Samstag,
27. September 2003: Hurghada – Safaga
Der erste Eindruck von Hurghada,
wenn man die Stadt, vom Flughafen kommend, durchquert: gesichtslose
Neubaukomplexe entlang der Asphaltstraße, Hotels, Appartements, zum Teil recht
luxuriös wirkende Anlagen – aber nichts, was darauf schließen lässt, dass
man sich gerade in Ägypten befindet.
Kurz
vor sechs Uhr früh war unsere Egypt-Air-Maschine auf dem Flughafen von Hurghada
gelandet, und nach unerwartet unkompliziertem Auschecken sitzen wir schon
relativ kurze Zeit später in dem Bus, der uns in das 50 Kilometer weiter südlich
gelegene Safaga bringt. Östlich von uns liegt nun das Rote Meer, im Westen der
kahle Gebirgszug; die Stecke zwischen Hurghada und Safaga scheint wie
ausgestorben. Nicht einmal Ansätze von Grasnarben, auf denen irgendwelche
Weidetiere ein bescheidenes Mahl finden könnten, sind am Rande der Straße zu
entdecken.
Auch
Safaga, das wir etwa um 8.30 Uhr erreichen, wirkt nicht wie das, was man sich
unter einer ägyptischen Hafenstadt oder einem ägyptischen Fischerort
vielleicht vorstellen mag. Wir passieren etliche Rohbauten, Baustellen, an denen
nicht zu erkennen ist, ob hier überhaupt noch weitergebaut wird, und auch unser
Hotel im Südteil von Safaga das „Amira Diver’s Inn“, liegt unmittelbar
gegenüber einer solchen verlassenen Großbaustelle, einem geplanten
Hotelkomplex, dessen Eigentümern aber inzwischen das Geld ausgegangen sein
soll, wie man uns später erzählt.
Der
Hotel-Strand des Amira liegt etwa 500 Meter vom Hotel entfernt, bietet zwar
einige Liegen und Windschutz-Palisaden, ist ansonsten aber vor allem steinig.
Baden geht hier nur mit Badeschuhen.
Am
Nachmittag lassen wir uns vom Hotel-Shuttle zum etwa fünf Kilometer entfernt
liegenden Holiday Inn im Nordteil von Safaga bringen. Der Shuttle kostet, egal,
wie viel Passagiere, komplett zehn ägyptische Pfund (ein Euro hat momentan etwa
sieben Pfund). Das Holiday Inn wie auch das keine hundert Meter entfernt
liegende „Safaga Sharm Hotel“ sind nun echte Strandhotels, bestehend aus
Bungalowkomplexen, Hoteltrakten, Poolbereich und eben vor allem mit Sandstrand,
den man im südlichen Teil von Safaga vergeblich sucht.
Gegenüber
dem Holiday Inn ist dazu auch ein kleiner Basarkomplex entstanden, mit
Andenkengeschäften und einem hübsch gemachten „Andalusischen Kaffee“ –
der mit Kardamom gewürzte türkische Kaffee schmeckt wirklich hervorragend –
im geräumigen Innenhof. Dazu findet man hier auch einige „normale“ Geschäfte,
natürlich auch die vor allem auf Tourismus orientiert, aber eben mit Dingen des
täglichen Bedarfs.
Noch
vor 18 Uhr beginnt die Dämmerung, die die gezackten Berge im rötlichen Licht
schimmern lässt.
Nach
dem Abendessen ist im Amira-Hotel Animationsprogramm mit Bachtanz angesagt. Aber
der ägyptische Rotwein schmeckt unerwartet passabel.
Sonntag, 28. September 2003:
Safaga – Holiday Inn Hotel - Hausriff
Den
Vormittag verbringen wir noch faulenzend am Swimmingpool des Amira, brechen
gegen 12.30 Uhr dann wieder mit dem Shuttle zum Holiday Inn auf, wo wir für 13
Uhr bei zu unserem ersten Tauchgang mit „Duck’s Dive Center“ verabredet
sind.
Dieser
erste Tauchgang führt uns vom Strand an das Hausriff, das wir in sechs Meter
Tiefe betauchen. Um das Riff herum ist der Sandboden allerdings von den vielen
Booten, die hier ständig verkehren und die man teilweise auch unter Wasser noch
hört, ziemlich aufgewühlt, so dass die Sicht nur zwischen fünf und acht
Metern beträgt.
Aber
die hier bläulich schimmernden Korallen halten sich auch in diesem eher
unruhigen Gewässer, und überall zwischen den Korallen halten sich auch die
zahlreich vertretenen „Mördermuscheln“ versteckt, ebenso wie die häufig zu
sehenden schwarzen Seeigel, deren Stacheln eine Lände von vielleicht bis zu 30
Zentimetern erreichen.
Auf
die größte Besonderheit dieses Tauchganges macht uns unser begleitender
Tauchlehrer Eddi aufmerksam: Zwischen den Korallenbänken liegt, halb im Sand
eingegraben, ein möglicherweise über 50 Zentimeter langes bräunliches Wesen
mit der Form eines Krokodils. Tatsächlich handelt es sich um einen sogenannten
Krokodilsfisch, der hier völlig regungslos auf dem Meeresboden verharrt.
Dazu
bekommen wir noch einige Exemplare blauer Arabischer Kaiserfische, einen bräunlichen
Panther-Forellenfisch sowie auch einen gelben Papageienfisch zu Gesicht.
Unser
Tauchgang dauert knapp 40 Minuten und endet, wo er begann: Am Strand.
Um
17.30 Uhr bringt uns der Shuttle vom Tauchcenter zurück zum Amira.
Montag,
29. September 2003: Safaga – Abu Soma Garden – Tobia Kebir
Nach
dem Shuttle von Ducks Dive Center kann man auch die Uhr stellen: Exakt um 8.00
Uhr hält der Wagen vor unserem Hotel, um uns zum Holiday Inn und zu den Booten
zu bringen.
Unser
Boot ist die Diabolo I mit einem guten Dutzend Tauchern an Bord. Unser
Divemaster heißt Mohamed, kommt aus Luxor, hat gerade sein Germanistikstudium
beendet, will noch ein Archäologiestudium absolvieren, dann einmal kombiniert
als Reiseführer und Tauchlehrer arbeiten. Offensichtlich ist das eine
vielversprechendere Laufbahn als eine wissenschaftliche Karriere.
Zunächst
fahren wir nach Norden, an einer lang gestreckten Sandbank oder auch Insel,
Tobia Island genannt, vorbei, eine Wüstenei inmitten des Wassers, ohne einen
einzigen Strauch, erreichen kurz darauf an der Landzunge von Soma Bay unseren
ersten Tauchplatz des Tages, Abu Soma Garden.
Wie
Unterwasserfelsen ragen die einzelnen Korallenblöcke vom Grund fast bis zur
Wasseroberfläche, und Mohammed sagt, dass man hier mitunter auch Delfine sehen
kann.
Nach
dem, was man von der Wasseroberfläche zu sehen bekommt, offensichtlich ein
wunderschöner Tauchplatz – von dem ich bei meinem absoluten
Katastrophentauchtang leider nicht viel mitbekomme.
Nach
dem Sprung vom Boot habe ich zunächst Probleme, überhaupt abzutauchen; mein
Tauchanzug hat trotz meiner zehn Kilo Blei am Gurt wohl immer noch zuviel
Auftrieb. Und obwohl ich es dann doch nach unten schaffe, bleibt die ganze Zeit
über ein ungutes Gefühl.
Trotzdem
hat auch dieser Tauchgang einen absoluten Höhepunkt: In 25 Meter Tiefe
beobachten wir eine braune Riesenmuräne, die mit ihrem mächtigen Kopf aus
einer Höhle herauslugt. Allerdings – warum auch immer – gerate ich an
dieser Stelle in Panik, muss mit Hilfe von Mohammed auftauchen und dann zur
Diabolo zurück schwimmen – was angesichts des Wellenganges kein leichtes
Unterfangen ist.
Etwa
vier Stunden später unternehmen wir bei Tobia Kebir,
nun wieder südlich von Tobia Island, unseren zweiten Tauchgang. Tobia Kebir
besteht aus zwei Korallenbänken, einer größeren und einer kleineren, getrennt
durch einen kleinen Kanal. Über den Korallenbänken schimmert das ansonsten
tiefblaue Meer in fettem Grün.
Mohammed
und ich tauchen vor allem an Innenseite des kleinen Riffs – nach den
Erfahrungen des Vormittags heißt es schließlich erst einmal, ehrgeizigere
Vorhaben zurück zu stellen.
Am
Grund unseres Tauchplatzes erwartet uns Sandboden, weswegen man laut Mohammed
hier auf Stachelrochen und Krokodilfische stoßen kann, von denen ich jedoch
keinen entdecke. Dafür liegen am Boden die Gehäuse großer Muscheln.
Vor
uns erhebt sich das Korallenriff wie eine steile Felswand, an denen sich Schwärme
kleiner Zebrafische tummeln. Wir sehen am Boden ein Pärchen dunkler
Rotfeuerfische, drei gelbe Zitronenbarben und schließlich – das Highlight
dieses Tauchganges – hoch über uns in etwa 30 Meter Entfernung einen
Barrakuda, der aber, wie Mohamed später sagt, nur knapp über einen Meter groß
ist, von unten aber viel gewaltiger wirkt.
Am
Faszinierendsten allerdings ist die Unterwasserlandschaft im Kanal zwischen den
beiden Riffs, der aus der Unterwasserperspektive nun wie ein regelrechter Canyon
erscheint.
Allerdings
endet auch dieser Tauchgang mit einem Missgeschick: Ich habe noch etwa 80 Bahr
in der Flasche, als mich ein plötzlicher Auftrieb doch in einiger Entfernung
vom Boot gegen meinen Willen wieder an die Oberfläche bringt, wieder in einiger
Entfernung vom Boot. Da aber dieser Tauchgang nicht so frustrierend wie der des
Vormittags war, ist dieses Missgeschick zwar ärgerlich, aber verschmerzbar.
Bei
unruhiger See geht es nun zurück zum Holiday Inn Hotel, dessen Anlegestelle wir
etwa gegen 16 Uhr erreichen.
Dienstag, 30. September 2003:
Safaga – Tobia Soraya – Tobia Arba
Allmählich
machen wir Bekanntschaft mit den Tauchplätzen der nördlichen Bucht von Safaga,
rund um Tobia Island. Unser erstes Ziel ist am Vormittag Tobia Soraya,
unmittelbar südlich unseres gestrigen Tauchplatzes Tobia Kebir.
Tobia
Soraya besteht aus mehreren kleinen Riffbänken, die von knapp unter der
Wasseroberfläche bis auf eine Tiefe von ca. 15 Metern abfallen. Schwärme von
Falterfischen und Zebrafischen kreuzen unseren etwa 50minütigen Tauchgang durch
Tobia Soraya, außerdem ein Spiegelfleck-Jungker – und schließlich spürt
Mohamed auch noch einen Tintenfisch in seiner Höhle auf.
Unser
nachmittägliches Tauchziel ist Tobia Arba, auch
„Sieben Säulen“ genant. Wie Säulen stehen hier die Korallenbänke,
aufgeteilt in eine Dreier- und eine Vierer-Gruppe, beieinander. 12 Meter beträgt
die Tauchtiefe – also sind es nicht unbedingt hohe Säulen.
Aber
die Sieben Säulen warten dafür mit einer abwechslungsreichen Fischwelt auf. An
den Riffwänden tummeln sich Schwärme kleiner, roter Fische, Goldfischen
durchaus ähnlich, dazu kommen natürlich die Falterfische und schließlich stoßen
wir auch noch auf einen Blaupunktrochen, der sich aber sofort davon macht.
Außerdem
begegnen wir drei Rotfeuerfischen und entdecken, fast ganz im Sand vergraben und
kaum zu sehen, einen Steinfisch.
Mittwoch, 1. Oktober 2003:
Safaga – Abu Kafan
Heute geht nach Süden, nach Abu
Kafan, einem der am weitesten von der Küste entfernten Riffs. Unser Boot
passiert auf dem Weg dahin Safaga Island, eine ebenso karge Insel wie auch Tobia
Island, aber um etliches größer, nicht nur eine Sandbank, sondern ein Eiland
mit hügeligen Erhebungen und auch einer einsamen Militärstation, aber ebenso
wie Tobia Island ohne einen Baum, eine Palme oder auch nur einen Strauch.
Abu
Kafan, schon von weitem an dem kleinen auf dem Riff gebauten Signalturm
erkennbar, hat fast die Form eines großen Frachters, mit rund 20 Meter tief
liegenden Plateaus – und dann bei einer Riffkante von rund 30 Meter Riffkante
aus steil abfallenden Wänden.
Am
Vormittag betauchen wir das Südplateau. Ungewohnt: Unser Schiff liegt 20 oder
30 Meter von der Riffkante entfernt – und nach dem Sprung ins Wasser ist unter
uns nichts als tiefes Blau. Bis zum Grund sind es immerhin über 150 Meter.
An
den Wänden des Riffs patrouillieren gewaltige Zackenbarsche, über einen halben
Meter lange Flötenfische schwimmen vorbei und eine grünliche Riesenmuräne –
Mohamed schätzt sie auf zwei Meter Länge – schaut aus ihrer Höhle. Alles
scheint hier größer als an den näher am Ufer liegenden Riffs, auch die
zahlreichen Papageien- und Kaiserfische.
Am
Nachmittag geht es am nördlichen Plateau entlang. Wir beobachten viele
Falterfische – und schließlich einen kleinen Steinfisch, der statt zu
schwimmen mit seinen Flossen auf dem Korallenboden entlang robbt, fast, als
versuche er zu laufen.
Auf
der Rückfahrt zum Holiday Inn in Safaga beobachten wir eine Delfinschule. Es
ist gegen 15.30 Uhr – und die Tiere tollen ausgelassen um unser Boot herum,
tauchen an unserer Seite und vollführen tollkühne Sprünge.
Donnerstag, 2. Oktober 2003:
Hurghada – Rotes-Meer-Gebirge – Beduinen-Camp
Gegen 12 Uhr holt uns der
Shuttle-Bus zu unserer Wüstentour in das Gebirge und in ein Beduinenlager ab.
Zunächst geht es aber in das Büro
der Reiseagentur in Hurghada. Schon lange vor der eigentlichen Stadt Hurghada
beginnt das Hotelviertel – wobei die einzelnen Hotels schon selber ihre
eigenen Viertel darstellen. Zumindest an der der Straße zugewandten Seite sind
die mit ihren Namen von „1001 Nacht – „Ali Baba“ oder „Aladin“ –
anzuschauen wie die Lustschlösser eines märchenhaften Orients.
Am Büro der Agentur steigen wir
in einen Landcruiser um, fahren dann zum Sammelpunkt außerhalb Hurghadas.
Dieser Sammelpunkt an einer Straßenkreuzung besteht eigentlich nur aus einer
Verkaufsstation für kalte und heiße Getränke – aber alle Wagen, die zur Wüstensafari
angemeldet sind, müssen hier warten: Von hier ab wird im Konvoi gefahren. Und
dieser Konvoi besteht heute aus gut 15 Wagen, im Schnitt wohl wie unserer mit
zehn Gästen besetzt.
Zu unserem Glück fahren wir an
der Spitze des Konvois, sind also, nachdem wir die Asphaltstraße verlassen
haben, nicht ständig im Staub der anderen Autos eingehüllt. Für den wüstenungeübten
Fahrer wäre hier allerdings nicht einmal eine Piste erkennbar. In dem absolut
flachen, aber harten Boden sind lediglich die Reifenspuren früherer Fahrten zu
sehen.
Unser erster Stop ist an einem
Aussichtspunkt auf einen See zu Füßen des Roten-Meer-Gebirges.
Allerdings: Hier ist kein See. Zwar meint man, auf dem schimmernden Blau sogar
einen Wellengang wahrzunehmen, aber tatsächlich handelt es sich hier lediglich
um eine Fata Morgana.
Das Gebirge selbst beginnt
abrupt: Keine Hügel, keine allmählichen Steigungen – wir bleiben auf dem
absolut flachen Boden nicht wesentlich über Meereshöhe, aber links und rechts
unseres Weges erheben sich plötzlich die steinigen Felsen, einige fast schwarz,
andere aus dunklem, braunen Gestein. Kurz nach der Einfahrt in diese Landschaft
der kahlen Felsen legen wir einen weiteren Aussichtsstop ein. Wir klettern auf
einen der Felsen, und unter uns liegt nun, fast kreisrund und absolut eben, das
Tal, ebenso kahl wie die Berge, die wirken, als seien einfach vom Himmel aus auf
eine Ebene geworfen worden.
Unser Ziel, das Beduinen-Camp,
liegt etwa 35 Kilometer von Hurghada entfernt, und in einem solchen Tal, in dem
wir den Aussichtsstop einlegten.
Rund 200 Menschen, so berichtet
der Guide, der uns hier zugeteilt wird, würden im Camp leben, also nicht viel
mehr, als hier täglich an Besuchern angefahren werden. Anders gesagt: Das
Beduinen-Camp ist praktisch eine Art Museumsdorf, dessen Bewohner ihr Leben voll
und ganz auf den Tourismus eingestellt haben.
Das bedeutet: Hier dürfen alles
und jeder fotografiert werden, die jungen unverheirateten Frauen in ihren
farbenfrohen Gewändern, die verheirateten Frauen in Schwarz und verschleiert,
die Frauen und Mädchen bei der Hausarbeit, zum Beispiel beim Backen des
Fladenbrotes.
Der Teig liegt auf einem runden
Blech über offenem Feuer in einer Grube, und mit Hilfe eines geraden Stocks
wird der Fladen so lange gerollt, bis er zu einem dünnen runden Fladen geworden
ist.
Überall
tollen die Kinder herum, die Kleinsten dabei ständig umschwärmt von den
Fliegen, die sich auf die Gesichter setzen und nicht einmal vertrieben werden.
Die Kinder scheinen mit dieser Form von Belästigung aufzuwachsen – und die
Erwachsenen stören sich nicht daran.
Säuglinge
sind allerdings nicht zu sehen. Bis zu einem Alter von drei Monaten, so erzählt
der Guide, würde – außer den Müttern – niemand die Säuglinge zu Gesicht
bekommen; schließlich könne ein Neugeborenes ja den „Bösen Blick“ haben.
Vor
dem Rundgang durch das Camp geht es nun erst einmal in die Verkaufsstände,
simple Hütten, deren Wände aus einer Art Bast geflochten sind. Verkauft werden
verschiedenste Arten von Steinen, Feuersteine, Korallengestein, hier in den
Bergen gefunden und etliche andere Steine, die, pulverisiert, von den
Beduinenfrauen als Kosmetika genutzt werden, zum Beispiel als Lidschatten.
Nach
einem kurzen Dromedarritt von vielleicht hundert Metern – die Dromedare werden
dabei von Frauen und Kindern, die zu Fuß nebenher laufen, am Zügel geführt
– machen wir uns auf zur Dorfbesichtigung. Di erste Station dabei ist die
winzige Moschee, eigentlich nur aus vier Wänden bestehend, darüber eine
Dachkonstruktion und eine nach Mekka weisende Gebetsnische, innen eigentlich nur
ein kahler Raum von vielleicht etwas mehr als zehn Quadratmetern mit einigen
Teppichen, die auf dem nackten Wüstenboden ausgebreitet wurden. Die simple
Bauweise unterschiedet sich kaum von der Art, in der auch die anderen Steinhütten
der Beduinen errichtet sind, nur, dass man hier noch die Steine mit einer hellgrünen
Farbe übertüncht hat.
Das
ist die eigentliche Überraschung dieses Camps: Die Beduinen des Roten Meeres
errichten keine Zelte, sondern feste Steinhütten, bestehend meist aus zwei Räumen,
einem geschlossenen mit der Türöffnung Richtung Süden, in dem die Familie
wohnt und schläft, daneben einem halb offenen Unterstand für die
verschiedensten Gerätschaften. Um die Hütten herum markieren aufeinander gehäufte
Steine das „Privatgelände“ der jeweiligen Familien.
Die
Ziegen dagegen sind in einem einfachen Holzverschlag untergebracht, die
Dromedare werden auf freiem Feld an einem Stein oder einem Pflock angebunden –
und schließlich verfügt das Dorf oder zumindest einer seiner Bewohner auch über
einen Taubenschlag.
Lebenswichtig
für das ganze Dorf: Ein tief gegrabener ummauerter Brunnen. Gleich daneben hat
man, ebenfalls durch Mauern geschützt, einige junge Bäume angepflanzt.
Etwa
um 17.30 Uhr geht die Sonne unter, legt dabei einen rötlichen Schimmer über
das Gebirge. Die Dämmerung dauert dann keine 20 Minuten. Für die Gäste ist es
nun Zeit, das überwiegend vegetarische Abendessen mit nur einem
- genau pro Gruppe abgezählten – Hackfleischbällchen zu sich zu
nehmen, danach noch eine kurze Folkloreveranstaltung zu bewundern und sich
schließlich auf den Heimweg zu machen.
Unterwegs
machen wir noch einen kurzen Stop, um einen Blick auf den von keiner Wolke und
keinem Dunst getrübten Sternenhimmel zu werfen.
Freitag,
3. Oktober 2003: Safaga – Shab Shear
Das
Riff Shab Shear, unweit von Abu Kafan ebenfalls im südlichen
Teil der Bucht von Safaga gelegen, bietet eine der interessanteren
Unterwasserlandschaften.
Am
Vormittag tauchen wir an der Ostseite des zwei Kilometer langen Riffs zunächst
durch einen etwa zwölf Meter tiefen Kanal zwischen dem eigentlichen Riff und
drei einzelnen Korallenblöcken. Auf dem sandigen Kanalboden haben sich weitere
kleinere Korallen gebildet, denen man teilweise regelrecht beim Atmen zusehen
kann, während sie von Schwärmen kleinerer Fische, zum Beispiel Zebrafischen,
durchdrungen werden. Unter einer dieser Korallen hat sich ein kleiner Rochen
versteckt, dazu gibt es jede Menge Falter- und Papageienfische.
Am
Ende des Kanals muss eine kleine Erhebung überquert werden, danach folgt dann
der Korallengarten. Hier sehen die Korallen aus wie abgerundete Steinblöcke, in
denen die Wellen ihr Muster eingeschliffen haben. Oberhalb des Korallengartens
schwimmen die Zackenbarsche.
Nachmittags
sind wir am westlichen Ende des Riffs, das von der Landschaft her dem Ostteil ähnlich
ist. Auch hier geht es zunächst wieder durch einen Kanal, dessen markanteste
Stelle ein großer Überhang in der Riffwand ist, fast so etwas wie eine offene
Höhle bildend, dazu wachsen hier überall fächerförmige Weichkorallen.
Tabakfalterfische
knabbern an den Korallen, in denen sich zahlreiche Seeigel versteckt halten,
dazu kreuzt ein Spiegelfleckjunkerfisch unseren Weg. Auch hier gibt es wieder am
Ende des Kanals einen Korallengarten.
Samstag,
4. Oktober 2003: Zafarana – Kairo – Giza – Sakkara
Um
Zwei Uhr früh werden wir von unserem Hotel in Safaga abgeholt, um zum
Sammelpunkt der Busse in Hurghada gebracht zu werden. Um Sechs Uhr früh legen
die Busse dann Zafarana eine Pause ein.
Mehr
als die Busstation, einigen Öltürmen und vereinzelten weit verstreuten Wohnblöcken
bekommen wir von der nördlichsten Stadt der Rotes-Meer-Provinz allerdings nicht
zu sehen. Dafür bekommt man nun nach der Pause einen Eindruck von der
Gewaltigkeit des Konvois, der hier die Wüstenstraße passiert. Nach der Pause
wird der Konvoi nämlich neu
zusammen gestellt, 60 Touristenbusse, am vorderen und hinteren Ende der Schlange
von Polizeifahrzeugen bewacht. Ägyptische Reiseleiter sprechen da immer von
Sicherheit und Schutz der Touristen, der aber eigentlich gar nicht mehr
erforderlich sei, weil es inzwischen in Ägypten ja keine Terroristen mehr gebe,
aber dies erwähnen sie schon verdächtig häufig. Tatsächlich muss unser
Auftreten hier für viele Einheimische nicht wie die Vergnügungsfahrt mehrerer
Reisegruppen als vielmehr wie die der Aufmarsch einer Besatzungsarmee wirken.
Durch
die Wüste geht es weiter Richtung Kairo, dessen äußere
Vorläufer und Stadtgrenze – klar erkennbar wieder an der Polizeistation –
wir gegen 10 Uhr erreichen.
Der
äußere Eindruck dieser 17-Millionen-Einwohner-Metropole ist widersprüchlich
und zwiespältig. An den Stadträndern sieht man neue Trabantensiedlungen
entstehen, weit entfernt von jeder städtischen Infrastruktur, und dabei
scheinen die Siedlungen, die bereits näher an der eigentlichen Stadt liegen,
entweder noch nicht fertig oder aber schon wieder im Verfall begriffen zu sein.
Während die oberen Stockwerke noch im Rohbau stehen, nagt an den unteren schon
der Zahn der Zeit
–
und zwischen den Wohnblöcken liegen Ackerflächen, verkehren Eselkarren statt
Autos. Hier scheint sich Kairo nicht entscheiden zu können, ob es Großstadt
oder großes Dorf sein will.
Zu
diesem Bild passt auch, was wir schließlich in Kairos Schwesternstadt Giza
beobachten. Ein weit verbreiteter Irrtum: Die Pyramiden von Gizeh lägen
unmittelbar bei Kairo – und Gizeh sei eben ein Bezirk von Kairo. Tatsächlich
handelt es sich um zwei Städte mit unterschiedlichen Stadtverwaltungen und
unterschiedlichen Autokennzeichen, verbunden nur durch die Nil-Brücken, Kairo
auf der Ostseite des Nil, Giza, wie die Stadt richtig heißt, auf der Westseite.
Und mit seinen fünf Millionen Einwohnern ist Giza immerhin noch vor Alexandria
die zweitgrößte Stadt Ägyptens. In Giza nun führen nur wenige Brücken über
die vom Nil abgeleiteten Kanäle, bringen simple Zugfähren die Menschen von der
einen auf die andere Seite des Ufers.
Wir
fahren durch die Pyramidenstraße, die Hauptstraße von Giza,
Sitz fast aller großen Hotels, erste Straße Ägyptens, die schon im 19.
Jahrhundert voll und ganz asphaltiert wurde, sind kurz darauf auf dem hügeligen
Gelände der Pyramiden selbst.
Auf
dem Plateau einen geeigneten Aussichts- und Fotografierpunkt zu finden, von dem
aus man alle drei Pyramiden, die große des Cheops, die mittlere des Chephren
und schließlich die kleinere des Mykerinus mit ihren drei kleinen
Trabanten-Pyramiden ins Bild bekommt, ist schier aussichtslos. Das liegt natürlich
zunächst vor allem an der Kolossalität der Pyramiden selbst, vor allem der
Cheops- und der Chefren-Pryramide, zum Teil auch an den nach Tausenden zählenden
Besuchern, die hier jeden Tag durchgeschleust werden – aber eben auch an
etlichen modernen Anbauten aus der jüngsten Zeit, wie zum Beispiel einer Bühne
für die hier statt findenden Aida-Aufführungen.
Unser
Pyramiden-Rundgang – korrekter: unsere Pyramiden-Rundfahrt – beginnt an der
Mykerinus-Pyramide, die, stünde sie allein, sicherlich eben so wie die anderen
durch schiere Größe beeindrucken könnte. Im Vergleich zu ihren drei kleineren
„Trabanten“ hat sie ihre Pyramidenform noch gut gehalten, darin der großen
Cheops-Pyramide in nichts nachstehend. Am faszinierendsten scheint mir
allerdings die Chefren-Pyramide: Aus der Nähe fällt der geringe Höhenunterschied
zur Cheops-Pyramide schließlich gar nicht mehr auf – aber dafür verfügt die
Chefren-Pyramide immerhin noch an der Spitze über ihre glatte
Originalverkleidung, vermittelt so noch am ehesten das Bild, wie die Pyramiden
vor 4500 Jahren ausgesehen haben dürften.
Erst
bei unserer Abfahrt zum Tal-Tempel und zur Sphinx erschließt sich der Eindruck,
den das gesamte Plateaus mit seinen Kolossalbauten wohl erwecken sollte: Die
immerhin 52 Meter messende Löwenfigur mit dem Menschenkopf und dem lächelnden
Gesicht wacht über den Hügel mit den Pyramiden. Vom Tal-Tempel aus kann man
die Sphinx näher in Augenschein nehmen, vom Löwenschwanz bis hin zu den
gewaltigen, nach vorne gestreckten Tatzen.
Nach
dem Mittagessen fahren wir weiter zur Stufenpyramide, der Mastaba von Sakkara.
Wir verlassen allmählich den Großraum Kairo-Giza, sehen in der Ferne noch drei
weitere Pyramiden – insgesamt zählt man in Ägypten 97 Pyramiden
unterschiedlicher Größe – und kommen in eine ländlich geprägte Gegend, in
der man ab und an noch einfache aus Lehmschlamm gebaute Hütten unmittelbar an
den Feldern sieht.
Auffällig
hier sind die zahlreichen „Teppich-Schulen“. Dazu erzählt Karima, unsere
Reiseleiterin: Zwar gebe es staatliche Schulen, deren Besuch umsonst wäre, aber
angesichts der Unterbezahlung der Lehrer, deren Anfangsgehalt gerade 200 Ägyptische
Pfund im Monat betrage, würden die Kinder dort nur mangelhaft unterrichtet, da
es die Lehrer nämlich darauf absehen würden, sich durch privat gegebene
Nachhilfestunden einen Zuverdienst zu schaffen. Dazu müssten die Eltern für
Schuluniformen und Schulbücher aufkommen, wäre der Schulbesuch also letztlich
doch nicht kostenlos und für arme Familien nicht mehr erschwinglich. Deshalb würden
sie ihre Kinder lieber in eine Teppich-Schule schicken, wo die Kinder tatsächlich
umsonst zumindest Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, dazu ein Handwerk
erlernen – und vom ersten Tag des Schulbesuchs zwar nicht viel, aber zumindest
etwas Geld für den Unterhalt der Familie hinzu verdienen würden. Natürlich,
so Karima, würde es sich um Kinderarbeit handeln, aber dies, so meint sie, wäre
immer noch besser, als wenn die Kinder gar nichts lernen würden.
Die
Stufenpyramide des Pharaos Djoser, die „Mutter aller Pyramiden“, geplant von
dem Baumeister Imothep etwa um 2650 v.Chr., dürfte wohl der erste Monumentalbau
der Menschheitsgeschichte sein. Und: Auch wenn man hier noch nicht die präzisen
Winkel errechnet hatte, um die vollendete Pyramide zu schaffen, man sich statt
dessen mit Stufen behalf, erhält man hier doch einen klareren Eindruck als in
Giza von der Grundanlage, der allen Pyramidenbauten eigen ist. Unterhalb des Hügels,
auf dem die Pyramide errichtet ist, betritt man die komplett ummauerte Anlage
durch den Tal-Tempel, gelangt dann auf das freie Feld, in dessen Mitte sich die
Pyramide erhebt.
Die
Djoser-Pyramide darf zwar nicht betreten werden, wohl aber die beiden
„Schein-Paläste“, in dem verstorbenen Pharao als Residenzräume dienen
sollten und auch eine Reihe weiterer Grabkammern für die Hofbeamten,
ausgestattet mit Reliefs, die Szenen aus dem Alltagsleben darstellen und früher
Graffiti, mit denen sich hier schon vor Jahrtausenden Besucher – wohl
Touristen wie wir – verewigten.
Dem
Erbauer dieser genialen Anlage wurde hier ein eigenes Denkmal errichtet: Eine gänzlich
zugemauerte Kammer, in der – zu sehen nur durch die kleinen runden Gucklöcher
– eine Statue des Imothep steht.
In
der Ferne sieht man schließlich noch zwei weitere Pyramiden: Die
Knick-Pyramide, die unmittelbare Nachfolgerin der Stufenpyramide, und daneben
dann die „Vollendete Pyramide“, so genannt, weil sie die erste war, bei der
die Erbauer den korrekten Neigungswinkel getroffen haben.
Nach
einer Pause in unserem Hotel in Giza, dem „Djoser Partner“ genau an der
Pyramidenstraße, begeben wir uns auf die „Nile Crystal“, ein Fünf-Sterne-Restaurant-Schiff,
das während des Programms von Bauchtanz, Folklore und vor allem Büfett, über
den Nil kreuzt.
Nicht
nur auf Kairoer Seite gehört das Nil-Ufer ausschließlich den Hochhäusern, den
Luxushotels wie dem Hyatt und dem Sheraton, den Appartementhäusern mit
Eigentumswohnungen, die kaum unter drei Millionen Pfund kosten, die neuen
Prachtbauten, die den Kairo-Turm, vor wenigen Jahren noch Wahrzeichen und
Aussichtspunkt des modernen Kairo, als Zwerg erscheinen lassen.
Sonntag, 5. Oktober 2003:
Memphis – Kairo – Safaga
Wir haben Glück: Unser Bus
erreicht praktisch als erster die – eher spärlichen – Reste von Memphis,
der ersten Hauptstadt Ägyptens.
Dabei ist Memphis kein
Ruinenfeld, sondern eher ein kleiner, überschaubarer archäologischer Park mit
der Alabaster-Sphinx im Zentrum, weit kleiner natürlich als die von Giza, aber
auf ihre Art auch feiner gearbeitet, umgeben von den meist beschädigten
Kapitellen einiger hier ausgegrabener Säulen sowie zwei Ramses-Satuen, eine
etwas kleiner in respektvoller Entfernung an der Seite der Sphinx, die
Kolossalstatue der Sphinx gegenüber in einem eigenen Parkabschnitt, aber
gleichsam Auge in Auge.
Die wirklich große Rames-Statue
befindet sich allerdings – liegend, weil ihr bereits die Beine fehlen – in
dem eigens für sie gebauten immerhin zweistöckigen Museum. Im unteren
Stockwerk kann man einmal um die Statue herumlaufen, sich die Reliefs an ihrer
Seite betrachten, und von oben dann nimmt man die ganze Figur in Augenschein,
wobei vor allem das präzise herausgearbeitete Gesicht des Pharao auffällt.
Die übrigen Funde von Memphis
befinden sich nun im Ägyptischen Museum in
Kairo, unserem nächsten Ziel des Tages.
Der rosarote
britisch-viktorianische Bau im Zentrum der Neustadt scheint zu seinen Öffnungszeiten
ständig von Touristen belagert – und ein beschaulicher Museumsbesuch, bei dem
man minutenlang an einem Exponat verweilt, verbietet sich hier angesichts der
vorbeiziehenden Heerscharen und der laut in allen möglichen Sprachen redenden
Reiseführer.
Der Eingangsbereich des Museums
ist jedenfalls dem Alten Reich, dem Reich der Pyramidenbauten gewidmet. Zu den
Highlights dieses Bereiches zählen sicher eine Alabasterstatue von Pharao
Mykerinus, je eine Göttin zur Rechten und zur Linken, eine nicht einmal
daumengroße Statue von Pharao Cheops – ausgerechnet vom Erbauer der größten
Pyramide ist dies die einzige Statue, die man gefunden hat – und eine absolut
lebensecht wirkende Figur eines sitzenden Schreibers, bekleidet mit einem weißen
Gewand, mit gemalten Augen, die den Betrachter regelrecht anzuschauen scheinen.
Im oberen Stockwerk gehört den
Schätzen des Tut-Ench-Amun ebenfalls ein eigener Bereich, im Mittelpunkt natürlich
die goldene Totenmaske, aber auch mit weniger spektakulären Exponaten aus der
Grabkammer, die aber einiges über das Leben der alten Ägypter verraten,
beispielsweise den goldenen Betten, ausgestattet mit einer ebenfalls goldenen
Kopfstütze, die uns bei unseren heutigen Schlafgewohnheiten als Inbegriff der
Unbequemlichkeit erscheinen muss.
Auch ohne alle Erklärungen und
auch ohne Fachkenntnisse: Seine eigene Faszination übt das Museum auf den
Besucher sicherlich allein durch di schiere Fülle der Ausstellungsstücke aus,
die, scheinbar willkürlich zusammengewürfelt, alles als gewaltiges Antiquitäten-
oder vielleicht sogar Trödelgeschäft erscheinen lasen, nur eben mit dem
Unterschied, dass es hier um gar nicht mehr abschätzbare Werte geht.
Unsere Mittagspause nehmen wir
wieder auf einem Restaurantschiff am Nil, unmittelbar in der Nähe einer der großen
drei Nil-Inseln, brechen dann auf zur Zitadelle und zum Besuch der
Alabastermoschee.
Auf dem Weg dahin passieren wir
die „Stadt der Toten“, eigentlich ein Friedhof
mit Grabkammern, die von der oberhalb verlaufenden Straße aussehen wie
Wohnhäuser – und die auch tatsächlich als Wohnhäuser genutzt werden: Der
Friedhof als Slum. Vereinzelt sieht man eine Wäscheleine oder Kinder in einem
der Höfe, aber beispielsweise etwas wie Spuren einer Stromversorgung sind nicht
zu erkennen. Und, so sagt Karima: Natürlich würden hier auch immer noch
Beerdigungen statt finden.
Die Alabastermoschee auf dem Zitadellenberg,
errichtet zwischen 1830 und 1849, ist in ihrer ganz der Blauen Moschee von
Istanbul nachempfunden – nur, dass hier die Grundmauern eben aus
Alabastergestein bestehen. Der Pavillon im Vorhof allerdings orientiert sich am
europäischen Barock – und auch der hölzerne Uhrturm auf einer der Außenmauern,
ein Geschenk des damaligen französischen Königs, will zu diesem Bild nicht
ganz passen. Dafür hat man aber vom Zitadellenberg wie wohl von keinem anderen
Punkt einen ungetrübten Ausblick auf Kairo.
Für den Basar Khan
El-Khalili bleibt uns nur wenig Zeit, so dass wir uns nur ein kurzes Stück
in die Gassen vorwagen können. So unübersichtlich, wie Kairos größter Basar
aber mitunter geschildert wird, scheint er nicht zu sein: Das, was wir sehen,
ist immerhin eine klar erkennbare Hauptstraße, von der etliche kleinere und
enge Gassen abgehen, und da sich die einzelnen Gewerbe jeweils auf eine Straße
beziehungsweise einige Gassen konzentrieren, kann sich auch der ortsunkundige
Besucher relativ einfach Orientierung verschaffen.
Gegen 17 Uhr treten wir wieder
die Rückfahrt nach Safaga an. Merkwürdig: Von einem Konvoi, der bei der Fahrt
nach Kairo noch als absolut unverzichtbar für die Sicherheit galt, ist nun
nichts mehr zu sehen. Jeder Bus fährt für sich – und kommt auch so ans Ziel.
Montag,
6. Oktober 2003: Safaga
Das Safaga
der Einheimischen liegt etwa vier Kilometer südlich von den letzten Hotels, und
die Fahrt mit dem Sammeltaxi kostet nicht mehr als einen Pfund, vorausgesetzt,
man fragt nicht als Tourist vorher nach dem Preis: Dann wird der Fahrer in der
Regel einen höheren Betrag nennen.
Das alte Safaga besteht im
wesentlichen aus zwei größeren Straßen, einer am Wasser, den Resten des alten
Hafens, wo noch einige Fischerboote vor sich hin dümpeln, dazu die meisten
einfachen Kaffeehäuser zu finden sind, vor denen die Männer auf der Terrasse
sitzen und an ihren Wasserpfeifen rauchen, und landeinwärts, der Geschäftsstraße,
wo sich einige wenige auf Tourismus zielende Andenkengeschäfte zwischen kleinen
Lebensmittelläden, Schuhmachern und Gemüseständen breit machen. Am frühen
Nachmittag herrscht nur wenig Leben in dieser Geschäftsstraße.
Für den Abend haben wir uns mit
einem der Kellner aus unserem Hotel in diesem Teil von Safaga verabredet. Und
nun, gegen 19 Uhr, ist die Basarstraße wirklich belebt – wobei sich die
eigentlichen – männlichen – Menschenmassen gerade in der Moschee am Beginn
der Straße sammeln.
Die Familie unseres Kellners hat
ein kleines Schuhgeschäft, und, weil sie der koptischen Minderheit angehören,
gibt es in ihrem Laden sogar Heiligenbilder. Probleme mit den Nachbarn scheinen
sie wegen ihrer religiösen Überzeugung jedenfalls nicht zu haben.
Dienstag,
7. Oktober 2003: Safaga – Tobia Kebir – Tobia Soraya
Wieder tauchen, diesmal an schon
bekannten Plätzen, vormittags am Riff Tobia Kebir, am Nachmittag dann bei Tobia
Soraya.
Bei Tobia Kebir begegnen uns Füsiliere,
Rotmeerbarben, Barsche und auch ein Blaupunktrochen, bei Tobia Soraya fällt mir
vor allem ein armgroßes Exemplar eines Kaiserfischs auf. Dazu sehen wir eine
lilane Nacktschnecke, sowie jede Menge Papageien- und Falterfische.
Mittwoch,
8. Oktober 2003: Safaga – Abu Kafan
Trotz des nicht unbeträchtlichen
Seeganges geht es heute wieder hinaus zum Riff Abu Kafan. Am Vormittag betauchen
wir das südliche Plateau. Neben einer Nacktschnecke sehen wir dabei wieder Schwärme
blauer Füsiliere, dazu Bürstenfeilfische und Schwarze Schnapper.
Am Nachmittag bekommen wir am
Nordplateau zwei Muränen zu Gesicht, eine silbrige kleine Muräne sowie eine
große blaugraue, die unter einer Koralle lauernd sich gerade einen
vorbeischwimmenden Fisch geschnappt hat. Außerdem entdecken wir einen wohl
armlangen Steinfisch, wie der Korallenuntergrund leicht lila gefärbt, auf den
ersten Blick trotz seiner Größe nicht so ohne weiteres zu erkennen. Besonders
beeindruckend heute: Die etwa einen Meter großen Muscheln, die Schalen
auseinandergeklappt und darauf wartend, dass Nahrhaftes in die Nähe ihres
Schlundes gerät.
Donnerstag,
9. Oktober 2003: Hurghada
Gegen 17 Uhr lassen wir uns von
einem Taxi nach Hurghada, in den neuen Stadtteil Sekalla
bringen. Der ausgehandelte Fahrpreis für die komplette Hin- und Rückfahrt beträgt
70 Pfund, nicht einmal zehn Euro. Für den Fahrer sind das eineinhalb Stunden
Fahrzeit plus die Zeit, in der er in Hurghada auf uns wartet.
Einige wenige Lebensmittelläden,
drei oder vier Kaffeehäuser mit allerdings für ägyptische Verhältnisse
astronomischen Preisen – für die Einheimischen hat die Hauptstraße von
Sekalla, obwohl relativ weit vom Strand entfernt, kaum etwas zu bieten. Fast
alles ist auf die Touristen abgestimmt, von den Restaurants bis zu den
Souvenirshops, wobei hier zumindest die russischen Gäste in der Überzahl zu
sein scheinen. Viele Läden sind auch auf russisch beschriftet.
Freitag,
10. Oktober 2003: Safaga
Die letzten Stunden vor dem
Abflug verbringen wir am Pool des Amira-Hotels.
Der Abflug selbst ist – wie schon andere Flüge auch – wieder man
verschoben worden. Aber uns bringt das immerhin einige Sonnenstunden mehr.
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