der die römisch erzogenen Alexandriner ihre Toten zu betrauen pflegten.

Angeblich sollen die Katakomben römischen, griechischen und ägyptischen Stil miteinander verbinden; herausragend ist aber nur der ägyptische Stil mit seinen Götterdarstellungen auf den Sakrophagen. Wie mir der Führer in gebrochenem Englisch erklärt, waren die hier begrabenen Toten - 300 Mumien wurden gefunden - Anhänger des Iris-Kultes.

Leider sind auch die Katakomben ein Beleg für die schizophrene Umgangsart der Ägypter mit ihren Altertümern: In den beiden unteren Stockwerken hat die Kanalisation für eine Überschwemmung gesorgt, und das Wasser geht hoch bis zum ersten Stockwerk..

Auf dem Rückweg eine für Ägypten erstaunliche Taxifahrt: Der Fahrer hat das Taxameter angestellt und fährt den kürzesten Weg. 80 Piaster zeigt das Taxameter an, ich zahle ihm 1,20 Pfund. Mit zwei Pfund hatte ich ursprünglich gerechnet.

Dienstag, 8. April 1986: Alexandria

Den Vormittag verbringe ich mit Magenkrämpfen und Durchfall im Hotelzimmer; erst um 14 Uhr kann ich mich allmählich hochrappeln.

Gegen 15 Uhr stehe ich auf einem Platz, der auf der einen Seite vom Denkmal des unbekannten Soldaten, auf der anderen Seite vom Reiterstandbild Mohammed Alis begrenzt wird: Einer der belebtesten Plätze von Alexandria, Knotenpunkt für Straßenbahnen, Taxis, Privatautos, Pferdekutschen und Eselkarren.

Hier treffe ich mich mit Ruga, und wir gehen nun zur einige Querstraßen entfernt liegenden Druckerei seines Vaters. Jenseits der Hauptstraße setzt Alexandria ein anderes Gesicht auf: Der Dreck türmt sich auf der Fahrbahn, Katzen und Kinder durchstöbern die Müllberge.

Die Druckerei ist ein Stück für das Handwerksmuseum, alles wird tatsächlich per Hand gefertigt, für einige Piaster Lohn. Ruga und ich erledigen zusammen den Auftrag eines Gemüsehändlers aus der Nachbarschaft: 100 Visitenkarten will er haben, zahlt dafür sechs Pfund. Der Kunde ist eine Ausnahmeerscheinung: Er zahlt im voraus und ohne um den Preis zu feilschen. Zunächst werden die einzelnen Lettern zusammengesucht und mit den Zwischenstücken in die Druckform geschraubt: eine Arbeit, die sich als gar nicht so einfach erweist, weil viele Buchstaben bereits verbraucht sind und, nachdem die Form schon fertig ist, wieder ausgetauscht werden müssen.

Dann wird die Form in die Handpresse gehängt, jede Visitenkarte wird einzeln in die Maschine eingelegt, mit Stecknadeln fixiert, die Presse mit der Hand hochgezogen - und das einhundert mal.

Damit sind die Karten aber noch längst nicht fertig. Nun werden sie mit einer Art weißem Mehl bestäubt, was dem Druck seine Feuchtigkeit nimmt. Als nächstes hält Ruga dann jede einzelne Karte über einen Spirituskocher, der mit einem Metallteller abgedeckt ist, fährt mit den Spitzen einer erwärmten Pinzette über die Schrift, die dadurch aus der Pappe hervorquellt.

Etwa um 17 Uhr haben wir mit der Arbeit begonnen, um 20 Uhr sind die 100 Visitenkarten für den Gemüsehändler fertig.

Und da sage noch einer, Handwerk habe goldenen Boden!

Mittwoch, 9. April 1986: Alexandria - Kairo

Um 13.15 Uhr verläßt der Zug den Bahnhof Sidi Gerba von Alexandria, passiert noch eine ganze Weile danach die sich scheinbar endlos dahinziehenden Vororte und Neubaugebiete.

Das Niltal, wie es sich vom Zug aus darstellt, ist von unbegrenzter Fruchtbarkeit. Wasserbüffel und Esel weiden an den Ufern der Nilarme, überall sieht man Bauern auf den grünen Feldern.

Dörfer, Städte, Felder - alles scheint sich in dieser dicht besiedelten Gegend zu verwischen. Die Dörfer bestehen teils aus Lehmhütten, mit Stroh überdacht, daneben finden sich aber schon "moderne" zweistöckige Ziegelbauten.

Überall baden nackte Jungen, auch einige junge Männer, im brackigen Nilwasser.

Die - pünktliche - Einfahrt in Kairo vollzieht sich fast unendlich. Zunächst glaubt man, ein Dorf zu passieren, dann eine ländliche Kleinstadt, in der die Ziegen die nie aufhörenden Müllberge nach Freßbarem durchforsten. Schließlich werden die Häuser größer, die Straßen belebter; man weiß, daß dies Kairo sein muß.

Der Bahnhof allerdings scheint kaum zu dieser größten Stadt Afrikas, vielleicht der größten der Welt, zu passen: Eine Bahnhofshalle, die zwar recht groß ist, aber ärmlich ausgestattet, dazu ein Bahnhofscafé, wie es eben einem Provinzbahnhof zusteht.

Erstaunlich: Als ich das Schlafwagenticket für Luxor buche, muß ich meinen Paß vorzeigen, die Paßnummer wird ins Ticket eingetragen. Der Preis beträgt 40 Pfund, immerhin 70 DM. Ich glaube, ich habe den speziellen Touristenzug genommen. Um 19 Uhr soll er abfahren.

Bis dahin würde ich zwar gerne einen Spaziergang, etwa zur nahe gelegenen Stadtmauer, unternehmen, aber es gibt hier weder Schließfächer noch eine andere Möglichkeit, das Gepäck aufzubewahren.

Donnerstag, 10. April 1986: Luxor

Morgens um 5.30 Uhr wache ich im Zug nach Luxor auf: Es ist bereits hell, wir passieren ein fruchtbares Land, voller kultivierter Felder, bewässert mit Kanälen des Nilwassers, kleine Ortschaften, auch einige Städte.

Die Ortschaften machen einen bescheidenen Eindruck, aber es fehlt der Schmutz, der überall in Kairo ins Auge stach.

Gegen acht Uhr sind wir, mit einer halben Stunde Verspätung, in Luxor. Gegen meinen Willen lasse ich mich in ein Hotel lotsen; das Zimmer ist sauber, es gibt sogar fließendes heißes Wasser, zum "Winter Palace" und zum Luxor-Tempel sind es zu Fuß nicht mehr als zehn Minuten, aber ich ärgere mich schon, weil ich den Preis von 10 Pfund nicht heruntergehandelt habe, und das Hotel in einem modernen Mietshaus untergebracht ist, wo man nirgends gemütlich sitzen kann..

Den Vormittag verbringe ich im Luxor-Tempel: Schon die "Auffahrt" ist beeindruckend, eine Art Allee, links und rechts die steinernen Sphinxe, eine ganze Kette, die meisten Skulpturen dabei noch sehr gut erhalten. Der Haupteingang liegt merkwürdigerweise oder auch zur Bequemlichkeit der Touristen unmittelbar neben dem Hauptportal, so daß niemand die Sphinx-Straße passieren muß. Trotzdem: Diesem Weg der der Pharaonen zu folgen, dann das Portal mit seinen beiden mächtigen Statuen und den Obelisken zu durchschreiten - das ist schon ein eigenartiges Gefühl von Größe!

Es folgt ein Gewirr von Säulengängen, klar gegliedert, mit Nischen und halb abgetrennten Räumen, immer wieder durchsetzt mit Pharaonen-Statuen, bis man schließlich ins Allerheiligste gelangt

Vom eigentlichen Tempel aus nicht zugänglich ist die Moschee, die unmittelbar hinter dem Hauptportal errichtet wurde. Ich entdecke sie auch erst, als ich den Tempel von außen umkreise.

Mittags wird die Hitze unerträglich, ich ziehe mich für zwei Stunden auf mein Zimmer zurück, gehe anschließend zum Swimmingpool des "Winter Palace", einem vornehmen alten Hotelbau mit einem sehr schönen Garten und, von der Terrasse aus, einem exzellenten Blick auf den Nil.

Abends im Museum: Das Luxor-Museum ist um einiges moderner eingerichtet und besser ausgestattet als das Museum in Alexandria, die Beschriftungen hier sind auf arabisch, englisch, französisch und auch deutsch. Doch die zahlreichen Pharaonen-Statuen strahlen kaum Individualität aus, wirken auf Dauer eintönig.. Amüsant ist das Bett von Tut-Ench-Amun, für unsere Begriffe eher das Bett für einen Zwerg mit verkrümmten Rückrat: kaum 1,70 Meter lang, wie eine Banane gebogen, dazu mit einem goldenen Aufsatz, einem "Kopfkissen" - ein wahres Gegenstück zu den imposanten Ausmaßen der Tempel. Wer in einem solchen Bett schlafen mußte, konnte wahrlich kaum alt werden.

Ein Abend am Nil macht klar, warum der Nil als der Vater der Flüsse bezeichnet wird: Die untergehende Sonne setzt ihn in ein mattes Licht, in dem er majestätisch dahinfließt.

Freitag, 11. April 1986: Luxor

Die ganze Nacht über lassen mich die Flöhe in meinem Bett kein Auge zudrücken. Dabei hatte das Hotel auf den ersten Blick einen durchaus sauberen Eindruck gemacht! Um 2.30 Uhr morgens wecke ich den Nachtportier, aber der kann oder will nicht verstehen,um was es mir geht. Schließlich gibt er mir ein Bett in einem anderen Raum - zwar ohne Flöhe, aber dafür ist es angebrochen und wackelt fürchterlich. Ich finde in dieser Nacht keinen Schlaf.

Kurz nach sieben Uhr morgens breche ich mit meinem Führer Mohammed Hassan, einem vielleicht 60jährigen Mann, der mich am Tag zuvor angesprochen hatte, auf die "andere Seite" des Nil, nach Theben-West, auf. An der Anlegestelle der Fähre warten bereits die Esel. Wir nehmen uns zwei Tiere, reiten zunächst in das nahe liegende Bauerndorf, trinken in Mohammeds Haus Tee.

Sein Haus hat zu ebener Erde vielleicht drei Räume, in allen stehen Kanapees. Hühner laufen durch die "Küche". Sieben Kinder hat Mohammed zu versorgen, sechs davon Mädchen, fünf davon müssen noch verheiratet werden. Eine Pilgerreise wie einer seiner Nachbarn konnte sich Mohammed nie leisten. Der Nachbar hat sein Haus nun mit den Bildern von Flugzeugen, Schiffen und Symbolen von Mekka verziert.

Zunächst reiten wir die Hauptstraße entlang, passieren die Memnos-Kolosse, von wo aus man einen guten Blick auf die Berge und die hineingeschlagenen Höhlen hat. Schließlich biegen wir ab nach Medinet Habu, dem Totentempel des Ramses und einiger anderer Pharaonen. Die Anlage dürfte von ihrer Größe her im ursprünglichen Zustand den Luxor-Tempel auf der Ostseite um einiges in den Schatten gestellt haben. 1803 jedenfalls beeindruckte diese Anlage einen gewissen Mr. J. Danny dermaßen, daß er hier seinen Namen mit einer tiefen Eingravierung für die kommenden Generationen verewigen mußte. 1804 und 1818 taten es dann andere Reisende, vermutlich aus dem Vereinigten Königreich von Großbritannien, ihm nach.

Durch eine kahle, staubige Gebirgslandschaft, die aus einer Reisebeschreibung von Karl May stammen könnte, geht es weiter in das Tal der Königinnen, während die Hitze, es ist inzwischen 10 Uhr, anfängt, unerträglich zu werden.

Im Tal der Königinnen besichtige ich zwei oder drei Gräber, darunter das eines Sohnes von Ramses, alle noch mit hervorragend erhaltener Bemalung, wobei meist die ägyptischen Götter Osiris und Iris dargestellt wurden. In einem der Gräber steht sogar noch der Sakrophag, daneben, unter Glas, liegt die Mumie eines Embryos.

Letzte Station an diesem Tag ist das "Tal der Arbeiter" und der daneben liegende, relativ kleine Tempel, den einer der Ptolomäer-Pharaonen erbaut hat.

Das Tal der Arbeiter mit den Resten von kümmerlichen Behausungen hebt sich schon vom Material her von den Tempeln ab. Hier wurde kein Granit oder Alabaster verwendet, hier reichten gebrannte Ziegel und Sandstein, und selbst die nach den Fundamenten erkennbaren "größeren" Räume waren winzig gemessen an den kleinsten Nebenhallen der Tempel. So lebten die namenlosen wirklichen Erbauer des hunderttorigen Theben!

Eine leicht makabre Absonderheit weist der danebenliegende Ptolomäer-Tempel auf: Links vom Eingang, in der äußersten Ecke, ragt eine eingefallene Mumie aus einem Erdloch, kaum noch mehr als ein - leicht beschädigtes - Skelett in seiner tiefbraunen Umhüllung.

Zurück geht es über die Feldwege, an Zuckerrohr- und Getreidefeldern vorbei, und unterwegs begegnen wir einer gemischten Kamel- und Eselskarawane, unterwegs zur Arbeit auf den Feldern. Dem Nil zugewandt ist das Land eine einzige fruchtbare Oase, aber das Dorf, in dem Mohammed Hassan lebt, ist trotzdem äußerst ärmlich. Weil ein einzelner Eselkarren mit seinem Viehfutter die gesamte Straße versperrt, müssen wir auf einen der Höfe ausweichen.

Während Mohammed Hassan schläft, unterhalte ich mich mit seinem einzigen Sohn, einem 15jährigen Schüler, der aber ein hervorragendes Englisch spricht, selber gerne Englischlehrer werden würde. Doch dazu muß er auf die Universität, aber in Südägypten gibt es nur eine, und die in Kairo wird er sich nicht leisten können. Deshalb wird er wohl Polizist werden müssen.

Am Nachmittag wechsele ich das Hotel, ziehe um ins "Savoy", direkt am Nilufer gelegen. Das Hotel ist vergleichbar mit dem "St. Stephano", kostet auch genausoviel, 15 Pfund pro Nacht.

Am Abend fahre ich noch mit der Kalesche hinaus zum Karnak-Tempel, der wohl größten Tempelanlage, die überhaupt auf der Welt existiert. 2000 Jahre wurde an ihr gebaut; jetzt ist sie die Kulisse eines eigenartigen Touristenspektakels, zu dem Abend für Abend hunderte von Reisenden pilgern: den "Son et Lumière".

Weil ich zu spät für die erste Vorstellung komme, versuche ich einen Spaziergang um das Dorf Karnak, eine Ansammlung einfachster Häuser, zum großen Teil ohne Fenster, ein Dorf ohne erkennbare Straßen und Strukturen.

Dann sammeln sich die Touristenscharen vor dem Hauptportal des Karnak-Tempels, eine Musik wie aus einem Monumentalfilm ertönt, das Licht geht kurz aus, eine Stimme spricht ihr Willkommen aus, erklärt, daß man nun angelangt sei im "Haus des Vaters", im Tempel des Gottes Amun.

Die Show ist perfekt gemacht und ergreifend. Die Lichter zeigen auf ein Monument oder eine Statue, die fängt an, ihre jeweilige Geschichte zu erzählen. Die Statue von Ramses II und Ramses III, die Statue des Landvermessers und des Gottes Amun selbst - so geht es durch die ganze Anlage, bis hin zum "Heiligen See", an dem extra erhöhte Tribünen errichtet sind.

Nun kommt der Höhepunkt, an dem gleichsam im Spiel des Lichtes der ganze Tempel seine Geschichte zu erzählen scheint, von der Verehrung des Amun während der ganzen Periode des ägyptischen Reiches, von den Unruhen unter Echnaton, von den Obelisken der Hatschepsut und schließlich vom Untergang des Reiches und ihres obersten Gottes, als die Griechen und später die Römer kamen.

Aber, so der Schluß, Karnak und sein Gott haben Babylon und Ninive, Alexander und Cäsar überstanden, es ist immer noch da, und mehr als ein Ruinenfeld.

Samstag, 12. April 1986: Luxor

Am späten Vormittag sitze ich wieder in der Nil-Fähre, diesmal mit einem anderen Führer, weil ich die Verabredung mit Mohammed Hassan verschlafen habe. Auch mein neuer Führer kommt aus dem kleinen Dorf gegenüber von Luxor, er sagt, er sei der Neffe von Mohammed. Jedenfalls scheint er ihn wirklich zu kennen, und er empfiehlt mir für Hurghada auch das gleiche Hotel, was tatsächlich dafür spricht.

An der Anlegestelle steigen wir auf die letzten beiden Esel, die dort noch warten, nehmen zunächst die gleiche Route wie am Vortag, biegen dann allerdings nach Norden ab, passieren ein am Berghang gelegenes winziges Dorf aus einfachen Lehmziegelbauten, erreichen dann den Tempel der Hatschepsut.

In den Reiseführern wird der Totentempel der Pharaonin als eines der Wunder Ägyptens bezeichnet, und er ist wohl tatsächlich der erste oder auch einzige derartige Tempel in diesem Land. Mir scheint ein anderer Vergleich zutreffender, den am Morgen beim Frühstücksgespräch ein Tourist anbrachte: Der Hatschepsut-Tempel erinnert an ein Elektrizitätswerk.

Er ist wirklich ein "modernes" Bauwerk, mit viereckigen statt runden Säulen und selbst die drei Terrassen wirken angesichts seiner Lage vor allem zweckmäßig. Sakral mutet allenfalls die Auffahrtsrampe an, doch auch die läßt sich wahrscheinlich als die zweckmäßigste Bauform erklären.

Vom Hatschepsut-Tempel aus reiten wir zurück durch das Dorf in ein Rasthaus, unmittelbar neben dem Ramsesseum. Sicher war das eine bedeutende Anlage, aber nach dem Erlebnis von Karnak kann sie, verfallen wie sie ist, kaum noch Eindruck machen.

Am späten Nachmittag nehme ich noch einmal die Kalesche nach Karnak: gewaltig der Säulensaal mit seinen wuchtigen, in den Himmel ragenden Steinkolossen, die einst auch ein Dach getragen haben müssen. Neben diesem Säulensaal verblassen alle anderen Monumente des Tempels, vielleicht außer den imposanten Außenmauern und jenen fein gearbeiteten Statuen einer Pharonenfamilie im inneren Teil.

Doch alles in allem, gerade wegen des Heiligen Sees mit dem Restaurant für lärmende Touristen davor: Das Erlebnis von Karnak bei Nacht läßt sich durch eine Besichtigung am Tag nicht aufwiegen.

Sonntag, 13. April 1986: Luxor - Hurghada

Kurz nach sechs Uhr morgens verläßt der Bus Luxor, nimmt die Straße Richtung Norden nach Kena, wo wir etwa um acht Uhr ankommen. Die Fahrt durch das Niltal verläuft ereignislos, und auch von Kena bekommen wir - in diesem Fall Altay, ein türkischer Verkäufer aus Düsseldorf, der sich mit der Ägyptenreise einen Jugendtraum erfüllt, und ich - nicht allzu viel mit. Um neun Uhr soll es weitergehen nach Hurghada, wir verbringen die Wartezeit mit Tee, den ein Mann mit seinem in dem Provinzbusbahnhof errichteten Herd zubereitet.

Das Niltal verlassend nimmt die Landschaft, ziemlich abrupt, eine völlig andere Gestalt an; die arabische Wüste erscheint trostloser noch als andere Wüstenregionen. Von weitem glaubt man ständig, höhere Berge zu sehen; wenn man sich ihnen dann nähert, erweisen sie sich als nichts anderes als unbedeutende felsige Erhebungen, der Stein tausendfach durch die Gluthitze des Tages und die Kühle der Nacht zersprengt. Ansonsten bringt nur die Asphaltstraße Leben hierher: Kein Strauch, nicht einmal das sonst in Wüstengebieten durchaus vorkommende Moosgewächs kommt hier vor.

Hurghada, so heißt es in den Reiseführern, sei ein aufstrebender Badeort. Dafür scheint auch das Touristendorf und das Sheraton, das wir passieren, zu sprechen. Doch der erste Eindruck von Hurghada ist katastrophal. Der Bus hält inmitten einer Neubausiedlung, eine Bande von Schleppern aus den Hotels stürmt den Bus, jeder sagt, dies wäre die letzte Station und man müsse hier aussteigen, wenn man nicht 150 Kilometer weiter in den Norden fahren wolle. Von einem Strand ist weit und breit nichts zu sehen.

Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Der Bus fährt weiter, mit den Schleppern, hält dann im "Zentrum", immer noch eine trostlose Gegend, und wir fragen uns zum Hotel Ramose durch, das uns in Luxor empfohlen wurde.

Nur von dem Strand des "aufstrebenden Badeortes" ist immer noch nichts zu bemerken. Die Einheimischen, die wir fragen, verweisen uns alle in unterschiedliche Richtungen.

Schließlich laufen wir durch eine Ansammlung ärmlicher, aber offensichtlich neuer Häuser, ein wahres Labyrinth, geraten wieder auf die Hauptstraße, gehen an einer Bungalowsiedlung vorbei, gelangen endlich zum Strand: Ein schmaler Streifen, verdreckt mit Teer. Enttäuscht kehren wir zum Hotel zurück.

Am frühen Abend unternehmen wir einen zweiten Ausflug, diesmal an der großen modernen Hauptmoschee vorbei, geraten an eine Straßenkreuzung, entdecken ein Restaurant, das hinter dem winzigen Hafen liegt, an einem Uferstück, das tatsächlich als Strand, wenn auch nur als kleiner, zu bezeichnen ist.

Tröstlicher Ausblick: Selbst in der Abenddämmerung kann man die Erhebungen der vorgelagerten Inseln erkennen.

Montag, 14. April 1986: Hurghada

Die - wenigen - Andenkenbuden von Hurghada verkaufen vor allem eines: ausgestopfte Seeigel, ausgestopfte kleine Haifische, Muscheln. Hurghada ist als Ort trist, absolut uninteressant, und der Strand, der sich noch in erreichbarer Nähe zu dieser Stadt von Neuansiedlern befindet, ist kaum der Rede wert. Und was die Andenkenläden bieten kommt aus dem Meer von nahe gelegenen Korallenriff - unter Mißachtung von allem, was irgendwie mit Artenschutz zu tun hat.

Morgens um 9.30 Uhr sind wir an dem Office, das die Bootsfahrt hinaus zu den Riffen und zur Insel organisiert, zahlen 11 Pfund für die Tour, Tauchermaske, Schnorchel und Schwimmflossen inbegriffen.

Hurghadas Hafen ist in seiner Bedeutungslosigkeit geradezu malerisch. Einige bunt angemalte Fischkutter liegen am Pier, dazu ein etwas verrotteter Frachter, vermutlich schon längst außer Betrieb.

Die Grenzpolizei bereitet Schwierigkeiten: Wir müssen unsere Pässe am Hafen abgeben. Vermutlich fürchtet man, wir könnten das Land illegal verlassen. Wohin eigentlich?

Doch das Meer entschädigt uns für die Unannehmlichkeiten. Das Wasser ist sauber, selbst im tieferen Gewässer kann man noch deutlich den Grund sehen. Bunte, bläulich schimmernde Quallen schwimmen umher; das Meer wechselt ständig, je nach Tiefe, seine Farben von Türkis über Grünlich ins Dunkelblaue. In der Ferne tauchen schwarze Flossen aus dem Wasser auf: keine Haie, dafür aber ein Schwarm Tümmler.

Um die Mittagszeit ankert das Boot an einem Korallenriff, unweit einer dem Festland vorgelagerten kahlen Insel. Zeit zum Schnorcheln: Wir tauchen in eine andere, für mich bisher unbekannte Welt ein.

Das Riff geht bis knapp unter die Wasseroberfläche. Beim Darüberhinwegschnorcheln berührt man ständig seine Auswuchtungen, ein zunächst unangenehmes Gefühl, weil man nicht weiß, was sich in den Höhlungen verbirgt. Immerhin: Weiter tiefer ragen lange spitze Stacheln aus einer kleinen Höhle. Fische gibt es in allen Farben, zum Glück aber nicht auch in allen Größen. Unter mir schwimmt, nur wenige Zentimeter über dem Meeresboden, ein kleiner Rochen, Fischschwärme flüchten sich ins Innere des Korallenriffs.

Ein mittlerer Schock beim Auftauchen: Ich habe mich unter Wasser ein gewaltiges Stück vom Boot entfernt, es sind keine anderen aus unserer Gruppe im Wasser zu sehen. "Kleine Haifische beobachten die Schiffe, ob etwas für sie abfällt", hatte der Kapitän gesagt. Ich schwimme so rasch wie möglich zum Schiff genug, ängstlich zwei Rückenflossen beobachtend - die sich später als die Flossen von Delphinen erweisen.

Nach dem Mittagessen - Fisch mit Reis - verlassen wir das Riff, nehmen Kurs auf die Insel. Zwei strauchähnliche Ansätze von Grün bilden hier den einzigen Kontrast zum gelben Sand und den kahlen Erhebungen. Unmittelbar am Wasser ist der Sand weiß und fein, rieselt durch die Finger.

Auch hier noch einmal die Gelegenheit zum Schnorcheln, aber bei weitem nicht so fantastisch wie auf dem Meer.

Gegen vier Uhr legen wir von der Insel ab, fahren zurück zum Hafen, erleben noch einmal eine Gruppe von Tümmlern, die diesmal genau vor unserem Kutter kreuzen, aber sofort wieder abtauchen. Um 17 Uhr sind wir wieder in Hurghada.

Eine Lektion in ägyptischer Arbeitsweise: Unsere Pässe sind weg! Wir hatten sie dem Organisator der Bootsfahrt gegeben für die Kontrolle bei der Grenzpolizei, doch die Polizei hat sie nicht mehr, weiß auch nicht, wo sie sein könnten. Der Mann vom Boot meint, man habe sie inzwischen in sein Büro gebracht - aber auch dort sind sie nicht. Angeblich seien sie bereits in der Rezeption unseres Hotels. Dort liegen tatsächlich eine ganze Reihe von Pässen, aber nicht unsere. In einer Stunde würde man sie aber wiederhaben, beschwichtigt man uns. Schließlich erfahren wir, das sie in einem anderen Büro gelandet sind, holen sie dort ab. Wie unsere Pässe dort überhaupt hingelangt sind, bleibt aber schleierhaft.

Dienstag, 15. April 1986: Hurghada - Kairo

Wieder eine Lektion in ägyptischem Geschäftssinn: Eine Gruppe amerikanischer Touristen einigt sich mit dem Fahrer eines Minibusses auf einen Preis von 60 Pfund für die Fahrt von Hurghada nach Suez. Die Amerikaner, sechs Leute, fragen uns - jetzt Jürgen und Thomas aus Berlin (wir haben gemeinsame Bekannte, wie wir später noch feststellen) und ich - ob wir mitfahren wollen. Wir sagen ja, steigen ein, aber nun verlangt der Fahrer plötzlich einen neuen Preis, obwohl die 60 Pfund eigentlich für den kompletten Bus vereinbart waren. Die ganze Fahrt durch Hurghada geht die wüste Diskussion, bis wir alle damit drohen, aus dem Bus auszusteigen. Schließlich können wir zu elft - das Gepäck müssen wir zwischen den Beinen stapeln - nach Suez fahren.

Auf der Route entlang des Roten Meeres gibt es ein Nachtfahrverbot, wie alle Reiseführer eindringlich warnen. Den Grund können wir sehr rasch feststellen. Bereits kurz nach Hurghada wird die bis dahin tadellose Straße von großen Schlaglöchern gezeichnet, der der Wagen im Bogen umfahren muß. Selbst vor Suez ist die Straße nicht unbedingt besser, im Gegenteil: Aus den Schlaglöchern werden gewaltige Risse, ganze Streifen sind aus dem Asphalt herausgebrochen. Streckenweise fährt unser Bus der Einfachheit halber gleich ganz neben der Straße.

Die Arabische Wüste bleibt auf etliche Kilometer tot, ein Feld von Steinen, auf dem nicht einmal ein Strauch wächst. Abwechslung für das Auge bieten allenfalls die entfernten Berge, ebenfalls nichts als Sand und kahler Stein. Entlang der Küste weiten sich die Minenfelder, mit Stacheldraht und Schildern mit Totenkopf kenntlich gemacht, aus.

Im Meer ziehen Frachter nach Norden gen Suez oder kommen gerade aus dem Kanal.

Erst kurz vor Suez wachsen wieder Bäume und Sträucher. Die Berge reichen jetzt bis an die Küstenstraße, im Westen sieht man die Küste des Sinai.

Suez selbst ist eine moderne Industriestadt mit ausladenden Trabantensiedlungen, kein Ort, der den Touristen unbedingt zum Verweilen einlädt. Wir nehmen ein Überlandtaxi, zahlen zu dritt zehn Pfund, treten sofort nach unserer Ankunft die Weiterreise nach Kairo an.

Nach Kairo hinein geht es diesmal durch die westlichen Vororte: Eine Hochhaussiedlung neben der anderen, moderne Architektur, überall entstehen neue Wolkenkratzer. Gegen acht Uhr abends beziehen wir unser Hotel in der Innenstadt, genau an der Scharia El-Taab, eine der Hauptschlagadern der Metropole.

Mittwoch, 16. April 1986: Kairo - Sakkara - Memphis - Gizeh - Kairo

Ägyptischer Geschäftssinn kann sich auch anders zeigen. Noch am Abend zuvor hatte ich auf Empfehlung von Altay mit einem Reiseführer, Aschraf Kemal, telefoniert, für diesen Tag eine Fahrt nach Sakkara und Gizeh gebucht, die verlangten 30 Pfund für drei Personen als guten Preis empfunden. Der Bus von Aschraf Kemal holt uns pünktlich ab, und im Bus meint der Reiseleiter dann, daß wir doch eigentlich eine kleine Gruppe seien, er uns deshalb einen Rabatt geben würde, wir nur 25 Pfund bezahlen müßten.

Zuerst geht es zum Kamelmarkt am Rande der Stadt. Es sind bestimmt 200 bis 300 Kamele, die auf dem Gelände auf ihre Käufer warten. Doch das eigentliche Geschäft, so erzählt uns unser Reiseleiter, sei bereits gelaufen; Der Markt beginnt nämlich bereits um fünf Uhr früh, das große Treiben ist schon vorbei.

So bleibt uns nur noch, die verbliebenen Kamele - die meisten von ihnen sollen aus dem Sudan kommen - zu bewundern. Die Tiere sind in der Regel so gefesselt, daß sie sich nur auf drei Beinen humpelnd bewegen können. Doch das wäre für Kamele eine Tortur, weswegen sie geduldig in der Sonne liegen.

Vor den Steinbaracken kauern einige Kamelhändler, eine Greisin zieht am hinteren Ende des Platzes an ihrer Wasserpfeife. Ein Mann treibt seine Kamelherde mit Stockschlägen vom Platz. Die Kamele blöken, stolpern immer wieder, weil die Gangart auf drei Beinen - eines ist hochgebunden - für sie völlig ungewohnt ist.

Kurz vor Gizeh biegen wir nach Süden ab, folgen dem Kanal, an dessen Ufern sich ein ländliches Kairo zeigt: Lehmhütten, auch Ziegelhütten, die einzelnen Siedlungen zu kleinen Dörfern zusammengezogen.

Unser erstes Hauptziel des Tages heißt Sakkara, bekannt durch die Stufenpyramide von Pharao Djoser, die älteste Pyramide überhaupt.

Wie fast überall wird auch hier eifrig restauriert. Diesmal geht es um einen neben der Pyramide gelegenen Tempel, von dem nicht viel mehr als die Sockel der Säulen aufgefunden wurden. Vor 60 Jahren, so erzählt man uns, habe ein Franzose seine Liebe zu diesem Tempel entdeckt, und seit etlichen Jahrzehnten ist er mit seinen ägyptischen Gehilfen bei den Restaurationsarbeiten.

Wir sehen den Franzosen bei seiner Arbeit an einer Säule, wie er sorgsam die Stellen verzeichnet, auf denen dann ein Gehilfe die neuen Stücke mauert. Anschließend werden die herausragenden Kanten Millimeter für Millimeter abgespachtelt. Tatsächlich eine Arbeit für Jahrzehnte!

Die Pyramide selbst ist schon arg zerbröckelt, unmittelbar neben ihr stehend fürchtet man ständig, es könne jeden Moment eine gewaltige Steinlawine herunterprasseln. Aber die Pyramide des Djoser ist noch gut erhalten gemessen an der daneben liegenden Unas-Pyramide, kaum noch mehr als ein Schutthaufen.

Dafür kann das Innere der Unas-Pyramide besichtigt werden: Über eine Hühnerleiter geht es hinab, die Gänge sind kaum mehr als einen Meter hoch, mehrmals passieren wir Stellen, an denen früher bewegliche Steinbrocken Grabräubern den Weg versperrten. Schließlich sind wir in der Totenkammer mit dem Sakrophag aus Alabaster. Die Kammer ist über und über mit Hyrogliephen beschriftet.

Neben der Pyramide gibt es eine "Peep-Show" auf ägyptisch: die Kopie einer Pharaonen-Statue - das Original ist natürlich im Kairoer Museum - steht in einem ummauerten Guckkasten mit zwei Löchern zum Durchschauen, und davor stehen die Touristen Schlange. Dabei bekommen sie hier nicht mehr als den Kopf einer Kopie zu sehen.

Wir fahren zu einem Rasthaus, ich steige auf ein Kamel, reite zur nahe gelegenen Grabstätte des Ti, eines altägyptischen Ministers. Beim Aufsitzen erscheint das Reiten auf einem Kamel noch verhältnismäßig einfach, doch schon bald wird es arg unbequem. Ich sitze schließlich auch wie auf einem Esel, und das zieht in diesem Fall in den Oberschenkeln und im Hintern. Die richtige Art: Man verschränkt die Beine vor dem Sattel über dem Kamelhals.

Trotz dieses Kniffs bin ich noch längst kein geübter Reiter. Wenn das Kamel niederknien soll, muß sich der Reiter im Sattel zurücklehnen. Mich wirft das Kamel trotzdem fast ab.

Das Grab des Ti wird restauriert. Dank Bakschisch darf ich trotzdem hinein - wie jeder andere, der Bakschisch zahlt. Tatsächlich sind bereits einige der Farben neu aufgetragen worden, erscheinen sie wieder in alter Frische.

Ansonsten ist das Grabmal nichts Besonderes. Trotz der vielfältigen Wandbemalung ist es eine Wiederholung der schon gesehenen Grabmale.

Fünf Autominuten von Sakkara entfernt liegt Memphis, die alte Hauptstadt des ersten ägyptischen Reiches. Eine viertel Stunde gibt uns hier unser Fahrer: "Memphis is only a little." Und damit hat er recht. Ein gut angelegter Platz mit einigen Säulenfundamenten, dazu eine kleine Sphinx, und, als Krönung des ganzen, eine gigantische Ramses-Statue, um die herum ein Museum erbaut wurde, alles in einem ordentlichen Park gelegen - das ist alles, was von dem alten Memphis übrig geblieben ist.

Nach dem Lunch geht es zurück Richtung Kairo, nach Gizeh. zu den Pyramiden. Unser Parkplatz wird im Reiseführer als Karawansei bezeichnet, und dieser Ausdruck ist zumindest teilweise zutreffend. Die Kameltreiber warten zu Dutzenden darauf, Touristen aufnehmen zu können, sie zu "Karawanen" zusammenfassen zu können. Der erste Eindruck von Gizeh: Ein Handelsumschlagplatz in Sachen Fremdenverkehr, mit Andenken- und Postkartenverkäufern und natürlich Pferde- und Kamelführern.

In der Cheops-Pyramide ist Rauchen verboten. Darauf macht das Schild am Eingang aufmerksam, und es müssen sich auch alle daran halten. Filmen und fotografieren ist ebenfalls verboten. Trotzdem wird mir die Kamera am Eingang nicht abgenommen. Leider! Sie mit sich herumzuschleppen erweist sich nämlich als äußerst mühsam.

Im Inneren der Pyramide geht es ständig "bergauf", wenn man von einer verhältnismäßig kurzen Strecke, die man wegen der minimalen Höhe des Ganges auch noch in der Hocke zurücklegen muß, einmal absieht. Und "bergauf" geht es auch weiter über eine endlos scheinende "Hühnerleiter", auf der man ständig den zurückströmenden Touristen begegnet. Auf halber Strecke treffen wir einen Mann aus den Dolomiten. Er gibt hier auf, nicht, weil ihm der Weg zu steil wäre, aber weil er in der stickigen Luft und in der Hitze nicht mehr weiterklettern mag.

Endlich sind wir, reichlich durchgeschwitzt, am Ziel: Eine leere Grabkammer mit einem leeren Sakrophag, der Deckel achtlos an der Seite liegend. Eingravierungen erinnern an Pyramiden"forscher" des vorigen Jahrhunderts, aber nicht an die Pharaonen.

Die Cheops-Pyramide 1986: eine alpine Touristenattraktion mit einem mystischen Touch vergangener Pharaonenherrlichkeit.

Schon an der Chefren-Pyramide, nur einige hundert Meter entfernt, läßt der Touristenstrom deutlich nach. Die Pyramide des Chefren ist ja auch um einige Meter niedriger. Die Besichtigung des Inneren ist wegen Restaurierungsarbeiten zwar gerade nicht möglich, aber dafür ist sie zumindest von außen interessanter. Wenigstens an der Spitze der Pyramide hat sich noch die ursprüngliche glatte Verkleidung gehalten, bestehend aus kleinen Ziegeln, die die mächtigen Steinquader bedecken.

Hinter der Chefren-Pyramide, an der kleinsten der drei Gizeh-Pyramiden, ist von Touristen nur noch wenig zu bemerken. Man blickt auf die endlose Wüste, hinter sich die Skyline des modernen Kairo.

Zurück geht es noch einmal an der Sphinx vorbei, wo sich auf dem Vorplatz an der Tribüne für das allabendliche Spektakel der "Son et Lumière" bereits die ersten Touristen versammeln.

Die "Pyramiden-Straße" bietet teilweise immer noch ein Bild der Verwüstung: Das "Pyramiden-Hotel" ist ausgebrannt, zerstörte Fensterscheiben bei den Nachtclubs - Relikte des Polizistenaufstandes vom vergangenen Dezember.

Am Abend schlendern wir durch einige Straßen der Innenstadt: Eine sich vorwärtstoßende Menschenmenge, volle Geschäfte, die noch spät am Abend geöffnet haben - Kairo ist vor allem eine moderne Metropole.

Donnerstag, 17. April 1986: Kairo - Fayum - Kairo

Vor die Oase haben die Götter die Wüste gesetzt.

Pünktlich um acht Uhr werden wir wieder vom Hotel abgeholt, fahren zunächst zur deutschen Botschaft, um für Jürgen und Thomas ein Beglaubigungsschreiben zu besorgen, das sie wegen ihrer verspäteten Anmeldung bei der Fremdenpolizei benötigen.

Die deutsche Botschaft ist ein moderner Zweckbau aus Glas und Stahl, vor dem ägyptische Soldaten in schwarzen Uniformen patrouillieren.

Innen herrscht deutsche Bürokratie: Über eine halbe Stunde dauert es, bis die beiden Briefe - jeweils ein Satz -getippt und unterschrieben sind.

Der Weg nach Fayum führt die Wüstenstraße entlang, eine eintönige Gegend, teilweise mit schnurgerader Straße, die keinerlei Abwechslung bietet.

Dann wechselt das Bild. Felder und Palmenhaine tauchen auf, wir haben die Oase erreicht. Neben vielen Häusern erhebt sich ein merkwürdiger turmartiger Bau: Taubenverschläge. An der Straße stehen Frauen und Kinder, die lebende Hühner oder Enten zum Kauf anbieten.

In einer Ortschaft namens Noris haben wir eine Reifenpanne. Ein Kleinbus voller Touristen muß hier schon eine absonderliche Attraktion sein. Innerhalb weniger Augenblicke sind wir von einer Kinderschar umringt, die neugierig den Bus bestürmt.

Nach der Reparatur geht es zunächst zur Hamra-Pyramide, angeblich einst Mittelpunkt einer großartigen Tempelanlage, von der aber nur noch weniger übriggeblieben ist als von der Pyramide. Wir durchqueren ein Feld voller Erdlöcher, mitunter liegen Knochen herum, angeblich Überreste von Mumien, aber dafür sehen sie mir nun wirklich zu frisch aus.

Die einheimischen Touristenschlepper wissen den Wert ihrer Antiquitäten offensichtlich besser einzuschätzen als die deutschen Bücher: Gerade ein "Führer" bietet hier seine Erklärungen an, ansonsten begeben sich nur die unvermeidlichen Fremdenpolizisten auf Bakschischjagd.

Durch die Stadt El-Fayum zieht sich der Josephskanals, und in der Stadtmitte steht das Wahrzeichen des Distrikts, ein großes Wasserrad, Erinnerung daran, wodurch die Schaffung der Oase überhaupt erst möglich wurde. Doch dieses Wasserrad bleibt auch das einzige, was wir hier zu sehen bekommen.

Die Zeiten haben sich geändert, und El-Fayum macht zumindest in seinem Zentrum den Eindruck einer eher durchschnittlichen Provinzmetropole. Daran ändert auch der Markt voller Lebensmittel, über dem Hauch von Pfefferminzgeruch schwebt, nichts. Doch das Obst ist, selten genug in Ägypten, frisch, die Bananen schmecken süß.

Wir verlassen Fayum Richtung Norden, fahren an Kanälen entlang zu dem nahe gelegenen Salzwassersee, dem einzigen des Landes. Am Ufer bietet sich ein merkwürdiges Bild: Die Fayum zugewandte Seite ist grün, Schilfwuchs noch jenseits der Asphaltstraße, auf der Nordseite dagegen ist alles kahl.

Es tut sich nicht viel an diesem seltenen Naturwunder; nur wenige kleine Boote liegen an der Mole, die Besitzer versuchen, fast immer erfolglos, Touristen zu einer Bootsfahrt zu überreden.

Auf der Rückfahrt der Kontrast von Geschichte und Fortschritt: Am Horizont heben sich die Pyramiden ab, davor reiht sich ein Hochleitungsmast an den anderen. Die Elektrizität hat auch in die Wüste Einzug gehalten.

Freitag, 18. April 1986/Samstag, 19. April 1986: Kairo - Berlin

Eine Szene vom Kairoer Basar, nicht vom Touristen-Basar, sondern von dort, wo die Einheimischen kaufen: Hühner gackern im Käfig, eine Frau kommt, läßt sich mehrere Hühner vorführen, sucht sich drei heraus, feilscht um den Preis, nachdem sie sorgfältig alle Körperteile der lebenden Ware befingert hat. Es folgt die Schlachtung. Der Händler greift sich ein Messer, schneidet von dem ersten Huhn die Kehle an, Blut tropft in die Schale. Das Huhn hat noch genug Kraft fortzuhüpfen, läuft gackernd und blutend über den Platz, doch für seine beiden Leidensgefährten bringt die Flucht nicht einmal einen Zeitaufschub. Ein Gehilfe fängt den Flüchtling ein, die Prozedur wird ohne Unterbrechung fortgesetzt. Schließlich werden die drei Hühner in einen blutverschmierten Bottich geworfen, wo sie allmählich ausbluten sollen.

Während wir den Tatort verlassen, hören wir hinter uns noch das Gepolter und Gegacker der Todgeweihten.

Der Basar von Kairo ist ein Gewirr von kleinen Straßen und Gassen, ohne erkennbare Struktur, durchsetzt von Moscheen und den Überbleibseln der alten Stadtmauer. Nach einigem Suchen finden wir auch den Touristen-Basar.

In einem Geschäft entscheide ich mich für eine Alabastervase. Der Händler verlangt 25 Pfund - alles Handarbeit. Ich biete 15 Pfund, bestehe darauf, daß Maschinen nun einmal viel präziser arbeiten würden. Es folgt die übliche Zeremonie. Der Händler streicht seine Forderung durch, geht herunter, ich streiche auf dem gleichen Stück Papier mein Gebot durch, gehe höher. Schließlich einigen wir uns auf 19 Pfund.

Anschließend geht es in ein anderes Geschäft zum Parfümkauf. Der Händler führt uns allerlei Parfüme vor, träufelt sie auf Arme und Hände, daß schließlich kaum noch eine geruchfreie Stelle bleibt. Ich entscheide mich für "Opium", aber allein für die einzig schön gearbeitete Flasche, ein kleines Stück, das zudem mit einem unschönen Draht "verziert" ist, verlangt er zehn Pfund. So kommt der Kauf doch nicht zustande.

Sein Nachbar ist erfolgreicher mit mir. Die bemalte Flasche bekomme ich umsonst, es wird Tee serviert, und bei neun Pfund - ein Preisnachlaß von vier Pfund - erhalte ich auch das Parfüm.

Am Nachmittag fahren wir zunächst zum Bahnhof, warten auf Ruga, der allerdings nicht erscheint. Anschließend geht es zum Kairo-Tower, dem auf einer Nilinsel gelegenen Aussichtspunkt der Stadt. Das Wetter ist diesig, die Pyramiden liegen im Dunst, aber dafür präsentiert sich entlang des Nilufers Kairo in seiner modernen Pracht.

Am Abend treffen wir zufällig Altay, verbringen die letzten Stunden in der Bar unseres Hotels.

Zum Abschied ein leider nicht untypisches Erlebnis mit der "Ehrlichkeit" der Kairoer Taxifahrer. Der erste Taxifahrer schaltet erst korrekt das Taxameter ein, stellt es dann aus, will für die Tour 15 Pfund. Ich steige aus und zahle gar nichts. Der zweite ist immerhin ehrlicher: Der sagt gleich, daß er das Taxameter gar nicht erst anstellen will.

Mit dem dritten scheine ich mehr Glück zu haben. Zwar steige ich beim Taxameterstand von 44 Piastern zu und ein anderer Fahrgast sitzt bereits im Wagen, aber das scheint mir noch im Rahmen der alltäglichen Gaunereien zu liegen.

Beim Taxameterstand von 2,35 Pfund sind wir am Flughafen, ich halte 2,75 Pfund abgezählt in der Hand, mein letztes Kleingeld, gebe es ihm und bin gerade beim Aussteigen, als der Taxifahrer plötzlich fünf Pfund verlangt. Ich sage ihm, die 40 Piaster wären Bakschisch gewesen, nehme das Geld an mich, lasse ihm nur noch zwei Pfund, steige mit Gepäck aus. Er steigt ebenfalls aus, will nach meinem Gepäck greifen, ich halte es fest, wende mich an einige Umstehende, sage, sie sollten nach der Polizei rufen. Einer der Ägypter, der leidlich Deutsch spricht, behauptet, er wäre Polizist, zeigt mir seinen vermeintlichen Ausweis, offensichtlich ein x-beliebiges Papier, ich erwidere, daß ich ihm kein Wort glaube, verlange, daß wir ins Flughafengebäude gehen, wo es genug Beamte in Uniform gebe.

Ein Mann schaut sich den Taxameterstand an, der Taxifahrer schreit, schimpft, daß er bei der Flughafeneinfahrt ein Pfund gezahlt habe, dann sind es allerdings nur noch 50 Piaster, was ich tatsächlich auch gesehen habe. Wir einigen uns darauf, daß er genau 2,85 erhält und keinen Piaster mehr.

Ich halte eine Zehn-Pfund-Note in der Hand, der Taxifahrer muß mir das Wechselgeld auf den Piaster genau in die Hand abzählen.

Als ich in die Flughafenhalle gehe, höre ich alle Beteiligten noch schimpfen; wer gegen wen und warum interessiert mich nicht mehr. Ich habe mich durchgesetzt.

Kurz nach ein Uhr früh habe ich nach den üblichen Formalitäten die Abfertigung für den Heimflug nach Berlin passiert.

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